Das Lehrerhasser-Buch / Danke für eure Meinung ( Vorsicht dennoch lang ! )

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von shippi 09.02.06 - 23:59 Uhr

Hallo!

Ein große Danke für eure konstruktive Meinungen.

Ich weis, das es Lehrer und "Lehrer" gibt.
Und: ich finde es unverschämt alle über einen Kamm zu scheren, was wohl diese Autorin in diesem Buch getan zu haben scheint.
Dieses werde ich nicht unterstützen !
Denn jeder, der seinen Beruf gewissenhaft und korrekt verrichtet, verdient unseren Respekt.

Ich habe selbst in einem pädagogischen Beruf gearbeitet ( Erzieherin) und auch da gibt es leider schwarze Schafe.

Wir als Eltern möchten uns auch nicht freisprechen von Fehlern, die wir begangen haben und ( leider ! ) auch noch begehen werden. Aber ich glaube davon kann sich keiner freisprechen. Nobody is perfect !

Dennoch muss ich meinen Frust über diese unfähige Lehrerin noch loswerden. Bitte verzeiht !

Leider musste ich mit erschrecken feststellen, wie das Selbstbewusstsein meiner Tochter unter dieser Lehrerin (ca. 2 Jahre Berufserfahrung) gelitten hat.

Wie kann es sein, das ein Kind, was voller Freude auf die Schule eingeschult wird, nach sage und schreibe 3 Wochen Schule nach Hause kommt mit dem Spruch "Ich habe kein Bock mehr auf diese sch.... Schule"! ?
Dann kamen Sätze bei den Hausaufgaben (Anfertigungsdauer ca.4 Std.) wie: "Ich bin ja eh zu blöd dafür; ich schaff das doch sowieso nicht".
Hallo??
Sicherlich jedes Kind hat seine Schwächen, aber es hat mich sehr geschockt dieses von meinem Kind zu hören.
Vor allem, wenn man von seinem Kind weis,das es ein starkes Selbstbewusstsein hat bzw. hatte.
Und wir als Eltern von 3 Kindern haben nun mehr die Aufgabe , dieses angekratzte Selbstbewusstsein aufzufangen und wieder zu stärken .

Nun ja, Sie ist zurück gestuft und siehe da, diese Woche kam sie zu mir und sagte: " Mami ich kann es nicht erwarten morgen wieder in die Schule zu gehen.
Und auch die Hausaufgaben sind jetzt, je nach Umfang, in einer halben bis einer Stunde erledigt.
Da fragt man sich doch, wer hier die größeren Fehler gemacht hat.

Von daher bin ich froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Besonders darüber, das mein Kind jetzt eine Lehrerin hat die es versteht Kinder für die Schule zu motivieren und Lehrinhalte zu vermitteln.
Als Eltern allein schafft man das nicht.#kratz
Sicherlich liegt noch ein langer Weg vor uns und ich hoffe, das es uns gelingt, unsere Tochter so zu stärken, das sie mit Begeisterung #aha zur Schule geht und diese Erfolgreich absolviert.

Liebe Grüße Shippi

Beitrag von laadidaa 10.02.06 - 07:32 Uhr

hallo shippi,

ich hatte dir schon bei deinem letzten eintrag geschrieben. ja, also, das mit den 4 stunden hausaufgaben kommt mir wirklich sehr bekannt vor. ich hab auch so ein exemplar zu hause ;-) allerdings liegt es bei meinem sohn eben an der mangelnden konzentrationsfähigkeit. leider musste ich ihn auch schon oft genug trösten, wenn er so sätze wie: ich bin dumm oder ich kann gar nix! von sich gibt... allerdings weiß ich, dass das sicher nicht von seiner lehrerin kommt, sondern von anderen kindern. leider hat mein kleiner einen "erzfeind", der ihn geradezu mobbt und alle anderen kinder aufhetzt. ich denke, das hat angefangen, als sich unser sohn mit dem besten freund des "bösen" jungen angefreundet hat. die eltern des jungen machen allerdings einen recht vernünftigen eindruck auf mich. die lehrerin hat den jungen auch schon öfters geschimpft deswegen, eben weil er auch in der schule so sprüche bringt, dass unser sohn dumm wäre.
naja, kinder können grausam sein. weißt du sicher, dass die sätze von der lehrerin kamen und nicht von anderen klassenkameraden???

ich weiß, dass es lehrer gibt, die ihren beruf definitiv verfehlt haben und die man nicht auf kinder "loslassen" sollte, aber es gibt in jeder berufsgruppe schwarze schafe und ich reagiere wirklich extrem allergisch, wenn ich den eindruck habe, dass alle über einen kamm geschert werden. und das ist gerade in der berufsgruppe des lehrers ZU oft der fall.

wenn es wirklich an der lehrerin lag, dann sei froh, dass du den schritt, deine tochter zurückzustufen, gegangen bist. ich wünsche dir und deiner familie viel glück...

lg laadidaa

Beitrag von schnuffelschnute 10.02.06 - 08:24 Uhr

Hallo Shippi,

woher weißt Du, dass die Lehrerin dem Kind eingetrichtert hat, es sei zu dumm?
Meine Tochter ist nun in der dritten Klasse und ich kann nur sagen:
Wenn ein Kind in der ersten Klasse 4 Stunden für die Hausaufgaben braucht, liegt der Grund wahrscheinlich entweder
1. es konzentriert sich nicht genug
2. es ist noch zu verspielt
3. es schafft den Stoff einfach nicht.
Sieh, die Kleine ist zurückgestuft worden und schafft den Stoff nun, vielleicht war es wirklich zu schwierig für sie? Ich will damit nicht sagen, dass Deine Tochter dumm ist, bitte nicht falsch verstehen.

Liebe Grüße,

Ariane

Beitrag von manavgat 10.02.06 - 09:37 Uhr

Deine Tochter hatte nicht die nötige Reife und wurde daher überfordert. Du hättest sie schon nach der 1ten Klasse freiwillig zurückstufen können.

Wieso ist die Lehrerin schuld? Versteh ich nicht.

Gruß

Manavgat

Beitrag von diaz 10.02.06 - 22:37 Uhr

Hallo Shippi,

das Lehrerhasserbuch ist vielleicht etwas übertrieben, aber Lotte Kühn schildet sehr gut die unendlichen Probleme, die Kinder und Eltern an den deutschen Schulen meistern müssen. Ich verstehe nicht, warum du dieses Buch so verdammst, es soll eine gewisse Provokation sein, einen Anstoss geben, dass Lehrer in ihrer bequemen unkündbaren Beamtenposition aufgerüttelt werden, dass endlich die Ausbildung der deutschen Lehrer besser wird, dass Unfähige gar nicht erst ein Klassenzimmer betreten dürfen, und letztendlich das, im internationalen Vergleich
unsägliche Schulsystem geändert wird, das eine
Mitschuld an dem wirtschaftlichen Niedergang dieses Landes trägt.

Eine der wichtigsten Aussagen in Lotte Kühns Buch ist
die Tatsache, dass auch in diesem schlechten Schulsystem jeder einzelne Lehrer die Freiheit hätte, einen guten engagierten Unterricht zu erteilen, dass aber viele deutsche Lehrer in ihrem nicht angreifbaren Beamtendasein zu bequem, zu faul oder zu arrogant dazu sind. Das Beispiel Deiner Tochter zeigt, dass es "auf den
Lehrer ankommt", ob Schüler Spass an der Schule haben
und gute Leistungen bringen können.

Mit freundlichem Gruss

Diaz

Beitrag von liamchunk 03.10.07 - 18:18 Uhr

Dass Frau Unverzagt mit ihren zwei Buchtiteln "Das Lehrerhasserbuch" sowie "Elternsprechtag" ein längst überfälliges Thema öffentlich gemacht hat, steht sicher außer Frage. Ebenso klar ist, dass der weitaus überwiegende Teil der - zugegeben - teils polemischen Darstellungen im Kern richtig ist. Jede(r), die (der) erleben "darf", wie sich der Schulalltag heutzutage vielfach darstellt, wird nur zu gut nachempfinden können, dass die von Frau Unverzagt thematisierten Aspekte sehr wohl unübersehbar sind. Angefangen von nicht selten bedenklichen Rahmenbedingungen (verdreckte und wenig einladende Schulgebäude), über zuweilen demotiviertes Lehrpersonal, pädagogisch mitunter unfähiges "Personal", das nicht selten den Hinweis auf eine "eigene, pädagogische Ausbildung" nicht erspart, und permanent klar erkennen lässt, dass es mit der eigenen, pädagogischen Befähigung nicht gerade gut bestellt zu sein scheint, indem u. a. auch Kindern gegenüber äußerst respektlose Verhaltensweisen gezeigt werden, ignorante und in Teilen feige Schulleitungen, die selbst gröbste Disziplinlosigkeiten nicht angemessen ahnden, Eltern, denen erkennbar nicht selten selbst elementarste Regeln des Anstands sowie eines konstruktiven Kommunikationsstils zu fehlen scheinen, Lehrpersonal, das - wenn überhaupt - nur "hinter vorgehaltener Hand" bestätigt, dass die Zustände in weiten Teilen öffentlicher Regelschulen unzumutbar geworden sind, bis hin zu einer wachsenden Zahl von Kindern, denen erkennbar jegliche Grundlage zur Teilnahme an einem konstruktiven Unterricht fehlt. Kurz: In der Sache tragen die zwei genannten Bücher der Autorin mit Sicherheit dazu bei, "einen Stein ins Rollen zu bringen". Wenig hilfreich ist aber leider, dass auch dieses "neueste Werk", Elternsprechtag, den schon im Lehrerhasserbuch vorhandenen "undifferenzierten Grundtenor" beibehält. Unerfreulich ist dies zum einen deshalb, da an vielen Stellen "Fälle geschildert werden", die schon auf den ersten Blick erkennen lassen, dass es primär nicht um eine Problemlösung, sondern vielmehr um ein nahezu durchweg pauschales "Dampf ablassen" zu gehen scheint. Schädlich sind die vielen undifferenzierten Passagen vor allem deshalb, weil es viele engagierte LehrerInnen (ja, auch die gibt es nämlich noch!) mit in "einen Topf" wirft, die, ebenso wie die Autorin, mit viel Engagement gegen die fraglos in weiten Teilen des Schulalltags zu beobachtenden Missstände, ankämpfen. Die Glaubwürdigkeit der Autorin wäre vermutlich deutlich höher, ließe sie schon in der Sprachwahl und in einer ausgewogeneren Darstellung erkennen, dass es ihr (was man ihr vielleicht sogar grundsätzlich gern glauben möchte) primär um einen "konstruktiven Denkanstoß" und eben nicht - wie hier über weite Passagen zu befürchten - um die Publikation eines polemisierenden, undifferenzierten Vorgehens gegen - fraglos berechtigte Missstände - ankommt. Zur Ehrenrettung der Autorin sei aber klar gesagt, dass es prinzipiell verständlich (wenngleich auch psychologisch nicht besonders geschickt) ist, dass sie auch in ihrer Sprachwahl mitunter "über das Ziel hinaus schießt", da sie vermutlich - wie sehr viele andere, leidgeplagte Eltern und LehrerInnen auch, unter den fürwahr oftmals extremen Rahmenbedingungen zu leiden hat, so dass ihr dieser teils sehr impulsive und teils undifferenzierte Blick auf einige "Fälle" durchaus nachgesehen werden sollte. Alles in allem sind beide Buchtitel auf jeden Fall sehr lesenswert, denn sie tragen hoffentlich mit dazu bei, dass vor allem viele derer, die bisher nicht selten mit viel Geschick auch gröbste Defizite "schön gerdet haben", endlich begreifen, dass sich hier massiv Widerstand gegen teils unhaltbare Zustände zu regen beginnt. Im Interesse aller Kinder und Jugendlichen einerseits sowie im Interesse unserer Gesellschaft insgesamt anderseits, ist zu hoffen, dass sehr viel mehr Leute den Mut haben werden, offensichtliche Defizite auch a) als solche zu benennen, und b) diese auch ebenso deutlich und nachhaltig zu beseitigen. LehrerInnen, Schulleitungen und Eltern, die eine derartige Bereitschaft nicht haben, sollten und dürfen sich nicht ernsthaft darüber wundern, dass die Rahmenbedingungen vielfach zunehmend schlechter werden. Wichtig ist, dass vor allem solche Eltern und LehrerInnen ein "Sprachrohr" bekommen, die bisher - teils aus verständlichen Gründen - davor zurück geschreckt haben, unübersehbare Defizite offen zu thematisieren, aus Angst um die eigenen Kinder, oder aus der Angst heraus im Kreis der Kolleginnen und Kollegen als jemand geoutet zu werden, der (die) nicht mehr länger dazu bereit ist, jegliche Verfehlung und Unverschämtheit kommentarlos zu akzeptieren. Der Autorin bleibt zu wünschen, dass es ihr in möglichen, weiteren Büchern zu diesem Thema gelingen möge, eine differenziertere Sprache zu finden, damit ihre fraglos sehr berechtigten Anliegen auch solche LeserInnen ansprechen, die ihr einerseits zustimmen, sich aber anderseits durch eine mitunter eher "kumpelhafte" Sprache abschrecken lassen.

Eine konstruktive Alternative, die nicht in polemischer, aber dennoch deutlicher Sprache mit unübersehbaren Defiziten in Teilen des Schulbetriebs sowie in einigen Elternhäusern "ins Gericht geht", finden Sie unter folgendem Link:

http://www.bod.de/index.php?id=1130&auto_id=5439

Mit freundlichen Grüßen
DV-Kfm. & EDV-Dozent & Psych. Berater (SGD-Diplom) Aribert Böhme