Wie komme ich von meiner Wut los?

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von birkae 04.02.06 - 21:08 Uhr

Hallo,

ich habe mehrere Probleme. Aber alles läuft darauf hinaus, dass ich nur noch gefrustet und wütend bin. Ich habe einen kleinen Sohn, einen Mann - der leider nicht hilft, im Gegenteil, eher auch arbeit macht - und bin wieder schwanger (ist aber gewollt!).
Vielleicht liegt es an den Hormonen, aber im Moment wächst mir einfach alles über den Kopf. Jetzt kommt auch noch dazu, dass mein Sohn (23 Monate) eine extreme Trotzphase hat. Also habe ich eigentlich nichts zum Kompensieren.
Mein Mann fährt morgens um halb 6 zur Arbeit und kommt Abends um halb sechs erst wieder. Nebenbei macht er auch noch Meisterschule - ist also auch gestresst. Und dann werfe ich ihm auch noch vor, er solle etwas mehr im Haushalt mithelfen (er macht leider gar nichts!) und solle sich auch an der Erziehung unseres Sohnes beteiligen.

Jetzt musste ich mir sogar von meiner Schwägerin sagen lassen, dass ich meiner Schwiegermutter sehr agressiv gegenüber sei und ihr auch über den Mund fahre. (Was ich aber nicht bewusst mache und mir auch noch gar nicht aufgefallen ist.) Ich habe natürlich gleich bei meiner Schwimu angerufen und mich dafür endschuldigt, ihr aber auch gleich gesagt, dass ich es selbst gar nicht bemerke, sie es bitte nicht persönlich nehmen sollte, wenn ich sie verletzt habe.

Ich brauche einfach eine Auszeit, was aber nicht geht. Ich habe trotzdem das Gefühl, dass ich bald explodiere!

Gibt es irgendwo einen Kurs (Volkshochschule oder so), in denen man lernt, mit seinen Emotionen umzugehen - sprich seine innere Ruhe zu finden?

Ich möchte gerne wieder so sein wie früher, dabei scheine ich im moment die verbitterte alte Frau zu sein, die ich nie werden wollte. (Dabei bin ich erst 30.)

Danke fürs durchlesen und auch für Antworten.

LG
Birgit

Beitrag von woogie 04.02.06 - 21:34 Uhr

Hi Birgit!

Ich kann Dich gut verstehen, so fühlt man sich hin und wieder schonmal, was ich aber auch garnicht schlimm finde.
Immerhin zeigt der Körper einem so, dass es nicht mehr geht und man eine Auszeit braucht.

Vielleicht kannst Du ja einen Tag Dein Kind zur Oma geben und Dir mal ein kleines Verwöhnprogramm gönnen?
Danach sieht die Welt sicher schon etwas anders aus.

Was Kurse angeht. VHS und einige andere Stellen bieten Autogenes Training an, was genau das Richtige für Dich und Deine Situation sein könnte. Google einfach mal danach.

Dir alles Liebe!

Steffi

Beitrag von birkae 04.02.06 - 21:44 Uhr

Hallo Steffi,

danke für die Antwort.
Meinen Sohn zur Oma geben, klappt leider nicht, da sich meine Schwimu zu alt für die Kinderbetreuung fühlt (ist 68Jahre alt).

Ich habe leider niemanden, der auf unseren kleinen Till aufpassen kann. Leider hat mein Mann im Mai Prüfungen und im Mai kommt auch unser zweites Baby. Also werde ich bis dahin wohl durchhalten müssen. #schmoll.

Am liebsten würde ich mit meinem Knirps in Urlaub fahren, ihn bei einer Betreuung lassen und mir selbst so richtig schönes Wellnessprogramm antun und abends meinen Zwerg wieder frohgelaunt in empfang nehmen. Aber dafür fehlt das Geld...

Autogenes Training, mmmh, was ist das eigentlich genau?

LG
Birgit

Beitrag von woogie 04.02.06 - 21:49 Uhr

Hi Birgit!

Hmm, echt niemanden, der mal Babysitten kann?

Vielleicht eine liebe Nachbarin? Größere Kinder aus der Nachbarschaft?

Vielleicht einfach mal im Supermarkt am schwarzen Brett einen Zettel aushängen mit der Suche nach einem Babysitter?! Für den Anfang kannst Du ja in der Wohnung bleiben, aber wenigstens in Ruhr ein Bad nehmen, bis Du dann soweit Vertrauen gefasst hast, dass Du den Babysitter allein lassen magst.

Zum Autogenen Training:

Schau mal die Seite an, dort ist alles recht gut beschrieben:

http://www.lernen-heute.de/autogenes_training.html

Habe das selbst mal auf einem Schulseminar gemacht und es dann leider wieder aus den Augen verloren. Hab mir aber fest vorgenommen damit wieder zu beginnen in den nächsten Tagen/Wochen.

LG Steffi

Beitrag von gh1954 05.02.06 - 08:47 Uhr

>>> Ich möchte gerne wieder so sein wie früher<<<

Nein, das solltest du dir nicht wünschen.

Dir geht es so mies, WEIL du so warst.

Vermutlich immer lieb und angepasst.

Nur hälst du das jetzt wohl nicht mehr aus. also müssen sich deine Lebensumstände ändern und nicht DU.
Ich weiß, wovon ich rede, ich habe das hinter mir.
Ich habe mir auch gewünscht, "alles soll so sein wie früher", aber das war der falsche Ansatz.

Nichts ist mehr, wie es war, aber mir geht es gut.

Beitrag von birkae 05.02.06 - 09:40 Uhr

Was soll sich denn ändern, wenn nicht ich?

Wie soll ich denn die Situation entschärfen, wenn ich sogar meinem Umfeld das Leben schwer mache?

Einfach ausbrechen und meinem Kind den Vater nehmen?
Das kann ich nicht, obwohl ich es mir auch schon mehrfach überlegt habe.

Lg
Birgit

Beitrag von gh1954 05.02.06 - 12:58 Uhr

Die Antwort von Manavgat von 11:47 entspricht genau dem, was ich meinte, als ich schrieb, du sollst dir nicht wünschen, wieder so zu sein, wie du mal warst.

Gruß
geha

Beitrag von hannifant 05.02.06 - 11:35 Uhr

Hallo Birgit,

ich kann verstehen, dass Du vollkommen gestreßt bist und Dir alles über den Kopf wächst.

Allerdings ist Dein Mann nicht Schuld an der Situation.

Er geht arbeiten und bereitet sich auf die Schule vor und das ist doch eigentlich genug - oder??? Insgeheim weißt Du wahrscheinlich selbst, dass Du für den Haushalt und die Kindererziehung zuständig bist und Deinem Mann den Rücken freihalten solltest. Wie Du das organisiert bekommst, ist Deine Sache.

Ich weiß, das sind harte Worte - aber so sieht die Realität nun mal aus.

Deinen Frust läßt Du an Deinem Mann aus, weil Du im Moment keinen anderen Kanal findest.

Ich denke, dass Du Deine innere Ruhe erst findest, wenn Du Dich damit abgefunden hast, nun Hausfrau und Mutter zu sein. Auch Dein Sohn wird merken, dass Du überlastet bist und sich mit rumtrotzen revanchieren.

Du mußt ja nicht alles perfekt machen, das erwartet keiner. Nimm Dir einen Abend in der Woche frei und besuche den Kurs für "Autogenes Training". Dein Mann kann ja dann auf das Kind aufpassen und lernen.

Dann sieht die Welt bald wieder anders aus... #freu

lg Hanni

Beitrag von birkae 05.02.06 - 19:07 Uhr

Hallo Hanni,

>>Er geht arbeiten und bereitet sich auf die Schule vor und das ist doch eigentlich genug - oder??? Insgeheim weißt Du wahrscheinlich selbst, dass Du für den Haushalt und die Kindererziehung zuständig bist und Deinem Mann den Rücken freihalten solltest. Wie Du das organisiert bekommst, ist Deine Sache. <<

Das sehe ich ganz und gar nicht so! Warum soll ein Vater sich darauf ausruhen, dass er arbeiten geht und der Haushalt und die Kindererziehung bleibt an der Frau hängen??? Wir leben doch nicht mehr im 18ten Jahrhundert. Und bevor die Kinder kamen, sah mein Mann das auch noch so!!! Er hat neben seiner Arbeit und seiner Schule immer noch Freizeit, aber wo bleibe ich???? Wenn das Kind abends im Bett liegt, mache ich die liegengebliebenen Sachen, spiele die Säkretärin meines Mannes etc. Er hat ein Wochenende - ich habe jede Woche eine 7 Tage-Arbeitswoche. Nur weil ich kein Geld verdiene, muss ich mich mit der Hausfrauen und Mutterrolle begnügen? Und dafür habe ich 3 Jahre gelernt und anschliessend meinen Beruf auch noch 4 weitere Jahre studiert? Men Mann wollte ursprünglich keine Hausfrau (so eine hatte er schon und die brachte das Geld durch). Jetzt sitzte ich zu Hause und bin unzufrieden mit meinem derzeitigen Leben und daran ist leider mein Mann nicht ganz unschuldig, schliesslich war er ursprünglich meiner Meinung.
Klar wusste ich immer, dass bei Kindern eine Elternzeit ansteht, aber ich habe trotzdem mit mehr unterstützung meines Mannes gerechnet.
(Als Beispiel: unser Sohn ist jetzt 23 Monate alt aber mein Mann hat erst 1 Mal das Kind gebadet - ist ihm zu zeitraubend...)

Oh mann, ich steigere mich gerade wieder rein. Dabei wollte ich doch eigentlich lernen, wie ich mit der derzeitigen Situation lerne klar zu kommen. In drei Jahren kann ich dann ja auch wieder arbeiten gehen...

LG
Birgit

Beitrag von manavgat 05.02.06 - 11:47 Uhr

Was willst Du erreichen, dass Deine Umwelt Deinen Zorn nicht mehr mitbekommt? Das ist so, als würdest Du auf einen Topf in dem die Milche kocht einen Deckel auflegen...

Was Du brauchst ist eine gute Psychotherapeutin, die Dir hilft, herauszufinden, was die Ursache Deines Zorns ist. Dann musst Du analysieren, wie Du wichtige Probleme löst und wie Du bei den Kleinigkeiten gelassen 5 gerade sein lässt.

Gruß

Manavgat

Beitrag von reethi 05.02.06 - 21:52 Uhr

Hallo Birgit :-)

Ich kenne das nur zu gut - dass alles auf meinen Schultern hängen bleibt und man das Gefühl hat man muss nur funktionieren und hat kein Anrecht mehr auf Freizeit und ein eigenes Leben...
Ich denke nicht, dass das so sein sollte, auch wenn man Mutter ist - und auch wenn Dein Mann einen Job hat, und nebenbei die Meisterschule macht hat er trotzdem eine Verantwortung Dir und dem Kind/den Kindern gegenüber. Schliesslich wollte er sie ja auch. So leicht rausreden ist nicht. Er soll ja auch nicht den kompletten Haushalt übernehmen. Aber ich denke schon, dass er seinen Teil dazu beitragen kann.
Ich fände es wichtig, dass Du unbedingt Dich mit ihm hinsetzt und darüber sprichst. Kotz Dich doch mal bei ihm aus und dann redet in Ruhe. Ich denke nämlich auch, und das kenne ich nur zu gut aus eigener Erfahrung, dass Du in der der Situation in der Du im Moment bist, auch viele Dinge überspitzt siehst.
Vielleicht könnt Ihr Euch ja irgendwie einigen, dass Du einen Abend in der Woche für Dich hast und Du da mal machen kannst was Du willst. Und ein Abend in der Woche ist doch wohl machbar für ihn... Und Dir würde das bestimmt schon viel helfen.
Ausserdem geh mal zum Arzt und schau mal wie es ist mit einer Mutter-Kind- Kur. Die werden zwar nicht mehr so oft genehmigt, aber ich denke Du fällst da durchaus in das Raster.
Bei uns gibt es in der Gemeinde das "Haus der Familie" in dem Kurse angeboten werden und unteranderem gibt es da auch ein Gesprächskreis für Mütter (mit Kinderbetreuung). Vielleicht gibt es so etwas bei Euch auch. Man muss sich zwar immer aufraffen, wenn man schon keine Energie hat, aber dann merkt man doch, wie gut es einem tut.
Es ist sicherlich richtig, dass man nicht zurückholen kann was man mal gehabt hat, oder wie man mal war, aber das heisst auch nicht, dass man sich damit abfinden muss wie es jetzt ist. Mach Dich auf die Suche nach einem Weg für Dich und dann wirst Du auch wieder mit Dir im Reinen sein.
Ich wünsche Dir alles Gute :-)
Neddie

Beitrag von birkae 06.02.06 - 19:01 Uhr

Hallo Neddi,

>>Ich fände es wichtig, dass Du unbedingt Dich mit ihm hinsetzt und darüber sprichst. Kotz Dich doch mal bei ihm aus und dann redet in Ruhe. <<
Tja, vielleicht liegt ja da das Problem, ich "kotze" mich ziemlich oft über die Situation aus, vielleicht ist er deshalb ja schon so abgestumpft und schaltet auf Durchzug. Und ja, du hast recht, dadurch sehe ich viele Dinge überspitzt, da meine Hutschnurr zur Zeit seeeehr schnell überspannt wird.

Mit einer Mutter-Kind-Kur habe ich mich noch nicht befasst, aber irgendwie denke ich, dass solche Kuren für Mütter da sein sollten, die krank sind, oder ähnliches. Da würde ich mich fühlen, wie ein Schmarotzer.

Aber solch ein "Haus der Familie" kenne ich gar nicht. Da werde ich mich morgen mal erkundigen, ob es soetwas in unserer Gegend gibt. Meinem Mann ist solch ein Haus auch nicht geläufig. Gibt es dieses Haus auch unter einem anderen Namen? Oder ist das eine kirchliche Institution? Bin nämlich überzeugte Ateistin.

Danke für deine Worte!

LG
Birgit

Beitrag von gh1954 07.02.06 - 13:23 Uhr

Mutter-Kind-Kuren sind nicht nur für kranke Mütter gedacht.
Zum einen werden sie genehmigt, wenn ein Kind z.B. Asthma hat und eine Luftveränderung braucht zum anderen, wenn die Mutter erschöpft ist und mal eine Auszeit vom Alltag braucht, aber das Kind nicht allein zu Hause lassen kann.
So einfach werden diese Kuren heute nicht mehr genehmigt und falls du eine Kur bekommen würdest, müßtest du dich nicht als Schmarotzer fühlen.
(Wobei ich nur berufstätige Mütter kenne, die so eine Kur genehmigt bekommen haben).

Zum Thema "Haus der Familie". Wenn diese kirchlich geleitet sind, heißen die überall anders. Solltest du da was finden, dann ist es völlig egal, welchem Glauben du angehörst oder ob du Atheistin bist, die Angebote gelten für alle und da wird dich auch niemand missionieren.

In sehr vielen Städten gibt es auch Familienbildungsstätten, die ein sehr breit gefächertes Angebot haben.
Such doch einfach mal unter www.meinestadt.de .

Wobei ich nach wie vor der Meinung bin, dass du nicht nur die Symptome bekämpfen, sondern den Ursachen auf den Grund gehen solltest.

Gruß
geha

Beitrag von andrea_die_erste 06.02.06 - 10:37 Uhr

Hallo Birgit,

der Antwort von Neddi stimme ich voll zu.

Manchmal bin ich auch schon mal am zerspringen. Aber mittlerweile bringe ich das gut hin. Ich gehe ins Schlafzimmer höre ganz laut meine Lieblingsmusic und hinterher kann ich wieder relativ durchgeatmet mit Lea umgehen (sie ist erst ein Jahr alt). Das ist zur Zeit meine Art mit Stresssituationen umzugehen. Mal sehen wie es in einem Jahr aussieht.

Ich wünsche dir viel Kraft und Ausdauer. Und lass wirklich mal deinem Mann etwas machen. Er kann ja auch mal am Sonntag mit dem kleinen z.B. in den Zoo oder gemeinsam ins Schwimmbad, zusammen plantschen, rutschen etc.. Er ist der Vater!!

LG

Andrea

Beitrag von birkae 06.02.06 - 18:51 Uhr

Ja, ja, er ist der Vater #augen

aber das weiß er immer nur dann, wenn er mit Till toben, schmusen oder Eisenbahn fahren will.

Da redet man sich den Mund fusselig, aber ich sitzte eben am kürzeren Ende. Denn schliesslich kann ich ihn ja nicht zwingen - auch wenn ich es manchmal gerne möchte!

Trotzdem danke für deine Antwort.

LG
Birgit

Beitrag von caro2404 06.02.06 - 13:50 Uhr

Mir hat ein verlängertes Wellneswochenende geholfen mal wieder richtig aufzutanken. Von Do - So. Vielleicht kannst Du deinen Sohn ja solange bei deinen/seinen Eltern unterbringen. Und am WE wäre dann ja dein Mann zu Hause.

Manchmal muss man sich ebend eingestehen, dass der Akku alle ist. Gerade wenn man schwanger ist. Und mit 2 Kindern wird ne Auszeit schwieriger.

Beitrag von birkae 06.02.06 - 18:49 Uhr

Ein Wellnesswochenende wäre toll, aber es geht nicht, da meine Eltern über 600km weit weg wohnen und meine Schwiegereltern für die Kinderbetreuung "zu alt" sind. Sie würden den Till nie im Leben nehmen. (Selbst wenn sie uns besuchen, nehmen sie den Till nicht mal auf den Arm #schmoll.)

Und der andere "Gegengrund" sind die Kosten. Ich habe gestern mal danach gesucht, sollte ja trotzdem in der Nähe sein, um die lange Anfahrtszeit zu umgehen, aber meistens sind in den "Wellnesshotels" nur Sauna und Schwimmbad dabei. Nichts von Massagen etc. und das gehört für mich zum Entspannen mit dazu. oder#kratz? Und nur für die Übernachtung incl. Frühstück so viel Geld zu bezahlen, dafür bin ich zu geizig. Mit diesem Geld könnte ich lange Zeit meine Familie ernähren. Man merkt eben, dass wir nur ein Gehalt haben.

Trotzdem Danke für deine Antwort!
LG
Birgit