Wer kann mir mal seinen "Fingerfood"-Alltag beschreiben?

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Forum: Stillen & Ernährung

Muttermilch oder Flasche? Was schmeckt kleinen Kindern aufs Brot? Hier könnt ihr Fragen zur Säuglings- und Kleinkindernährung, aber auch zu eurer eigenen Ernährung während der Stillzeit stellen. Unsere Stillberaterin Christina Law-Mclean beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von laboe 31.01.11 - 22:32 Uhr

Darf ich mal fragen, wie das funktioniert? #gruebel Hab da gleich mal mehrere Fragen:

- Wenn die Kleinen noch keine Zähne habe?

- Und wie sieht das mit der Verschluckungsgefahr aus?

- Normalerweise führt man ja immer nur ein Lebensmittel pro Woche ein, um Unverträglichkeiten auszuschließen. Das ginge ja dann gar nicht...
Ich stell mir das jetzt so vor, dass man dem Baby morgens, mittags und abends dann verschiedene Kleinigkeiten hinlegt und die dann wild drauflosprobieren...Oder wie hat man sich das vorzustellen?

Es wäre nett, wenn ihr mal so einen alltäglichen Ablauf beschreiben könntet. Kenne das so nicht und kann es mir nicht so vorstellen. Ich hab meinem Kleinen mal ein Stück Banane in die Hand gedrückt, aber das hat er im Grunde im ganzen Gesicht zermanscht...#gruebel
Bislang bekommt er Mittagsbrei (Gemüse/Fleisch). Aber irgendwie ist er nicht soo der Breiesser. Könnte mir vorstellen, dass er vielleicht so ein Fingerfood-Kandidat sein könnte...


DANKE

Laboe

Beitrag von laboe 31.01.11 - 22:40 Uhr

Achso und: Kann man Brei und Fingerfood als Beikosttechniken mischen oder ist das eher kontraproduktiv?

Beitrag von bine3002 31.01.11 - 22:47 Uhr

Es geht bei der Beikosteinführung im Allgemeinen (also mit Brei oder Fingerfood) eher darum, dass die Kinder BEIkost bekommen. Allzu häufig wird daraus aber eine Art Wettbewerb: Welches Kind isst möglichst schnell so viele "feste" Mahlzeiten wie möglich. Darum geht es aber gar nicht im ersten Jahr: Die Kinder sollen Essen probieren und ihre Erfahrungen damit machen können. Und genau dafür ist Fingerfood ideal.

Man beginnt ganz langsam hier und da mal mit einer Karotte. Daran lutschen die Kleinen bis es ihnen zu langweilig wird. Dann spielen sie vielleicht auch mal damit. Das ist OK. Dann kommt vielleicht hier mal ein Apfelspalt oder eine Birne dazu. Und selbst wenn das Essen überall landet, aber nicht im Mund... genau darum geht es. Der Vorteil beim Fingerfood liegt eindeutig daran, dass das Tempo allein vom Kind bestimmt wird und es von Anfang an selbständig isst. Beim Brei muss halt immer jemand helfen...

Ohne Zähne wird am Essen gelutscht, der Saft rausgesaugt, mit den Lippen etwas abgenagt, die Mundmotorik kann sich gut entwickeln.

Die Verschluckungsgefahr ist mit 6 Monaten ebenso hoch wie mit 3 Jahren. Meine Tochter hat sich mit ca. 1,5 Jahren sehr häufig verschluckt. Scheinbar veränderte sich dabei was, der Kehlkopf ist gewandert oder so. Auch mit 4 hat sie sich mal verschluckt und zwar ziemlich übel. Davor ist man nie sicher, deswegen sollte man die Kinder ja auch bis zum Schulalter möglichst nicht alleine essen lassen, zumindest nichts "hartes".

Fingerfood ist auf jeden Fall die natürlichste Art für ein Menschenkind das Essen zu lernen. "Natürlich" im Sinne von "so wäre es, wenn wir noch im Wald rumrennen würden".



Beitrag von littlelight 31.01.11 - 23:06 Uhr

Huhu Laboe!

Also Zähne brauchen die Knirpse nicht. Sie haben eine harte Kauleiste und können daher ohne Zähne abbeißen und kauen ;-)

Wegen der Verschluckgefahr: Klar verschlucken sie sich am Anfang öfter mal, aber das Alter ist dabei eigentlich total egal. Eine Bekannte hat ihrer Tochter erst spät unpürierte/ungematschte Sachen gegeben (mit einem Jahr glaub ich) und die Kleine hat sich öfter verschluckt. Die Kleinen müssen erst den Umgang mit fester Nahrung lernen, egal ob sie nun 6 Monate oder ein Jahr alt sind.

Bei uns ist das so, dass wir noch viel stillen. Immer wenn ich was esse, bekommt mein Sohn auch was. Somit bekommt er immer zu unseren Essenszeiten feste Nahrung, wobei unsere Zeiten total flexibel sind. Gegessen wird bei uns immer gemeinsam. Zwischendurch wird mein Sohn einfach nach Bedarf gestillt.

Wir haben die Nahrungsmittel auch nicht langsam eingeführt, sondern ihn einfach mitessen lassen. Nach anfänglicher Begeisterung hatte er lange kein Interesse an unserm Essen, dann urplötzlich ging es wunderbar. Man kann aber natürlich langsam einzelne Nahrungsmittel einführen indem man zB eine Woche nur Möhren anbietet und die Woche darauf auch anderes Gemüse, Kartoffeln... etc. Muss man aber gar nicht, weil die Babys ja anfänglich keine Riesenmengen essen und man auch darauf vertrauen kann, dass sie Dinge, die sie nicht vertragen meiden. Mein Neffe hat Laktoseintolleranz und hat noch nie gerne Milch getrunken, sie hat ihm einfach nie geschmeckt, schon bevor bekannt war was er hat. Mein Sohn spuck Brokkolie sofort aus und bricht sogar hinterher! Ich gehe davon aus, dass er es nicht verträgt, es traten aber keine anderen Beschwerden im Zusammenhang mit diesem Gemüse auf.

Nur Mut! Du kannst ja auch langsam beginnen. Reiswaffeln eignen sich für den Anfang sehr gut, mein Sohn liebt die! Sie werden im Mund weich, lassen sich gut greifen, es macht wenig Sauerei. Allerdings gehört das Experimentieren mit der Nahrung dazu, Fingerfood bedeutet eben auch immer, dass man danach (je nach dem was es gab) Kind und Tisch, Stuhl und Boden sauber machen muss.

LG littlelight