Beim Bestatter noch mal verabschieden?

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von lissi83 15.05.11 - 19:33 Uhr

Hallo zusammen!

Nun muss ich zum ersten mal in dieses Forum schreiben.
Meine Oma ist heute morgen gestorben.
Am Donnerstag schon kam sie sehr überraschend ins Krankenhaus und hatte ne op, dann war klar, es gibt keine hoffnung. Ich wollte morgen hin um mich zu verabschieden. Wir sind das letzte mal im Streit auseinander gegangen. Obwohl sie im Koma lag, war mir das wichtig zu ihr zu gehen und ihr ein paar dinge zu sagen und abschied zu nehmen. Vielleicht hätte sie es doch mitbekommen im Unterbewusstsein?!? Wie auch immer. Sie ist nun tot. Morgen kann man sie beim Bestatter noch mal sehen und dort Abschied nehmen. Ich bin mir nicht sicher. Einerseits möchte ich das gerne aber ich habe auch etwas angst.

Kann mir bitte von euch jemand berichten, ob ihr schon mal in einer solchen Situation wart und wie ihr euch gefühlt habt?

Es is so schlimm, dass ich es nicht mehr geschafft habe zu ihr zu gehen.

Danke euch für eure Berichte! Bye

Beitrag von honigbiene02 15.05.11 - 20:04 Uhr

Hallo

Ich war in der Situation letzte woche haben wir Abschied genommen
von meinen Lg. Wir haben ihn aufbaren lassen und ich bin froh das ich
das gemacht habe. Meine kids waren auch dabei.

Und er lag da als ob er schläft.

Beitrag von jrc 15.05.11 - 20:48 Uhr

Ich habe es bei drei gemacht und zweimal nicht gemacht.

Meinen Papa und den Lieblingsonkel meines Mannes habe ich nicht verabschiedet. Konnte ich nicht, wollte ich nicht, hatte seine Gründe. Bereue es bis heute nicht.
Bei den drei Mal, wo ich dabei war, war es schön vom Bestatter gemacht. Sie sahen aus, als ob sie schlafen. Auch war ich es denen schuldig, ihnen so nochmal die Ehre zu geben. Auch das Anfassen ist erlaubt und meist wichtig in der Abschiednahme. Ich habe jedesmal nochmal die Hand gedrückt, wie einen Händedruck oder einen Kuß auf die Stirn gegeben.
Bei meinem verstorbenen Patenkind habe ich mich nochmals verbeugt.
Ebenso habe ich mal einen Brief geschrieben, was ich denen noch sagen oder mit ihnen machen wollte und habe ihn in den Sarg gelegt oder mit ins Grab gegeben.

Du brauchst dich auf keinen Fall vor dem Anblick fürchten. Es hört sich schlimmer an, wie es wirklich ist.
Viel Kraft und alles Gute

Stillen Gruß

Beitrag von suameztak 15.05.11 - 21:50 Uhr

Hallo,

ich hatte mich als Kind von meiner Oma beim Bestatter verabschiedet. Sie sah wirklich aus, als würde sie nur schlafen. Also nichts Schlimmes.
Als mein Vater starb, waren wir am gleichen Tag bei ihm im Krankenhaus. Das war schlimm! Mir wurde zwar gesagt, dass es ganz natürlich sei, wenn bei Verstorbenen der Mund offen stünde, aber es sah aus, als hätte er versucht nach Luft zu schnappen. Schade, dass er nicht mehr aufgebahrt wurde und ich dieses Bild als letztes im Kopf behalte.
Übrigens gibt es im vielen Kulturen einen Glauben, dass die "Seele" des Verstorbenen sich etwa 40 Tage in der Nähe des Körpers aufhält. (Daher auch das 6-Wochenamt oder Christi Himmelfahrt 6 Wochen nach Ostern) Wenn du damit etwas anfangen kannst, kannst du alles, was du noch auf dem Herzen hast, bei dem Besuch beim Bestatter oder auch später am Grab loswerden. Für mich war das ein tröstlicher Gedanke.

Beitrag von lissi83 16.05.11 - 21:03 Uhr

Hallo!

Danke auch dir für die Antwort und danke für die Worte über die "Anwesenheit" der Seele. Ich bin dort gewesen und als ich "mit ihr sprach" , hat mir der Gedanke geholfen.

lg sarah

Beitrag von liebelain 16.05.11 - 09:04 Uhr

Hallo Lissi83,

zunächst mein aufrichtiges Mitgefühl.

Der Rat, den ich Dir geben möchte, ist: wenn Du es psychisch erträgst, geh auf jeden Fall hin und verabschiede Dich. Sei gewappnet, dass Deine Omi jetzt anders aussieht als vorher, denn es ist nur noch ihre irdische Hülle, die da vor Dir liegt. Es ist aber überhaupt nicht schlimm, denn es ist ein Mensch, den Du sehr liebst. Es tut halt weh, dass kein Leben mehr in ihr ist.

Alles, was Deine Omi war, ist immer bei Dir. Sie ist in Dir drin und um Dich herum und daher kannst Du ihr auch alles sagen, was Du noch auf dem Herzen hast. Verabschiede Dich voller Liebe von ihr, die so lange Teil Deines Lebens war, denn Du siehst sie so nun zum allerletzten Mal. Streichle ihre Hände oder Wangen und sage ihr zum Abschied, wie sehr Du sie geliebt hast. Danke ihr dafür, dass sie da war und lass sie wissen, wie sehr Du sie vermissen wirst.

Lass Dir dafür so viel Zeit, wie Du brauchst. Ob es eine Minute ist oder eine Stunde, ist völlig egal. Es ist gut, wenn Du Abschied von ihr nimmst, bevor die Beerdigung stattfindet, denn Abschiednehmen und Beerdigungszeremonie an einem Tag sind gefühlsmäßig sehr, sehr anstrengend.

Ich wünsche Dir viel Kraft und Zuversicht. So richtig kann man ohnehin erst nach der Beisetzung mit der Trauerarbeit beginnen. Vorher fühlt man sich, als ob man in der Luft hängt, weil der Verstorbene irgendwie ja noch da ist, aber eben doch nicht mehr richtig.

Fühl Dich herzlich gedrückt.
Lieben Gruß, liebelain

Beitrag von lissi83 16.05.11 - 21:00 Uhr

Hallo!

Vielen Dank für deine Antwort. Bis zum Schluss war ich mir so unsicher. Nachdem ich das hier gelesen habe, bin ich einfach erstmal losgefahren und habe mich vor dem Bestattungsinstitut mir meinem Vater getroffen. Nachdem mich der Bestatter so offen und freundlich empfangen hat, ging alles wie von selbst und ich war froh, dass ich es gemacht habe. Der hat ne tolle Art gehabt. Ohne viel "tam-tam" war er distanziert aber auch präsent genug und hat gesagt ich kann das machen alles ohne druck, wenn ich es nur selber will.
Der erste Blick war ein kleiner aber auch sehr kurzer Schock. Klar, befremdlich im ersten Moment. Aber ich war froh für einen Moment alleine mit ihr zu seinund etwas zu sagen!

Also danke noch mal für deine ermutigenden Worte!

LG Sarah

Beitrag von liebelain 17.05.11 - 08:42 Uhr

Liebe Sarah,

schön, dass Du von Deiner Omi in aller Ruhe Abschied nehmen konntest. Es kostet ein wenig Überwindung und der erste Blick ist, genau wie Du es beschreibst, zunächst ein kleiner Schreck. Es ist der vertraute Mensch, den man nun zum letzten Mal berühren kann, doch man sieht schon die Veränderungen durch den Tod. Aber trotz aller Furcht spürt man so unendlich viel Liebe, die man dem/der Verstorbenen bereitwillig auf diese letzte Reise mitgibt, dass alle anderen Gefühle ganz schnell dahinter zurücktreten.

Dass die Seele noch da ist ist etwas, an das ich mich auch hoffnungsvoll klammere. Erst vor Kurzem las ich - nach einem Tipp hier bei urbia - das Buch "Wir sterben nie" von Bernard Jakoby, das diese These ebenfalls unterstützt. Mir hat die Lektüre geholfen, meine Einstellung zum Tod gänzlich zu ändern. Natürlich weine und trauere ich immer noch, wenn jemand von uns geht, den ich kannte, aber es gibt diese tiefe Verzweiflung nicht mehr, sondern eher Hoffnung und Zuversicht.

Daher bin ich mir auch ganz sicher, dass Deine Omi gehört hat, was Du ihr gestern noch zu sagen hattest. Auf jeden Fall weiß sie, dass Du sie geliebt hast und Du kannst Dir sicher sein, dass ihre Liebe bei Dir bleibt.

Ich wünsche Dir nochmals von Herzen Kraft für die Beisetzung. Bewahre Dir die Hoffnung, dann wird es nicht ganz so schwer für Dich sein.

Alles Liebe,
liebelain

Beitrag von nager 17.05.11 - 20:30 Uhr

Hallo,erstmal mein Beileid.
Ich hatte mir diese Frage auch im Feb. gestellt.
Und diese auch an den Bestatter gestellt.
Da mein Papa einige Wochen im Krhs zugebracht hat, hat er mich darauf vorbereitet, dass dann die Menschen stärker "eingefallen" aussehen, evt Blutunterlaufen sind etc. Nicht so wie im TV nur blass und schlafend...
Ich habe mich entschieden, ihm einen Abschiedsbrief in den Sarg reinzulegen und ihn so in Erinnerung zu behalten, wie er war.
Meine Mama war bei ihm u. sagte dann: sei froh, dass Du nicht mehr da warst. Er sah schlimm aus u. war sooo entsetzlich kalt- so etwas kaltes hab ich noch nie angefasst...
Für mich war die Entscheidung richtig. Ich habe sie ganz spontan aus dem Bauch heraus am Tage der Beerd. gefällt. Du wirst das richtige tun!