? Was sagt ihr zu dieser Aussage:

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von leseratte65 10.02.11 - 13:53 Uhr

Wer trauert, tut sich nur selbst leid, dem Verstorbenen nützt das gar nichts!

Ich möchte mit dieser Aussage niemanden zu nahe treten, wenn möglich begründet eure Antwort.

Danke!

Beitrag von njkroete 10.02.11 - 14:08 Uhr

Hm, wenn man es nüchtern betrachtet, könnte man schon sagen, es ist wahr.
Allerdings finde ich jetzt mal unabhängig davon, daß es dem Verstorbenen nichts mehr nützt, daß man nicht sagen kann, daß Trauer das gleiche ist wie Selbstmitleid. Man tut sich ja nicht selbst leid, weil man jemanden verloren hat, sondern ist eben traurig, daß er nicht mehr da ist- ich denke, das ist schon ein Unterschied.
Und ob es nützt oder nicht- ich persönlich fänd die Vorstellung nicht so schön, wenn ich diese Welt mal verlassen muß und niemand wäre traurig darüber.

LG

Beitrag von njkroete 10.02.11 - 14:10 Uhr

Achja, so rein interessehalber: Wie kommst Du denn zu dieser Aussage? Hat Dir das mal jemand so gesagt, als Du getrauert hast oder ist das einfach Deine persönliche Meinung?

Beitrag von arkti 10.02.11 - 14:14 Uhr

Der Satz ist ja wohl das allerletzte......

Beitrag von blackcelebration 10.02.11 - 14:18 Uhr

Nüchtern betrachtet ist das absolut die Wahrheit.

Warum trauert man denn? Weil man von einem Verstorbenen alleine gelassen wurde, weil der Mensch nicht mehr da ist, weil man sich nciht vorstellen kann ohne diesen Menschen zu leben ....etc.

... weil man sich selber leid tut.

Vor kurzem ist unsere Oma verstorben. Ich war so wütend und verzweifelt. Ich hab unglaublich viel geweint. Allerdings nicht nur um Oma, sondern auch um noch so einiges andere, das sich angestaut hatte. Aber ich weiss: sie hätte diese Trauer nicht gewollt. Sie hätte gewollt, daß wir glücklich sind und weitermachen :-)

Mein Sohn (5) geht mit diesem Tod ganz kindlich um. Uromi ist nun im Himmel bei Gott (hat er aus dem Disney-"Herkules"-Film) Sie könnte auch eine Sternschnuppe sein, aber die kommen ja aus dem Weltall und Omi ist ja nicht so hoch. Sie ist nur in den Wolken bei Gott. Und deswegen kann sie nicht wiederkommen. Klar hat er geweint, aber nur kurz. Ich glaube diese Umgehensweise ist recht schön.

LG

Beitrag von hinterwaeldlerin09 10.02.11 - 14:23 Uhr

Natürlich bemitleidet der Trauernde sich selbst...aber was soll daran schlimm sein? Es ist ein Teil des ganz normalen, gesunden Verarbeitungsprozesses von traurigen Ereignissen, Verlusten, Niederlagen.

Wer sowas kritisiert und abtut, dem sind meist so gesunde Verarbeitungsprozesse bei sich und anderen fremd - mit anderen Worten: ihm fehlt der Zugang zur eigenen emotionalen Welt bzw. - und das ist meiner Meinung nach häufiger - er hat enorme ANGST vor der Kraft der Gefühle bei sich und anderen.

die hinterwäldlerin

Beitrag von karamalz 10.02.11 - 15:12 Uhr

... und wer vor dummheit nicht weiß, wie er den tag rum bekommt, stellt derartige fragen...

Beitrag von antonia0383 10.02.11 - 16:47 Uhr

Als mein Papa gestorben ist, tat ich mir nicht selbst leid, dass er nicht mehr bei mir war.
Nein, meine Trauer basiert/e darauf , dass er mit 59 Jahren sterben musste, dass er so viele Dinge nicht mehr erleben darf, dass er die Dinge die er geliebt hat , nie mehr tun darf.
Mir tat und tut mein Vater leid, er hätte noch so viele Jahre vor sich gehabt, er wollte seinen Lebensabend mit seiner Frau in Spanien verbringen.
Er hat sich, seit Diagnosestellung (Krebs) noch 2 oder 3 Jahre erhofft.
Ihm blieben aber nur noch drei Monate.:-(

Beitrag von butler 10.02.11 - 16:51 Uhr

könnte die kaltschneuzigkeit von jemanden sein den ich in meiner Verwandschaft habe.
Da kam auch: "wozu soll ich die Besuchen, die vergisst das doch sowieso wieder das ich da war."
LG

Beitrag von michi0512 10.02.11 - 17:13 Uhr

Hm.. Trauer als Selbstmitleid abstempeln ist nicht okay.

Aber sollte ich mal versterben... ich würde mir schon wünschen dass meine Lieben nicht all zu traurig sind. Ich habe mal gehört, dass die Seelen der Verstorbenen erst wirklich frei sind, wenn die große Trauer der Hinterbliebenen aufhört. Ich möchte nicht dass jemand Trauert weil es sich eben so gehört ...

Ich möchte auch auf meiner Beerdigung - bzw. Seebestattung das Lied "Death of a Clown" von den Kinks gespielt bekommen :-)

Beitrag von sannchen1968 10.02.11 - 18:24 Uhr

Also,ich finde trauern ist eine sehr gesunde Sache um den Verlust des geliebten Menschen zu verarbeiten!
Dem toten nüzt es nichts,mehr das ist wohl war!!
Aber(wenn man an ein Leben danach glaubt)wollen sie ja auch gar nicht betrauert werden weil der tod eben dazu gehört,so wie das leben zuvor,und auch dannach!
Trotzdem ist TRAUER völlig normal und auch angebracht.Lg.Sanne

Beitrag von maxundjan 10.02.11 - 18:32 Uhr

Ob es dem Verstorbenen noch nützt? Wer weiß das schon?

Wenn man trauert weint man viel (so jedenfalls bei den meisten Leuten). Trauer macht zum Teil körperliche Schmerzen. Wenn man Schmerzen hat weint man..........und na klar tu ich mir dann leid, weils weh tut, körperlich und seelisch.......

anders kann ich es nicht erklären, nur, das es mir oft besser geht, wenn ich wieder "richtig" geweint habe


Und ein bißchen Selbstmitleid steht uns doch allen manchmal zu, oder?


Sandra

Beitrag von susa31 10.02.11 - 18:53 Uhr

und was nützte es dem verstorbenen, wenn man nicht trauert?

jemand, der trauert, hat einen verlust erlitten - der umso schlimmer ist, je mehr liebe im spiel war. da ist es doch völlig legitim, schmerz zu empfinden.

Beitrag von allyl 10.02.11 - 19:31 Uhr

Hi,

dem Verstorbenen nützt wahrscheinlich gar nichts, egal ob man trauert oder nicht.

Dennoch ist die Trauer der Freunde und Angehörigen ganz bestimmt nicht nur Selbstmitleid.

Ein Satz, der bei uns in den letzten Wochen sehr oft gefallen ist, ist: "Er hat so furchtbar gern gelebt". Es macht uns traurig, dass dieses tolle, aufregende, wunderbare Leben viel zu früh zu Ende gegangen ist.

Ich trauere auch um die engste Familie, um die Kinder, die ohne ihren tollen Papa aufwachsen müssen, um seine Frau, die einen wunderbaren Mann verloren hat.

Und ich trauere für mich (da sind wir vielleicht ein bisschen beim Selbstmitleid), weil ich meinen Bruder, meinen Fels, meinen Berater und Freund verloren habe und jetzt ohne ihn zurecht kommen muss.

ABer auch das halte ich für legitim, und irgendwie denke ich, dass es ihn - wenn es denn irgendetwas gibt nach dem Tod - berührt und vielleicht sogar freut zu "sehen", wie sehr sein Umfeld (seine Familie, seine Freunde, seine vielen Bekannten) ihn vermisst.

Gruß,
Ally#klee

Beitrag von sillysilly 10.02.11 - 20:01 Uhr

Hallo


was heißt nützen

ein geliebte Mensch geht

das ist der Abschiedsschmerz
das Los lassen müssen
die erzwungene Trennung

Ich trauere um einen für mich wesentlichen Menschen


es nützt meiner Mutter nichts
aber ich glaube sie würde sich doch ganz schön wundern, wenn ich nach den vielen gemeinsamen Jahren keinen Trennungsschmerz verspüren würde.


Obwohl meine Mutter durch ihren Tod erlöst wurde
ist ihr Fehlen in meinem Leben unheimlich stark

Ich trauere darum, daß sie ihre Enkelkinder nicht aufwachsen sieht,
das sie nicht den ersten Schultag meiner ältesten Tochter erleben darf

Ich trauere darum, daß ich ihr nicht mehr zeigen kann wie sehr ich sie liebe und dankbar bin


--------------------------
und wenn Kinder oder junge Menschen sterben,

dann trauere ich über diese Ungerechtigkeit, daß sie ihr Leben nicht erleben durften

das sie so vieles nicht erleben durften

und ich trauere darüber, daß sie schon gehen mußten


Silly

Beitrag von taenscher 10.02.11 - 20:54 Uhr

so einen mist habe ich schon lange nicht mehr gehört, von wem auch immer diese aussage stammen mag.

kopfschüttelnde grüße



Beitrag von myimmortal1977 10.02.11 - 23:57 Uhr

So was in der Art hat eine ehemalige Arbeitskollegin mir gesagt, als mein Vater 2000 an Krebs gestorben ist. Sie verlor selbst ihren Mann an Krebs.

Sie sagte zu mir, dass Trauer manchmal ein Stück weit egoistisch sei. Sie führte aber weiter aus und danach wußte ich, was sie meinte und sie hatte gar nicht so Unrecht.

Unter dem Aspekt, dass die Krankheit unumgänglich war, ob man sich den Menschen so, wie er die letzten Monate/Wochen erlebt hat, tatsächlich zurück wünschte?

Nein, so habe ich mir meinen Vater nicht zurück gewünscht. So viel Leid und Unbarmherzigkeit, wie die Krankheit mit sich brachte, weiß Gott nicht.

Mir hat der Satz damals aber tatsächlich geholfen, zu akzeptieren und loslassen zu können.

Ich habe natürlich auch getrauert. Man betrauert geliebte Menschen. Wäre ja auch traurig wenn nicht.

Die Absicht meiner Kollegin war es nur, dass ich nicht in meiner Trauer versinke und meine Blickrichtung auf das Vergangene und Erlebte verändere.

Es hat mich verändert und auch geholfen.

LG Janette

Beitrag von knutschka 11.02.11 - 08:17 Uhr

Dem zweiten Teil des Satzes kann ich zustimmen - das ist auch ein Grund, warum mir jeglicher Hang zur Friedhofspflege abgeht und ich ein großer Freund von Friedwäldern bin.

Insgesamt finde ich diesen Satz sehr nah bei der Philosophie Heideggers (die den Verlust der Hinterbliebenen kurz thematisiert). Allerdings geht es bei ihm nicht um Selbstmitleid, sondern um die Trauer über einen Verlust, der für die Hinterbliebenen andersartig ist als für den Verstorbenen.

Dass Trauer ein subjektives Gefühl ist, auch wenn es kollektiv erfahrbar sein mag, ist wohl unstrittig. Deswegen ist es klar, dass trauern irgendetwas mit dem "Selbst" zu tun haben muss. Allerdings ist der Schluss von Trauer auf (Selbst-)Mitleid vorschnell. Trauer und Mitleid sind zwei voneinander abtrennbare Phänomene, zwischen denen es keinen Kausalzusammenhang gibt. Es wäre also schlüssiger, wenn man sagen würde: "Wer trauert, der trauert um sich selbst" - aber auch das ist nicht richtig, da es durchaus Momente der Trauer gibt, die nicht das eigene Selbst thematisieren, sondern sich wirklich auf das Gegenüber richten (sei es der Verstorbene oder andere Hinterbliebene). Natürlich kann man annehmen, dass diese Projektionsfähigkeit allein auf der Tatsache der Selbstprojektion beruht, aber das halte ich für strittig. Ich glaube an ein altruistisches Element des Menschen.

Kurz also: der Grundidee des Satzes kann ich zustimmen, allerdings ist er in der praktischen Ausformung zu polemisch und oberflächlich.

LG Berna

Beitrag von leseratte65 11.02.11 - 09:32 Uhr

Dieser Satz wurde in einer Diskussion aufgeworfen.
Ich dachte darüber viel nach, meine Gedanken drehten sich aber im Kreis. Fast alle haben sehr berührend geantwortet. Vielen Dank.
Einigen Gedanken zum Thema Trauer waren sogar sehr tröstlich. Ich hoffe das viele Trauernde aus euren Gedanken Trost finden.
Danke

Beitrag von escada87 11.02.11 - 10:20 Uhr

ich halte von so einer Aussage auch nichts


jeder darf trauern und ob es dem Verstorbenen nutzt oder nicht spielt da keine Rolle

es wäre für mich auch ein komisches Gefühl wenn ich mal sterben würde und niemand würde um mich trauern #gruebel

Beitrag von halbling 11.02.11 - 14:39 Uhr

Hallo!
Schon lange nicht mehr so einen Mist gelesen......
Die Trauer existiert ja auch nicht, um dem Verstorbenen irgendetwas zu nützen....#kratz
Stell dir mal vor, es gäbe keine Trauer mehr.......
wenn ich mir vorstelle, ich verliere mein Kind und dürfte nicht trauern......... da wird mir ganz schlecht!
Klar, gibt es auch Trauerphasen, in denen man Selbstmitleid empfindet aber das gehört dazu und ist völlig menschlich.Man fühlt sich ja auch verlassen und einsam und spürt nur diesen Schmerz.Aber die Trauer, die ich schon erlebt habe, hatte ganz viele Phasen..........da spielte Selbstmitleid eher die kleinere Rolle.
LG
Alex

Beitrag von samjule 12.02.11 - 16:54 Uhr

Wer trauert wird vorher nicht gefragt ob er das möchte.
Wenn man jemanden von ganzem Herzen liebt, dann kommen diese
Gefühle von ganz allein.
Der Körper tut weh man ist so unentlich traurig, das man meint es nicht
aushalten zu können.
Und mann muss es trotzdem.
Die Verstorbenen möchten bestimmt nicht das ihre Hinterbliebenen trauern und traurig sind.
Aber wie soll man einfach so weiter leben wie vorher?
Ich kann und konnte es nicht.
Denn jeden Tag wird einem bewusst es gibt keine 2. Chance den Menschen zu sprechen, zu riechen in den Arm zu nehmen.
Selbstmitleid ist hier nicht die zutreffende Bezeichnung und wäre auch zu wenig!

Beitrag von coco1902 14.02.11 - 11:54 Uhr

Hi,

also ich finde die Frage echt gut, vor allem denkt ja so keiner drüber nach.

Genauso kann man den Satz in den Raum stellen, dass man ja nur trauert, weil man nicht weiss, was nach dem Tod ist.

Wären wir nicht alle beruhigter, wenn wir wüssten, dass zB der tote Mensch dann im Paradies weiterlebt? (nur mal zusammengesponnen) - wenn wir wüssten, dem Toten geht es da oben super, irgendwann sieht man sich eh wieder???

LG Coco