Mein Opa und meine Oma

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von sanaundfinn 30.11.10 - 20:30 Uhr

Hallo zusammen...

...mir geht es zur Zeit gar nicht gut.

Mein Opa ist zwar nicht gestorben, aber im Laufe der Zeit hat seine Demenz ihn so verändert, dass er nun seit letzter Woche in einer geschlossenen neurologisch/psychiatrischen Abteilung ist und von da aus nicht mehr nach Hause darf, sondern auf einen Heimplatz für Menschen mit Demenz und Alzheimer warten muss.
Er ist wahrscheinlich ziemlich unruhig dort gewesen, denn man konnte ihm ansehen, dass sie ihn mit Medikamenten ruhig gestellt haben - er war völlig verändert am Wochenende - die Ärzte und Krankenschwestern haben ihren Auftrag und empfinden ja nicht das, was ich für ihn empfinde. Ich denke immer, wer tagtäglich dieses Elend betreut, der kann irgendwann nur kalt sein und gar nix mehr empfinden außer genervt zu sein. Das ist einer der Gründe, warum ich mir Sorgen mache - wollen die das beste für meinen Opa oder das er einfach nur ruhig ist!?
Dann ist da meine Oma, die wohnt zur Zeit noch mit Hund im Eigenheim (das Haus gehörte schon ihren Eltern), wird es aber verkaufen müssen, weil der Heimplatz so viel kosten wird und die Rente so klein ist - mein Vater würde als das einzige Kind meiner Großeltern mit ca. 500 Euro zur Kasse gebeten werden, er will aber nichts zahlen und deshalb verliert meine Oma nun nicht nur ihren Mann, sondern auch ihr zu Hause und wahrscheinlich auch den Hund, der ihr ein bisschen Trost spendet, denn mit dem kann sie in keine kleine Mietwohnung... der bellt beim kleinsten Geräusch. Eben habe ich mit ihr telefoniert (ich wohne 90 km von ihr entfernt) und konnte ihr weder Rat noch wirklichen Trost spenden.
Sie verliert im Moment wirklich alles! Wenn wir 500 Euro im Monat übrig hätten, dann würde ich das bezahlen, wenn wir Platz genug hätten, dann würde ich wollen, dass meine Oma bei uns wohnt. Ich kann nix tun! Sie kann nix tun!
Ich fühle mich leer und gelähmt...

Ich bin mehr oder weniger bei meinen Großeltern aufgewachsen. Meine Eltern haben beide gearbeitet. Meine Oma hat sich um alles, was mich betraf gekümmert. Ich hatte auch mein Kinderzimmer in deren Wohnbereich (wir haben damals alle unter einem Dach gelebt). Ich habe so viele tolle Dinge mit meinem Opa erlebt und konnte mich auf ihn verlassen und jetzt bleibt zwar sein Körper auf dieser Welt, aber sein Wesen zieht sich immer mehr zurück oder ist schon weg. Zuletzt hat er meine Oma hin und wieder nicht erkannt. Und ich kann nicht für die beiden tun, was sie für mich getan haben. Ich kann ihm nicht helfen und meiner Oma auch nicht.

Ich weiß nicht mehr weiter...

Traurige Grüße,
Sana.

Beitrag von derhimmelmusswarten 30.11.10 - 22:07 Uhr

Wenn dein Vater 500 Euro zahlen muss und dies amtlich festgestellt wird, wird er sich wohl nicht weigern können. Denn dann verdient er genug Geld und es ist ein Unding, dass er seinen Eltern nicht helfen will. Solchen Menschen kann man nur wünschen, dass es ihnen im Alter nicht besser ergeht. Vielleicht kann ja das Haus verkauft werden und deine Oma und dein Opa können zusammen in eine Einrichtung? Es gibt ja auch Häuser, wo es sowohl Bereiche für Leute gibt, die noch relativ fit sind als auch separate Dementen-Bereiche. In unserem Ort gibt es auch viele Leute, die eine "Polin" zu Hause wohnen haben. Aber dafür wird das Geld deiner Oma sicher auch nicht reichen bzw. deinem Opa wäre mit einer Person, die bei ihnen wohnt auch nicht mehr geholfen? hat deine Oma denn für sich auch schon Pflegegeld beantragt? So hat sie monatlich wenigstens etwas mehr Geld. Ich meine Pflegegeld. Also diesen geringen Betrag. Da muss sie keinen Pflegedienst holen, sondern kann mit dem Geld machen was sie will.

Beitrag von sanaundfinn 30.11.10 - 22:52 Uhr

Mein Vater war mit meiner Oma vor einiger Zeit bei einem Anwalt und hat sich ausrechnen lassen, was er im Fall der Fälle bezahlen müsste und da wurde ihm das gesagt - es ist aber noch nichts amtlich festgestellt... mein Opa ist ja gerade erstmal in diesem Krankenhaus und wird auf Medikamente eingestellt. Er wollte nichts einnehmen und auch nicht zum Arzt gehen, solange er noch zu Hause lebte.
Mein Vater sagt, dass er zu seinen Eltern kein besonders gutes Verhältnis hatte (anders als ich) und außerdem müsste er dann seine beiden Pferde verkaufen. Er hat gerade mit seiner neuen Frau ein Haus gekauft und findet es ihr gegenüber dann wahrscheinlich auch nicht so toll, wenn er monatlich so viel Geld abgeben muss.
Ich weiß es auch nicht...
Er wird meine Oma unter Druck setzen das Haus zu verkaufen und sie wird es tun, weil er der einzige ist, der in der Nähe wohnt und ihr nun beim anfallenden Papierkram hilft. (z. B. wurde für meinen Opa bis dato kein Pflegeeinstufung beantragt, obwohl es für meine Oma zuletzt zum 24-Stunden-Job wurde. Mein Opa war nachts besonders unruhig.)
Der Arzt aus dem Krankenhaus wird meinen Opa nicht mehr nach Hause lassen, auch wenn dann noch jemand mit im Haus wohnt - wahrscheinlich würde mein Opa dann auch noch mehr durchdrehen. Er beschuldigt sowieso alle, dass sie in bestehlen - wenn dann auch noch eine fremde Person mit im Haus ist. Ich weiß nicht... und wie du schon schriebst: Das können die sich gar nicht leisten.
Meine Oma ist noch superfit und wäre in einem Heim total fehl am Platz.
Es wird wahrscheinlich so kommen, dass sie das Haus verkauft und sich eine kleine Wohnung sucht. Sie lebt dann so lange von dem Geld das sie für das Haus bekommt, bis es für Miete und Heim verbraucht ist. Danach wird sie wahrscheinlich Hartz4 bekommen und mein Vater wird dann trotzdem irgendwann bezahlen müssen, denn mein Opa ist körperlich total stabil und fit. Das einzige was nicht mehr funktioniert ist sein Gehirn - alles andere wird mit Sicherheit noch sehr alt werden. Er hat immer viel Sport gemacht und war schon immer ein starker Mann...

Und ich habe einfach Schuldgefühle, weil ich nicht mehr in der Nähe wohne und mich um meine drei kleinen Kinder kümmern muss. Eigentlich würde ich gerne für meine Oma den Papierkram erledigen, ein Heim für meinen Opa aussuchen usw.
Oder nach Lösungen suchen, dass sie in ihrem Haus bleiben kann.