Beerdigung auf jüdischem Friedhof. Bin etwas unsicher

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von s_a_m 13.02.06 - 16:53 Uhr

Eine liebe Freundin ist vor einigen Tagen gestorben, und sie wird bald auf den jüdischen Friedhof in Köln Bocklemünd beerdigt. Ich selbst bin evangelisch und zugegebenermaßen keine große Kirchgängerin. Mit jüdischen Beerdigungen und Trauerritualen kenne ich mich überhaupt nicht aus und bin nun etwas unsicher...

Hat jemand Zeit, mir ein bisschen was darüber zu schreiben? Die Familie hat mich eingeladen und natürlich gehe ich hin. Ich werde mit der Familie zusammen zum Friedhof fahren. Gibt es Dinge, auf die ich achten sollte? Z.B. Kleidung? Ist es üblich, Blumen mitzubringen?

Würde mich über Antworten sehr freuen.

Lieben Dank und viele Grüße
Sabin

Beitrag von dlb 13.02.06 - 17:23 Uhr

Hallo,

leider kann ich nicht erkennen, ob Du männlich oder weiblich bist.

Wenn Du männlich bist, dann frage schon vorher die Angehörigen, ob sie Dir eine Kipa mitbringen können. Die wird bei solchen Anlässen, auch von Menschen, die nicht dem jüdischen Glauben angehören, getragen. Zumeist haben die Angehörigen eine Kipa übrig.

Wenn Du weiblich bist, mußt Du heutzutage noch nicht einmal eine Kopfbedeckung tragen.

Auch auf jüdischen Beerdigungen wird zumeist schwarz getragen. Aber spare Dir den Kauf von Blumen. Suche Dir vorher einen schönen Stein und lege diesen dann aufs Grab.


dlb

Beitrag von sparrow1967 13.02.06 - 19:05 Uhr

Warum einen Stein? Wofür ist er ein Symbol?



*neugierig*
sparrow

Beitrag von lulu2003 13.02.06 - 19:13 Uhr

Hallo Sparrow,

die Antwort würde mich auch interessieren. Kenne das nur aus "Schindlers Liste". Da haben die geretteten Juden am Ende doch auch alle Steine auf das Grab von Schindler gelegt. Ich hab wohl leider nicht richtig aufgepaßt warum das gemacht wird.

LG
Sandra

Beitrag von s_a_m 13.02.06 - 21:27 Uhr

Erstmal danke für die Antwort!! Ich bin weiblich und war heute in Bochum auf einem jüdischen Friedhof um da mal zu gucken, was so auf den Gäbern zu sehen ist. Viele Grabsteine fand ich sehr schön und auf fast allen, selbst auf denen, deren "Besitzer" vor 100 Jahren oder mehr gestorben sind, lagen Steine. Nun würde mich auch interessieren, was es damit auf sich hat. Werde mal im Netz suchen und dann gucken, dass ich einen schönen Stein finde.

Liebe Grüße
Sabine

Beitrag von cingi 13.02.06 - 22:02 Uhr

Vielleicht findest Du hier was:

http://www.jafi.org.il/education/german/lebensweg/Beerdigung/9.html

Beitrag von cingi 13.02.06 - 19:27 Uhr

Also das mit dem Stein das kenn ich auch so. Warum kann ich allerdings nicht sagen.

Beitrag von cosica 13.02.06 - 22:06 Uhr

Hallo Sabine,

es tut mir leid für deine Freundin :-(.

Also eigentlich musst du auf nichts achten, nur eben keine Blumen mitnehmen. Auf jüdische Gräber werden keine Blumen oder Kränze gelegt, halt nur ein Stein. Den nimmst du aber auch nicht mit, sondern hebst einen schönen Stein auf dem Friedhof vom Boden auf.

Aber wenn ich so richtig überlege, wirst du auch kein Stein hinlegen, es ist ja die Beerdigung selbst.

Bei uns (in Luxemburg) ist es so, dass die Leute erst den Trauernden ihr herzliches Beileid ausdrücken, dann singt der "Hasan" (Pastor?), es wird etwas gebetet. Der Rabbiner hält vielleicht eine Predigt. Danach wird der Sarg in Richtung Grab getragen, die Familie geht hinter dem Sarg und alle anderen folgen. Der Sarg wird in den Boden gelassen und jeder geht vorbei, und mit einer Schaufel "streust" du etwas Boden auf den Sarg. Da brauchst du nur zu machen, wie alle anderen.

Das mit dem Stein ist, wenn man auf ein jüdisches Grab geht, wo schon der Grabstein ist: es ist ein Zeichen, dass man "da" war und an den Verstorbenen gedacht hat (glaube ich). Es hat bestimmt noch eine andere, tiefere Bedeutung, werde versuchen, die rauszufinden.

Ich wünsche dir viel Kraft für morgen,

Corinne

Beitrag von sibia 13.02.06 - 22:50 Uhr

Hallo!
Einen Stein auf den Grabstein zu legen bedeutet, der
Tote wird nicht vergessen.

LG
Silvie

Beitrag von honig 14.02.06 - 15:45 Uhr

In der Regel dürfen nur die Männer mit ans offene Grab - die Frauen warten in einem gewissen Abstand.

Keine Blumen,kein Stein - der wird später wenn man den Toten aufdem Friedhof besucht auf den Grabstein gelegt & bedeutet das man an ihn denkt.

normalerweise wird aber der Grabstein erst 1Jahr nach der Beerdigung aufgestellt & man geht auch erst 1Jahr nach dem Tod auf den friedhof - denn man soll den Toten erst mal in Ruhe seinen Frieden finden laßen.

Liebe Grüße Honig

Beitrag von s_a_m 14.02.06 - 21:00 Uhr

Nochmals Danke für alle Antworten!! Ich habe mich auf dem Friedhof erkundigt und Blumen sind nicht üblich. Der Stein wird wohl erst nach dem ersten Trauerjahr auf den Grabstein gelegt; es ist richtig, dass dies zeigen soll, dass jemand das Grab besucht hat und der Verstorbene nicht vergessen wird. Früher war es wohl auch so, dass Steine auch dem Schutz des Grabes vor Tieren dienten.

Ich denke, nun werde ich es einfach auf mich zukommen lassen. Der Mann, mit dem ich telefiniert hatte meinte auch, ich solle mich einfach an den übrigen Trauergästen orientieren. Weiß gar nicht, ob die Familie überhaupt sehr streng religiös ist. Z.B. würde es mir viel bedeuten, auch ans offene Grab gehen zu dürfen... Mal sehen.... Meine Freundin war eine besondere Frau, die viele Freunde hatte. Sie ist an den Auswirkungen eines Schlaganfalls im Alter von 60 Jahren gestorben. Sie hatte ein Down-Syndrom und war nie erstlich krank. Dass sie dann so plötzlich und absolut unerwartet gegangen ist, ist schlimm und es schmerzt sehr, dass ich sie im Krankenhaus nicht mehr gesehen habe.

Liebe Grüße und nochmals Danke!!
Sabine