Wieder "neu anfangen" mit dem Stillen??

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Forum: Stillen & Ernährung

Muttermilch oder Flasche? Was schmeckt kleinen Kindern aufs Brot? Hier könnt ihr Fragen zur Säuglings- und Kleinkindernährung, aber auch zu eurer eigenen Ernährung während der Stillzeit stellen. Unsere Stillberaterin Christina Law-Mclean beantwortet eure Fragen täglich in unserem Expertenforum.

Beitrag von evaundbaby 27.05.11 - 23:49 Uhr

Hallo liebe Urbianerinnen!
Mein Anliegen ist folgendes: ich hatte in den letzten Tagen (also ca. die letzten 7 Tage) ein "Stillkrise". Das heißt ich war ienfach so frustriert, dass Emilia nie satt wurde von der Brust und wir letztendlich immer dann noch ein Fläschchen hinterher geben müssen. So. Und weil wir dann immer eeeeewwwwwiiiigg mit einer Mahlzeit beschäftigt waren wollte ich einfach nicht mehr stillen, bzw. habe ihr nur noch 1-2mal täglich die Brust angeboten. Weil ich nicht bereit dazu bin alles andere liegen zu lassen und dann wird der kleine Schatz erst nicht satt.

Status quo: ich hab mich berappelt und möchte es nochmal versuchen mit dem Stillen weil ich denke dass alle Fertignahrung natürlich gut- aber eben nicht so gut wie Muttermilch fürs Baby ist.
Wie stell ich das jetzt am besten an, dass wieder mehr Milch produziert wird?? Ich habe anfangs Agnus castus von der Hebi bekommen. Hat jmd. Erfahrungen ob das auch nach Stillpause wieder klappt???

Bin euch wirklich für gute Tipps dankbar!!!!
lg eva*

Beitrag von steffi0413 28.05.11 - 02:15 Uhr

Hallo Eva,

ich finde das super, dass Du wieder das Stillen versuchen möchtest.

Klassisch relaktieren musst Du nicht, die Milch braucht ja mind. 40 Tage nach dem letzten Anlegen bis die weg ist. Die Milchmenge ist aber sicher weniger geworden, kann aber in paar Tagen wieder erhöht werden.

Bei der Milchproduktion bestimmt die Anfrage das Angebot. Dh. je öfters die Brüste stimuliert werden, desto mehr Milch wird produziert, je seltener, desto weniger.
Daneben ist Essen, Trinken, Tee, Globuli usw. nur zweitrangig.

Das wichtigste wäre also die Kleine sehr oft (mind. 8-12x in 24 Stunden) beidenseitig anzulegen.

Beim häufigem Anlegen kann Bockshornkleesamen (Kapseln oder Tee aus den Samen) die Milchproduktion unterstützen.

Agnus castus kenne ich als Mittel für die Senkug vom Prolaktinspiegel... Das würde ich also keinesfalls emfehlen...

Wenn sie regelmässig die Flasche und/oder Schnuller bekommen hat, dann kann leider locker vorkommen, dass der künstliche Sauger ihre richtige Trinktechnik (Saugverwirrung) kaputt gemacht hat. Mit der falschen Technk war sie dann an der Brust nicht genug effektiv, hat nicht genug Milch erhalten.

Das wäre also mehr als wichtig, dass sie KEINE Flasche bzw. auch KEINEN Schnuller mehr bekommt!!!
Zufütterung kannst Du mit Fingerfeeder, Spritze, Brusternährungsset oder aus dem Becher anbieten.
http://www.stillgruppe-ml.de/becherfuetterung.htm

Vor jedem Anlegen kannst Du eine kleine "Zungenübung" machen: stecke Deinen Zeigefinger in ihren Mund, so dass Du die Grenze zwischen weichem und hartem Gaumen erreichst (Achtung! Hände sehr gründlich gewaschen, Nagel sehr kurz geschnitten!!!) - Nagel schaut nach unten – lasse sie so ein bisschen nuckeln und beobachte was sie macht: macht sie einen "Hügel/Buckel" hinten mit ihrer Zunge? Liegt die Zunge über der unteren Zahnleiste? Die Zunge schmiegt sich um den Finger? Zunge und Unterkiefer bewegen sich rythmisch? Beisst sie vielleicht auf den Finger? Wenn sie einen Buckel macht und/oder die Zunge NICHT über der unteren Zahnleiste liegt, dann drehe den Finger vorsichtig um (Nagel schaut nach oben) und vorsichtig drück die Zunge nach unten und/oder ziehe ein bisschen nach vorne. Lasse sie so auch eine Weile nuckeln.
Diese Übung hilft die richtige Technik wieder zu finden und kann vor jedem Anlegen gemacht werden bis sie noch Probleme hat.

Wenn sie beim Stillen zu schnell einschläft oder nicht mehr schluckt, kannst Du folgendes versuchen: drück (Daumen oben, andere Finger unten) deine Brust hinten dem Bruswarzenhof zusammen und halte so. Stark, aber weh tun darf es nicht. Das stimuliert den Milchfluss, den Milchspendereflex, erhöht die getrunke Milchmenge und das Fettgehalt (sie fängt dann wieder an zu schlucken)

Zufüttern mit Pre immer erst NACH dem Stillen, wenn sie schon mind. 1x beide Brüste getrunken hat (kann man auch mehrmals wechseln) und noch immer nicht zufrieden ist. Und keinesfalls aus der Flasche, sondern Becher, Fingerfeeder, Spritze, SoftCup, Brusternährungsset.

Nach ein paar Tagen könnt ihr dann sehr-sehr vorsichtig versuchen die Zufütterung stufenweise wegzulassen.
Dabei die Windel sehr streng beobachten (mind. 6 nasse Stoff oder mind. 4 schwere Einmalwindel pro Tag, Urin nicht konzentriert!).

Das Ganze kostet natürlich Zeit, Geduld und Ausdauer aber es lohnt sich in allen Fällen! :-)

In diesem Alter verbringen die Babies viel Zeit an der Brust, das ist vollkommen normal und ändert sich in den meisten Fällen mit 3-4 Monaten. Wenn Du "nicht bereit bist alles andere liegen zu lassen", dann könntest Du zB. ein Tragetuch versuchen. Dort kann die Kleine so oft und so lange an der Brust hängen wie sie möchte und Dir bleiben noch immer 2 freie Hände zu anderen Sachen. ;-)

Verwendet ihr auch Schnuller, Stillhütchen?
Hast Du von Anfang an zugefüttert?
Warum hast Du gedacht, dass Emilia nicht satt wird?

LG
Steffi

Beitrag von evaundbaby 28.05.11 - 07:27 Uhr

Vielen Dank erstmal, deine Antwort ermutigt mich echt sehr!! Wir haben heut morgen auch gleich mal wieder fleißig angefangen zu "üben".

Warum ich gedacht habe, dass sie nicht satt wird war ganz einfach: schon im KKH hat sie stark Gewicht verloren weil der Milcheinschuss am 5. Tag erst kam und ich kaum Kolostrum hatte ( von 3910g auf 3500g) und ich hätte schon da zugefüttert wenn die Kinderkrankenschwestern nicht so vehement dagegen gewesen wären.
Hat dann ja auch endlich geklappt mit der Milch. Es war aber wirklich die nächsten drei Wochen so, dass ich sie NIE von der Brust nehmen konnte ohne dass sie fürchterlich zu weinen begonnen hat. Also waren wir den ganzen Tag mit Stillen beschäftigt. Also echt bestimmt ca. 30-40mal am Tag, weil sie dann auch immer eineschlafen ist.

Das haben wir drei Wochen so gemacht und irgendwann hat sie nur noch geweint , sodass wir mit ihr ins KKH gefahren sind weil wir echt Angst um sie hatten, dass irgendwas ganz und gar nicht stimmt. Das war nach drei Wochen und sie lag noch immer 200g unter ihrem Geburtsgewicht. Im KKH sagte die Schwester dann, dass sie "nur" Hunger hat. Und ich war echt so fertig mit den Nerven, dass wir ihr dann pre-Nahrung (also noch im KKH) gegeben haben, weil wir bis dahin nichts zu Hause gehabt haben. Und seitdem ist sie sooo zufrieden, ich denke also dass es wirklich der Hunger war der sie so schreien hat lassen.....

Sie wiegt jetzt 5500g und putzmunter aber schon wieder lass ich mich von anderen Müttern, deren Babys im gleichen Alter schon 7kg wiegen ein bisschen verrückt machen.

Du siehst.... es ist viel >Unsicherheit immer dabei.

Und Schnuller nimmt sie gar nicht und Stillhütchen haben wir noch nie probiert, wofür sind die gut??

ganz liebe Grüße!!

Beitrag von shiningstar 28.05.11 - 09:44 Uhr

Ich habe mal gehört, dass warme Waschlappen auf der Brust vor dem Anlegen die Milchbildung fördern kann.

Ansonsten -wenn sie gerade schläft -mit einer Milchpumpe versuchen, damit immer schön stimuliert wird?!

So oft anlegen, da hätte ich auch die Nerven verloren.
Leider mag Phillip überhaupt gar keine Pre-Milch, haben schon viele Marken probiert. Also wird immer fleißig angelegt und manchmal pumpe ich eben ab, wenn er seine Phase hat (wo er dann alle paar Minuten an die Brust will, aber nur kurz trinkt...)

Mit der Gewichtsabnahme ist normal.
Phillip hat nach der Geburt auf erst mal 400 Gramm abgenommen (von 3600 auf 3200 Gramm). Nach etwa 10 Tagen haben sie etwa wieder ihr Geburtsgewicht, wenn die MuMi erst mal da ist.

Beitrag von evaundbaby 28.05.11 - 10:37 Uhr

Ja, das mit der Abnahme IST normal, ich weiß. Aber Emilia hat dann 4 Wochen gebraucht, bis sie ihr Geburtsgewicht wieder hatte- sie war ja glücklicherweise recht schwer bei der Geburt, weshalb es ja nicht sooo dramatisch war. Aber hey- ich war mega nervös deswegen- man wird halt nicht alle Tage Mama, und dann war anfangs immer das Gefühl alles wirklich alles falsch zu machen.....

Beitrag von sonnelieb08 28.05.11 - 08:49 Uhr

Hallo, ich habe 4 Kinder, 3 von den Kinder habe ich voll Gestillt, einer, der dritte nur 3 Monate. Im KH habe ich schon gemerkt das mein Sohn anders trinkt als die andere, er hat nur genuckelt, alle 4 Tagen wo ich im KH war hang er nur an der Brust, Tag und Nacht, wenn ich hin ablegen wollte fing er zu weinen, und das schlimmste war das die Krankenschwester wollte auf mich nicht hören, ich sagte zu ihr das er nicht trink, das er nur nuckelt. Sie sagte zu mir das ich falsch anlege und das er muss lernen saugen. Nah ja ich war froh als ich zu hause war. Ich hatte viel Milch in der erste Woche gehabt und langsam ist sie weggegangen weil mein Sohn sehr schlecht getrunken hat. Ich hatte nur Stress, verzweifelt, schmerzen, wusste auch nicht weiter. Mein Freund sagte dann ich soll das alles lassen und mit Fläschchen füttern. Habe danach auch so gemacht und war Ruhe, hat angefangen zunehmen. Mein Sohn wollte einfach nicht aus der Brust trinken aber aus der Flasche sehr gerne.
Meine Tochter wird bald 7 Monate und ich stille immer noch voll. Sie dagegen will in Ihren Mund kein Silikon Geschmack haben. Brei nur aus dem Löffel.

So unterschiedlich können Kinder sein.

Du kannst ja noch mal versuchen stillen, ich habe das auch gemacht, wenn es nach einer Woche nicht besser wird, ist besser aufhören mit stillen. Stellt dich auf dein Kind ein und beobachte was besser für ihn ist und nicht was du möchtest.

gruß lilli

Beitrag von sarahjane 28.05.11 - 09:43 Uhr

Manchmal hilft Folgendes:

- das Kind öfter (nicht länger) an beiden Brüsten anlegen
- auf 3 bis 5 ausgewogene und ausreichende Mahlzeiten am Tag achten
- 2 bis 3 Liter am Tag trinken (davon 4 Tassen Fenchel-, Kümmel- und Anistee und 1 Flasche Malztrunk)
- wenig Koffein-, Teein- und Kohlensäurehaltiges trinken
- evtl. aus der Apotheke etwas Bockshornkleesamenhaltiges besorgen
- vor jeder Fütterung per Brust warme/feuchte Wickel auf die Brüste legen
- oft mit dem Baby kuscheln, es viel herumtragen
- nach jeder Fütterung per Brust beidseitig mit elektrischer Milchpumpe für 10 bis 20 Minuten abpumpen
- von (D)einer Nachsorgehebamme oder einer Brusternährungsberaterin (Achtung: am besten eine IBLBC-Brusternährungsberaterin kontaktieren, da diese die einzigen Brusternährungsberater sind, die eine fundierte Ausbildung genossen haben)

Nützt alles nichts, musst Du halt zufüttern (was auch nicht schlimm wäre).

Goldene Regel: Immer erst beide Brüste anbieten, dann das Milchfläschchen (bzw. die bevorzugte Fütterungsmethode).

Beitrag von abbymaus 28.05.11 - 22:56 Uhr

Hallo!

Du hast ja schon haufenweise gute Tipps bekommen, dazu fällt mir nur noch was ein, was man mir im Krankenhaus gesagt hat: Um die Milchproduktion noch zu steigern, soll man je Seite für 7, dann 5, dann 3 Minuten abpumpen.

Ich wünsch Dir auf jeden Fall viel Erfolg, Du schaffst das bestimmt! #blume

LG

abbymaus