Schulpsychologin lehnt Schreibschwäche ab

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Beitrag von accent 30.11.10 - 10:03 Uhr

Hallo,
ich muss leider etwas weiter ausholen. Beim Sohn einer guten Bekannten wurde von einem unabhängigen Kinderpsychologen und von der Schulpsychologin der Hauptschule eine Schreibschwäche diagnostiziert. Der Bub geht seit September aufs Gymnasium; die Psychologin dieser Schule will die Schreibschwäche aber nicht anerkennen.
Meine Bekannte rief mich vorhin total aufgewühlt an und sagte, ob sie das so hinnehmen muss oder ob es eine Möglichkeit gibt, dagegen vorzugehen.
Leider habe ich nicht die geringste Ahnung, was man da machen kann. Ich hab ihr geraten, mit dieser Frau nochmal ein Gespräch zu suchen; die Gründe der Ablehnung sollte sie schriftlich einfordern.

Wohin könnte man sich denn in so einem Fall wenden? Die Bekannte ist nicht in D geboren und kennt sich noch weniger aus als ich.

Vielleicht ist hier in der großen Runde eine Fachfrau/ein Fachmann, der gute Tipps geben kann. Wäre echt super.

Vielen Dank!
Linda

Beitrag von risala 30.11.10 - 10:31 Uhr

Hi,

unser Sohn hat auch eine diagnostizierte Rechtschreibschwäche. Diese wird auch ab der 3. Klasse bei der Benotung berücksichtigt. Einen entsprechenden Antrag werden wir bei der Schulleitung stellen.

Ich würde Deiner Bekannten raten sich direkt an die Schulleitung zu wenden. Der Junge hat von 2 undabhängigen Psychologen die Diagnose Rechtschreibschwäche bekommen - da wäre mir völlig egal, ob die neue Psychologin das will oder nicht. Wird die Schulleitung nicht tätig, dann würde ich mich an die Schulbehörde wenden.

Und das alles immer mit Zeugen und persönlich! Nach einem Gespräch würde ich auch alles nochmal in ein Protokoll fassen und der Schule zukommen lassen.

Außerdem sollte sie vor einem Termin bei der Schulleitung die SCHRIFTLICHE Begründung für die Ablehnung anfordern.

Gruß
Kim

Beitrag von accent 30.11.10 - 11:45 Uhr

Hallo, Kim,

ist eine "Schreibschwäche" eine Rechtschreibschwäche? Sorry, aber ich kenn mich wirklich absolut nicht aus.
Ich gebe meiner Bekannten Deinen Rat mit der Schulleitung weiter. Wenn die sich stur stellt: Ist der nächste Schritt der Schulrat oder gleich das Kultusministerium?

Ich danke Dir jedenfalls sehr für die Antwort.

LG
Linda

Beitrag von risala 30.11.10 - 11:56 Uhr

Hi,

ich gehe mal davon aus, dass Deine Bekannte eine Rechtschreibschwäche meint. Was anderes würde aus meiner Sicht keinen Sinn machen. Wie der genaue Weg ist, müsste sie einfach nachschauen. Wenn es einen Schulrat gibt, dann dahin, danach die Schulbehörde. Ich würde auch keine weiteren Tests machen lassen - wie oft soll es denn noch diganostiziert werden?

Unser Sohn (erst 2. Klasse) ist seit dem ersten Schuljahr im Förderunterricht Deutsch. Lesen ist auch deutlich besser geworden (er liest zum Glück gerne). Mit etwas Glück können wir die Rechtschreibschwäche auch "behandeln" - derzeit wird er auf eine auditive Wahrnehmungsstörung getestet. Hat er diese, wiessen wir auch, woher seine Probleme kommen und können ihn in der Ergo entsprechend fördern.

Ach so, an unserer Schule wird die Benotung bei einer RS auch mit Förderunterricht ausgesetzt - ist aber eben Grundschule. Wie das auf dem Gym ist, weiß ich nicht.

Gruß
Kim

Beitrag von manavgat 30.11.10 - 11:17 Uhr

Die Anerkennung von Schwierigkeiten hängt meistens mit der Kassenlage zusammen, da die Schule - lt. Schulgesetz - schwachen Schülern eine Förderung geben muss. Hierfür gibt es aber kein Geld.

Es gibt am örtlichen Schulamt auch Psychologen. Ich würde mich mit meinem Kind hier mal ganz blond vorstellen und gar nicht sagen, dass es bereits eine Ablehnung gibt. Mal sehen, was da rauskommt.

Grundsätzlich machen es sich viele Eltern einfach: sie glauben, die Notenbefreiung reicht. Das ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Kinder gefördert werden, so dass sie den Stand der Vergleichsaltersgruppe erreichen. In diesem Fall entfällt der Notenschutz dann.

Gruß

Manavgat

Beitrag von accent 30.11.10 - 11:38 Uhr

Hallo, Manavgat,

erst mal vielen Dank für die Antwort.
Meine Bekannte war ja bei der örtlichen Schulpsychologin; diese hat die Schreibschwäche nicht anerkannt bzw. aberkannt. Sie war ja bereits von einem Psychologen (des SPZ oder so einer ähnlichen Einrichtung - so genau weiß ich es leider nicht) und der Psychologin in der Hauptschule bestätigt. Eine Notenbefreiung gab es nicht. Meine Bekannte hat mir das heute so erklärt: Hätte ihr Sohn in einer Deutschprobe eine 2-, dann wäre es mit Anerkennung seiner Schreibschwäche eine 2+.
Der Sohn meiner Bekannten ist ansonsten schon begabt; sonst hätte der ja die Aufnahme ins Gym nicht geschafft.
Oder habe ich das mit der Förderung falsch verstanden?

Grüße
Linda

Beitrag von manavgat 30.11.10 - 12:18 Uhr

Förderung bedeutet nicht, dass man einfach die Noten anhebt!


du kannst die einzelnen Richtlinien in Hessen auf dem Server vom Kultusministerium nachlesen. Andere Bundesländer bin ich überfragt. Schulrecht ist Landesrecht.

Gruß

manavgat

Beitrag von lisasimpson 30.11.10 - 12:40 Uhr

die frage ist außerdem ob es sich um eine schreibSCHWÄCHE handelt oder um eine STÖRUNG

denn danach richtet sich, wie gebunden die Schule an eine diagnose ist.

lisasimpson

Beitrag von delfinchen 30.11.10 - 13:21 Uhr

so ist es!

Beitrag von delfinchen 30.11.10 - 13:19 Uhr

hallo,

in bayern muss mit dem wechsel an eine witerführende schule - oder alle zwei jahre - die schreibschwäche erneut geprüft werden.
im gegensatz zur schreibstörung - die wird nur zum übertritt erneut getestet.

da man bei einer schwäche von einem vorübergehenden entwicklungsrückstand ausgeht, kann es durchaus sein, dass sich dieser in zwei jahren "verwächst".
die schulpsychologin kann demnach durchaus zu recht die anerkennung der schreibschwäche abgelehnt haben, weil sich seine rechtschreibung schon verbessert hat und der norm entspricht.

um zu sagen, ob sie das zu recht oder unrecht ablehnt, bräuchte man viel mehr infos: diktate, hefteinträge, probearbeiten in den sachfächern, stellungnahme der eltern, stellungnahme des klassenlehrers usw.

wenn er aber wirklich OHNE diesen nachteilsausgleich auf einer zwei steht, dann halte ich es schon für möglich, dass er keine lrs mehr hat.
zudem - zwei ist zwei, ob 2- oder 2+. die zwei steht im zeugnis - da würde ich dann doch lieber auf diesen "zusatz" in der zeugnisbemerkung verzichten, dem ja in der freien wirtschaft oft doch ein "makel" anhaftet, weil viele der ansicht sind: LRS bedeutet "kann nicht lesen, kann nicht schreiben - nehmen wir nicht!".

ich glaube, wenn es um solche noten geht, würde ich kein fass aufmachen, sondern die kirche im dorf lassen. wenn man dann merkt, dass trotz üben seine leistungen im diktat nachlassen, kann man immer noch eine neu-testung in auftrag geben. gerade in der pubertät strukturiert sich das gehirn nochmal um und die leistungen im rechtschreiben können sich eklatant verbesser oder eben verschlechtern (war bei mir auch so, bis zur 7. war jeder aufsatz rot vor rechtschreibfehlern, mit der 8. klasse war das vorbei und ich hatte auf vier seiten vielleicht 2 - 3 fehler).
Daher mein tipp: abwarten, und erst, wenn es schlimmer wird, neu testen lassen. solange soll der junge sich freuen, dass er die deutschnote auch wirklich erreicht hat und sie nicht einem: ".... wurden die leistungen im fach deutsch zurückhaltend gewertet." zu verdanken hat.

liebe grüße und alles gute,
delfinchen



Beitrag von accent 30.11.10 - 13:53 Uhr

Hallo,
erst mal Danke für alle Antworten.
Ich drucke es aus und gebe es der Bekannten, mehr kann ich im Moment nicht tun, weil mir das Hintergrundwissen fehlt.

Ich hab ihr dazu geraten, nochmal mit dem Psychologen des SPZ zu reden und ihm die Sachlage schildern.

Wir wohnen übrigens in Bayern.

Nochmals Danke und Grüße
Linda

Beitrag von patientinxy 30.11.10 - 15:26 Uhr

Hallo,
aufgrund des tollen Bildungsfoerderalismus haengt es auch sehr davon ab, in welchem Bundesland das Kind zur Schule geht. In manchen Laendern kann das bei der Notengebung beruecksichtigt werden (z.B. Hessen?), in manchen wiederrum nicht (z.B. NRW?).
Liebe Gruesse

Beitrag von delfinchen 30.11.10 - 15:49 Uhr

Vor allem hängt es davon ab, ob LRS oder Legasthenie - Dank der völlig dämlichen zur Verfügung stehenden LRS-Tests hätte wohl nahezu jedes Kind LRS, wenn es sich testen lassen würde.
Daher halte ich von LRS auch recht wenig - auch wenn ich einen kleinen Nachteilsausgleich gebe.
Für mich gibt es eigentlich nur Legasthenie, dafür sind die Kriterien wesentlich schärfer und wesentlich besser nachvollziehbar.

LG,
delfinchen