Sehr früher Trotzkopf!

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Forum: Kleinkind

Das Leben mit kleinen Kindern ist wunderschön, nie langweilig aber auch ziemlich anstrengend. Da können Tipps von anderen Müttern oder Vätern viel Erleichterung und Hilfe in den Alltag bringen. Viele Infos rund um euer Kleinkind  (z.B. Kinderkrankheiten) findet ihr auch in unserem Magazin.

Beitrag von nachtelfe78 10.04.11 - 21:50 Uhr

Hallo Ihr!

Irgendwie bin ich ratlos...
Seit gut vier Monaten trotzt mein Zwerg! #schock
Er wird nächste Woche aber erst 1 Jahr!
Anfänglich dachte ich nur dass das mal eine Ausnahme war dass er irgendwie schlecht gelaunt war als er nicht bekam was er wollte, das hat sich aber inzwischen zum richtig heftigen Trotzen entwickelt.
Ich sage "nein" wenn er z.B. meint er müsste die Mülltonne ausräumen.
Dann dreht er sich zu mir um, zieht die Nase kraus, macht den Mund auf und motzt, macht dann aber weiter. Ich sage wieder "nein". Das motzen seinerseits wird heftiger, er macht weiter... Ich gehe hin, sage "nein" und hebe ihn vom Mülleimer weg. Dann geht das Geschrei los...puterrot, richtig grellig, stößt sich von mir ab, haut, beißt manchmal...ich setze ihn auf den Boden und dann wirft er sich rückwärts um und brüllt und motzt!

Ich dachte immer das kommt alles viel später und habe mich zum Thema Trotzphase noch gar nicht richtig schlau gemacht...
Heute habe ich dann ein wenig recherchiert - aber bis auf dass ich ruhig bleiben sollte und vielleicht erklären sollte warum ich das nicht möchte was er tut kann ich ja nicht machen...
Wenn er ganz schlimm trotzt (dieses auf den Boden schmeißen), bringe ich ihn in seinen Laufstall. Dort ist alles schön gepolstert. Da lasse ich ihn dann 2-3 Minuten seinen "Grell" herausschreien und beachte ihn nicht weiter. Ich bleibe allerdings immer in Sichtweite!!! Nach 2, 3 Minuten hat er sich meist beruhigt. Auf den Arm nehmen kann ich ihn erst dann. Wenn er so rumschreit und sich hin und her schmeißt, dann kann ich ihn nicht auf dem Arm halten...er wehrt mich ab. :-(

Hat noch jemand hier so ein Trotzköpfchen?
Was macht Ihr wenn Eure Kleinen so ausflippen?!
Will das morgen auch unbedingt bei der U-Untersuchung ansprechen...ich bin richtig irritiert davon!

LG nachtelfe78

Beitrag von bine3002 10.04.11 - 22:03 Uhr

Das ist ganz normal.

Mein Tipp in diesem Alter wäre, dass Du ihm eine Alternative anbietest und das Ganze mit Humor nimmst. Wenn er also die Mülltonne ausräumt, dann würde ich ihm etwas anbieten, was er ausräumen darf oder ihm den Zweck der Mülltonne näherbringen und ihm etwas geben, was er REIN werfen darf. Vielleicht kannst Du ihm auch mal eine Tonne mit "sauberem" Müll hinstellen und hoffen, dass es uninteressant wird, wenn er es zwei/drei Mal gemacht hat.

Und wenn Du ihm dann doch etwas verbieten MUSST, kannst Du das ja auch auf unterschiedliche Arten tun. Du könntest z. B. langsam auf ihn zugehen und dabei humorvoll sagen: "Wenn Du das nicht lässt, dann kitzel ich dich aus." oder Du lässt ihn "wegfliegen" anstatt ihn einfach wegzunehmen. Kurz gesagt: Du sorgst dafür, dass Du spannender und spaßiger bist als der Müll und verpackst dein Verbot in ein schönes Spiel. Ich meine... Müll ausräumen ist ja nun kein wirklich dramatisches Schwerverbrechen, für das man gleich die schlimmsten Santkionen folgen lassen muss.

Sieh es einfach locker, dann macht auch die Trotzphase Spaß.

Beitrag von nachtelfe78 10.04.11 - 22:23 Uhr

Das mit der Mülltonne war nur ein Beispiel von unendlich vielen Alltagssituationen. Ich bin schon recht geduldig und mache auch lange den Kasper und versuche es irgendwie lustig und mit Ablenkung. Das hat aber dann zur Folge dass er grinst und weitermacht. Mit Ablenkung komme ich also leider 0 weiter...:-(
Da helfen leider nur Sanktionen (wie das Wegheben von der Stelle).

Es sind ja auch nicht nur die Trotzreaktionen die mich vermuten lassen dass er irgendwie schon ein ziemlicher Sturschädel ist. Wir gehen in die Krabbelgruppe- dort ist ja weiß Gott viel Ablenkung...
Dort nimmt er anderen Kindern das Spielzeug weg. Holen sie sich das Spielzeug wieder motzt er, haut, kratzt, beißt... Dann muss ich ihn auch aus der Situation holen. Kann ja nicht dastehen und ihn gewähren lassen. Ich bin darüber schon sehr geschockt!!! Die anderen Zwerge verhalten sich halt nicht so. Wenn ich ihn also aus der Situation raushole, dann wird getrotzt...hab mich da auch schon mit der Leiterin unterhalten aber irgendwie meinte sie nur - da müsst ihr durch!

Mein Problem ist wirklich die Trotzaktion an sich. Wie verhalte ich mich wenn mein 1 jähriger sich auf den Boden schmeißt, nicht auf dem Arm sein mag und schreit und schreit wie ein Irrer!? Ich finde es immer schrecklich ihn absetzen zu müssen (in seinem Laufstall) damit er sich oder mir nichts tut.
Stehe dann immer recht hilflos in der Nähe und leide mit...:-( Wenn er sich beruhigt dann nehme ich ihn dann aber auch fix auf den Arm und dann ist auch wieder alles gut. Aber ob das so gut ist?!...Ich fühl mich damit ziemlich mies!

LG

Beitrag von bine3002 10.04.11 - 22:36 Uhr

Ich habe schon verstanden, dass das mit der Mülltonne nur ein Beispiel war. Aber Beispiele sind gut, um zu erklären, was man machen KANN.

Erstmal zum Grinsen: Dieses Grinsen ist ein Beschwichtigungsverhalten. Es bedeutet sowas wie "Ach Mama, sei mir nicht böse!" Er will dich also nicht provozieren.

Außerdem hat er in dem Alter keine Ahnung von "mein" und "dein". Er betrachtet alle Gegenstände erstmal als sein Eigentum und er wird er in den nächsten Monaten/Jahren lernen, dass auch andere Menschen Eigentum besitzen. Das ist Sozialverhalten und da das beim Menschen sehr komplex ist, dauert es halt eine Weile bis er es beherrscht.

Dass er so früh schon bockt, spricht für einen starken Willen. Eigentlich ist das doch gut. Es ist richtig, ihn aus der Situation zu nehmen und an einen sicheren Ort zu verfrachten. Es ist aber ebenso wichtig, bei ihm zu bleiben und Trost anzubieten, die Emotion zu bennennen (Jetzt warst Du aber böse...), zu erklären was schief gelaufen ist, Alternativen anzubieten (wie z. B. Tauschen) und dem Kind auch das Gefühl zu geben, dass es kein "seltsamer Sonderling" ist, indem man Bezüge zu sich selbst herstellt "Mir ging das auch mal so als meine Mama mir einen Lolli verboten hat... was bin ich da böse geworden..." usw. Das alles wird ihm helfen, seine eignenen Gefühle besser einzuordnen und zu kontrollieren.

Schämen brauchst Du dich dafür jedoch nicht, weil es vollkommen normal ist, dass dein Sohn seine Emotionen noch nicht im Griff hat. Und ich schwöre dir, dass es all deinen Bekannten aus der Krabbelgruppe früher oder später genauso gehen wird.

Beitrag von bine3002 10.04.11 - 22:38 Uhr

"Und ich schwöre dir, dass es all deinen Bekannten aus der Krabbelgruppe früher oder später genauso gehen wird."

Ich wollte noch schreiben, dass Kinder, die früh trotzen in der Regel auch früher "zur Vernunft" kommen. Und der Vorteil bei diesen frühen Trotzanfällen ist, dass sie wesentlich einfacher zu handeln sind.

Beitrag von nachtelfe78 10.04.11 - 22:47 Uhr

:-) danke...das macht mut

Beitrag von nachtelfe78 10.04.11 - 22:54 Uhr

ah, das mit dem grinsen habe ich auch schon gelesen. das machen affen z.b. ja auch um zu beschwichtigen. allerdings ist es in so einer situation (wenn du sie zig mal am tag hast mit deinem zwerg) nicht gerad einfacher wenn er grinst. mein verstand sagt auch: halt der macht das nicht um dich zu ärgern...aber ich bin dann dennoch schon leicht verärgert.

nein kennt er eigentlich schon ziemlich gut. bei steckdosen klappt das z.b. hervorragend! da ist nein dann auch nein und dann biete ich ihm etwas anderes spannendes an und die welt ist in ordnung. :-)

ich glaub er versteht "nein" schon, versucht aber seine grenzen zu testen. was ja auch normal ist. oft ist es auch so dass ich mir das grinsen verkneifen muss weil ich denk: "guck dir diesen racker an..." bin auch recht stur und sein papa auch...da fällt der apfel nicht weit vom birnenbaum. :-D

Beitrag von bine3002 10.04.11 - 23:16 Uhr

Nein, ich denke Du musst dir das Grinsen nicht verkneifen, ebenso wenig wie das Schimpfen. Beides sind Emotionen, die aus dem Bauch heraus kommen und das ist kann nicht so verkehrt sein. Was ist schlimm daran, einfach mal herzlich über ein überschwemmtes Badezimmer zu lachen und dann gemeinsam zu wischen? Und es ist genausowenig etwas Schlimmes daran, wenn man einen blöden Tag hat und einen das nasse Badezimmer wütend macht. Man muss dabei ja nicht asozial rumfluchen oder das Kind hauen. Aber mal mackern? Mein Gott, das ist doch menschlich.

Ich denke außerdem, dass Kinder vor allem authentische Eltern brauchen. Du solltest dein Kind nicht "erziehen", weil das gerade irgendwer von dir erwartet, beispielsweise in der Krabbelgruppe. Wenn es dir egal ist, was dein Kind da gerade macht, dann lass ihn machen, unabhängig davon, ob andere das vielleicht doof finden. Ebenso solltest Du einschreiten, wenn DU etwas doof findest, unabhängig davon, ob andere das lockerer handhaben.

In dem Alter würde ich schauen, dass Du vor allem gefährliche Dinge unterbindest: Steckdosen, Herd und vielleicht noch etwas anderes. Lieber etwas mehr durchgehen lassen und dafür bei wirklich wichtigen Dingen sofort einschreiten und konsequent durchziehen! So lernt dein Kind, dass Du NEIN meinst, wenn Du NEIN sagst. Bei allen anderen Dingen überlege kurz, ob es nun wirklich so wahnsinnig wichtig ist, dass Du es verbietest. Und wenn man das tut, dann kommt man meist darauf, dass es eigentlich wurscht ist, ob das Kind nun ein bissel Sand isst oder den Schrank ausräumt. Insbesondere, wenn man schon ein älteres Kind hat, wird man wesentlich gelassener, was manche Dinge angeht. Versuch dir das mal von Mehrfachmamas abzuschauen.

Wenn Du dann allerdings etwas verbietest, zieh es auch durch. "Grenzen testen" wird oft als etwas Negatives ausgelegt. In Wahrheit bedeutet es für ein Kind aber mehr als nur "darf ich das oder darf ich das nicht". Wenn Du als Mama Grenzen ziehst und sie auch "hälst", schaffst Du einen sicheren Raum, in dem dein Kind wachsen und gedeihen kann. Deswegen solltest Du dir immer sagen: "Es tut meinem Kind gut, dass ich diese Grenze gezogen habe und standhaft bleibe." Ebenso wichtig finde ich es aber, dass Versprechen auch gehalten werden. Versprich nichts, was Du nicht halten kannst. Und verbiete nichts, was Du nicht durchziehen kannst. Ganz einfach eigentlich.

Beitrag von ronjaleonie 10.04.11 - 22:40 Uhr

Hallo!

Redest du von meiner Ronja?
Sie ist 13 Monate und exakt so trotzig wie dein Sohn.

Ich bin oder fühle mich auch oft völlig überfordert und weiss nicht, ob ich immer richtig reagiere, sie reizt mich dann echt bis aufs Blut.

Ich versuche konsequent zu sein/bleiben und lasse sie ihre Wut ruhig rausbrüllen.

Ich setze sie dann meist auf den Teppich, mich selbst in relativer Nähe auf die Couch und warte einfach ab bis sie ruhiger wird und dann auch wieder zu mir kommt.

Ich denke das das für mich die richtige Lösung ist, und wenn es unterwegs ist, halte ich es genauso, sollen andere ruhig schauen.

LG
Nicole

Beitrag von nachtelfe78 10.04.11 - 22:49 Uhr

jippie! ich bin nicht allein!
ja, dieses absetzen an einen sicheren ort ist für mich im moment auch das einzige was mir dazu noch einfällt. und wenn er ruhiger geworden ist dann nehme ich ihn auch hoch. puh! ganz schön schwierig - gerade weil es ja doch eher die ausnahme zu sein scheint dass die zwerge schon so früh rumbocken in dieser art und weise.

Beitrag von bine3002 10.04.11 - 22:58 Uhr

Meine Tochter hat mit 10 Monaten ihren ersten Anfall bekommen. Sie hat später gehauen, getreten und um sich gebissen. Ihre Freundin hat sie sogar blutig gebissen. Das hing vor allem mit der mangelnden Sprache zusammen.

Sie ist jetzt 4 1/2 und ich bekomme im Kindergarten immer wieder gesagt, dass sie ein "tolles Sozialverhalten" hat und "super hilfsbereit" ist. Ich würde noch ergänzen, dass sie auch eine hohe Frustrationstoleranz hat.

Ich denke, dass das so ist, weil ich sie mit ihren Gefühlen nie alleine gelassen habe. Ich war immer präsent, wir haben solche Situationen im Nachhinein besprochen und ich habe viel erklärt, was sie hätte anders machen können. Ich habe ihr auch mal gezeigt, wie es aussieht, wenn sie so nbockt, indem ich ihr ein Video davon präsentiert habe. Ich habe es auch mal nachgemacht oder sie vor einen Spiegel transportiert. Und letztlich haben wir viele solcher Situationen auch humorvoll rumbekommen.

Es ist schon früh, aber so ist es halt. Was willste machen?

Beitrag von amadeus08 11.04.11 - 13:09 Uhr

kann sich in zwei Monaten aber erstmal wieder bessern. In der Zeit um den ersten Geburtstag herum tritt das oft auf, wird dann aber nochmal besser.
Du solltest erstmal froh sein, dass es nur so kurz ist ;-)
Glaub mir, Du wirst Dich noch nach dieser Zeit zurücksehnen, wenn er erstmal so um die 20-28 Monate alt ist, dann dauert sowas gerne mal 30-45 Minuten und findet auch in der Öffentlichkeit statt und dann ist es sehr viel schwerer, ruhig zu bleiben. Außerdem ist ablenken mti einem Jahr noch wesentlich einfacher, als jetzt bei meinem mit 23 Monaten.

Also Augen zu und durch und ja, es wird besser, ERSTMAL ;-)
LG