Eifersucht......wie kämpfe ich dagegen an?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von susi 06.02.06 - 13:33 Uhr

Hallo, ich bin neu hier im Forum, und ich hoffe, dass mir hier vielleicht jemand erfahrener helfen kann. Ich bin schon mehrere Jahre mit einem geschiedenen Mann zusammen, er hat 2 Kinder aus der Ehe, die ich sehr lieb habe. Er ist schon etliche Jahre geschieden, und die Kinder sind auch schon rel. groß, bzw. eines ist erwachsen und eines im Teenageralter. Sie sind echt lieb und ich verstehe mich sehr gut mit ihnen.
Gemeinsam haben wir keine Kinder. Das Problem ist nur meine Eifersucht, gegen die ich schon so lange ankämpfe. Ich versuche so vieles, ich lese, arbeite an mir, doch sind die Fortschritte nur relativ klein, wie ich meine. Ich verfalle immer wieder in ein Muster. Ich bin einfach eifersüchtig auf sein "früheres" Leben. Auf das Familienleben, dass er hatte, und das wir in dieser Form nicht haben. Einfach die "Normalität, die man in einer "Erstfamilie" findet, man hat "gemeinsame" Freunde, "gemeinsame" Verwandte, etc. Man erlebt das Aufwachsen der Kinder gemeinsam, Geburt, Schwangerschaft, alles was dazugehört.
Uns trennt ein rel. großer Altersunterschied, daher kommen für ihn weitere Kinder und Ehe nicht in Frage. Ich liebe ihn sehr, und ich schäme mich eigentlich für mein Problem. Am Anfang der Beziehung, habe ich auch viel Skepsis mir gegenüber erfahren, bzw. die Ex wurde für mich auch zur Überfrau. Ich wollte gar nicht mehr "ich" sein. Die schönen Erinnerungen aus dieser Beziehung, die gemeinsamen Verwandten und Bekannten, die auch ein gutes Verhältnis zur Ex-Frau pflegen (was ich auch verstehe) etc...für mich ist es oft sehr schwierig gelassen dem ganzen gegenüber zu stehen. Ich liebe diesen Mann und die Kinder über alles, und auch die Ex-Frau ist mir gegenüber fair, und ich bin bereit an mir zu arbeiten. Nur wie kann ich es schaffen, mich gleichwertig zu fühlen? Vielleicht habt ihr ein paar Tipps? Vielen Dank, susi

Beitrag von maukal 06.02.06 - 13:56 Uhr

Hallo Susi,

Du brauchst es nicht schaffen, Dich gleichwertig zu fühlen, Du bist es bereits. Wir alle sind gleichwertig und etwas Besonderes. Wenn etwas oder ein Mensch abgewertet wird, dann nicht, weil es weniger wert ist, sondern irgendjemand darauf aus ist, den anderen als weniger wert erscheinen zu lassen als er in Wahrheit ist. Ein rein menschliches auf Macht beruhendes Unterfangen.

Schau doch mal in den Spiegel. Was siehst Du da? Eine Frau, welche sich selber kleiner macht als sie ist? Die alles ungefragt annimmt, was ihr der geliebte Freund sagt? Liebe ist wunderbar und eine Partnerschaft besonders, was aber nicht heißen darf, daß du dich deshalb als Mensch aufgibst. Nur zwei sich gleichwertig fühlende Menschen, die sich gegenseitig respektieren können eine wunderbare Partnerschaft führen. Nicht der eine und nicht der andere darf die Machtposition (das ist nicht altersabhängig) ausüben. Niemals.

Und noch etwas, alles was vor der Beziehung mit Deinem Freund war, war eben vorher und hat für Dich heute keine Relevanz. Auch wenn Du mit Deinem Freund keine Kinder hast und auch nicht verheiratet bist, ist das gut und richtig so. Denn es ist JETZT Euer Leben. Es gibt nur eines zu beachten: Wenn Du Dich so wie es jetzt ist unglücklich fühlst - und danach sieht es fast aus - dann versuche etwas zu verändern. Rede mit Deinem Freund, versuch im klarzumachen, was Dich bedrückt. Wenn er Dich liebt, sollte er Dich eigentlich verstehen. Wenn sich nicht´s an der Situation ändern läßt, könntest Du Dir Gedanken darüber machen ob Du so weiterleben willst. Wenn Du Kinder willst und er nicht, ist es Zeit Konsequenzen zu ziehen. Du wirst sehen, sobald Du Dir darüber klar geworden bist, was Deine Wahrheit ist, wird auch Deine Eifersucht verschwinden. Denn in Wahrheit bist Du nicht auf Deinen Mann, sondern auf sein Leben eifersüchtig, das Du gern auch hättest und mit ihm so nicht haben kannst.

Verändere Dein Denken zum Positiven und Du veränderst Dein Leben.

Liebe Grüße und alles Gute
Maukal

Beitrag von bluehorizon6 06.02.06 - 16:05 Uhr

Hi liebe Susi,

was glaubst du eigentlich wie er über dich denkt. Das geht mir gerade mal so durch den Kopf. Du liebst ihn über alles. Toll, und es reicht nicht sich gut zu fühlen.

Mal vorab, ich glaube das du mit dem Wort Eifersucht die Sache nicht ganz triffst, dazu müßte nach meiner Meinung etwas Aktives als Gefahr oder Bedrohung deiner Liebe dastehen. Ich glaube das du mit dir und deiner Lebensauffassung im Grundsatz etwas defizitär ist.

Kommen wir zurück auf die Situation.

Was gibt er dir für ein Gefühl. Reichst du ihm so wie du bist? Gibt er dir zu verstehen was er an dir mag, warum er dich liebt, und warum du zu ihm gehören sollst.

Dann gibt es die Frage nach dem was willst du. Ich vermute, dass er oder ihr Kinderlos seid, hat mit seinem Alter zu tun. Er will wohl nicht noch einmal Kinder groß ziehen. (was man verstehen kann wenn man einmal dadurch ist) Aber Du, du drückst aus das du darunter leidest. Du hast ein Bild vor Augen das für dich so eine Art Ideal darstellt. Das aber bekommst du nicht.

Nun ist aber ernsthaft die Frage zu stellen was dir das bedeutet, etwas nicht zu erreichen, dass man sich so sehr wünscht. Eine Familie!
Das ist aber keine Eifersucht, das ist ein Art Entbehrung die du erleidest. Ich sage bewußt "erleidest". Du trägst einen Wunsch, eine Sehnsucht in dir die dir nicht erfüllt wird. Eigene Kinder!

Und du glaubst das sei Eifersucht? Ich meine Nein.

Du hast dein Leben seinen Wünschen unterstellt und dich selbst vergessen zu leben. Nun gehst du hin und baust dir ein "Feindbild" auf. Seine Partnerin, Seine Kinder, Seine Freunde... und du betitelst sie alle als fair, toll, einfühlsam du glorifizierst sie alle, weil du das für dich als erstrebenswert ansiehst.

Du liebst dieses Bild, aber in Wirklichkeit beginnst du es zu hassen weil du es nicht erreichen kannst. Du hasst dich selbst. Vielleicht wage ich hier zuviel, und würde mir wünschen das es nicht so wäre.

Eifersucht, daran glaube ich nicht. Ich sehe eher ein Bild der Verzweiflung, des zerstörtes Selbstwertes und einer depressiven Situation.

Wie kann man dir helfen? Hat dein Mann sich mit dir und diesem Thema einmal auseinander gesetzt? Vielleicht brauchst du eine therapeutische Unterstützung. So eine Sprechtherapie hilft Vielen.

Und es ist wichtig zu erkennen das man selbst einen Wert hat. Es ist nicht richtig sich mit jemandem zu vergleichen, da findest du bei dir dann immer Angriffspunkte. Es ist wichtig zu erkennen wer man selbst ist, und was der Partner an einem schätzt, was man selbst an einem schätzt.

Wohin also geht dein Weg? Zuerst einmal würde versuchen einmal zu hinterfragen was mein innerer Wunsch ist und wie wichtig der mir ist. Und wie stabil meine Liebe wohl ist wenn mir dieser Wunsch erfüllt würde. Und wie verhält sich meine Liebe wenn mein sehnlichster Wunsch nicht erfüllt wird, er aber erfüllbar wäre.

>>...daher kommen für ihn weitere Kinder und Ehe nicht in Frage.<<

Deine Worte. Für ihn kommt dein Wunsch nicht in Frage.

Finde dich, erst dann findest du den du lieben kannst.

BlueH6



Beitrag von susi 07.02.06 - 15:41 Uhr

Lieber/e blue horizon!
Ich danke Dir für Deine Antwort, bzw. wie Du die Dinge siehst. Ich habe nicht erwähnt, dass ich ein Kind habe. Aber eben nicht gemeinsam mit meinem Freund. Es ist nicht so, dass ich unbedingt dieses Familienidyll haben muss, bzw. dieses Idealbild anstrebe. Wir haben auch jetzt schon sehr viele schöne Erlebnisse mit "unseren" Kindern, die ich sehr genieße. Wir haben auch einen gemeinsamen Freundeskreis, bzw. verstehe ich mich sehr gut mit dem größten Teil seiner Freunde und Verwandten und sie sind für mich schon wie eine Familie geworden. Ich verstehe mich mit vielen seiner Freunde schon so gut, als wären es meine Freunde bzw. als würden wir uns schon sehr lange kennen, und das schätze ich wahrlich sehr. Es ist nur MEIN Problem, dass ich oft nicht im Hier und Jetzt sein kann, dass ich an früher denken muss, alles vergleiche. Und ich merke selbst, dass es mir schadet. Aber es ist JETZT mein Leben, meine Beziehung, meine Partnerschaft. Vielleicht gibt es einen Denkanstoß, wie ich auch noch die letzten, negativen Gedanken vertreiben kann. Jemand hat geschrieben...."was vor Dir war, geht Dich nichts an, es WAR VORHER".....wie siehst Du das? Ich liebe meinen Freund und seine Kinder, und ich will mit meinen negativen Gedanken nichts kaputt machen...sie sind ja wie meine Familie.
Vielen Dank, susi