Gelten die Freigrenzen bei ALG2 auch für Selbstständige?

Archiv des urbia-Forums Finanzen & Beruf.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Finanzen & Beruf

Dieses Forum bietet Platz für alle Fragen und Antworten rund ums liebe Geld und die Absicherung der Familie - egal ob ALGII, Haushaltsgeld, Baufinanzierung oder Altersvorsorge. Auch Themen wie ElterngeldKindergeld sowie der Wiedereinstieg in den Beruf sind hier richtig.

Beitrag von luna_maus 07.02.06 - 13:38 Uhr

Hallo,

zur Zeit beziehen wir ALG2. Ich würde gerne etwas dazuverdienen monatlich.
Die Freigrenze von 100 Euro kenne ich schon und auch die Regelung dass man bei allem was darüber liegt 20 % behalten darf. Finde ich auch super.
Nun ist meine Frage ob diese Freigrenzen nur für Leute die einen Arbeitgeber haben gelten oder auch für Selbstständige?
Würde gerne selbstständig arbeiten und ein Gewerbe anmelden. Geht das bei ALG2 Bezug? Vorallem würde ich dann jeden Monat unterschiedlich verdienen (zwischen 100 und 200 Euro). Müsste dann monatlich ein neuer Bescheid erstellt werden?
Was muss ich denn bei einem Gewerbe alles beachten? Ist das Geld das man verdient bei einem so geringfügigen Einkommen zu versteuern oder muss ich irgendwelche Abgaben bezahlen?

Ingrid

Beitrag von luna_maus 07.02.06 - 13:41 Uhr

Noch einige Erklärungen die ich in meinem Text vergesse habe:

ich habe momentan noch eine 1-jährige Tochter und bin somit im Erziehungsurlaub. Somit kann ich nur sehr wenig arbeiten da die Möglichkeit für mehr Betreuung fehlt.
Sobald sie im Kindergarten ist würde ich natürlich mehr arbeiten und dann auch mehr wie 100-200 Euro verdienen.

Beitrag von manavgat 07.02.06 - 15:39 Uhr

also:

die Zuverdienstgrenzen gelten bei Selbständigen genauso. Aber: von Deinem Umsatz musst Du erst die Kosten abziehen. Das heißt: der Gewinn ist entscheidend.

Was wirst Du arbeiten? Bist Du sicher, dass Du eine Gewerbeanmeldung brauchst?

Gruß

Manavgat

Beitrag von luna_maus 07.02.06 - 18:30 Uhr

Hallo Manavgat,
ich möchte gerne Nachhilfe erteilen. Werde pro Stunde dann ca. 15 Stunde verdienen. Mit wieviel Abgaben muss ich rechnen bei einem Einkommen von ca. 100-200 Euro pro Monat? Weißt du das zufällig?
Brauche ich hierfür kein Gewerbe?

Danke dir und liebe Grüße,
Ingrid

Beitrag von manavgat 07.02.06 - 19:24 Uhr

Hallo Ingrid, nein, Du brauchst definitiv keinen Gewerbeschein, aber Du musst eine Steuererklärung machen (Einnahme-Überschussrechnung genügt).

Lehrkräfte gehören zu den freien Berufen. Sie sind nicht umsatzsteuerpflichtig und müssen (frei) kein Gewerbe anmelden.

Ich rate Dir, mit Schülern einen Vertrag aufzusetzen. Lehrer die Privatschüler haben klagen alle darüber, dass kurzfristig abgesagt und dann nicht bezahlt wird.

Bei Deiner Einnahmeüberschussrechnung kannst Du Fahrtkosten (wenn Du zum Schüler fährst und es nicht extra bezahlt wird), Anzeigenkosten, Telefonkosten usw. abziehen. Nur bei Büchern gibt es regelmässig Ärger, wenn Du es nicht 2 Mal anschaffst.

Mein Tipp: in jeder größeren Bibliothek gibt es jede Menge Arbeitsmaterial sowie Pädagogik-Literatur.

Biete nur das an, was Du auch wirklich kannst.

Alles Gute

Manavgat

Beitrag von luna_maus 07.02.06 - 20:44 Uhr

Hallo Manavgat,

#liebelichen Dank für deine Antwort! Diese hat mir sehr weitergeholfen.
Ist so eine Einnahme-Überschussrechnung sehr aufwendig? Brauche ich dazu einen Steuerberater oder kriegt man sowas alleine hin?
Muss ich bevor ich anfange Nachhilfe zu geben das dem Finanzamt melden oder reicht es wenn ich am Jahresende eine Steuererklärung hierzu abgebe?
Muss ich irgendwelche Abgaben bezahlen wie Steuervorrauszahlungen, Rentenbeiträge, Krankenversicherung usw..?
Hauptsächlich beziehe ich ja weiterhin ALG2 und verdiene nur knapp 100-200 Euro hinzu durch die Nachhilfe. Denke dass ich nach Abzug meiner Unkosten auf einen Maximalgewinn von 100 Euro kommen werde.
Brauche ich schriftlich eine Bescheinigung der Schüler wieviel sie mir bezahlt haben je Monat? Müssen die Eltern der Nachhilfeschüler irgendwelche Abgaben zahlen für mich?
Ich weiß es sind viele Fragen...aber genau diese schwirren mir im Kopf umher und machen mich verrückt. :-(

Gruß,
Ingrid

Beitrag von manavgat 07.02.06 - 21:47 Uhr

Ist so eine Einnahme-Überschussrechnung sehr aufwendig?

Nein.

Brauche ich dazu einen Steuerberater oder kriegt man sowas alleine hin?

Kannst Du eigentlich allein. Es gibt Literatur zu dem Thema in jeder Bibliothek.

Du kannst auch hier:

http://www.workshopwelt.de/workshops/684

einen recht günstigen Online-Workshop zum Thema belegen. Die Kursgebühren kannst Du später absetzen, das ist eine Betriebsausgabe

Muss ich bevor ich anfange Nachhilfe zu geben das dem Finanzamt melden oder reicht es wenn ich am Jahresende eine Steuererklärung hierzu abgebe?

Beantrage eine Steuernummer. Wenn Du Rechnungen ausstellst muss immer die Steuernummer draufstehen.

Muss ich irgendwelche Abgaben bezahlen wie Steuervorrauszahlungen, Rentenbeiträge, Krankenversicherung usw..?

nein. Solange es in dem geringen Rahmen bleibt, auf keinen Fall.

Hauptsächlich beziehe ich ja weiterhin ALG2 und verdiene nur knapp 100-200 Euro hinzu durch die Nachhilfe. Denke dass ich nach Abzug meiner Unkosten auf einen Maximalgewinn von 100 Euro kommen werde.
Brauche ich schriftlich eine Bescheinigung der Schüler wieviel sie mir bezahlt haben je Monat?

Nein. Du stellst eine Rechnung aus. Der Steuerbescheid muss der Arge reichen, maximal können sie quartalsweise eine Einnahme-Überschuss-Rechnung verlangen.

Müssen die Eltern der Nachhilfeschüler irgendwelche Abgaben zahlen für mich?

Nein.

Ich weiß es sind viele Fragen...aber genau diese schwirren mir im Kopf umher und machen mich verrückt.

Wenn Du noch Fragen hast, mail mich an.

Beste Grüße

Manavgat

PS: was hast Du gelernt? Studiert?

Beitrag von luna_maus 07.02.06 - 21:58 Uhr

Hallo Manavgat,
danke dir für deine hilfreichen Antworten.

Bin mal gespannt wie die ARGE dann meine monatliche Hilfe errechnen wird wenn ich immer unterschiedlich verdiene. Oder denkst du die rechnen das alle 3 Monate anhand meiner Einkommen-Überschuss-Rechnung hoch und fordern dann gegebenenfalls immer (falls über den 100 Euro) einen Teil zurück?

Kostet die Steuernummer etwas wenn ich mir diese beim Finanzamt besorge?
Muss ich immer Rechnungen ausstellen bei jedem Schüler (oder nur auf Verlangen)? Brauche ich davon Duplikate für das Finanzamt? Wäre ja viel einfacher keine Rechnungen auszustellen und nur beim Finanzamt die Einkünfte anzugeben.

Ich habe nach meinem Abitur eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin gemacht (das letzte Jahr fehlt mir). Habe somit jede Menge Erfahrungen mit Sprachen. Bin aber auch in Mathe ziemlich fit, das lag mir immer am meisten in meiner Schulzeit. Habe auch mein Abi in Mathe geschrieben und das mit einer 2. ;-)

1000 Dank an Dich... du bist wirklich die Rettung meiner schlaflosen Nächte!! :-D

Beitrag von yilyane 09.02.06 - 18:34 Uhr

Hallo Ingrid,

ich bin auch nebenbei Selbstständig. Ich habe zur Sicherheit ein Existenzgründungsseminar mitgemacht. Kostete nicht viel. Gibts eigentlich in jeder größeren Stadt. Meines ging über 3 Tage. Weiterhin steht der Verein mir immer zur Seite, wenn ich Fragen habe.
Selbstständig machen ist einfach, man muß aber dem Finanzamt alles darlegen. Das ist der Haken an der Sache, vergisst Du was oder hast nicht so wirklich Ahnung kanns mega Ärger geben.

Mein Tip: Mach mal so nen Kurs mit. Mir hat es super geholfen.

Gruß Silke