gemeine Gedanken - ich schäme mich!

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Forum: Unterstützter Kiwu

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Beitrag von haseigelchen 12.05.11 - 10:43 Uhr

Guten Morgen,

heute bräuchte ich mal einen Rat der anderen "Sorte".

Es ist so, dass eine gute Freundin von mir seit ca. 6 Wochen leider ebenfalls bei uns in der Klinik ist. Es fing damit an, dass sie 1 Woche nach dem ersten Termin gleich mit der Stimulation für die IVF anfangen durfte, Befund war Endometriose. Da habe ich mich schon das erste Mal dabei ertappt, wie ich dachte, warum mussten wir einen ganzen Untersuchungsmarathon hinter uns bringen (auch wenn das bereits fast 6 Jahre her ist) und sie dürfen gleich anfangen.

Wie es der Zufall wollte, haben wir zur gleichen Zeit stimuliert, meine Punktion war 5 Tage eher. Leider mussten bei uns aufgrund einer sehr starken Überstimulation alle EZ eingefroren werden, d.h. der Transfer wurde nicht gemacht. Bei ihr lief alles planmäßig und sie hatte ganz normal Transfer.

Leider ist es nun so, dass ich oft denke, "Bitte lass es nicht geklappt haben". Manchmal habe ich richtige kleine Panikanfälle, wenn ich darüber nachdenke, wie ich reagieren soll, wenn sie sagt, dass der anstehende Bluttest positiv ist. Ich weiß einfach nicht, wie ich damit umgehen soll.

Kennt Ihr das? Wie komme ich da wieder raus? Eigentlich kenne ich es gar nicht von mir, dass ich so missgünstige, ja sogar regelrecht gemeine Gedanken habe. Ich freue mich doch sonst auch mit jedem mit, der diesen steinigen Weg erfolgreich gehen durfte.

Ach menno. Möchte es gerne auf die Resthormone schieben...

Danke fürs Zuhören

LG
HaseIgelchen

Beitrag von engel-filou 12.05.11 - 11:12 Uhr

Guten Morgen...

das was Du schreibst kenne ich zu gut....ich glaub irgendwo ist das in unserer Situation auch ganz normal....

Ich glaub nicht das du dich dafür schämen musst, es sind deine Gedanken und Gefühle und die sind gott sei dank frei.

Vielleicht ist es auch nicht so das du es ihr nicht gönnst, sondern eher die Angst vor dem Schmerz den zumindest ich immer habe wenn ich wieder von einer SS im engeren Kreis erfahre....

Eigentlich freut man sich irgendwo schon für den anderen, aber gleichzeitig tut es einfach weh weil man selber nicht weiß ob es bei einem selber jemals klappen wird.....

Ich kenne auf jeden Fall deine Gedanken, und ich war anfangs auch sehr erschrocken über mich selbst das ich solche Gedanken haben kann. Eigentlich bin ich auch eher jemand der sich immer mit anderen freut.

Allerdings habe ich auch gemerkt das mich die Kinderwunschbehandlung so wie der unerfüllte Kinderwunsch doch sehr verändern.....im Moment denk ich leider, aber vielleicht macht uns das auch noch stärker...

Also mach dir mal keinen Kopf und schämen musst du dich gar nicht für deine Gedanken....

Ganz lieben Gruß Filou

Beitrag von haseigelchen 12.05.11 - 11:30 Uhr

Hallo Filou,

danke für Deine lieben Worte. Eigentlich hast Du ja auch recht.

Vielleicht wäre es ja auch anders, wenn sie auf normalem Wege einfach schwanger geworden wäre, ich weiß es nicht. Mir macht es aber zu schaffen, dass sie sich mit ihren Fragen immer an mich wendet (wir arbeiten auch zusammen). An sich wäre das auch nicht schlimm, aber so bin ich halt immer - ob gewollt oder nicht - über alles genau informiert. Weiß, wann welche Termine sind etc.

Ich möchte sie aber auch keinesfalls vor den Kopf stoßen, denn ich kann mich noch erinnern, als wir mitten in der 1. ICSI steckten und ich gar nicht wusste, wohin mit meinen vielen Fragen und Ängsten.

Viele liebe Grüße

HaseIgelchen

Beitrag von truelovingirl 12.05.11 - 11:27 Uhr

Nach 5 Jahren unerfüllten Kinderwunsch habe ich solche Gedanken schon viel zu oft gehabt. Für mich ist es Selbstmitleid, weil alle anderen in unseren Familien-/Freundeskreis keine Probleme haben schwanger zu werden. Solange man sowas nicht ausspricht muss man sich glaube nicht schämen. ;-)

Beitrag von netty693 12.05.11 - 11:31 Uhr

Hallo Hase,

es gibt mit Sicherheit noch mehr Frauen die gleichzeitig mit Dir stimuliert haben in deiner Praxis, ABER mit der Freundin hast Du jetzt einen direkten Vergleich - das ist da Problem. Denn über die anderen Frauen machst Du Dir sicher keine Gedanken, oder?

Unbewusst kommt man in einen Konkurrenzkampf. Wer hat die meisten EZ, wieviel haben sich befruchtet, wieviel können eingefroren werden, welche Qualität haben sie zum Transfer, wer hat am Ende den positiven BT-Anruf!

Völlig normal, aber so zum kot*zen und auch zu verstehen!

Schäm Dich nicht, aber sag Dir selbst das deine Chance bei der Kryo kommt! Denn das tut sie!

Ich sag mir immer, wenn der Neid doch mal aufsteigt, das ich nicht weiß, was alles schon bei diesem Paar passiert ist...

LG
netty

Beitrag von novemberschnecke 12.05.11 - 13:08 Uhr

Ich sehe das als völlig normal an.
Auch wenn man sich normalerweise für andere Menschen freut ist man sich in solchen Situationen einfach selbst der nächste und kann seine Ängste/Wünsche/ Sorgen/Hoffnungen nicht komplett unterdrücken. Es ist ja letztendlich nur so, dass du es dir für dich in erster Linie wünschst und nicht, dass du es ihr nicht wünschst.
Ich kenne das auch von der anderen Seite. Ich habe selber eine 2,5 jährige Tochter und bin 29. Meine Freundin ist 40 und hat noch kein Kind. Sie wünschen sich sehr, dass es klappt und ich weiß von ihrer Geschichte und bin immer aktuell informiert. Sie hatten bereits mehrere erfolglose IUIs und die Zeit tickt... Wir wünschen uns auch ein zweites und üben daran, aber ich traue mich kaum ihr davon zu erzählen, geschweige denn möchte ich mir den Moment vorstellen, indem ich ihr vielleicht erzählen "muss", dass ich schwanger bin. Eben genau weil ich weiß wie sehr das für sie schmerzvoll sein muss. Ich wäre ihr auch überhaupt nicht böse wenn sie dann solche Gedanken hätte. Und sie ist wirklich aufopferungsvoll und sehr mitfühlend, aber in der Hinsicht würde ich sie wirklich verstehen.

Viel Erfolg und schäme dich nicht, denn diese Gedanken haben die meisten, nur geben es die wenigsten zu!

Beitrag von haseigelchen 12.05.11 - 13:44 Uhr

Vielen Dank für Eure Antworten.

Ich fühl mich schon ein bisschen besser, jetzt da ich weiß, dass es anderen auch so geht.

LG
HaseIgelchen

Beitrag von wisawe 12.05.11 - 16:34 Uhr

Hallo,

ich glaube hier ist einer der Orte, wo Du es genau so aussprechen darfst. In solch einer Situation kann man diese Gedanken nicht unter Kontrolle behalten. Es ist einfach die Ungerechtigkeit, die wir nicht verstehen können. Es ist Deiner Freundin und all den anderen ja niemals böse gegenüber gemeint. Nur unser Schmerz wird dadurch so unendlich groß!

Ganz liebe Grüße #liebdrueck

Beitrag von manu582 12.05.11 - 18:29 Uhr

Huhu,
oh ja wie ich das kenne... freudestrahlend berichtete mir ne Freundin das sie in der 8. ssw ist -.- und sie nur 2 oder 3 Zyklen geübt haben, is ihr 2. Kind... grrrrrrrrrr innerlich bin ich geplatzt.
Wenn ich hier die Leidenswege mitverfolge und auch lese das es hier und da geklappt hat nach all der Zeit, dann freu ich mich und seh positiv nach vorne... aber wehe es geht alles so flotti bei andern, die dann noch deine volle Freude erwarten, da kann ich auch k... u innerlich fluchen u heulen.

Ich glaub man is einfach zu enttäuscht von sich selber.

LG Manu

Beitrag von felsine 12.05.11 - 20:22 Uhr

Hallo,
ich kenne das auch,nur zu gut.Und die Angst,dass bald die einen oder anderen ihre Schwangerschaft verkünden ist auch immer da.Bei mir ist es schon so krass manchmal,dass ich froh bin,wenn die Frauen weiterhin rauchen oder Alkohol trinken,dann erst kann ich mich wieder entspannen.Wenn ich meinem Mann davon erzähl,kann er mich nicht verstehen.Und Neid ist echt weiß Gott kein schönes Gefühl,aber alles kann man kaufen,sofort,heute oder morgen.aber schwanger werden beeinflusst man nicht,auch nicht heute und nicht morgen.

Beitrag von binhalthier 12.05.11 - 20:55 Uhr

Hallo HAseIgelchen
Du beruhigst mich etwas
Ich hatte schon das Gefühl ich bin nicht normal
Mir geht es derzeit genauso..... hab eine sehr liebe Bekannte---sie hat einen ähnlichen Weg wie wir hinter uns. Sie möchten nun ein Geschwisterchen für ihren Sohn. Als sie mir vor ein paar Wochen gesagt hat, dass sie mit der Stimu begonnen hat, wär ich am liebsten in Tränen ausgebrochen.
Sofort kam sowas wie Neid in mir auf...warum darf sie jetzt mit Stimu anfangen und ich nicht. Auch das denken dass es hoffentlich nicht klappt hatte ich auch schon....Dabei mag ich meine Bekannte sehr sehr gern...sie war in ganz harten Zeiten immer für mich da....
Anderseits denke ich dann... wenn es jetzt bei ihnen klappt dann wird unser nächster Versuch auch bestimmt klappen und dann haben unsere Kinder beide jemanden zum spielen und toben.....
Ach ich fühl mich so mies bei dem ganzen.
Hab jetzt schon Angst vor dem Bluttest von ihr.....#zitter. Hoffentlich kann ich mich beherschen und fang nicht das heulen an.
Also wir sehen...solche Gedanken haben nicht nur wir.
lg :-)