Alles auf den Müll...

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von michi0512 27.04.11 - 09:06 Uhr

Guten Morgen,

vor fast 2 Wochen starb meine liebste (Groß)Tante. Das war ein absoluter Schlag ins Gesicht. Total unverhofft... aber irgendwie bleibt keine Zeit zum Trauern. Es ist so nervig... also dieser ganze Nachlasskram und vorallem die Organisation der Trauerfeier und der anschließenden Bestattung. Entweder ist der Saal für die Feier belegt oder aufn Friedhof keine "Zeit"... ist es echt sooo schwer?

Es zermürbt einen. Sie hatte Ihren letzten Wunsch den man ihr erfüllen möchte (sie war Zeugin Jehovas und möchte auch die Trauerfeier nach dem Glauben) aber irgendwie bekommt man alles nicht zusammen.

Die ganzen Abmeldungen von Telefon, Versicherungen etc....


Und das schlimmste: die Wohnung.

Mein Tantchen hat immer schwer gearbeitet und sich nie was tolles gegönnt: keine Hightech-Küche o.Ä., nur ihre Reisen :-)

Und all ihre Sachen hat sie gehegt und gepflegt. Und jetzt? Keiner will die Sachen. Die Küche sei mit 15 Jahren sogar für das DRK zu alt.

Jetzt haben wir keine andere Wahl und wie müssen wohl einen Entrümpler bestellen. Der Gedanke dass ihr Leben einfach so auf die Müllhalde kommt... ich bekomme Bauchweh und es zerreißt mir das Herz. Erst geht sie - und jetzt wird alles weggeworfen - als hätte es nie was bedeudet!

Wenn sie das sehen würde... es tut einem echt so schlimm weh. Wenn ich könnte würd ich alles behalten - aber ich kann eben nicht.

Kennt jemand dieses schlimme Gefühl das einen überkommt wenn man die Dinge die einem Anderen so lieb waren einfach entfernt, auslöscht, wegwirft?

Wie oft habe ich als Kind in dem Bett geschlafen, an dem Küchentisch gesessen, die Dinge in der Vitrine bewundert... es fühlt sich wie ein Verrat an. Ein Auslöschen der Erinnerung - und gleichzeitig das schlechte Gewissen weil man keine Zeit zum Trauern hat...


Sorry fürs Bla Bla, aber hier zu Hause darf ich immer nur den seelischen Mülleimer für alle anderen sein, und kann mich selbst bei keinem ausheulen....

traurige Grüße

Beitrag von olivia76 27.04.11 - 09:16 Uhr

Hallo!

Ach Mensch, das ist wirklich schlimm! Ich kann verstehen, dass Du am liebsten alles behalten würdest. Ich rufe mir in solchen SItuationen immer einen Liedtext in Erinnerung "Don't write it down -remember it in your head. Don't take a picture - remember it in your heart..."

Die Erinnerung kannst Du Dir bewahren, auch wenn die Sachen weg sind. Vielleicht solltest Du einmal alleine in die Wohnung gehen und ganz bewußt Abschied nehemen - von Deiner Tante und von den Gegenständen, die sie umgeben haben. Dann suchst Du Dir etwas aus. Irgendetwas aus ihrem Alltag. Oder eine schicke Wanduhr, die Du in Deinen Alltag mitnehmen kannst. Und wenn die Entrümpler kommen bist Du nicht dabei!

Es tut mir sehr leid, dass Deine Tante gestorben ist!

Alles Liebe,
Olivia

PS: wegen der Trauerfeier kannst Du Dich ja mal an die Gemeinde der Zeugen Jehovas wenden, wenn Du das noch nicht getan hast.

Beitrag von liebelain 27.04.11 - 10:08 Uhr

Guten Morgen.

Vielleicht hilft es Dir, wenn Ihr zunächst eine Wohnungsauflösung macht und dann erst den verbleibenden Rest dem Entrümpler überlasst. Legt einen Tag fest und inseriert diesen in der Tageszeitung.
So bleibt wenigstens die Hoffnung, dass manches aus dem Nachlass Deiner Tante anderen Leuten noch von Nutzen sein kann und nicht direkt in der Müllpresse landet.

Verlier nicht den Mut: Deine Tante hat eine wunderbare Reise angetreten, zu der sie ihren gesamten irdischen Ballast abgeworfen hat. Blicke nach vorne und spüre die Anwesenheit Deiner Tante - auch, wenn sie nicht mehr körperlich da ist, ist sie immer bei Dir.

Herzlichst,
liebelain

Ihr habt jetzt Trauer, aber ich werde euch wiedersehen und euer Herz wird sich freuen. Johannes 16,22

Beitrag von derhimmelmusswarten 27.04.11 - 10:29 Uhr

Das tut mir sehr leid für dich. Mir ist es komischerweise nicht sonderlich schwer gefallen, die Sachen meines Opas weg zu geben. Die Kleidung haben wir dem örtlichen Sozialkaufhaus gespendet und sein Bruder hat sich auch Einiges mit genommen und zieht es nun an (man muss dazu sagen, dass mein Opa 84 war und sein Bruder ist 77-klingt vielleicht sonst etwas befremdlich). Wir ziehen nun auch in das Haus meiner Großeltern und da muss nun mal Vieles auf den Müll.Weil es alt ist und abgenutzt. Und wir ja auch unsere eigenen Sachen mitnehmen wollen. Ich werde es aber so machen, dass ich wichtige Dinge aufbewahre. Fotoalben, Bilder, eine Ahnentafel, die mein Opa erstellt hat, seinen Zeitungsständer, seinen Schreibtisch und viele Haushaltsgegenstände. Z.B. Küchengeräte, Porzellan etc. Ich würde an deiner Stelle die schönsten Sachen behalten. Und vielleicht findet sich für so manches doch noch ein Abnehmer. Man kann ja nicht alles behalten. Und man erinnert sich auch nicht wegen Haushaltsgegenständen an einen Verstorbenen. Fotos und Erinnerungen sind viel wichtiger! Alles Gute!

Beitrag von ss120875 27.04.11 - 11:07 Uhr

Hallo,

ich möchte dir mein Beileid aussprechen.

Zu deiner Frage. Ich kenne das Gefühl. Der Tod meiner Mutter jährt sich am 10.05. zum ersten Mal.

Als sie starb, war die Wohnung voller Sachen. Sie hat die letzten Jahre jeden 1-Euro laden leer gekauft.

Als sie starb, mussten wir die Wohnung natürlich auch leer räumen. Jedes einzelne Teil das ich weggeworfen hab hat mir in der Seele weh getan. Für mich hatten die Dinge keine Bedeutung, aber für meine Mutter schon.

Gestern hätte sie ihrem 55. Geburtstag gefeiert. Es ist grad eine wirklich schwere Zeit für mich. Ich liebe und vermisse sie sehr.

Ich wünsch dir ganz viel Kraft.

LG
Silke

Beitrag von nane29 27.04.11 - 11:34 Uhr

Hallo,

ich kann dich so gut verstehen und mir kommen die Tränen beim Lesen. Ich habe auch schon viele geliebte Menschen verloren.

Der "Knacks", den das bei mir hinterlassen hat, ist eine tiefe Verzweiflung und Angst und Frust bei dem Gedanken an die Vergänglichkeit des Lebens.
Genau wie du schreibst - dass alles, was einen Menschen ausmacht, einfach weg ist. Dass ich selber irgendwann gehen muss.

Im Moment gehe ich damit um, indem ich möglichst viel "konserviere".
Ich fotografiere und filme sehr viel, schreibe Tagebuch wenn ich Zeit finde, schreibe die lustigen und rührenden Worte meiner Kinder auf, mache jedes Jahr ein Fotobuch mit den Sprüchen meiner Kinder..... das beruhigt mich.

Weil die Zeit und meine Erinnerungen nicht einfach ins Nichts verfliegt, so kann ich sie ein bisschen festhalten.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Meine Idee wäre, dass du die Sachen deiner Großtante fotografierst, die Fotos in ein Album klebst und unter jedes Foto aufschreibst, welche Erinnerungen du damit verbindest. Das Bett, in dem du geschlafen hast, der Küchentisch...

Somit bewahrst du die Erinnerungen auf und kannst dich von den Gegenständen vielleicht leichter trennen.

So würde ich es machen.

Liebe Grüße
Jana

Beitrag von anyca 27.04.11 - 14:34 Uhr

Ihr könntet versuchen, z.B. die Küche und andere Dinge über allesundumsonst.de an Selbstabholer loszuwerden - dann landen die Dinge wenigstens nicht auf dem Müll.

Ansonsten ein Rat aus simlify your life: Lieber die Großtante durch z.B. eine schöne Perlenkette, die man tatsächlich trägt, in Erinnerung behalten, als durch einen Schrank voll alten Geschirrs, das nie benutzt wird und nur Platz wegnimmt.

Beitrag von michi0512 27.04.11 - 14:44 Uhr

Danke für Eure lieben Worte. Ich habe echt gedacht dass meine Gedanken irgendwie... irre sind.

Die Idee mit der Annonce zur Auflösung finde ich gut und werde ich wohl auch umsetzen.

Auch das mit den fotografieren.

Ich habe mir meiner Tante Ihre alte Kredenz reserviert. Der Schrank wird super bei uns rein passen. Damals sooo riesig und nun doch so klein.

Ja, wie gesagt, danke Euch allen für die Anregungen und Eure Erfahrung. Manchmal denkt man eben nicht an alle Optionen.

#blume

Beitrag von lemon007 27.04.11 - 19:50 Uhr

Huhu,

erstmal einen liebgemeinten #liebdrueck. Ich kann dich so gut verstehen. Meine Mutter ist am 24.02.11 gestorben, einen Tag nach ihrem 56. Geburtstag und auch ich hänge an all ihren Sachen und verbinde natürlich -so wie du- die Sachen mit sämtlichen Erinnerungen. Ende Mai muss alles leergeräumt sein und was soll ich sagen? Die Wohnung ist noch ziemlich voll, bis auf die Küche, die jetzt meine Schwiegermutter hat. Überall verteilen sich ihre Sachen hin und irgendwie denke ich mir immer, hallo? Das sind doch Mama´s Möbel. Alles nicht so leicht.

Mir stehen gerade mal wieder die Tränen in den Augen. Ich kann wirklich total nachempfinden, wie es dir geht. Steck da ja selber drin.

LG #herzlich

Beitrag von golm1512 28.04.11 - 13:58 Uhr

Ich hatte hier mal einen sehr, sehr alten Bekannten, um den ich mich in seinen letzten Jahren gekümmert habe. er hatte natürlich eine Menge Kram angehäuft, der ihm ganz viel bedeutet hat, der aber eigentlich mittlerweile völlig wertlos war.

Als es ans Ende ging und er sich nochmal tierisch mit seinen Kindern überworfen hat, hat er von allein angefangen, alles aufzulösen. Er ist ins Hospiz gegangen, zusammen haben wir das eine oder andere verkauft, den Rest hat ein Entrümpler gemacht. Dann hat er noch schnell sein Haus verkauft, das dann abgerissen wurde, damit dort ein neues Haus entstehen kann.

Es war sehr traurig, dieses Leben aufzulösen. Ihm ist das seltsamerweise relativ leicht gefallen. Er meinte, er hätte das alles 60 Jahre lang besessen und darin gelebt, jetzt wären andere dran. (Er starb mit fast 92 Jahren.). Für ihn hatte es was von Ballast abwerfen. Eigentlich hat mir das gut gefallen.
Als er starb war tabula rasa. Nix mehr da. Er fiel keinem mehr zur Last nach seinem Tod.
So traurig das war, es hatte was. So würde ich das auch gern auf die Reihe kriegen. Und ein paar seiner Sachen lebern ja noch irgendwo weiter. Und er hat selbst entschieden.

Ich glaube, man muss wirklich immer sehen, dass die Dinge, die zurückbleiben, ihre Seele verlieren, wenn der Besitzer stirbt. Das Haus meines Bekannten war tot als er dort ausgezogen war. Plötzlich war es alt und schäbig, weil er es nicht mehr mit Leben gefüllt hat. Es sind nur Gegenstände. Sie haben ihren Zweck erfüllt. Das meine ich nicht so unsentimental wie es sich anhört. Ich würde mir ein paar Sachen heraussuchen und behalten, zusehen, dass man einiges verschenkt oder verkauft, damit es noch ein wenig weiterlebt und der Rest "stirbt" genauso wie die Tante. Ich glaube, ich möchte gar nicht, dass mein ganzer Besitz mich überlebt. Da sind ja auch "intime" Dinge dabei, Dinge, die nur mir wichtig sind. Die sollen mit mir gehen.....

Viele Grüße
Susanne

Beitrag von lemon007 28.04.11 - 18:12 Uhr

Das hast du schön geschrieben #danke

LG

Beitrag von schullek 29.04.11 - 13:46 Uhr

"etzt haben wir keine andere Wahl und wie müssen wohl einen Entrümpler bestellen. Der Gedanke dass ihr Leben einfach so auf die Müllhalde kommt... ich bekomme Bauchweh und es zerreißt mir das Herz. Erst geht sie - und jetzt wird alles weggeworfen - als hätte es nie was bedeudet!

Wenn sie das sehen würde... es tut einem echt so schlimm weh. Wenn ich könnte würd ich alles behalten - aber ich kann eben nicht."

ich denke es macht vor allem dir etwas aus. deine tante ist, je nachdem, was sie glaubt und eventuell nach dem tod eintritt jetzt befreit, nicht mehr da oder was auch immer. diese weltlichen dinge haben für sie wohl keinen wert mehr.
such dir einige wneige dinge als erinnerungsstücke und lass den rest gehen. häng dein herz nicht anm weltliche dinge. an den menschen wirst du denken egal, was von ihren habseligkeiten noch übrig ist.

lg