Trainingsraum an Schulen. Eure Erfahrungen oder Meinungen !!!

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Forum: Kids & Schule

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Beitrag von aquamarin200 02.02.06 - 13:32 Uhr

Hallo,

an unserer Schule wird seid einigen Tagen ein Trainingsraum genutzt.

Ich bin da sehr, sehr verunsichert worden.

Meine Fragen :

* Wer arbeitet an einer Schule und kann mir Erfahrungen
nennen ?
* Wie stehen die Eltern dem Trainingsraum gegenüber ?
* Was halten die Schüler von dem Trainingsraum ?
* Erfolgsquote... ?

Danke für euire Mühe,

Gruß Aquamarin

Beitrag von melesser 02.02.06 - 17:40 Uhr

Hallo Aquamarin,

* Wer arbeitet an einer Schule und kann mir Erfahrungen nennen ? ich. ;-)

* Wie stehen die Eltern dem Trainingsraum gegenüber ?
Sehr positiv. Denn die Schüler müssen meist wegen einer Verhaltensweise in den Trainingsraum, die schon länger ein Problem darstellt. Hier wird das Problem wirklich unter vier Augen aktiv angegangen und nicht einfach nur sanktioniert. Die Eltern empfinden das als Hilfe.

* Was halten die Schüler von dem Trainingsraum ?
Als der Trainingsraum bei uns neu eingerichtet wurde, haben sich einige wenige Schüler in den ersten Tagen mit Absicht daneben benommen, um den Trainingsraum einmal kennen zu lernen. Wer aber wirklich einmal drin war, will dort nich unbedingt noch einmal hin. Schließlich müssen die Schüler dort über sich nachdenken und (unter Anleitung im Gespräch) Lösungsansätze zur Bekämpfung von Verhaltensproblemen entwickeln. Das empfinden die Schüler schon als anstrengend, was es ja auch ist. Nicht einmal Erwachsene mögen das. :-p
Man muss also keine Bedenken haben, dass sich einige Schüler gezielt immer in den z.B. Religionsstunden in den Trainingsraum schicken lassen. Das kommt nicht vor. Es ist einfach unbequem sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen.
Die Stimmung nach einem Beratungsgespräch ist immer sehr gelöst, denn viele Schüler wollen ihr Verhalten ändern, wussten aber vorher nicht genau wie oder sie sind froh, sich einige Dinge mal von der Seele gesprochen zu haben. Im Trainigsraum ist dafür genug Zeit, die ansonsten am Vormittag immer sehr knapp bemessen ist.


* Erfolgsquote... ?
Insgesamt ist der Trainingsraum eine sehr große Hilfe und zeigt auch gute Erfolge für den Großteil der Schüler. Natürlich gibt es aber auch Schüler, für die der Trainingsraum schlichtweg nichts nützt. Diese Schüler sind an keiner Veränderung interessiert und/oder haben einfach nie gelernt sich an Absprachen zu halten. Das kommt aber - Gott sei Dank - nur sehr selten vor.

Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkle bringen.

LG
Melanie

Beitrag von aquamarin200 09.02.06 - 12:24 Uhr

Hallo Melanie,

danke für deine gute Information.

Tja, bei uns scheint es nicht so gut an der schule zu funktionieren.

Viele Kinder unserer Klasse waren in den ersten Tagen schon "drin".
Verstärkt wurden sie von einer Lehrerin dahin geschickt. Diese ist auch die Klassenlehrerin.
Einige von diesen Kindern waren schon 3x oder 4x da. Der Trainingsraum ist erst am 30.01.06 angelaufen.
Von Erfolg möchte ich da noch nicht sprechen.

Von Schülern ist mir bekannt, dass Lehrer dieses System als "bequem" ansehen.
Die Kinder werden ohne diese Erinnerungen vorweg dahin geschickt. So soll das doch nicht sein.

Würde mich über einen Austausch von dir freuen.

Gruss Aquamarin

Beitrag von melesser 09.02.06 - 22:44 Uhr

Hallo,

Ich bin mir sicher, dass sich auch die Lehrer erst einmal an das ganze Prozedere gewöhnen müssen. Uns sind in der Anfangsphase bestimmt auch ein paar Fehler unterlaufen. Das spielt sich bestimmt ein.

Das Trainingsraumkonzept sieht es allerdings zwingend vor, dass die Kinder vorher die sog. "ausdrückliche Ermahnung" erhalten. Das ist für sie dann der letzte Warnschuss und die letzte Möglichkeit ihr Verhalten so zu gestalten, dass sie nicht in den Trainingsraum müssen. Nur so begreifen sie, dass SIE darüber bestimmen, ob sie am Unterricht teilnehmen oder ob sie in den Trainigsraum müssen. Ohne diese ausdrückliche Ermahnung macht das Ganze auch nicht wirklich Sinn. Dann ist der Trainingsraum in der Tat nur ein Ort, an dem unbequeme Schüler geparkt werden können. Und das ist nicht der Sinn der Sache.

Bei uns ist es auch so, dass einige Lehrer vermehrt Schüler in den Trainingsraum schicken und andere eben gar nicht. Ich gehöre auch zu denen, die Schüler eher öfter in den Trainingsraum schicken, naja, wenn man durchschnittlich alle vier Wochen als viel ansieht. ;-) Das liegt auch daran, dass einige Lehrer meinen, sie würden damit zeigen, dass sie nicht in der Lage sind selbst die Probleme zu lösen, was natürlich Unsinn ist. Aber nunja, das müssen sie selber wissen. Außerdem ist bei uns so, dass die Lehrkräfte den Trainigsraum freiwillig besetzen. Diese Stunde wird uns nicht angerechnet und einige sind nicht bereit eine Freistunde pro Woche dort anwesend zu sein. Diese Kollege schicken dann aus "Fairnessgründen" auch keine Schüler in den Trainigsraum. Keine Ahnung, wie das an der besagten Schule geregelt ist. Vielleicht ist auch das ein Grund, dass einige Lehrkräfte niemanden dorthin schicken.

Die Zahlen, die Du dort oben erwähnst, würden bei uns so nicht vorkommen. An unserer Schule ist es so, dass ein Schüler beim vierten Besuch des Trainigsraums zum Schulleiter geschickt wird, der dann das Elternhaus informiert und die Eltern müssen das Kind dann abholen. Das Kind darf erst dann wieder am Unterricht teilnehmen, wenn es zusamenn mit den Eltern zu einem Gespräch in der Schule erscheint - am besten natürlich am nächsten Tag. Haben die Eltern aber beispielsweise drei Tage keine Zeit, dann bleibt das Kind eben diese drei Tage zu Hause. Das klingt vielleicht hart, aber diese Vorgehensweise hat folgende Gründe:
1.) Das Kind lernt, dass es sich wie alle anderen auch an bestimmte Regeln zu halten hat.
2.) Diese kurzzeitige Suspendierung hat eine enorm große Signalwirkung auf andere Schüler, die dann sehen, dass ihr Verhalten Konsequenzen hat.
3.) Leider ist manchmal diese Suspendierung der einzige Weg, dass man die Eltern mal zu packen bekommt. Denn manchmal ist es so, dass sich die Eltern nicht dafür interessieren, was ihr Kind morgens so macht. Für einige ist es entscheidend - auch wenn es hart klingt - dass ihr Kind morgens geparkt ist und betreut wird. Mit diesen Eltern kommt man sonst nicht in Kontakt. Müssen diese sich dann aber auf einmal morgens selber um die Betreuung ihres Kindes bemühen, treten sie sehr schnell mit der Schule in Verbindung. Der Druck auf das Elternhaus spielt also auch eine gewissen Rolle, denn die wollen nicht unbedingt ein zweites Mal zu einem Gespräch in der Schule erscheinen. Gerade für berufstätige Eltern ist das auch nicht immer einfach zu arrangieren. Also kümmern sich sich dann plötzlich verstärkt darum, dass das Kind sich an die Regeln hält.

Falls Du noch weitere Fragen hast, kannst Du sie gerne stellen.

Liebe Grüße,
Melanie

Beitrag von aquamarin200 09.02.06 - 23:35 Uhr

guten abend melanie,

vielen dank.
ich laß mich erstmal überraschen. leider hat mein sohn im tr auch schon "guten tag" gesagt.
der grund ist ihm bis heute nicht ersichtlich. und mir ehrlich gesagt, auch nicht. nun gut.

das einzige was ihn absolut bedrückt ist die tatsache, dass es ihm schrecklich peinlich war. er hat sich ganz arg geschämt und nur geweint....ein mitschüler hat ihn netter weise begleiten dürfen.

das ganze ist nun einige tage her.
einen "erfolg" bei z.b. meinem sohn konnte ich nicht feststellen. er hat angst nochmal dahin zu müssen.

er geht jetzt jeden morgen recht ungern aus dem haus. er weiß nicht so recht, wie er sich im unterricht verhalten soll.

sicher haben die schüler 10 regeln aufgestellt und sicher werden da auch einige kinder von lehrern vorgewarnt...
aber leider gibt es durchaus ausnahmen.

gruß martina