Freiwillig 7. Klasse wiederholen?

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Beitrag von maja68 30.11.10 - 00:22 Uhr

Ich hatte heute einen schwierigen Stand bei dem neuen Klassenlehrer meiner Tochter und möchte euch mal um Rat fragen.

Meine Tochter ist 13 Jahre alt und geht in die 8.Klasse einer Hauptschule.
Seit 3 Jahren haben wir die Diagnose Asperger Syndrom. In den letzten Jahren gab es aber dank des Engagements des Klassenlehrers, der sich damit auseinander gesetzt hat und Verständnis aufbrachte keinerlei Probleme. Vor 2 Jahren habe ich auch einen Antrag auf einen Nachteilsausgleich gestellt, da meine Tochter mit dem Schreibtempo nicht ganz nachkommt und für manche Aufgaben einfach etwas mehr Zeit benötigt.

Seit 3 Monaten hat nun meine Tochter einen neuen Klassenlehrer und ihre alte Klasse wurde mit der Paralelklasse zusammen gelegt. Statt 15 Kinder sind nun 31 Kinder in der Klasse und der neue Klassenlehrer kommt mit meiner Tochter gar nicht zurecht. #heul

Heute hat er mich in die Sprechstunde bestellt, um mit mir über die "Verhaltensauffälligkeiten" meiner Tochter zu sprechen. Verdammt er wurde doch von dem "alten Klassenlehrer" mit Literatur überhäuft und es wurde ihm erklärt, warum meine Tochter zu manchen Sachen etwas länger braucht. Darum habe ich doch die Zeitzugabe in dem Nachteilsausgleich beantragt.

Heute dachte ich ich steh im Wald. Da sagt er doch glatt zu mir er halte meine Tochter in dieser Hauptschule nicht gut aufgehoben. (Sie geht nun das 8. Jahr in diese Schule) Sie brauche für alle Sachen zu lange. Sie wäre nicht ausbildungsfähig (dabei hat sie doch noch zwei Schuljahre vor sich in denen sie sich entwickeln kann)

Von anderen Kindern wird sie gemobbt und statt ihr zu helfen lässt sie dieser Lehrer nur stehen und sagt, sie sei groß genug sich selber zu wehren. Dabei merkt sie aufgrund des asperger Autismus oft erst gar nicht wenn sie verarscht wird.
Selbst in sozialen Kompetenztrainings beim Kinderpsychiater ist es nicht gelungen, ihr Strategien beizubringen sich zu wehren, außer den Lehrern Bescheid zu sagen und sie um Hilfe zu bitten. Ich habe mich so gefreut, dass sie nun endlich fähig ist, überhaupt andere Menschen um Hilfe zu bitten und nicht nur in der Ecke herum zu stehen und sich ins Schneckenhaus zurück zu ziehen. Da lässt sie dieser Idiot doch glatt stehen, wenn sie in der Pause Schneebälle ins Gesicht bekommt und heult! #aerger

Ihre Noten sind inzwischen ebenfalls unter aller Sau.
Ich habe diesem neuen Lehrer vorgeschlagen Leute aus dem Team des behandelnden Kinderpsychologen in die Schule zu schicken, die die Situation vor Ort beobachten könnten und dem Lehrer Tipps geben könnten. Da sagt er doch wortwörtlich zu mir für sowas habe er keine Zeit und bei einer Klasse von 31 Kindern könne er nicht auch noch den Therapeuthen spielen. :-[ Der hätte meine Tochter am liebsten von der Schule befördert.
Meine Tochter hätte diesen neuen Lehrer auch am liebsten los. Leider gibt es in diesem Jahrgang keine Parallelklasse mehr und die einzige Möglichkeit besteht darin, freiwillig die 7.Klasse zu wiederholen. Diese Klasse hat momentan nur 17 Kinder. Ich glaube eine Klasse mit weniger Kindern und einem netten positiv eingestelltem Lehrer würde meiner Tochter gut tun. Aber meine Tochter sieht momentan noch nicht ein, ein Jahr länger in die Schule zu gehen, nur wegen diesem Lehrer. Andererseits hat sie momentan schon so schlechte Noten, dass es nicht sicher ist, dass sie diese 8.Klasse bei diesem Lehrer überhaupt schafft.

Ich mache mir inzwischen wirklich Sorgen um die Zukunft meiner Tochter. Sie braucht doch einen Schulabschluss, damit sie später auch mal auf eigenen Beinen stehen kann.
Zuhause haben wir keinerlei Probleme mit ihr und diese Verhaltensauffälligkeiten sind nur in der Schule zu beobachten. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass sie erfolgreich eine Ausbildung machen könnte, in einem kleineren überschauaren Betrieb. Dazu brauche ich aber zunächst erst mal einen Schulabschluss, den ich so mit diesem Lehrer nicht erreichen werde.

Was soll ich nun machen? Ist es gut sie wieder in die 7.Klasse zu stecken?

LG
Maja

Beitrag von tattel 30.11.10 - 07:05 Uhr

Hi,

ich kenne mich mit Asperger nicht aus, aber wenn ihr eh in Behandlung bei einem Kinderpsychologen seid würde ich mit diesem über die Sache sprechen, vielleicht hat er einen Tip.

Alles Gute,

Tanja

Beitrag von susanne85 30.11.10 - 07:07 Uhr

hallo

für mich gibt es da wirklich nur folgende möglichkeiten

a) wiederholen
b) schule wechseln

mach deiner tochter klar, das der lehrer ihr nicht helfen will. das sie in der klasse 2 jahre weiterhin leiden wird..

das es unter ihr eine nette kleine überschaubare klasse gibt. ich würde mich als mutter durchsetzen egal was sie will. sie braucht einen abschluss und zukunft! mit diesem lehrer fährt sie aufs abstellgleis, wo sie anscheinend nicht hingehört!

zur not wechsel komplett die schule!

ich wünsche euch alles gute und liebe. viel glück
susanne

Beitrag von delfinchen 30.11.10 - 07:59 Uhr

Hallo,

eine sehr schwierige Situation.
Der Lehrer scheint nicht bereit zu sein, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, und er schafft es auch nicht, sich über das "Normale" hinaus um sie zu kümmern, was ich aber bei 31 Kindern auch irgendwie ein kleines bisschen nachvollziehen kann.
Warum er allerdings das ANgebot abgelehnt hat, sich von einem Profi Tipps zu holen, verstehe ich nicht, aber ok, ich will auch nicht schlecht über KOllegen reden, die 8. KLasse ist ziemlich voll - zumindest bei uns - mit Betriebpraktika (3 Stück), Bewerbungstrainings, ... .


Aber es geht gar nicht, dass er sie alleine lässt, wenn sie gehänselt wird und das noch nichtmal mitbekommt. Wir hatten auch mal einen solchen Fall an unserer Schule - der Betroffene hat sich in den Pausen immer zum Affen gemacht, die anderen haben sich auf seine Kosten amüsiert und er hat es nicht gemerkt. Die Kollegen haben eingegriffen, aber dennoch konnte der Junge nicht an der Schule bleiben, aber sein Fall war wohl etwas anders geartet als der deiner Tochter, ist ja auch jedes KInd, das diese "Krankheit" hat, anders. .

In deinem Fall würde ich wiederholen lassen - ein SChulwechsel für zwei Jahre scheint mir nicht angemessen, da hat sie grad ein Jahr, sich in der neuen UMgebung einzuleben, ehe das Prüfungsjahr beginnt. Das wird nicht reichen, denke ich.

In der jetzigen Schule kennt sie "Kinder", Lehrer und die Umgebung, weiß sich zurechtzufinden. Allerdings sollte gewährleistet sein, dass die jetzige 7. KLasse auch im nächsten Jahr so klein bleiben wird und nicht wieder zwei Klassen zusammengelegt werden, denn dann hast du dieselbe Situation in grün, nur mit anderen KIndern, die sie noch gar nicht kennt und mit einem Lehrer, von dem nicht klar ist, inwieweit er sich engagieren wird.
Bringe also in Erfahrung, wer die KLasse führen wird, ob es sicher bei einer KLasse unter 22 Kindern bleiben wird. Kontaktiere am besten DU den Lehrer, der die KLasse führen wird. Es ist immer was anderes, ob man als KLassenlehrer von einem Kollegen über Verhaltenauffälligkeiten/ Krankheiten/ .... informiert wird als von den Eltern persönlich. Ich eprsönlich ziehe erstmal die Eltern vor, von den Kollegen kriegt man noch genug gesagt und kriegt auch in den Pausen genug mit.

ALles Liebe und ein gutes nächstres Schuljahr,

delfinchen

Beitrag von maja68 30.11.10 - 17:49 Uhr

Vielen Dank für deine Antworten. Ja dieses Argument mit den 3 Betriebspraktikas kam vom Klassenlehrer meiner Tochter ebenfalls. Aber genau das verstehe ich nicht, was da für den Lehrer so besonders stressig sein soll. Ich habe noch eine Tochter die zwei Jahre älter ist und da hatte ich eher den Eindruck, dass diese 3 Wochen in denen die Klasse in Firmen unter gebracht war für den Lehrer Freizeit war. Zumindest hatte es deren Klassenlehrer sogar noch geschafft nebenbei auf Fortbildung zu gehen, obwohl er eine 8.Klasse zu leiten hatte.

Bei meiner Kleinen hatte ich es mir so gedacht, dass ich mir in der Zeit vom Betriebspraktikum extra Urlaub nehme, sie jeden Morgen hin begleite und wieder abhole. (Unbekannte Wege muss ich immer erst ein paar mal mit ihr abfahren und eintrainieren, bevor sie alleine zurecht kommt, für die Dauer von einer Woche in dem Betrieb lohnt sich der Aufwand nicht)

Im Praktikumsbetrieb selber hat der Lehrer Angst sich zu blamieren. Wortwörtlich hat er zu mir gesagt er fürchte die Firmen würden sich bei ihm beschweren über die Schüler. So ein Quatsch! Für dieses Praktikum sind die Schüler gerade mal 5 Tage in einem Betrieb. Auch Schüler ohne Asperger brechen Praktikas ab und melden sich krank, weil sie keine Lust mehr haben. Da wird nicht über "Verhaltensauffälligkeiten" geredet. In diese Hauptschule gehen Schüler die haben keinen Respekt vor Erwachsenen und verhalten sich unverschämt. Aber da fragt keiner ob die vielleicht ausbildungsfähig sind. Welcher Chef macht das mit? Die Antwort des Lehrers. "Na ja dann werden sie eben wieder rausgeschmissen." Super, eine abgebrochene Lehre wird also eher toleriert. Fällt ja nicht mehr in den Verantwortungsbereich des Lehrers, ist ja nach der Schule. Aber bei meiner Tochter macht er so einen Terz darum.

Ja sie ist schüchtern und traut sich nichts. Sie fragt mehrmals nach bevor sie etwas falsch macht. Ist ja auch ganz logisch, wenn man eine andere Wahrnehmung hat als "normale" Kinder. In der Beziehung ist sie etwas unflexibel. Aber wenn die Tätigkeiten zur Routine geworden sind, dann wird sie sicherer und besticht mit ihren Stärken wie absolute Zuverlässigkeit und extreme Ausdauer. Darin ist sie aufgrund ihrer Behinderung sogar besser als andere Kinder.

Gerade für mich als Mutter wäre es ein extremer Gewinn, meine Tochter mal für ein paar Tage in ein Praktikum in einen Betrieb zu geben. Nur so kann ich doch sehen wo Schwachstellen im Sozialverhalten liegen und woran ich noch mit ihr arbeiten muss und kann, ja welcher Beruf eigentlich für sie geeignet wäre. Genau wie andere Kinder muss auch sie erst einmal eine Vorstellung davon bekommen, welche Stärken und Schwächen sie eigentlich hat und ob ihr Berufswunsch auch ihren Fähigkeiten entgegen kommt oder woran sie noch arbeiten muss.

Ich habe Jahre damit verbracht herauszufinden, was mit meiner Tochter eigentlich los ist, woher diese soziale Unsicherheit und diese schon krankhafte Schüchternheit kommt. Was habe ich mit ihr gelitten, wenn sie zur Lachnummer von Mitschülern geworden ist und sogar des öfteren verhauen wurde. Auch sie hat sich auf dem Pausenhof oft zum Affen gemacht. Sie wollte doch nur Freunde finden, kam aber nicht damit zurecht Mimik und Gestik ihrer Mitschüler richtig zu deuten und konnte mit Redewendungen nichts anfangen. Jetzt hat sie sich an das Schulhaus und den Tagesablauf gewöhnt und nachdem ein Therapeutenteam in der Klasse zum Einsatz kam und den Mitschülern erklärte wie gemein es eigentlich ist einen in der sozialen Wahrnehmung behinderten Menschen so in die Pfanne zu hauen bekam sie sogar Unterstützung von den Klassenkameraden. In der Pause und am Schulweg kommt es zwar immer mal wieder gelegentlich zu Zwischenfällen mit Schülern aus anderen Klassen, wenn irgend ein gelangweites Genie meint, sich auf Kosten meiner Tochter in Pose setzen zu müssen, aber diejenigen die lachen und applaudieren werden weniger und so kommt es inzwischen auch nicht mehr so oft vor.

Auch bei Lehrern gab es früher Tumult. Mit ihrem Zeitgefühl sieht es nicht sonderlich gut aus und sie kann Wichtiges von Unwichtigem oft nicht so gut unterscheiden. Wenn sie das Klassenzimmer wechseln müssen, dann kommt meine Tochter schon mal ziemlich knapp im anderen Klassenzimmer an, weil sie trödelt. Im Grundschulalter wurde sie von Mitschülern verarscht. Da mussten sie noch Hausschuhe anziehen im Klassenzimmer und ein Schulkamerad hat einfach regelmäßig zu ihr gesagt:"Beeil dich sonst fährt der Bus ohne dich!" Na ja, statt das andere Klassenzimmer aufzusuchen ist meine Kleine, die immer die Letzte war, dann ganz eilig zum Bus gerannt und heim gefahren, weil sie dachte die Schule ist aus. Das Ganze ging über einen Zeitraum von 2 Wochen und auch da hat sie schon einen Lehrer zur Weisglut getrieben, weil er meinte er wird verarscht und so blöd könne man doch gar nicht sein. Ein Asperger Kind kann! ;-) Sehr zur Belustigung ihrer Klassenkameraden.
Na ja, darauf hin habe ich mit ihr den Stundenplan auswendig gelernt und habe jeden Abend besprochen welcher Unterricht am nächsten Tag ansteht und wie lange Schule ist. Nur dadurch kam sie von der Verarsche dieses Klassenkameraden los. Sie hatte ihren Plan im Kopf und hat dem Mitschüler nicht mehr zugehört und geglaubt. Ein normales Kind würde das selber merken. Einem Asperger Kind muss man das verbal erklären.
Vom alten Klassenlehrer wurde sie auch schon ein paar mal aus Versehen im Klassenzimmer eingesperrt, weil er dachte alle Schüler seien schon draußen und die Englischlehrerin wartete vergeblich auf sie. Einmal haben dann andere Kinder ihr Klopfen gehört und sie kam verspätet an. Meine Kleine war empört, nicht nur eingesperrt zu werden, sondern auch noch von der Englischlehrerin fürs zu spät Kommen geschimpft zu werden. In ihrem Gerechtigkeitsempfinden hätte die Englischlehrerin mit dem Klassenlehrer schimpfen sollen, denn der ist doch aus ihrer Sicht für ihr zu spät kommen verantwortlich. Dieser machte allerdings alleine ihre Trödelei verantwortlich, weil sie so lange gebraucht habe das Klassenzimmer zu verlassen...:-)
Dann hat sie auch noch eine Lösungsstrategie entwickelt, mit dem Handy die Mama anzurufen (meine Kollegen haben sich halb tot gelacht) und die Mama hat die Schulsekretärin verständigt, dass da ein Kind im Klassenzimmer eingesperrt ist... Na ja, durch solche Aktionen hat meine Tochter einen Ruf beim Lehrerkollegium weg. Heute ist sie schneller geworden aber immer noch langsamer als andere Kinder. Seltsam kann sie immer noch sein. Sie versteht nicht, warum die Hauswirtschaftslehrerin nach der Pause nicht auf sie warten will, wo sie doch erst mal in Seelenruhe am Waschbecken in der Toilette ihre Brille putzt, auf die ihr ein anderes Kind einen Schneeball darauf geworfen hat. Die Lehrerin rennt durchs Schulhaus und sucht sie und die nächste fragt "Ist die etwa schon wieder heimgefahren?" Hallo, diese Aktion ist schon fast 5 Jahre her aber es hat sich im Lehrerkollegium herumgesprochen. Ja dieses Kind ist außergewöhnlich und ihr alter Lehrer sah es nach 20 Dienstjahren sogar als Bereicherung seines Lehrerdaseins, von ihr überrascht zu werden.
Ich habe ja immer wieder mit ihr geredet und es wurde auch verhaltenstherapheutisch mit ihr gearbeitet, damit sie sich immer besser anpassen kann und sich zurecht findet. Wir haben ihr erklärt, warum sie anders ist als die meisten anderen Kinder und dass Manches, was aus ihrer Sicht logisch und selbstverständlich ist auf andere belustigend, ärgerlich oder störend wirkt. Darum fragt sie natürlich jetzt die Lehrer Dinge, die selbstverständlich für diese sind und wirkt dadurch komisch und teilweise unreif. Doch je besser sie die Welt von "Normalos" versteht umso weniger muss sie fragen.

Es könnte eigentlich ganz gut funktionieren, wenn der neue Lehrer sich mit dieser Problematik befassen würde, meine Tochter so akzeptieren würde wie sie ist, und sich mit mir austauschen würde. Seine Beobachtungen sind Gold wert für mich. Stattdessen schielt er nur nach Negativem.
Er traut sich nicht, meine Tochter in ein Berufsbildungswerk mitzunehmen, aus Angst, dass sie sich verlaufen könnte. Na ja, sie hat Probleme mit der Orientierung und wenn sie irgendwo verträumt stehen bleibt und niemanden mehr sieht dann kann sie schon mal verloren gehen.

Vor zwei Jahren bei einem Schulausflug ließ der Lehrer seine Schüler in Gruppen in ein Kaufhaus und hat als Treffpunkt den Bus ausgemacht. Meine Tochter stand immer noch vor einem Regal und hat nicht mitbekommen, dass ihre Mitschüler den Laden verlassen haben. Plötzlich war niemand mehr da und mein Kind hat sich gewundert, warum der Lehrer sich wutentbrannt nach 30 Minuten Suche auf sie gestürzt hat.
Die lieben Mitschüler hätten ja mal sagen können, dass sie zum Bus gehen. Seit diesem Vorfall hatte der alte Klassenlehrer ihre Handynummer in sein Handy eingespeichert und mit etwas Rücksicht auf schwächere und langsamere Gruppenmitglieder sind auch Ausflüge ohne Weiteres möglich.
Da stellt sich dieser neue Lehrer vor mich hin und meint:" Alles was unbekannt und neu ist bereitet dem Kind Probleme!" Was ist denn mit ihm? Jedes Kind das etwas Unbekanntes und Neues hat bereitet ihm Probleme. Der Unterschied besteht nur darin, dass meine Tochter dank der Therapie nun offen ist, sich auf Unbekanntes und Neues einzulassen. Dieser Lehrer will das nicht. Wie soll das Kind lernen sich auf seinem Planeten zurecht zu finden wenn er voller Panik im Vorfeld schon türmt und nicht mit sich reden lässt? Ich kann mein Kind nicht "Normal" machen und eine spezielle Schule die maßgeschneidert für so hochfunktionelle Autisten ist, die gibt es nicht. Sie sind ja auch auf allen Schularten zu finden und immer fallen sie irgendwie durch ihr Sozialverhalten auf.
Allerdings besteht gerade bei Asperger Autisten eine sehr gute Prognose, dass sie sich mit Hilfe ihrer ausgezeichneten logischen Fähigkeiten und ihrer Intelligenz anpassen lernen und im Erwachsenenalter dann gut zurecht kommen.
Die Idee den Lehrer der 7.Klasse zu kontaktieren hatte ich auch schon. Allerdings weiß ich noch nicht so recht wie ich das anstellen soll und wie ich anfangen soll. Ich habe keine Telefonnummer oder ähnliches, und wenn ich ihm einen Brief ins Fach legen lasse und mich zu seiner Sprechstunde anmelde bekommt es eh das ganze Lehrerkollegium mit.
Ob er sich dieser Herausforderung stellen möchte? - Keine Ahnung. Ich weiß ja nicht welche Horrorgeschichten er von seinen Kollegen bisher gehört hat.
Ich habe nur gehört, dass diese Klasse um jeden Schüler kämpft. Es sind nur 17 Kinder und eine Parallelklasse gibt es nicht. Es besteht eher die Gefahr wenn es noch weniger werden, dass die komplette Klasse ausgelagert wird und auf eine andere Schule geschickt wird. Kinder aus dieser Klasse kennt meine Kleine gar nicht. Sie wären alle neu und ich kann nicht sagen, ob es nicht wieder genauso Startschwierigkeiten gibt wie damals mit den Kindern aus der alten Klasse. Ich müsste auf jeden Fall mit den Therapeuthen reden, wie so ein Übertritt am besten zu machen wäre ohne die Fehler von damals zu wiederholen.
Ich hatte mir auch schon überlegt, vielleicht unseren alten Klassenlehrer erst mal zu kontaktieren und zu fragen, ob er bei seinem Kollegen nicht mal antasten könnte, wie aufgeschlossen der gegenüber "besonderen Kindern" ist.

Auf jeden Fall wäre es schade jetzt nach jahrelangem Bemühen und Erfolgen jetzt kurz vor einem möglichen Schulabschluss mein Kind aufs Abstellgleis zu stellen.

LG
Maja

Beitrag von sneakypie 30.11.10 - 10:21 Uhr

Hallo,

so sehr ich deinen Ärger verstehe - versuch mal bitte, die Position des Lehrers nachzuvollziehen: da sind 31 Kinder in der Klasse, und deine Tochter wird vermutlich nicht die Einzige mit Verhaltensauffälligkeiten oder gesondertem Förderbedarf sein. Es ist in dem Rahmen schon nicht möglich, "gesunde" Kinder individuell zu fördern. Hab dann noch einen oder zwei ADHSler dazwischen, und die Überlastung ist perfekt.
Und auch, wenn er sich über die Besonderheit deiner Tochter belesen hat, ist doch nochmal ein Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie ist der perfekte Umgang mit den Auffälligkeiten deiner Tochter sicherlich, darauf in aller Ruhe einzugehen und sie nicht zu überfordern - in der Praxis ist sie eine von 31, der normale Schulstoff muss durchgezogen werden, zuviel Extrazeit kann auf Kosten der anderen Kinder gehen. Und der Lehrer ist tatsächlich nicht dafür ausgebildet, therapeutische Maßnahmen durchzuführen.

Ist deine Tochter noch in Behandlung? Dann würde ich die Situation mit dem Therapeuten besprechen. Falls auch er es für gut hält, dass deine Tochter die 7. Klasse nochmal macht, kann er es ihr vielleicht auch besser schmackhaft machen. Ggf. kann auch ein gemeinsames Gespräch mit dem Direktor und dem Lehrer helfen, den Lehrer noch einmal für die Schwierigkeiten deiner Tochter zu sensibilisieren. Das ändert natürlich immer noch nichts an den Rahmenbedingungen.

Ich kann absolut nachvollziehen, dass deine Tochter keine Lust hat, die Klasse zu wiederholen. Auf der anderen Seite kräht nach dem Abschluss kein Hahn mehr danach, ob sie ein Jahr länger gebraucht hat. Und die fallende Notentendenz zeigt ja sehr deutlich, dass dein Kind in ihrer derzeitigen Situation nicht glücklich ist. Ein anderer Rahmen (mit nur gut halb so vielen Kindern) kann da wirklich bessere Voraussetzungen für sie bieten.

Alles Gute!

Gruß
Sneak

Beitrag von manavgat 30.11.10 - 11:23 Uhr

Warum willst Du das Kind "bestrafen" dafür, dass die Klasse zu groß und der Lehrer überfordert ist? Es hilft ja auch nix, wenn nächstes Jahr die Klassen wieder zusammengelegt werden - dann geht der Tanz von vorne los.

Mein Vorschlag: in die Parallelklasse oder auf eine andere Schule, eventuell gibt es auch Internate die auf Asperger spezialisiert sind.

Ich wüsste als Lehrer auch nicht, wie ich über 30 Hauptschüler (die sowieso schwierig sind) und dann noch besondere Kinder, von denen Deine Tochter sicher nicht die einzige ist, unterrichten soll. Hinzu kommt: 16 Mitschüler sind für einen Asperger schon gefühlte 15 zuviel. Wie fühlst sie sich mit 30?

Du könntest beim Schulamt eine Zusatzförderkraft beantragen, die in die Klasse kommt und ihr da hilft. In Frankfurt gibt es z. B. Asperger, bei denen rund-um-die-Uhr während der Schulzeit eine Sozialhelfer dabei ist.

Alles Gute

Manavgat