Was bringt eine Erziehungsberatung?

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von snowwhite1974 01.05.11 - 19:55 Uhr

Hallo,

bei zahlreichen hier geschilderten Erziehungsproblemen wird hier oft die fachkundige Hilfe einer Erziehungsberatung vorgeschlagen.

Mich würde interessieren, inwieweit eine außenstehende Person da nur durch fachlichen Rat helfen kann - ich meine die Person, die die Beratung in Anspruch nimmt (bspw. Mutter) gibt ja auch irgendwo ihr subjektives Empfinden wieder.

Es würde mich freuen wenn Leute antworten, die selbst Erfahrung damit haben und denen geholfen wurde.

Danke

Beitrag von kleine1102 01.05.11 - 22:36 Uhr

Hallo,

Erfahrung habe ich in dem Bereich jobbedingt, ICH "helfe" bzw. berate also ;-). Die Tatsache, DASS man außen stehend ist, hilft einem dabei, einen fachlichen, neutralen Blick auf das Setting (also z.B. die Familie) zu haben und diese Eindrücke zurück zu melden. Je involvierter ich in ein System (z.B. eine Familie) bin, desto subjektiver ist auch der diesbezügliche Blickwinkel- und genau da liegt meist das Problem der Menschen, die sich beraten lassen.

Oft hilft es den Klienten allein schon weiter, ihre (Familien-)Situation mit Unterstützung auch von "etwas weiter weg" zu betrachten, Vieles relativiert sich dadurch bereits ein wenig. Gemeinsam kann man dann schauen, welche Aspekte in Beziehungen und/oder im Verhalten einzelner Personen problematisch/kontraproduktiv sind und "umgekehrt", wo Ressourcen liegen. Dann wird geschaut, was die Familie/Einzelperson verändern möchte und begleitet diese beim Suchen von Handlungs-Optionen/-Alternativen. Die Frage ist also, WAS verändert werden soll und AUF WELCHE WEISE. Dabei ist der Weg das Ziel, ebenso wie die Selbstreflexion der Klienten. Ich gebe also keine Lösungen oder Handlungsweisen vor, sondern berate dahingehend. Der "Knackpunkt" des Ganzen ist, dass sich für die Menschen, mit denen ich arbeite, meist völlig neue Ansichten, Einblicke und Perspektiven erschließen, wenn sie die Gesamt-Situation (also sowohl sich selbst als auch die übrigen Familien-Mitglieder), oft nach vielen Jahren, mal aus einem anderen "Blickwinkel" betrachten. Das subjektive Empfinden des Einzelnen relativiert/neutralisiert sich dadurch, Eltern sehen ihre Kinder z.B. "mit ganz anderen Augen" und dies befähigt sie dann, etwas Anderes auszuprobieren/zu versuchen im Umgang mit ihrem/n Kind(ern).

Das subjektive Empfinden ist also nicht nachteilig/hinderlich, sondern es gehört zu meinem Job dazu und ohne von diesen individuellen Eindrücken, Erfahrungen und Erlebnissen zu erfahren, könnte ich ja gar nicht arbeiten, sondern müsste die Probleme der Klienten "erraten" ;-). Je offener und kooperativer diese sind, desto eher/besser ist es möglich, gemeinsam etwas zu verändern/erarbeiten. Das Ganze "bewegt" sich also idealer Weise im Verlauf der Zusammenarbeit weg von "schwarz-weiß" hin zu "bunt".

Hoffe, das beantwortet Deine Frage ein Stück weit!? Kannst Dich sonst gern per PN melden, wenn Du noch etwas wissen möchtest.

Viele Grüße,

Kathrin

Beitrag von gh1954 01.05.11 - 23:05 Uhr

Sehr gut beschrieben.

So habe ich das erlebt.

Beitrag von kleine1102 02.05.11 - 21:47 Uhr

#danke #schein

Beitrag von manavgat 02.05.11 - 00:59 Uhr

Die Draufsicht ist immer klarer als die Drinsicht.

Eine gute Beratung hört erst mal zu. Dabei kann derjenige der dort hin kommt, erst mal für sich selbst sortieren. Ein guter Berater stellt Richtungsfragen und stülpt nicht einfach irgendwas über. Außerdem wissen die Berater dort über soziale Hilfen im Kinder- und Jugendhilfebereich Bescheid.

Gruß

Manavgat