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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von wirbelwind77 11.05.11 - 12:43 Uhr

Vor einer Woche ist meine Mutter verstorben.
Seit 10 Jahren hatte ich keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern, weil mein Vater sich immer und überall einmischte und sehr cholerisch und rechthaberisch ist.
Im Februar kam unsere kleine Tochter zur Welt. Diese Nachricht ließ ich meinen Eltern zukommen (per Email und per Post).
Hätte ich dies nicht gemacht, hätte ich wahrscheinlich nie erfahren, dass meine Mutter gestorben ist.
Trotz allem, was war, werde ich die Strapazen mit meiner fast 3 Monate alten Tochter auf mich nehmen, und zur Trauerfeier fahren (700km).

Meine Mutter hat eine Schwester, zu der meine Mutter nach dem Tod meiner Oma wegen Pflichtteilsansprüchen (von meinem Vater initiiert) keinen Kontakt mehr hatte. Ich hatte immer und habe auch noch Kontakt zu dieser Tante.

Nun habe ich zwei Fragen:

Wie begegnet man seinem inzwischen 70jährigen Vater, wenn man ihn nach 10 Jahren zu solch einem traurigen Anlass wiedersieht?

Über meinen Bruder weiß ich, dass mein Vater die Schwester meiner Mutter nicht über den Trauerfall informiert hat. Sollte ich dies tun? (Ich werde dann garantiert Ärger mit meinem Vater bekommen). Dabei weiß ich keine Details (Todesursache oder wo genau die Trauerfeier stattfindet, weil Treffpunkt ein neutraler Ort ist).

Bin ziehmlich durcheinander und verzweifelt. Morgen geht die Fahrt schon los. Bisher war meine größte Sorge, wie meine Kleine das alles durchstehen wird (lange Autofahrt; Trauerfeier => emotional).

Danke an alle, die mir helfen können.

LG Bibi

Beitrag von saharaa 11.05.11 - 13:16 Uhr

Hallöchen Bibi,

also um deine kleine brauchst du dir wirklich keine sorgen zu machen...mach immer genügend kleine pausen wenn sie hunger hat und füttere sie und spiel etwas mit ihr...aber die meiste zeit wird sie eh im auto schlafen...und dann kannst du dann auch zügig fahren...was bei der strecke vorteilhaft ist, weil sie so lang ist!

Da sie auch noch so klein ist wird sie von der trauerfeier bzw. dem emotionalen teil nicht viel mitbekommen bzw. eh nicht verstehen.

Was dich angeht ist es wirklich schwierig die ersten Schritte auf einen Vater zuzugehen mit dem mann 10 jahreeee keinen kontakt hatte.

ich würde glaub ich auf ihn zugehen und einfach umarmen...ich glaub das ist zwar der erste und schwerste schritt....aber auch gleichzeitig der erlösendste schritt...weil da das eis etwas gebrochen wird...was ja metertief ist nach der langen zeit.

Was deine Tante angeht ich glaube ich würde als Gast dorthin gehen und einfach mich was das formelle angeht wer kommt und wer nicht garnicht einmischen. weil ich glaube das recht hast du wiederum nicht...bzw. du kannst ja deinen vater anrufen und fragen ob du die tante anrufen könntest. da würd ich wenn es mein bruder wäre garnicht miteinbeziehen.

Aber wie gesagt nur kopf hoch und sei tapfer ...ich find es toll dass du zur Beerdigung gehst ...dass zeigt auch deine Wertschätzung gegenüber deiner Mama und dazu gehört auch sehr viel Mut.
Ich finde es auch super das du dir die Mühe und Strapazen auf dich nimmst....du hättest ja auch einfach ...nicht gehen können und dann wäre die Sache auch gegessen gewesen.

So nur noch einen Tipp mach dir keine Gedanken mehr was deine denkt oder tun bzw. reagieren könnte sondern lass einfach alles spontan auf dich zukommen...es kommt eh immer alles anderser wie man denkt!!!!

Viel erfolg

Meld dich wenn du wieder zurück bist würde gerne von dir hören wie es gelaufen ist!!! Drück dir alle DAUMEN!!!!!

Beitrag von wirbelwind77 11.05.11 - 13:23 Uhr

Vielen Dank für Deine schnelle und sehr hilfreiche Antwort. Werde es dann so machen - es auf mich zukommen lassen.

Ich überlege nur, dann meine Tante wenigstens nach der Trauerfeier, wenn ich wieder zurück bin, zu informieren, oder? Als Schwester müsste sie doch ein Recht darauf haben, zu erfahren, dass ihre Schwester verstorben ist, oder?

So, jetzt werde ich mich mal wieder meinem Engelchen als Milchbar zur Verfügung stellen.

LG von Bibi

Beitrag von lachris 11.05.11 - 22:12 Uhr

Hi,

ich würde Deine Tante auf jedenfall informieren.

Schließlich ist Ihre Schwester gestorben. Sie sollte zumindest die Möglichkeit haben zu entscheiden, ob sie bei der Beerdigung mit dabei sein möchte oder nicht.

Den Ärger mit Deinem Vater hast Du doch eh schon.
Wenn Du 10 Jahre lang keinen Kontakt mehr hattest, was soll dann an der Situation noch schlimmer werden?

Wäre ich Deine Tante, wäre ich sehr enttäuscht, wenn Du es mir nicht oder nicht rechtzeitig gesagt hättest.

Deine Tante kennt die Familiensituation doch auch. Vielleicht wird sie daher schon von sich aus davon absehen auf die Beerdigung zu gehen.
Oder Dein Vater schafft es doch an diesem Tag mal den Streit beiseite zu lassen. Wie auch immer, zumindest hätte Deine Tante die Chance Ihre Schwester zu betrauern.

Ich wünsche Dir, dass die Trauerfeier ohne größere Zwischenfälle abläuft, so dass Du Deine Mutter in Würde betrauern kannst.

VG lachris