Würdet ihr euch in die Erziehung von Bekannten einmischen?

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von mauskewitzki 09.02.06 - 14:51 Uhr

Hallo!

Einmal die Woche treffe ich mich mit 2 anderen Mütter und deren Kleinen bei einer von uns zuhause. Nun entwickelt sich ein Kind (18 Monate) zum echten Problem. Sobald die Mutter ihm nicht die volle Aufmerksamkeit schenkt, stürmt er los und kneift, kratzt, haut ein anderes Kind. Die Mutter kann ihn nicht 1 Sekunde aus den Augen lassen. Außerdem rennt er wie ein verrückter durch die Wohnung und macht alle Türen auf. Er kennt kein "nein" und lacht dann immer wenn die Mutter "nein" sagt.
Er ist eigentlich ein süßer Fratzt und meint es bestimmt nicht böse, er sieht das ganze glaube ich eher als Spiel. Die Mutter sagt ihm zwar, dass man das nicht darf, aber nicht in einem anderen/strengeren Ton. Außerdem findet sie es auch nicht so schlimm, hat sich vielleicht schon daran gewöhnt, dass er nicht hört.
Manchmal hat sie es auch schon versucht zu vertuschen oder herunter zu spielen, wenn nur sie die Situation gesehnen hat.
Wie würdet ihr euch verhalten?
Ich schätze die Mutter leider so ein, dass sie mit der Kritik nicht umgehen könnte, obwohl sie jemand ist, die ihne Meinung immer sagt. Die andere Mama habt bis jetzt auch noch nicht das direkte Gespräch gesucht, ist aber auch unglücklich mit der Situation.

#danke

Gruß

Beitrag von lilly7686 09.02.06 - 15:43 Uhr

Hallo! Also das ist schwierig! Denn eigentlich hasst man es doch, wenn sich jemand in die Erziehung einmisch.
Andererseits, hört es sich schon so an, als würde diese Mutter dringend Hilfe brauchen.
Vielleicht versuchst du, ein Gespräch zu führen, bei dem du ihr nichts vorwirfst! Teile ihr deine Gedanken nicht als Kritik mit! Das klingt natürlich recht einfach wenn ich das so schreibe. Vor allem kenne ich diese Frau nicht. Aber vielleicht fragst du sie mal, wie es ihr mit ihrem Sohn so geht? Ob sie mit der Situation glücklich ist? Ich weiß, es ist sicher schwer, einer Mutter quasi zu sagen, dass sie einen Fehler macht, aber ich denke, ihr müsst da durch.
Liebe Grüße
Lilly und Leonie

Beitrag von schmetterling23 09.02.06 - 16:50 Uhr

Ohje... #kratz
ist heikel....

Trotzdem:
Ich würde auf jeden Fall versuchen sie darauf anzusprechen.
Denn der Kleine geht ja auch auf Eure Kinder los, wenn ich es richtig verstanden habe!

Ihr ärgert Euch, das solltet ihr nicht herunterschlucken, sonst kommt der Moment, in dem das berühmte Fässchen überläuft und sich eine von Euch unkontrolliert und unkonstruktiv Luft macht.

Sprecht sie gemeinsam und in aller Ruhe darauf an, wenn die nächste Situation dieser Art auftritt.

Vermeidet Streit und gebt ihr auch keine unerbetenen Erziehungstipps. Sagt ihr, dass es so nicht geht und das sie bitte etwas ändern soll.
Sie muss ihrem Sohn schon vermitteln, dass sein Verhalten nicht okay ist und er nicht einfach machen darf, was er will. Kinder brauchen Grenzen, der Kleine sucht sich offensichtlich.
Nur, das könnt Ihr ihr zwar einmal sagen, es verstehen und umsetzen muss sie allerdings selber.

Überlegt Euch allerdings auch, ob ihr dann eventuell eine Konsequenz daraus ziehen solltet, wenn sie weiterhin nichts macht.

Kurz gesagt: Sagen was genau Euch ärgert: Ja! - Hilfe anbieten: auch Ja!
Aber Euch ungefragt einmischen und (in ihren Ohren) tolle Ratschläge geben: Nein!

Viel Glück! #klee


LG, Schmetterling23

Beitrag von stehvieh 09.02.06 - 22:32 Uhr

Hallo!

Es gibt zwei Punkte, wo ich mich einmische:

1. Mein Kind wird zum wiederholten Male vom selben Kind verletzt oder geschubst und der anwesende Elternteil ignoriert das - dann halte ich meine Hand dazwischen und sage dem Kind "jetzt ist Schluss, lass sie in Ruhe!". Solche Kinder sind dann meistens derart schockiert über eine Zurechtweisung, dass es funktioniert. Kennen sie meist von den Eltern gar nicht. So ein Kind und so eine Mutter gab es damals in der Krabbelgruppe, in der wir waren. Auch den direkten Hinweis, dass ihr Kind Grenzen braucht, hat sie heruntergespielt. Wir konnten halt nur unser jeweiliges Kind vor Übergriffen schützen.

2. Wenn ein Kind bei uns ist - ohne Eltern - und sich dolle danebenbenimmt, behandle ich es so, wie ich es bei meiner Tochter in dem Fall machen würde. Wir haben z. B. ein Nachbarskind, 5 Monate älter und die Eltern lassen ihr alles durchgehen. Die scheuen einfach Konfrontation und da kennt sie zu Hause keine Grenzen. Als sie sich letztens nach einem Trotzanfall absolut nicht mehr beruhigen konnte, hab ich sie (wie ich es bei meiner Tochter mache, wenn nötig) vor die Wohnzimmertür gestellt und ihr erklärt, sie soll sich im Flur abreagieren und dann kann sie wiederkommen, wenn es wieder geht. Es ging 10 Minuten lang nicht! Bei meiner Tochter, die das schon kennt, ist der Anfall dann nach höchstens 1 Minute vorbei; oft entdeckt sie dann plötzlich was zum Spielen und vergisst den Frust. Ich war froh, dass die Eltern mir das nicht übel nahmen (hab's ihnen gleich erzählt) - das Mädel hat es uns leider übel genommen und ist nun gar nicht mehr gern bei uns zu Besuch... Tut mir zwar leid, aber ich würde es wieder machen.

Also, wenn dieses Problemkind dein Kind angreift, geh ruhig dazwischen. Darüber hinaus könnte man austesten, in welcher Verpackung die Mutter eure Kritik verträgt.

LG
Steffi + Caroline Johanna (22 Monate) + #baby inside (17. SSW)

Beitrag von alias 09.02.06 - 22:36 Uhr

auch ich würde vorschlagen, dass ihr mal versucht dem kind die grenze zu vermitteln. eben so wie ihr es bei euren kindern machen würdet. vielleicht ergibt sich dann von selber ein gespräch mit der mutter oder sie schaut sich zumindest was ab.

Beitrag von gh1954 09.02.06 - 23:59 Uhr

Wenn dir das so extrem erscheint, dann solltest du mit ihr reden, aber allein.
Nicht dass sie den Eindruck hat, die beiden anderen Mütter haben sich gegen sie "verschworen" und sie das Gefühl bekommt, in eine Verteidigungshaltung gedrängt zu werden.

Ich hatte zwei Töchter, ganz easy alles mit der Erziehung, wir waren überall gerne gesehen, überall hörte ich, was ich doch für entzückende Töchter habe.

Kam dann schon mal vor, dass ich irgendwo war, Kaufhaus oder Restaurant oder sonstwo... und dann war da ne Mutter mit einem Kind, was nicht zu bändigen war.
Ich hab mir dann gedacht: Unmöglich, hat diese Frau ihr Kind nicht im Griff oder nicht erzogen??

So... dann habe ich noch einen Sohn bekommen, der war total anders als meine Töchter, da war ICH dann wohl manchmal die Mutter, die in Geschäften oder sonstwo solche Gedanken bei anderen Frauen ausgelöst habe.

WEIL ich dann auch ein etwas schwierigeres Kind hatte, bin ich zwangsweise von meinem hohen Ross runter und habe gedanklich Abbitte bei den Müttern geleistet, über die ich vorher ein wenig verächtlich gedacht habe.

Kinder sind nicht gleich. Es gibt Kinder, die sind leicht zu erziehen und es gibt Kinder, da ist die Erziehungsarbeit echt schwer.

Warum habe ich das jetzt alles geschrieben??

Ich denke mal, um dich davor zu warnen, dieser Mutter zu sagen, dass sie sich ein Beispiel an dir nehmen soll.

Du kannst mit ihr reden, ihr deine Hilfe anbieten, das wäre schon sehr viel.

Nur, denk dran, jedes Kind ist anders.

Gruß
geha

Beitrag von mauskewitzki 10.02.06 - 10:50 Uhr

Hallo!

#danke für die Antworten.

Ich weiß, dass jedes Kind anders ist und würde mir nie anmaßen einer Mutter zu sagen wie sie ihr Kind erziehen soll.
Was mich an der Situation auch einfach stört ist ,dass sie manchmal so Kommentare abgibt wie " die anderen Kinder schreien viel zu schnell, sollen sich nicht so haben wenn ihr Sohn sie mal packt"
Wenn ich dann meine Tochter nicht tröste oder das andere Kind geschimpft wird, vermittel ich meiner Tochter das Falsche. Nämlich das, dass sie es ertragen muss und selber aber nicht hauen darf.
Ich denke schon, dass ich mit der Mutter reden muss, denn der Kleine kann in meinen Augen nichts dafür. Wenn er nie ein "nein" hört, woher soll er wissen, dass man es nicht darf.
Ich werde ihr nicht sagen, dass ich es richtig mache, oder wie sie es machen soll. Sondern nur, dass es so nicht weiter gehen kann. Wenn sie sich auf kein Gespräch einlässt, werde ich nicht weiter darauf eingehen, Muss aber dann für mich einen Entscheidung treffen, ob ich den Kontakt noch so beibehalte.

Gruß

Beitrag von 3_3 16.02.06 - 15:53 Uhr

Hallo,

ich bin ganz Deiner Meinung und denke, wenn Sie doch immer mal austeilen kann, sollte Sie auch eine Meinung vertragen können und wenn nicht, ist das vielleicht wirklich einfach Ihr Problem.

Schreib´ doch nochmal wie´s gelaufen ist. Ich drück´ die Daumen.

Gruß, Simone