Pflichtanteil Erbschaft

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Beitrag von suzyq 10.02.06 - 09:23 Uhr

Hallo,

wer kennt sich im Erbschaftsrecht aus?
Wir haben folgendes Problem: Die Eltern meines Freundes waren nicht miteinander verheiratet und haben sich noch vor seiner Geburt getrennt. Der Vater hat sich nie gekümmert, das Jugendamt mußte den Unterhalt vorstrecken usw..... Daher hatten sie so gut wie keinen Kontakt miteinander.
Nun hat mein Freund vom Amstgericht erfahren, dass sein Vater vor ca. 6 Monaten gestorben ist und dass ihm ein Pflichtanteil zusteht. Eine Kopie des Testaments ist beigelegt und danach soll er nichts bekommen. Was steht ihm zu? Wie kommt er zu seinem Recht? Soll er einen Anwalt nehmen?
Danke im Voraus
SQ

Beitrag von bezzi 10.02.06 - 09:53 Uhr

Hallo SQ,

ihm steht der Pflichtteil zu, das ist richtig. Der Pflichtteil ist die Hälfte dessen, was er ohne Testament, also bei gesetzlicher Erbfolge, geerbt hätte.

Da Du weder schreibst, welches Vermögen vorhanden ist, noch ob der Verstorbene weitere Kinder hatte oder verheiratet war, kann keiner wissen was ihm zusteht.

Der erste Ansprechpartner wäre das Amtsgericht, von dem die Mitteilung stammt.

Gruß

Martin

Beitrag von filou597 10.02.06 - 09:53 Uhr

Hallo,
er sollte sich einen Anwalt nehmen.

Generell müsste ein Pflichtteilsanspruch bestehen, diesen kann der Anwalt dann geltend machen.
Der Pflichtteilsanspruch besteht auch, wenn ein Testament vorliegt.

Filou597

Beitrag von manavgat 10.02.06 - 10:04 Uhr

Ja. Anwalt.

Gruß

Manavgat

Beitrag von gh1954 10.02.06 - 10:30 Uhr

Wie die Vorschreiber schon richtig geschrieben haben, steht deinem Freund als Pflichtteil die Hälfte des gesetzlichen Erbteils zu.
Er sollte diesen Anspruch möglichst schnell geltend machen, da dieser drei Jahre nach Kenntnisnahme des Testamentes verfällt.
Dein Freund sollte umgehend eine Auflistung der Erbmasse verlangen.
Dazu gehören Kontostände zum Zeitpunkt des Todes seines Vater, sowie der persönlich Besitz (Immobilie, Möbel, evtl. wertvolle Sammlungen etc.)
Diese Auflistung steht im per Gesetz zu. Das heißt, er muß da nicht drum bitten, sondern er kann es einfordern.
Von der Erbmasse werden in der Regel die Kosten für die Beerdigung und für ca 20 Jahre Grabpflege abgezogen.

Gruß
geha

Beitrag von dolfan96 10.02.06 - 12:58 Uhr

Hallo SQ,

wichtig ist auch zu wissen, ob Schulden hinterlassen wurden. Falls das Erbe angetreten wird, erbt man nicht nur das Guthaben sondern auch die Miesen. Ggf. kann das durch ein Aufgebotsverfahren festgestellt werden. Einfach beim Amtsgericht - Nachlaßabteilung - nachfragen.

Gruß,
Dolfan96

Beitrag von mork 10.02.06 - 14:25 Uhr

Hallo,

da er ja gerade kein Erbe geworden ist, kann er auch kein Erbe antreten.

mork

Beitrag von suzyq 10.02.06 - 15:03 Uhr

#kratz
Als leibliches Kind steht ihm ein Pflichtanteil zu.

Zum Glück habe ich von den anderen brauchbare Tipps bekommen.

Beitrag von suzyq 10.02.06 - 15:22 Uhr

"da er ja gerade kein Erbe geworden ist, kann er auch kein Erbe antreten"
oder meinst du er kann auch kein Erbe ablehnen?

Gruß
SQ

Beitrag von gh1954 10.02.06 - 19:42 Uhr

Klar kann man ein Erbe ablehnen, z.B. wenn der Verstorbene Schulden hinterlassen hat.

Ich hab das mal gemacht, bei einem Onkel, da mußte ich für mich und die Kinder zum Notar, was unterschreiben, das war richtig teuer.

Gruß
geha

Beitrag von filou597 10.02.06 - 19:52 Uhr

Man kann das eigentlich beim Nachlassgericht machen (Amtsgericht), kostet nichts oder zumindest sehr wenig (ist schon lange her). Man muss nicht zum Notar gehen.

Gruß
Filou

Beitrag von mork 13.02.06 - 10:59 Uhr

Hallo,

das ist richtig. Man geht sinnvollerweise zum Nachlassgericht.

Da sich die Ausschlagung nach dem Wert des Nachlasses berechnet und dieser bei Ausschlagung regelmäßig 0 oder weniger ist (sonst würde man ja nicht ausschlagen), ist dies nicht teuer.

mork

Beitrag von mork 13.02.06 - 10:56 Uhr

Hallo,

da er durch Verfügung (Testament) als Erbe ausgeschlossen wurde, kann (und braucht) er
auch kein Erbe ausschlagen.

Nur wer Erbe ist kann eine Erbschaft ausschlagen (bei Überschuldung angebracht).

Der Pflichtteilsanspruch ist dann ein geldwerter Anspruch des übergangenen gesetzlichen Erbens
(Hälfte des gesetzlichen Erbanspruchs) den man gegen den tatsächlichen Erben hat. Ist das Erbe überschuldet hat man auch keinen durchsetzbaren Pflichtteilsanspruch.

Der Pflichteilsberechtigte hat also nie einen Anspruch auf konkrete Dinge aus der Erbschaft. Diese gehören dem Erben.
Der Pflichteilsanspruch berechnet sich dann aus dem Wert der Erbschaft.

mork