Nochmal zur Schlaftherapie ( Erfahrungsbericht)

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Forum: Kleinkind

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Beitrag von sweetytweety 10.02.06 - 11:56 Uhr


Hallo,

das Thema lässt mir leider keine Ruhe. In einem anderen Forum wird dieses Thema auch gerade heiß diskutiert und habe diesen Text dabei gefunden.

Ich denke, er regt zum nachdenken an.........

Zitat:
Vor kurzem schrieb ich meinen Erfahrungsbericht schon einmal in einem ELTERN-Forum. Darauf bekam ich eine kleine Mailflut von Müttern die ähnliche Erfahrungen machen mussten.

Wer die Methode anwenden möchte, lies zunächst bitte meinen Bericht und entscheide dann.

"Jedes kind kann schlafen lernen!" Oder etwa nicht???

Wir haben die Methode aus oben genanntem Buch bei unserer Tochter mit 7 Monaten angewand und hofften endlich nicht mehr jede Nacht ein Fläschchen bringen zu müssen und dazu noch 5 mal den Schnuller wieder in den Mund zu stecken. Ich muss dazu sagen, sie war ansonsten recht pflegeleicht und keineswegs übersensibel und klebte auch nicht besonders an uns, sie spielte auch gerne alleine. Sie war ein glückliches, freundliches kleines Mädchen, recht groß und kräftig für ihr Alter, weshalb wir auch glaubten die entzogene Nachtflasch würden ihr nicht schaden.
Einen festen Rytmus hatten wir schon länger versucht einzuführen, allerdings hielt unsere Tochter nicht wirklich viel davon. Sie wurde Morgens gegen 8:00 wach, sollte gegen 12:00 Uhr ihr erstes und gegen 16:00 Uhr ihr zweites Schläfchen halten und um 21:00 Uhr ind Bett gehen. Diese Zeiten verschoben sich allerdings ständig weil Hanna entweder zu früh müde wurde oder zu spät. Nachts verlangte sie bis zu 6 mal in jeder Nacht nach dem Schnuller, außerdem wollte sie gegen 3:00 Uhr noch ein Fläschchen und ließ sich auch nicht mit Tee beruhigen. Wir vermuteten, sie hatte sich das Fläschchen angewöhnt.
Also begannen wir mit der Methode als sie 7 Monate alt war.
Nach drei Tagen Schlafprogramm schlief unsere Tocher zunächst mal wirklich durch, allerdings weinte sie beim Einschlafen noch sehr lange. Ab dem vierten Tag begann sie panisch zu schreien wenn wir sie in ihr Bett legten, sie brüllte solange bis sie sich übergeben musste, auch wenn wir dabei blieben und mit ihr sprachen und sie streichelten! Sie brüllte einmal bis sie ohnmächtig wurde! Natürlich habe ich das Programm dann erstmal abgebrochen und 4 Wochen später erneut versucht.
Dieses Mal mit der festen Überzeugung durchzuhalten, für mich war die Methode die richtige Lösung und ich war wirklich überzeugt davon.
Unter Anleitung meines Kinderarztes hielten wir 1 Woche durch, wenn Hanna sich ohnmächtig schrie nahmen wir sie heraus und legten sie sofort wieder rein wenn es ihr wieder gut ging. Sie sollte ja nicht lernen uns so zu kontrollieren!
Ihr Brüllen aber wurde nicht weniger. Sie schlief auch immer weniger, sie wehrte sich vor dem Einschlafen. Ich hatte jedoch Angst abzubrechen, weil ich überzeugt war konsequent bleiben zu müssen. Konsequenz war laut dem Buch ja das Wichtigste und ich fürchtete ihr mit einem Abbruch des Programms mehr zu schaden!
Hanna schrie nun immer mehr, auch tagsüber, auch auf dem Arm. Sie ass plötzlich auch sehr viel weniger und konnte nicht mehr alleine spielen. Eigendlich spielte sie überhaupt nicht mehr.
Dann machte unser Kia Urlaub und ich ging zu einem anderen, weil Hanna über einen Tag jede Nahrung verweigerte und den ganzen Tag leise wimmerte. Das war genau 10 Tage nach beginn des Programms. Ich befürchtete sie war krank. Mit dem Kinderarzt sprach ich zunächst nur beiläufig über das Schlaftrainingsprogramm . Der Mann war entsetzt übe die Methode und riet uns das ganz schnell sein zu lassen. Hanna schlief zu dem Zeitpunkt auch nur noch etwa 8 Stunden nachts durch, allerdings unter großem Geschrei, ansonsten schlief sie garnicht mehr. Wir waren jedoch noch immer zu überzeugt von dem Buch und der Methode. Es musste doch klappen, was machten wir nur falsch?!
In der folgenden Nacht weinte Hanna 14 Stunden am Stück! Und das obwohl ich neben ihrem bett stand, sie heraus nahm, sie schließlich mit in unser Bett nahm. Sie schlief in den nächsten zwei Tagen in 24 Stunden nur noch etwa 6 Stunden auf den Tag verteilt. Meist auf der Krabbeldecke oder auf dem teppich, wo sie vor Müdigkeit einfach zusammensackte. Im Bett schrie sie nur. Nahrung bekamen wir überhaupt nicht in sie hinein, sie ließ sich nicht füttern. Alleine trank sie etwas Tee aus der Schnabeltasse.
Irgend etwas musste geschehen und ich sah ein, dass doch nicht Jedes Kind schlafen lernen kann!
Endlich gaben wir es auf!
Die Probleme waren damit noch lange nicht beseitigt, es dauerte eine Woche, bis Hanna wieder Vertrauen zu uns fasste. In dieser Woche musste ich meine Mutter bitten sie zu füttern!!! Wir mussten ihr Beruhigungsmittel geben! Zum Einschlafen setzten wir sie auf die Krabbeldecke bis sie einschlief und umfiel, dann trugen wir sie in unser Bett. Es war die härtste Woche von allen, denn ich hatte erkannt, dass ich Hannas Vertrauen komplett verloren hatte. Sie schien Angst vor mir zu haben.
Nach einer Woche besserte sich die Situation, Hanna kam wieder zu mir gekrabbelt, ließ sich wieder von mir füttern und lachte wieder, wenn auch selten. Langsam wurde sie anhänglicher als sie es je war, sie schlief wieder, allerdings nur in meinen Armen, ich hatte sie nächtelang im Halbschlaf im Arm, denn wenn ich sie ablegte brüllte sie sofort los. Lange Zeit mussten wir ihr noch die Beruhigungsmittel geben!
Inzwischen (sie wird nächte Woche 1 Jahr alt) schläft sie bei uns im Bett ganz gut. Allerdings wird sie noch immer jede Nacht schreiend wach und muss getröstet werden. Einschlafen kann sie nur, wen sie vor lauter Müdigkeit kaum noch stehen kann, oft weint sie sich in meinem Arm in den Schlaf. Jeder Versuch sie ins eigene Bett zu legen scheiterte und wir werden es vorläufig nicht mehr versuchen. Das Giterbett haben wir in den Keller gestellt, sie hatte Angst davor und traute sich nicht mehr in das Kinderzimmer. Sie hat nun ein großes Bett, wenn ich mich dazu lege schläft sie auch darin.

Unser neuer Kinderarzt meinte ein solches Trauma wäre nach diesem Programm nicht ungewöhnlich, er vermittelte uns Adressen anderer Familien, die die gleiche Erfahrung machen mussten. Bei einigen trat das Trauma schon nach drei Tagen Schlafprogramm auf!
Eines der Kinder musste an den Tropf, weil es keine Nahrung mehr zu sich nehmen wollte!
Die gestillten Kinder stillten sich durch das Programm fast alle ab!
Ein Mädchen wurde nach dem abgebrochenen Schlafprogramm wieder in den Schlaf gestillt, von dem Tag an schlief sie durch!

Ich möchte mit diesem langen Bericht niemandem ein schlechtes Gewissen machen, aber ich möchte, dass ihr wisst, dass der Plan auch schief gehen kann. Davon steht leider nichts in dem Buch.
Oft genug beamen wir vermittelt, wir hätten etwas falsch gemacht, wir häten halt nicht hinter der Methode gestanden und unsere Unsicherheit auf Hanna übertragen. Wir waren so sicher und überzeugt von der Methode, dass wir nicht merkten, dass wir unsere Tochter damit kaputt machten.
Man sagte uns wir hätten durchhalten sollen. Irgendwann hätte Hanna mit Sicherheit aufgegeben, da bin ich mir Sicher. Aber sie hätte damit jeden Glauben in mich als ihre Mutter aufgegeben!

Mein Kinderarzt sagt folgendes: Das Programm ist ein großer Eingriff in die Phsyche des Kindes und nicht wenige behalten bleibende Schäden davon zurück! Leider bleiben diese Schäden den meisten Eltern verborgen, das heist nicht, dass sie nicht da sind. Die meisten Kinder geben schneller auf als unsere Hanna und tun was man von ihnen verlangt.
Ein Kinderphychologe den ich mit Hanna regelmässig aufsuche begründet mit solchen "Dressuren", wie er sie nennt, viele Verhaltensstörungen selbst bei größeren Kindern.

Ich selbst musste erst diese Erfahrung machen, und sie auch meiner Tochter zumuten, bevor ich einsehen konnte dass die Methode nicht so gut ist wie sie oft hingestellt wird!
Heute ist mir klar, dass ich lieber ein schlecht schlafendes Kind habe, als ein derart misshandeltes!! Denn das ist diese Methode für mich, eine Misshandlung der Würde des Kindes!

Wenn ihr ähnliches erlebt habt, bitte verschweigt es nicht länger! Auch ich hatte große Probleme damit, meine Erfahrungen öffendlich zu machen, aus Angst vor Angriffen. Meine Scham war groß genug! Aber nur so können andere Kinder vor dem gleichen bewahrt werden.
Lasst euch nicht einreden, ihr hättet etwas falsch gemacht, wärt nicht konsequent geblieben oder hättet versagt!
Ich habe inzwischen über meinen Kinderarzt, meinen Kinderphychologen und über das Internet so viele Familien kennengelernt, denen es ähnlich ging. Und alle dachten sie wären die Einzigen! Und jede Familie, die die Erfahrungen nicht länger verschwiegen, lernte neue Familien mit der gleichen Erfahrung kennen!

Leider reagiert Frau Kast-Zahn nicht auf meine Briefe, in denen ich von unseren Erfahrungen berichte. Warscheinlich bangt sie um die Verkaufszahlen ihres Ratgebers, wenn sie eingesteht, was ihre Methode wirklich darstellt.



So, das war mir jetzt noch wichtig. Und hiermit schließe ich ( für mich ;-) ) das Thema ab.

LG

Sweetytweety





Beitrag von fiori 10.02.06 - 12:05 Uhr

Hallo,

ach der Bericht war von Dir?

ich habe den nämlich mal hier reingesetzt zu dem thema.

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&id=341514&pid=2246351&bid=3

Zum Glück geht es eurem Kind wieder gut.
Ich hoffe das der Bericht viel wach rüttelt.

fiori#blume

Beitrag von sweetytweety 10.02.06 - 12:08 Uhr


Hallo Fiori,

Nein, der Bericht ist nicht von mir, habe ihn nur aus einem anderen Forum kopiert.
Ups..das der schon mal hier war, habe ich nicht gesehen...#hicks .....sorry

LG

Sweetytweety

Beitrag von fiori 10.02.06 - 12:13 Uhr

Achso ich habe den nämlich auch bloß von hier kopiert.

Nee,macht doch nix,Ich finde man kann den Bericht öfters hier reinsetzen.

Mich würde mal interresieren von wem der bericht nun wirklich kommt?

fiori#blume

Beitrag von deoris 10.02.06 - 12:35 Uhr

Hallo ,ja
dieser Bericht stand schon mal bei Urbia vor etwa 2 jahren.

Leider reagieren die meisten Befürworter dieser Methode nicht darauf .
Sie sind stolz darauf das Kind zum Schlafen gekriegt zu haben ,egal welche Folgen das hat.
Ich hatte noch heute ein Gespräch mit meiner Mutter was diese Methode angeht und sie war entsetzt ,dass die menschen in unserer Zeit noch nichts dazu gelernt haben.Sie sagte,es ist einfach nur unmöglich wie bequem die Frauen geworden sind,sie haben Papierwindel,Fertigessen und Erziehungsgeld.Vor 30 Jahren gab es das nicht und wir haben uns trotzdem mehr um unsere Kinder gekümmert.Und wenn nicht dann wussten wir es einfach nicht besser,haben denn die Frauen in dieser Zeit nichts dazu gelernt? Anscheinend nicht ! Schade.
LG

Beitrag von anni572 10.02.06 - 15:21 Uhr

Hallo Sweetytweety!
Mich schockt Dein Bericht jetzt sehr und ich könnte nur #heul !
Unsere Tochter Amelie *16.08.04 hatte auch so Phasen nachts mit dem ständigen Schnullerreinschieben und brauchte ihr Fläschchen JEDE Nacht. Ich bin auch ziemlich geschlaucht und natürlich genervt gewesen deshalb, aber DIESE von Dir beschriebenen Methode habe ich -für mich- niemals in betracht gezogen -was ein Glück-!!!
Jetzt schläft Amelie sowieso schon lange durch und es ist auch überhaupt kein Problem mit dem Schlafengehen: das spielt sich doch irgendwie alles ein. Und ich als Mama (und auch mein Mann!) waren immer der Meinung, Amelie gerade nachts wenn es dunkel ist eine gewisse Sicherheit zu geben, dass ich/wir immer für sie da sind und daran wird sich auch nix ändern :-)! Auch bei unserem kommenden Nachwuchs. Und wenn Amelie mich dann nachts auch noch oder wieder braucht bin ich auch für beide gleichzeitig da -auch wenn es oberanstrengend wird- !!! Dann muss eben Papa auch helfen ;-) !

Alles Gute
Anja + Amelie *16.08.04 + #ei 22. SSW (ET 20.06.06)

Beitrag von sandrasteff 10.02.06 - 17:35 Uhr

Hallo,

auch wir hatten diese Methode (auf Anraten vieler Bekannter) ausprobiert und ich würde es niiiiie mehr wieder machen. Wir probierten das damals genau 3 Tage aus, dann bekam Ben eine Erkältung (Gott sei Dank-vielleicht). In diesen 3 Tagen heulte nicht nur mein Kind Rotz und Wasser, auch wir waren fix und fertig. Ich konnte und wollte mein Kind nicht so leiden sehen. Dann stehe ich lieber nachts ein paar mal auf, egal, aber eine solche Tortur würde ich keinem Kind zumuten.

Liebe Grüße

Sandra und Ben (der mittlerweile nachts einmal wach wird und zu uns ins Bett getippelt kommt, was wir sehr genießen)