Eine Frage an die Sternenkindereltern

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von saskia161181 27.02.11 - 20:13 Uhr

Hallo zusammen,

da ich einfach unschlüssig bin, wende ich mich mit meiner Frage an Menschen die selber betroffen sind und hoffe, dass ihr mir helfen könnt.
Eine Bekannte ( sie wohnt hier nebenan, wir kennen uns seit der Grundschule, waren aber nie "richtig" befreundet, haben uns aber ab und an gesehen und telefoniert ) hat vor fünf Wochen ihr Baby geboren. Am Freitag ist der Kleine gestorben #heul...
vor drei Wochen hat sie mich noch ganz voller Zuversicht angerufen und gehofft, dass alles gut wird.
Mir fehlen die Worte für das, was sie und ihr Partner gerade durchmachen müssen. Ich würde ihr gerne so viel sagen, aber nichts davon wird ihr helfen können.
Ich möchte den beiden gerne eine Karte in den Briefkasten werfen, mit ein bißchen Geld für die Beerdigung. Jetzt gibt es viel, was in meinem Kopf rumschwirrt und ich überlege, ob es richtig ist meine Gedanken den beiden so offen zu schreiben...ich bin eher der Gefühlstyp - aber ist das in dieser Situation richtig? - Oder sollte ich mich eher kurz fassen?...
ich bin so unsicher das falsche zu tun...

#danke für eure Hilfe und eine #kerze für den kleinen J.,

Saskia

Beitrag von gaia1976 27.02.11 - 20:35 Uhr

Hallo,

ich bin - Gott sei Dank - selber nicht betroffen, aber ich denke, dass es nichts besseres gibt als eigene Gefühle in Worte zu fassen.

In diesem Fall würde ich aber auf keinen Fall Geld in die Karte packen, sondern einen schönen, aber eher kleinen Gedenkstein kaufen, gibt es auch in Herzform, ich glaube, das ist schöner.

Vielleicht gibst Du es ihr auch persönlich, in den Briefkasten geben ist irgendwie kühl. Natürlich ist es sehr schwer, aber evtl. hilfst Du ihr auch, wenn Du sie in den Arm nehmen kannst.

Alles Gute und viel Kraft.
Gaia

Beitrag von saskia161181 27.02.11 - 20:47 Uhr

Hallo Gaia,

danke für deine Antwort.
Geld aus dem Grund, weil die Beerdigung ja sehr teuer ist und ihr Partner kurz nach der Geburt arbeitslos wurde.
Ich würde die Karte auch lieber persönlich bringen, aber sie hat gesagt, sie meldet sich, wenn ihr danach ist...und ich wollte den beiden meine Anteilnahme schon einmal zeigen...denn ich denke, es wird dauern bis sie "soweit ist" und sie soll wissen, dass ich an sie denke...

LG

Beitrag von anibis 27.02.11 - 20:48 Uhr

Hallo,


mir hat es damals immer sehr geholfen zu reden - auch heute noch. Die Idee meiner Vorschreiberin finde ich schön, so hat deine Bekannte etwas das sie auf das Grab stellen kann.

Ich würde auch persönlich zu ihr gehen, wenn du nicht weißt was du ihr sagen sollst dann würde ich sie vielleicht fragen ob bwz wie du ihr helfen kannst - wenn du selbst das möchtest.

Meistens hilft es auch nur einfach da zu sein....


Alles Gute für deine Bekannte
Eva

Beitrag von saskia161181 27.02.11 - 20:59 Uhr

Hallo Eva,

ich bin auch der Typ, dem es hilft zu reden.
Ich würde sie auch gerne einfach nur in den Arm nehmen und ihr sagen, dass ich für sie da bin - wenn sie mag...
aber ist das wirklich richtig?...wir sind keine Freundinnen, sondern kennen uns eben nur schon ewig und kommen auch miteinander klar...daher auch meine Unsicherheit...ich hab einfach Schiß das falsche zu tun...ich bin selber Mutter und bei meinem Sohn stand kurz nach der Geburt nicht fest, was mit ihm werden wird...ich wollte damals niemanden hören und sehen und das obwohl mir eigentlich Reden immer hilft...

Beitrag von darkbuffy 27.02.11 - 21:40 Uhr

Hallo Saskia,

das ist eine schwierige Situation, du solltest auf jeden Fall vorsichtig sein.
Ich habe meinen Sohn in der 22. Schwangerschaftswoche verloren und bei mir war es so, dass ich es gehasst habe, wenn mir irgendwelche Leute Mut machen wollten, nach dem Motto:

"Es sollte halt noch nicht sein..."
"Irgendwann kriegst du ein gesundes Baby..."
"Versuch es einfach weiter...."

Und so weiter und sofort.
Ich weiß, nicht gerade einfühlsame Leute in meinem Umfeld...

Ich würde ihr kurz meine Hilfe anbieten, zum Reden oder was auch immer, aber sie dann auch wieder in Ruhe lassen. Sie muss erstmal selber mit dem Verlust klar kommen, und wenn sie dann mit dir reden will, kommt sie von alleine.
Mir hat es damals jedenfalls am meisten geholfen, wenn die Leute einfach nur zugehört haben.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Leute eigentlich sowieso nur das Falsche sagen können, einfach weil sie den Schmerz nicht nachvollziehen können.

Liebe Grüße

Beitrag von hakka 27.02.11 - 21:58 Uhr

Hallo Saskia,
ich finde es sehr schön. dass du dir Gedanken machst.

Ich denke, dass du ihr in jedem Fall zeigen solltest das du für sie da bist. Ich hatte mich über Karten gefreut. Sehr schön fand ich auch eine Kerze, die mir eine entfernte Bekannte gechenkt hatte mit einem sehr schönen Spruch darauf. Das folgende Gedicht zeigt, welche Hilfe ich mir erhofft hatte - eben keine "dummen Sprüche" sondern einfach da sein. Und vor allem nicht in ein paar Tagen/Wochen so tun als wenn alles vergessen ist. Und nicht nur der Mutter geht es schlecht, sondern auch dem Vater!
Melde dich bei ihnen und schreibe ein paar nette Zeilen, ganz nach deinen Gefühlen. Ich denke, dass es gut ist.

LG
hakka




Sterneneltern

Sterneneltern heißen wir,
denn unser Kind verloren wir.
Viel zu früh ist es gegangen,
kaum das sein Leben angefangen...

Wie alt es war? Das ist nicht wichtig!
Wie groß, wie schwer - auch das ist nichtig!
Es war unser geliebtes Kind
und bleibt's, bis wir gegangen sind...

Wißt, wir spüren stets die Schmerzen.
Die Wunde klafft in unseren Herzen.
Drum sagt nichts von den schlimmen Dingen,
die dolchstoßgleich in's Herz uns dringen:

"Warum jammert ihr denn so?
Es war doch nur ein Embryo!
Wer weiß, wozu es gut gewesen,
das es Euch verließ - dies' Wesen...

Ihr seid noch jung, könnt andre haben
und Euch an Kinderlachen laben!
So lang' ist's her, seit es geschehen -
Ihr müßt nun endlich vorwärts sehen..."

Schweigt lieber, statt sowas zu sagen.
Das hilft uns nicht in Tausend Tagen,
auch wenn es von Euch gut gedacht,
weil Ihr Euch um uns Sorgen macht...

Glaubt uns, könnt Ihr's auch nicht ermessen -
wir werden es niemals vergessen!
Es totzuschweigen schmerzt uns sehr,
vergrößert unser Leid noch mehr...

Wollt Ihr uns echte Hilfe bringen,
laßt seinen Namen hell erklingen!
Laßt uns reden, helft uns trauern,
reißt mit uns ein die Schweigemauern...

Ralf Korrek, 17.08.2006

Beitrag von hannah.25 28.02.11 - 08:20 Uhr

liebe saskia,

mich rühren fragen wie deine immer sehr, weil sie zeigen, dass wir sternenmamas nicht allein sind und dass wir sehr wohl menschen an unserer seite haben, die an uns denken und für uns da sein wollen.

ich find die idee mit der karte sehr schön. die eigenen worte, die alles ausdrücken, was man fühlt und denkt, sind immer noch die besten und berühren einen wirklich. sie sind eben ehrlich. denk nicht groß nach, was du schreibst. schreib einfach aus dem herzen.
und ich würde auch kein geld rein tun. kauf lieber ein kleines gedenkherz oder einen kleinen engel, den die eltern auf das grab oder an eine gedenkecke daheim stellen können. ich bin mir sicher, dass es ihnen sehr viel kraft geben wird und zeigt, dass ihr da seid.
und ich würde beides - karte und geschenk - persönlich abgeben. auch wenn die mama sagt, sie meldet sich, wenn ihr danach ist. man macht es nicht, weil man nicht die kraft dazu hat und verkriecht sich in seinem loch. sei einfach da und besuch sie von dir aus.

wenn du einfach da bist und sie still hältst und mit ihr weinst, ist das oft der größte halt und die beste geste, die es gibt.

ich wünsch den eltern alle kraft der welt!
und ich danke dir, dass es menschen wie dich gibt!

liebe grüße
hannah mit #stern niklas und #stern sarah fest im herzen und per ganz fest im arm

Beitrag von saskia161181 28.02.11 - 20:32 Uhr

Liebe Hannah,

ich danke dir für deine Worte.
Sie haben mich darin bestärkt den Beiden meine Gefühle zu schreiben. Und das habe ich getan. Ich hoffe, dass war der richtige Weg.

Alle Gute für dich,

Saskia

Beitrag von nine-09 28.02.11 - 08:39 Uhr

Hallo,

eine #kerze für den kleinen Jungen!!!

Die Frau von meinem Cousin hat damals ihre Mau gehen lassen müssen.
Ich war geschockt und stellte mir auch all diese Fragen.

Als sie Im KH war hab ich nur mit meinem Cousin gesprochen und als sie aus dem KH kam hat sie mich gleich angerufen. Im ersten moment war es komisch,ich wusste nicht was ich sagen sollte,im zweiten moment fing sie an zu reden und wir weinten beide am Telefon.
So war das erste Eis gebrochen.

Egal wie gut ihr euch kennt,das mit dem Gedenkstein find ich ne super sache,dann weiß sie sie ist nicht alleine.

Alles Gute!!!

LG Janine

Beitrag von heson 28.02.11 - 11:38 Uhr

Hallo Saskia!

Wir haben unsere Leni vergangenen Dienstag beerdigt. Wir wissen, dass man als Außenstehender da nicht so viel sagen kann. Wir können ja selber kaum was sagen. Also wir freuen uns über Karten. Schreib rein, was du möchtest. Wir haben sooo tolle Karten bekommen. Die fange ich an zu lesen, und fange an zu heulen. Dann lese ich sie nicht weiter. Ich lege sie weg. Aber ich werde sie verwahren und irgendwann habe ich die Kraft sie zu lesen. Es tut gut zu sehen, wer bei uns ist. Wer zu uns hält. Zu spüren, dass wir nicht alleine sind. Das gibt auch viel Kraft.

Und ich würde ihr Geld schenken. Man muss es mal ganz offen sagen: So eine Beerdigung ist echt teuer! Und junge Eltern sparen auf dies und das, aber bestimmt nicht auf die Beerdigung seines Kindes. Denn mit der Beerdigung ist es nicht getan, dann muss man noch eine Grabumrandung kaufen, einen Grabstein .... Und das Grab stets hübsch zu bepflanzen kann auch ins Geld gehen.

Fakt ist: Egal, was du machst, es ist gut. Denn scheiße ist es, wenn man nix macht. Wenn die Leute einen grüßen, mitleidig anschauen und so tun, als sei alles wie immer. Du machst bestimmt genau das Richtige. Ist sehr lieb von dir!!!

Lieben Gruß

Beitrag von francie_und_marc 28.02.11 - 14:28 Uhr

Liebe Heson!

"Fakt ist: Egal, was du machst, es ist gut. Denn scheiße ist es, wenn man nix macht. Wenn die Leute einen grüßen, mitleidig anschauen und so tun, als sei alles wie immer. Du machst bestimmt genau das Richtige. Ist sehr lieb von dir!!! "

Bei mir haben sie sogar die Strassenseite gewechselt und so getan als ob sie mich nicht sehen. #augen Diese Ausgrenzung und Ignoranz ist das Schlimmste in so einer Situation. Viele sagen sie können nicht damit umgehen, ich sage aber das wir doch jeden Tag damit umgehen müssen das unser Sohn tot ist. Jetzt 5 Monate später grüßen einen die Leute mit einem mal wieder und wollen mir noch ein Gespräch an die Backe quatschen. Nein, Danke, da habe ich keinen Bedarf. #aerger

LG Franca mit Marc fest an der Hand, Marten still geboren 21.SSW am 19.09.2010 tief im #herzlich und Bauchwunder #ei 14.SSW.

Beitrag von heson 02.03.11 - 17:39 Uhr

Es ist wirklich unglaublich! Ich habe mir natürlich viele Gedanken gemacht in den vergangenen zwei Wochen. Aber ich habe auch mal wieder gesehen, wer ein wirklicher Freund ist. Und ich habe auch beschlossen, viel, viel offener zu werden. Man muss die Dinge manchmal einfach ganz krass sagen. Meine DIREKTE Nachbarin bringt seit dem auch noch nichtmal die Tageszeit heraus, wenn wir aufeinandertreffen. Weißt du ... auf solche Leute kann ich verzichten. Und sollte ihr irgendwann nochmal in den Sinn kommen, mir die Tageszeit zu sagen, werde ich ihr direkt sagen, dass sie sich ihren Gruß sonst wohin stecken kann.

Die meisten wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen? Aber denken die, wir waren in der "Wie-benehme-ich-mich-wenn-mein-Kind-gestorben-ist-Schule"? Wir wissen es halt auch manchmal nicht. Unsere Freunde und viele Bekannte kommen aber zu uns und sagen "Mensch, ich weiß gar nicht was ich machen oder sagen soll."

Schade, dass es solche zwischenmenschlichen Probleme in der Beziehung gibt.

Ich grüß dich ganz lieb,

bis dann,

Sonja mit #stern Leni (38. SSW)

Beitrag von sannchen1968 28.02.11 - 18:11 Uhr

Also,eine Karte und ein paar liebe Wotrte sind bestimmt hilfreich!
Aber Geld keinenfalls!
Lg,Sanne mit 2#stern im#herzlich

Beitrag von anibis 01.03.11 - 10:54 Uhr

Wieso sollte Geld nicht hilfreich sein?

Mann kann auch eine Trauerkarte mit einem schönen Gedicht o.ä. das aussagt was man sagen möchte schenken und etwas Geld reinlegen, denn wie hier schon so offen geschrieben wurde, die Beerdigung eines Kindes ist nicht billig!!!

Es gibt nicht viele Menschen wie Saskia die gerade in so einer Situation solche Gedanken machen wie man am besten helfen kann OHNE was falsch zu machen.

Denn auch mit Worten kann man alles noch viel schlimmer machen.
Vor allem lernt man auch seine sogenannten "Freunde" kennen...


Lg Eva

Beitrag von trauerklos 02.03.11 - 22:07 Uhr

Hallo Saskia,

wir haben unseren kleinen Fynn am 31.10.10 verloren und mir tat es ganz gut wenn mir jemand sein Beileid mitgeteielt hat, da ich bei allen anderen die Gedanken hatte, wissen sie es jetzte, tuschenl sie über einen, ist es ihnen egal und so weiter. Schreibe Ihnen die Karte oder einen Brief. Teile Ihnen deine Gedanken mit und biete Ihnen deine Hilfe an, mir hat es viel geholfen einfach nur reden zu können. Ich hatte mich sehr zurück gezogen, also sei Ihnen nicht böse wenn Sie das auch tun sollten, Sie wissen aber das Sie auch zu dir kommen können, das hilft auch.