Muss man mit ALG II fast verhungern????

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von anakonda1978 04.02.06 - 12:16 Uhr

Hallöchen!

Kann mir jemand sagen, wo ich erfahren, kann, was einem bei ALG II alles zusteht?
Die Sache ist nämlich die:
Mein Papa bekommt seit seiner Firmenpleite ALG II (bzw. vorher Sozialhilfe). Er pumpt mich jetzt immer öfter um Geld an, bzw. will welches geschenkt haben.
Er ist ja mein Papa und mir tut es auch leid, wenn's ihm schlecht geht #schmoll
aber mittlerweile habe ich eine kleine Tochter und gehe auch nur ab und zu arbeiten und muss sehen, dass es uns gut geht... ein Gehalt fällt ja erst mal weg...
Nun ja, er sagt, er hat noch nicht mal was zu essen, früher hat er z.B. Weihnachten Geld bekommen u.s.w., das bekommt er jetzt nicht mehr... und er hat nur noch zerrissene Socken und so #schock#schock#schock
Er hat jetzt auch Zucker und noch ein paar andere Krankheiten und muss laut seinen Angaben die ersten paar Hundert Euro (bis zu einer gewissen Grenze, ich glaube 400 Euro) Zuzahlung & Praxisgebühr ganz normal leisten. Also ernährt er sich seit Monaten nur noch von Nudeln und Kartoffeln #heul

Jetzt würde mich einfach mal interessieren, ob es ihm wirklich sooooo schlecht geht, oder ob er das dramatisiert, um mich weiterhin dazu zu bringen, ihm Geld zu schenken... So langsam habe ich nämlich das Gefühl (auch wenn's mir echt leid tut, aber 100% vertrauen kann ich ihm nicht mehr #schmoll)

Habt ihr vielleicht einen Link zu einer Site, auf der aufgelistet wird, was einem so zusteht, damit ich dann auch mal gegenargumentieren kann?
Er setzt mich nämlich psychisch manchmal ganz schön unter Druck (ich habe dir auch immer den letzten Knopf gegeben, ich war immer für dich da u.s.w.) - aber wie gesagt, ich muss meine eigene kleine Familie versorgen und lasse ihm schon seit 8 Jahren immer wieder Geld zukommen oder schicke ihm Lebensmittelpakete. So langsam reicht's mir :-p

Ach ja, er hat ein kleines (uraltes) Auto, das muss er natürlich finanzieren, aber die letzten Jahre haben seine Verwandten (inkl. ich) die Steuer und Reparaturen bezahlt. Jetzt haben sich alle außer ich von ihm abgewandt und die ganzen Kosten bleiben an mir hängen. Ohne Auto will und kann er nicht mehr leben, da ist er kein Mensch sagt er. Und ich kann's auch irgendwie verstehen...

Nun ja, würde mich echt riesig über Antworten freuen - denn soooooooooooo schlecht kann's einem doch gar nicht gehen, oder???????

LG Ramona

Beitrag von galeia 04.02.06 - 12:33 Uhr

Lebt Dein Vater alleine? Wenn ja, hat er einen Regelsatz von 345 € zur Verfügung (im Westen), im Osten wären es 331,00 €, dazu erhält er seine Mietkosten (für bis zu 6 Monate in voller Höhe, danach nur noch in angemessener Höhe, wenn die Wohnung zu teuer ist).

Als Diabetiker hat er evtl. die Möglichkeit, zu den 345,00 € einen Mehrbedarfszuschlag wegen kostenaufwändiger Ernährung zu beantragen, das würde ich ihm empfehlen, ist jedoch nur fettreduzierte Reduktionskost erforderlich, wird er vermutlich keinen Mehrbedarf erhalten.

Medikamentenzuzahlun beträgt 2% des Jahresregelsatzes, bei chronisch Kranken nur 1 % des Jahresregelsatzes, also max. 80 €. Er muss seine Belege über Zuzahlungen sammeln, sobald er den Betrag erreicht hat, bekommt er eine Befreiung.

Vom Regelsatz muss er so ziemlich alles bezahlen: Essen, Haushaltsstrom, Hygiene, Medikamentenzuzahlung, Telefon, Hobbies etc., wie auskömmlich das Geld ist, kannst Du dir selbst ausrechnen....

LG H. #klee

Beitrag von anakonda1978 04.02.06 - 13:01 Uhr

Hallo!

#danke für deine Antwort.

Ja, er ist alleinstehend. Dass das Geld ziemlich knapp bemessen ist, ist mir auch klar, er hat mir aber mehrfach versichert, dass er vielleicht 10 € in der Woche für Essen übrig hat und dass ihn die Zuzahlungen beim Arzt und zu den Medikamenten das letzte Hemd kosten. Er war jetzt schon öfter im Krankenhaus und muss am Tag glaube ich 10 € selbst bezahlen, den Transport im Krankenwagen musste er auch selbst begleichen. Er ist dann auf eigene Verantwortung früher raus.
Naja, auf jeden Fall eine besch... Situation, aus der er mit Ende 50 auch nicht mehr herauskommt :-(
Aber, dass ich alleine dafür immer gerade stehen muss, ist halt auch blöd...

LG Ramona

Beitrag von manavgat 04.02.06 - 13:43 Uhr

Wende Dich für Deinen Vater an:

http://www.tafel.de


Man wird ihm sicher helfen.

Gruß

Manavgat

Beitrag von anakonda1978 04.02.06 - 15:54 Uhr

Hallo Manavgat,

leider ist die nächste Tafel einige Kilometer weit weg. Ich weiß auch nicht, ob das das Richtige für ihn ist. Er bekommt ja sein ALG II und fährt wie gesagt auch einen Uralt-Polo. Ich weiß nicht, ob er da überhaupt etwas bekommt, wenn er mit dem Auto hinfährt.... wobei er sich wahrsch. auch das Benzin dorthin nicht leisten könnte... schon ne blöde Situation #schmoll

Naja, aber ein ganz großes #danke für deinen Tipp!

LG Ramona

Beitrag von manavgat 04.02.06 - 16:08 Uhr

Ramona, sorry, aber das ist Unsinn!

Die Grenzen für den Bezug von Lebensmitteln liegen über ALG 2.

Im übrigen versorgt die Tafel auch Menschen im Umland. Wenn Dein Vater Lebensmittel im Supermarkt abholt, bekommt er auch einen Zuschuss zum Benzingeld. Wende Dich bitte an die Tafel, die in der Region ist und frage nach!

Gruß

Manavgat

Beitrag von anakonda1978 04.02.06 - 16:22 Uhr

Aha!!!

Das wusste ich jetzt wirklich nicht... Aber vielen Dank für die Info... ich suche mir gleich mal den Kontakt raus :-)

LG Ramona

Beitrag von galeia 04.02.06 - 12:48 Uhr

Hier noch die prozentuale Aufteilung:

Umfang der Regelleistung
(1) Die Regelleistung deckt pauschaliert die in § 20 Abs.1 genannten
laufenden und einmaligen Bedarfe pauschaliert ab.
(2) Die Regelleistungshöhe setzt sich aus der Summe der regelsatzrelevanten
Verbrauchsausgaben zusammen. Sie finden ihren
Niederschlag in der Verordnung zur Durchführung des § 28 SGB XII
(Regelsatzverordnung - RSV).
Im Einzelnen umfasst die Regelleistung in etwa folgende Bedarfe:
Nahrung, Getränke, Tabakwaren) ca. 38 %
Bekleidung, Schuhe ca. 10 %
Wohnung (ohne Mietkosten), Strom…. ca. 8 %
Möbel, Apparate, Haushaltsgeräte ca. 8 %
Gesundheitspflege ca. 4 %
Verkehr ca. 6 %
Telefon, Fax ca. 6 %
Freizeit, Kultur ca. 11 %
Beherbergungs- und Gaststättenleistungen ca. 3 %
sonstige Waren und Dienstleistungen ca. 6 %
Diese Aufteilung kann als Entscheidungshilfe, z.B. in Fällen der
Gewährung von Sachleistungen nach § 23 Abs. 2, herangezogen
werden.
2. Personenkreis nach § 20 Abs. 2
Anspruch auf volle Regelleistung (100%) haben Alleinstehende, Alleinerziehende
sowie Personen, deren Partner minderjährig sind.
2.1 Regelleistung für Alleinstehende
(1) Grundsätzlich ist eine Person ohne Partner allein stehend. Dies
gilt jedoch nicht uneingeschränkt für Kinder, die im Haushalt der Eltern
leben (sh. Rz 20.9 ff.).

LG H. #klee

Beitrag von junimond.1969 04.02.06 - 18:57 Uhr

Bei bestimmten Arten von Diabetis bekommt man einen Mehrbedarf wegen "aufwändiger Ernährung, hat Dein Vater den?

Ach, und: Es IST verflucht wenig, das ALG II. Und sorry, aber wir haben auch für eine Weile das Auto abgemeldet, weil wir es nicht mehr finanzieren konnten, da muss man dann eben durch, so hart es auch klingt.

Gruß
Christine

Beitrag von bambolina 04.02.06 - 23:24 Uhr

Ohne Auto will und kann er nicht mehr leben, da ist er kein Mensch sagt er.

Ganz ehrlich, ich würde lieber mein Auto verschrotten, als mein Kind anzupumpen...

lg bamolina

Beitrag von anakonda1978 04.02.06 - 23:40 Uhr

das sehe ich auch so, aber ich glaube durch die jahrelange sch...-situation hat er da echt den blick für die realität verlohren :-(
deshalb haben ja auch alle außer mir den kontakt abgebrochen, weil das auf dauer echt anstrengend ist - und keiner will halt NUR als sparschein gelten...

als maya geboren wurde, hat er nicht mal ne karte geschrieben (das kostet keinen euro), hat mich aber als ich den ersten tag zuhause war (nach der geburt) um hundert euro "erpresst". er hat sie halt unbedingt gebraucht um durch den tüv zu kommen. ich habe "nein" gesagt, und er hat mich 3 tage mit sms bombadiert, dass ich eben nicht so undankbar sein soll und mich beschimpft. irgendwann habe ich dann nachgegeben... schon irgendwie krass...
ich konnte dann daheim maya auch nicht stillen (es kam keine milch mehr), obwohl ich das so gerne wollte. da ist der stress sicherlich nicht ganz unschuldig dran...

aber zum eigenen papa kann ich irgendwie auch nicht den kontakt abbrechen (obwohl's mir dann wahrsch. besser gehen würde). ich glaube er merkt das gar nicht, dass sowas nicht o.k. ist...

naja, ich weiß auf jeden fall, was ich bei meiner kleinen mal nicht machen will :-)

lg ramona

Beitrag von bambolina 05.02.06 - 00:39 Uhr

Hallo ramona,

ich hatte mit meiner einen (Pflege)Tochter ähnliche Probleme. Sie ist mit knapp 17 ausgezogen, wir hatten eine Weile keinen Kontakt mehr. Wir haben uns zwar wieder zusammengerauft. Okay, nach einer Weile fing das "anpumpen" an. Hab das auch ne Weile (aus Mitleid?) mit gemacht, aber erst nachdem ich ihr den Geldhahn abgedreht hatte und ihr das Wasser bis zum Hals stand (Mietrückstand, beinahe Kündigung der Wohnung ect.) hat sie es geschafft sich Arbeit zu suchen.
Der Kontakt brach wieder ab. Legte sich aber wieder dadurch, dass ihre Schwestern noch bei uns wohnen. Sie hat noch ihren Job, bat mich letztens aber um 100 Euro. Hab sie ihr gegeben,weil sie ja jetzt "arbeitet" und sich Mühe gibt, ihr Leben in Griff zu kriegen. Die Rückzahlung die SIE angegeben hat muß sie einhalten. Sonst ist endgültig Schluß und das weiß sie auch.

Das wird bei deinem Vater schwierig sein (Arbeit zu finden), aber er sollte lernen, dass er bei seiner Tochter nicht ewig die Hand aufhalten kann. Sorry, aber ich habe das Gefühl, dass dein Vater es als selbstverständlich ansieht, zu dir zu kommen, wenn Geldmangel ist. Mal aushelfen in allen Ehren, aber es sollte nicht selbstverständlich sein.

lg bambolina