An die stillerfahrenden Mamis: Zu wenig Milch, wirklich Ammenmärchen?

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Forum: Stillen & Ernährung

Muttermilch oder Flasche? Was schmeckt kleinen Kindern aufs Brot? Hier könnt ihr Fragen zur Säuglings- und Kleinkindernährung, aber auch zu eurer eigenen Ernährung während der Stillzeit stellen. Unsere Stillberaterin Christina Law-Mclean beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von silbermandel 29.01.11 - 14:44 Uhr

Vorgeschichte/Erklärung:

Es geht um meine Schwägerin. Sie lebt mit meinem Bruder und meinen Eltern in Kroatien auf dem Land.

Vor 8 Tagen ist ihr Sohn auf die Welt gekommen.

Ihr wurde ihr Baby nicht gleich nach der Geburt gegeben zum Anlegen, sonders erst Stunden später. Mir wurde gesagt, daß das so in Kroatien gehandhabt wird.
Auch mein Bruder durfte erst am späten Nachmittag zu ihr und zum Kind (er wurde früh am Morgen geboren)

Schon als meine Schwägerin schwanger war wurde ständig gesagt, sie wolle stillen auf jeden Fall probieren, aber wenn es nicht klappt, dann eben nicht, sie würde jedenfalls ALLES dafür geben usw.

Jetzt hat der Kleine anscheinend zu viel abgenommen, wieviel kann mir meine Mama nicht sagen und sie hat so entzündete Brusnippel, das Blut rauskommt. Und meine Schwägerin würde zu wenig Milch haben.
Und nun würde der Kleine auf Raten der Ortshebamme und des Arztes seit gestern im Wechsel PreMilch bekommen und gestillt werden, aber nur mit der 1 Brust, wo die Brustwarze nicht so entzündet ist. Und die entzündete Brustwarzenbrust pumpt sie ab.

Ich selber habe 11 Monate voll gestillt, stille jetzt noch nachts und mittags und bin Stillbefürworterin.

Ich versuche alle Tipps die ich kenne und aus Erfahrung weiß am Telefon weiterzugeben.
Habe aber das Gefühl, daß meine Ratschläge nur höflich angehört werden, aber machen tun sie es eh anders.

Ist zu wenig Milch haben nun ein Ammenmärchen oder nicht?

Die Frage geht an die stillerfahrenen Mamis.

GLG
Silbermandel

Beitrag von nsd 29.01.11 - 15:20 Uhr

Hi!
Meine Tochter ist um 14 Uhr per KS geboren und ich habe sie ca. 16:30 das erste Mal angelegt. Milcheinschuss kam so 2 Tage später. nach einer Woche hatte ich auf beiden Seiten Krater und blutige Brustwarzen. Ich habe dann ca. 3-4 Wochen Odysee mit Stillhütchen 2 Wochen voll abgepumpt hinter mich gebracht und stille jetzt ohne Hilfsmittel voll. Ich hatte genug Milch (habe noch 630 ml abgepumpte Milch in der Kühltruhe...). Meine Maus hatte bei der Geburt 3680g und ist dann auf 3400g runter. Nach 5 Tagen hatte sie schon wieder ihr Geburtsgewicht erreicht und hat bis jetzt jede Woche ca. 200g zugenommen. Sie hat noch nie Fertigmilch bekommen. Bei den Warzen hat mir die Multilind Heilsalbe von Stada geholfen http://www.multilind.de/multilind/produkte/heilsalbe/
In der Abheilphase habe ich voll abgepumpt, da meine Maus schon immer einen kräftigen Zug hatte und das Abpumpen doch etwas schonender war.
Wenn sie abpumpt empfehle ich eine elektrische Pumpe. Mit der Hand hatte ich in 30 Minuten auf einer Seite 10ml (also ein Witz) und elektrisch hatte ich auf dieser Seite in 10 Minuten so 50ml.
Ich würde während der Pre-Mahlzeit auf jeden Fall noch Abpumpen. In meiner Abpump-Zeit hat meine Hebi gesagt, dass ich ihr die abgepumpte Milch geben soll und falls sie nicht satt wird und keine Milch auf Vorrat mehr da ist, dann den Rest-Hunger mit Pre stillen. Dafür hat sie mir Probepackungen gegeben, aber ich musst zum Glück keins geben. Eigentlich heißt es ja, dass man bei wenig Milch öfters anlegen.

Eine Bekannte hatte zuwenig Milch. Also ihr Junge hat in einer Woche trotz voll stillens kein einziges Gramm zugenommen.

Beitrag von ginni10 29.01.11 - 15:29 Uhr

Stimmt ja!!! Ich habe ja auch 9 Monate lang mit Stillhütchen gestillt!! Aber wegen meines Babys (hatte 3 Wochen lang ein verkürztes Zungenbändchen und dann 9 Monate gebraucht, um es - plötzlich - alleine zu können).
Wie man sowas doch vergisst.

Ich empfehle für alles Medela. Ich habe auch mal Avent probiert, komme da aber nicht mit zurecht. Ich hatte die Diskus-Pumpe, eine elektrische; die kann man sich auch umhängen und rumlaufen, während man pumpt (wenn man überall Gardinen hat ;-))

Beitrag von nsd 29.01.11 - 15:40 Uhr

Oder soweit oben, dass kann keiner reinschauen kann....
Ich hatte von meiner Hebi gebraucht erst die handpumpe von Medela gekauft und habe mir dann die passende Medela elektrische Pumpe in der Apo ausgeliehen. Da habe ich das gleiche Handpumpset dazubekommen und konnte dadurch beide gleichzeitig abpumpen. Konnte zwar nicht rumlaufen, aber ich habe ja nur 10 Minuten abgepumpt...
Meine Hebi schwört auch auf Medela.

Beitrag von ginni10 29.01.11 - 15:24 Uhr

Man sagt, dass 95% der Mamas genügend Milch haben. Man muss die Milchproduktion aber anregen, Zufüttern ist das Gegenteil.

Ich hatte einen Not-Kaiserschnitt und wurde nach der Geburt nochmal operiert, 20 Minuten lang. Da ich noch viel Antibiotikum im Blut hatte, wurde der Kleine mir auch erst bestimmt eine Stunde später angelegt, wenn nicht sogar 2... Meine Milchproduktion wurde durch extra Oxyticin-Hormon angeregt und es hat 4 Tage gedauert, bis der Milcheinschuss kam. Bis dahin habe ich alle 2 Stunden gepumpt, um die Produktion anzuregen.
Mein Sohn hat in 1,5 statt in 4 Tagen 300 Gramm abgenommen und wurde darum auch zugefüttert.

Nach 6 Wochen hatte ich beinahe keine Milch mehr. Warum, weiss ich nicht. Ich habe es aber dank meiner Hebamme wieder hingekriegt:

Fazit:
- alle 2 Stunden abpumpen, ob man die Milch jetzt dem Kind gibt oder nicht, um die Produktion auf Gang zu kriegen
- 3 Liter am Tag trinken (!!!)
- mindestens 2500 Kalorien am Tag, z.B. durch Milch mit Kakao etc zu sich nehmen
- viel Ruhe
- das Kind richtig anlegen (um wunde Brustwarzen und Milchstau zu vermeiden, dabei das Kind, wenn man geübt genug ist, auch in verschiedenen Lagen anlegen, um die ganze Brust ´zu gebrauchen´).

Es gibt aber 5% Frauen, die wirklich nicht genug Milch haben; eine Freundin von mir gehört dazu.
Ansonsten: wenn sie nicht will, will sie halt nicht. Ich bin auch ein Flaschenkind - und völlig normal ... glaube ich ;-)

Alles Liebe,
Ginni

Beitrag von lilly7686 29.01.11 - 15:30 Uhr

Hallo!

Ja, man kann zu wenig Milch haben. Wenn man es so macht, wie deiner Schwägerin empfohlen wurde. Dann hat man nämlich garantiert zu wenig Milch. Und zwar ganz schnell.

Schau mal hier:
http://www.llli.org/Croatia.html
Vielleicht gibts ja da unten jemanden, der deiner Schwägerin helfen kann.

97% aller Frauen können stillen, wenn sie die richtige Unterstützung haben.

Liebe Grüße!

Beitrag von marjatta 29.01.11 - 15:42 Uhr

Also, da hat Deine Schwester wohl die schlechtesten Berater gefunden, die es zum Thema gibt.

Meine Tante ist Kinderärztin. Sie empfiehlt auch die Stillberaterinner der LaLeche Liga, weil die die meiste Erfahrung haben und auch die Helfer für Krisengebiete beraten, in denen Milchersatznahrung aus hygienischen Gründen schon absolut tabu ist.

Grundsätzlich wird Deine Schwägerin genug Milch haben, wenn sie das Baby oft genug anlegt. Dabei kommt es nicht darauf an, ob sie gleich nach der Geburt angelegt haben. Ich habe auch erst 4-6 Stunden später das erste Mal angelegt, weil mein Sohn ein Frühchen war und erst auf Intensiv gebracht wurde.

Generell sollte Deine Schwägerin die PreMilch auf jeden Fall weglassen. Es ist normal, dass sich am Anfang solche Probleme stellen, wenn z.B. das Kind nicht richtig angelegt wird.

Darüber hinaus nehmen viele Kinder in den ersten 8 Tagen erst einmal ab. Sie sollte den Busen kühlen, falls sich eine Entzündung ankündigt und die entzündeten Brustwarzen mit Lanolinsalbe eincremen, jedes Mal direkt nach dem Stillen. Man kann auch Kamillenteebeutel nehmen, diese zum Tee zubereiten und dann anschließend die Teebeutel warm und feucht auf die Brustwarzen legen.

Ansonsten sind die Beraterinnen der LaLeche Liga kostenfrei, weil sie ehrenamtilch arbeiten. Du kannst auf ihrer Internetseite nachsehen, ob Du jemanden z.B. in Deiner Nähe findest. Einfach anrufen und Du bekommst so viel mehr Infos, als man das hier im Forum geben könnte.

Gruß
marjatta

Beitrag von berry26 29.01.11 - 16:08 Uhr

Hi,

natürlich kann jede Frau zu wenig Milch haben aber weit über 90% aller Frauen können genug Milch bilden!

Deine Schwägerin wird mit diesen Ratgebern bald abstillen müssen, wenn sie so weiter macht.

1. Wenn sie wunde BW hat, dann legt sie sehr warscheinlich falsch an oder hat einfach sehr empfindliche BW. Gegen beides kann man etwas tun. Nur Abpumpen ist leider auch nicht die Lösung. Im Notfall könnte man mal 2-3 Tage mit Stillhütchen stillen, wenn es so gar nicht mehr geht. Wichtig ist aber die Ursache zu bekämpfen.

2. Die Abnahme des Sohnes wäre interessant zu wissen. 10% des Geburtsgewicht zu verlieren, gilt als normal. Zudem würde mich interessieren ob sie wirklich nach Bedarf stillt. Oft wird ja zu 2stündigen oder gar noch längeren Stillabständen geraten.

Kurz und knapp. Stillen funktioniert im Grunde nur wenn man einfach nach Bedarf anlegt.
Am besten du empfiehlst ihr eine Stillberaterin. Die LLL arbeitet ja auch in Kroatien.

LG

Judith

Beitrag von silbermandel 29.01.11 - 16:34 Uhr

Hallo Judith,

Danke Dir für Deine Antwort!

Die genaue Gewichtabnahme vom Kleinen wurde mir bis jetzt noch nicht mitgeteilt.
Ich habe Croatia aufgerufen bei der LLL Homepage, da erscheint dann eine Hotmail-E-mail-Adresse.
Diesen Link habe ich an die Familie unten gemailt.
Ich bin der selben Meinung wie Du und die Andreen, die mir bis jetzt geantwortet haben.
Ich habe das auch schon alles mitgeteilt.
Meine Mutter reagiert höflich, aber trotzdem werden die Dinge anders gemacht.
Meine Schwägerin ist doch so tapfer, so toll, es geht aber eben nicht anders, der Kleine darf nicht verhungern, die Brustwarze spritzt Blut raus, offene Wunde usw. Ich weiss, dass meine Mutter da sicher dramatisiert, aber ich kann das eben auch nicht ändern.
Mich persönlich verletzt es langsam sehr, dass auf meine Meinung so wenig Wert gelegt wird.
Mein Mann hat jetzt gemeint, dass ich da sowieso nix erreichen werde, ich solle meine Energie in unsere eigene Familie stecken und das habe ich jetzt auch vor.
Dann soll sie doch die Flasche geben und der Meinung sein, dass sie ja ALLES getan hat fürs Stillen.
Sorry, wenn das jetzt frustriert klingt, ich krieg mich schon wieder ein.
GLG Silbermandel

Beitrag von berry26 29.01.11 - 18:41 Uhr

Ja dein Mann hat warscheinlich recht. Wer eh nicht zuhört, will warscheinlich keine Hilfe und dann ist es besser seine Energie sinnvoller zu nutzen.

Die Probleme deiner Schwägerin sind definitiv lösbar, aber man kann sie ja nicht zwingen.

Keine Sorge.... an deiner Stelle wäre ich warscheinlich auch frustriert.

LG

Judith

Beitrag von silbermandel 30.01.11 - 08:58 Uhr

Danke für Dein Zuspruch und Verständnis, tut mir gut. #danke#herzlich

Beitrag von silbermandel 29.01.11 - 16:35 Uhr

Ich danke Euch für Eure Antworten.#danke
Viele liebe Grüße
Silbermandel

Beitrag von qrupa 29.01.11 - 17:12 Uhr

Hallo

grundsätzlich gibt es das schon dass eine Frau zu wneig M ilch produzieren kann um ihr baby voll zu stillen. Allerdings ist das nur ein sehr kleiner prozentsatz und weit über 90% aller Frauen können voll stillen wenn die Umstände stimmen. Wemnn aber z.B. zu selten oder falsch angelegt wird oder andere unsinnige regeln eingehaltten werden ist es leider oft so, dass auch wenn die Frau theoretisch genug MIlch bilden kann es nicht zum vollstillen reicht, weil eben die Umstände nicht stimmen.

LG
qrupa