Papakind? Will von Mama nichts wissen!

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von desideria03 12.02.06 - 22:07 Uhr

Hallo,

meine Kollegin hat eine 3 jährige Tochter. Der Papa war bis Januar arbeitslos und hat sich somit um die Kleine gekümmert, wenn Mama arbeiten war. Nun ist das Kind völlig auf den Vater fixiert und will von der mama nichts wissen. Sie kann auch nicht alleine mit dem Kind was unternehmen, weil es dann immer weint. Es sagte sogar schon, es habe die Mama nicht lieb. Wie kann ich meiner Kollegin helfen, sie ist völlig verzweifelt!

desideria03

Beitrag von aggie69 13.02.06 - 11:01 Uhr

Ich war früher auch so. Da hilft nur einschleimen! Wenn die Kleine sagt, daß sie Mama nicht lieb hat, dann will sie sie damit doch nicht verletzen. Sie hängt eben nur mehr am Papa. Vielleicht sollten die Eltern sich gemeinsam mit dem Kind beschäftigen, wobei sich der Papa dann zurück zieht und die Kleine sieht, daß die Mama doch auch lieb ist. Wenn die Kleine merkt, daß Mama mehr erlaubt als Papa, dann wird sich das Verhalten schon ändern.

Beitrag von cajamarca 13.02.06 - 13:45 Uhr

Es ist normal, dass ein Mädchen sich in dem Alter stark auf den Vater fixiert. Wenn er ausserdem jahrelang die Hauptbezugsperson war, dann ist das umso natürlicher. Das wird sich mit der Zeit geben. Natürlich hat die Kleine ihre Mutter lieb, sie ist ihr vielleicht nur böse, weil sie zu wenig Zeit für sie hatte? Und ein Kind in dem Alter weiss auch schon genau, wie es die Eltern verletzen kann. Deine Kollegin sollte der Kleinen Zeit und Freiraum lassen und sie nicht unter Druck setzen. Sie sollte für sie da sein, viel Zeit mit ihr verbringen, ihr immer zeigen, dass sie sie liebt, aber auf gar keinen Fall um die Liebe der Kleinen betteln oder versuchen, sie zu kaufen.

Und auf GAR keinen Fall sollte es zu einem Wettstreit zwischen den Eltern kommen (wer erlaubt mehr, wer ist "lieber").

LG Anke

Beitrag von fraz 13.02.06 - 19:56 Uhr

Hallo

Als mein Sohn 10 Monate alt war, wurde mein Mann arbeitslos und wir tauschten die Rollen: Er blieb zu Hause und ich begann, zu 100% zu arbeiten. Schon bald liess sich der Kleine von mir weder wickeln, noch herumtragen, noch beruhigen, sondern klebte immer am Papa. Mich hatte das am Anfang sehr belastet, ich fühlte mich regelrecht um mein Kind betrogen. Bis mal ein Bekannter sagte, dass ich als Frau einfach das erlebe, was sonst die Väter erleben, die den ganzen Tag am Arbeiten sind. Das hat mir geholfen, das Ganze ein wenig mit Abstand zu betrachten. Zu Beginn haben wir auch geschaut, dass der Papa zwar dabei ist, ICH aber die Arbeit mit dem Kleinen mache und mit der Zeit hat er sich immer besser daran gewöhnt und es auch zugelassen, wenn ich alleine mit ihm was gemacht habe.
Jetzt, nach fünf Jahren ist es so, dass ich eine ganz intensive Beziehung zu meinem Sohn habe, er es absolut geniesst, mit mir zusammen sein zu können und der Alltagskram und Frust hat nun eher mein Ehemann, der die Kinder im Alltag begleitet und erzieht.
Also Kopf hoch, das legt sich ganz bestimmt!

VIel Geduld!

Franziska

Beitrag von monique_15 13.02.06 - 20:25 Uhr

Hallo,

bei uns war's wie bei Franziska: Mein Mann war eine Zeitlang viel mehr zu Hause als ich und hat sich daher auch mehr um unsere Tochter gekümmert.
Sie hatte dann eine Phase starker Ablehnung mir gegenüber. Sie kam zwar zur Tür gerannt, wenn ich heimkam, machte dann aber sofort kehrt und ignorierte mich. Sie hat sich also gefreut mich zu sehen, war aber gleichzeitig sauer, dass ich so lange weg war. Mich hat das ziemlich fertig gemacht. Auch wenn sie traurig war oder verletzt oder einfach nur schmusig, war immer der Papa gefragt. Ich war einfach zweite Garnitur.

Das einzige Gegenmittel ist Geduld und Zeit. Ich hab mich auch verstärkt wieder um meine Tochter gekümmert (auch wenn sie mal nicht wollte und nach Papa verlangte, haben wir das durchgezogen. Wenn beide Eltern es ernst meinen, lenken die Kleinen meist ganz schnell ein). Sie gewöhnte sich mit der Zeit daran, dass wir BEIDE sie versorgen, dass auch der Papa sich mal zurückzieht und nicht uneingeschränkt zur Verfügung steht (was natürlich nicht ganz ohne Tränen abging bei den ersten Malen, als mein Mann wieder arbeiten ging).

Meine Tochter wird wohl immer eher ein Papakind bleiben - aber heute kann ich sagen, dass sie genauso gerne mit mir zusammen ist wie mit meinem Mann. Und dass sie mich weniger liebt als ihn, hab ich sowieso nie ernsthaft geglaubt.
Die Ablehung tut halt einfach nur so weh - aber dafür freut man sich dann auch wie ein Schneekönig, wenn man es nach Monaten geschafft hat und die Kleine verlangt: "Aber heute soll mir die MAMA die Gutenachtgeschichte vorlesen!!"

Also Kopf hoch. Geduldig sein und immer wieder liebevoll Präsenz zeigen. Kinder lieben BEIDE Eltern.
Man muss den Schmerz irgendwie runterschlucken und sich das immer wieder sagen: Sie tut das nicht, weil sie mich wirklich hasst. Sie ist einfach verletzt und traurig und weiß es nicht anders zu zeigen.

Lieben Gruß, Monique