Menschen hautnah - Aruns Wut, gesten in 3sat?

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Beitrag von jana1503 14.02.06 - 09:01 Uhr

Hallo,

hat das gestern jemand gesehen? Ich war total fasziniert von dem Beitrag!

Einerseits konnte ich sehr verstehen, wie es Arun geht, seine Mutter finden zu wollen, ging mir mit meinem Papa ja nicht anders. Andererseits fand ich erschreckend, mit welchen Mitteln er das versuchte, durchzusetzen. Diese Sucht, wie sein (Adoptiv-) Vater ja schon sagte, das grenzt gewaltig an Fanatismus. Irgendwo zwischen dem Beginn der Suche und dem Heute hätte ICH wohl schon aufgegeben, spätestens wenn meine Familie zu zerbrechen droht.

Hab immer noch Gänsehaut, wenn ich an den Bericht denke.

LG, Jana

Beitrag von schnuffinchen 14.02.06 - 10:49 Uhr

Hallo Jana,


ich hab den Bericht letztens im WDR gesehen.
Für mich hat der nicht alle Latten am Zaun, sorry.
Er hat den Job aufgegeben, und seine ganze Familie ist nur noch damit beschäftigt.
Ja. er ist fanatisch. Man kann froh sein, dass es nur seine Familie ist und sein FDanatismus sich nicht auf religiöse Dinge erstreckt.
Ich kann auch sein Verhalten den Eltern gegenüber nicht nachvollziehen, denn er hat ja anscheinend eine gute Kindheit gehabt und auch heute noch finanzieren seine Eltern sein Leben.
Außerdem - warum zieht er nicht in Erwägung, dass seine Mutter ihn vielleicht gar nicht kennen lernen will? Auch das soll es geben, und unter den kulturellen Umständen dort sogar wahrscheinlich.


LG Janine

Beitrag von jana1503 14.02.06 - 13:48 Uhr

Stimmt schon, deswegen hab ich ja auch geschrieben, dass ich wesentlich früher die weiße Fahne geschwnkt hätte und die Suche aufgegeben.

Ich fand es sehr beunruhigend, wie er seine Eltern mit Vorwürfen überschüttet hat. Aber nach 45 Minuten kann man nicht alle Fakten kennen, daher maße ich mir jetzt nicht an zu sagen, er sei absolut im Unrecht. Es scheint ja einiges damals nicht ganz richtig gelaufen zu sein, wie es bei mir ankam allerdings ohne Wissen seiner Eltern. Ich verstand nur nicht, dass sie ihn nicht von anfang an bei seiner Suche unterstützt haben.

Aber wie gesagt, ein klein wenig kann ich es nachvollziehen. Ich hab meinen leiblichen Vater nur sehr schnell gefunden (nur mich nie getraut zu schreiben ;-)) und heute ein wunderbares Verhältnis zu ihm. Aber mich interessieren solche Geschichten daher sehr.

LG, Jana

Beitrag von schnuffinchen 14.02.06 - 15:01 Uhr

Aus Deiner Sicht kann ich es nachvollziehen.

Aber wie müssen sich die Eltern fühlen? Man gewinnt fast den Eindruck, als hätten sie ihn der Mutter entrissen und entführt #schock. Auch wenn die Mutter ihn vielleicht nicht freiwillig hergegeben hat, die Eltern haben das nicht angeleiert, sondern ein Kind adoptiert, das in Indien einem wesentlich schlechteren Schicksal ausgeliefert gewesen wäre. Und eben da hatte ich den Eindruck, dass er sich dessen nicht bewußt ist oder es verdrängt.

Sicher, wenn man auf der Suche nach seinen Wurzeln ist, nimmt man vielleicht einiges in Kauf. Aber ich denke, er setzt zu viel auf's Spiel, und mutet seinen Angehörigen (vor allem Frau und Kindern #schock) zuviel zu. Ich finde es hat schon krankhafte Züge. Selbst heute. Was wäre er ohne seine Eltern? Sie finanzieren sein Leben, seine Suche, seine Sucht.

Beitrag von gretchens.armee 14.02.06 - 11:01 Uhr

Hey, ich habe es auch gesehen, wenn auch leider nicht die letzten fünf oder zehn Minuten, ist denn noch was passiert? Hat er seine Mutter gefunden? Und was ist mit Frau und Kindern?-

Ich konnte seine Gefühle schon nachvollziehen. Ich war selbst fünf Jahre lang auf der Suche nach meinem Erzeuger mit dem weiblichen Part im Hintergrund, der nur geblockt, teilweise Ungereimtheiten erzählt oder blöde Sprüche geklopft hat nach dem Motto "Was suchst du denn deinen (leiblichen) Vater, der hat sich doch eh nie um dich gekümmert".
Mich hat irgendwann weniger belastet, daß ich so kaum Hinweise hatte, als daß ich mich ständig gelinkt und betrogen gefühlt habe. Zumindest heute weiß ich, daß meine Oma tatsächlich nur das wenige wusste, was sie wusste, während meine Mutter, die ja Hauptaktrice bei dem ganzen Spektakel war, dafür sorgen wollte, nicht mit ihrer wenig ruhmvollen Vergangenheit konfrontiert werden zu müssen. Letztlich waren zwei Männer im Spiel und der eine war es dann. Was für eine Erleichterung. Wir haben auch immer noch Kontakt, sogar regelmäßig.

Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich weiß weder wer Mutter noch Vater sind, ich weiß nur, meine Wurzeln sind in Indien, das Gerede meiner Adoptiveltern kommt mir seltsam vor, irgendwann werde ich misstrauisch, fühle mich nur noch im Stich gelassen; ob ich so wie Arun reagieren würde? Ich kann es nur erahnen, für das wirkliche Verstehen fehlen mir doch zuviele Faktoren.

Ein Vorwurf oder sagen wir Aspekt der ganzen Adoptionsthematik war mir neu. Wir haben doch so in den westlichen Ländern wirklich das Bild, daß es eine gute Sache ist, Kinder aus ärmeren Ländern zu adoptieren und ihnen eine "Zukunft" zu bieten, die sie niemals haben werden, wenn sie bleiben, wo sie herkommen.

Daß diese Kinder aber vielleicht eines Tages Schuldgefühle oder sogar Wut darüber entwickeln, daß man anstatt sie zu adoptieren, nicht mitgeholfen hat, die Umstände in dem jeweiligen Land so zu verbessern, daß sie bei ihren Familien bzw Müttern bleiben dürfen, hat mich ziemlich wachgerüttelt. Ich werde jedenfalls nicht mehr so vorschnell behaupten, solche Adoptionen seien eine gute Sache.

Gretchen

Beitrag von jana1503 14.02.06 - 13:57 Uhr

"... Daß diese Kinder aber vielleicht eines Tages Schuldgefühle oder sogar Wut darüber entwickeln, daß man anstatt sie zu adoptieren, nicht mitgeholfen hat, die Umstände in dem jeweiligen Land so zu verbessern, daß sie bei ihren Familien bzw Müttern bleiben dürfen, hat mich ziemlich wachgerüttelt..."

Stimmt, das hab ich vorher auch nie wirklich so gesehen. Letztlich macht man sich diese Gedanken auch nicht. Aber ich kann eben auch sehr gut verstehen, dass man wissen will, wo man herkommt. Ging mir ja nicht anders, ich wollte ja auch immer meinen leiblichen Vater kennenlernen. Wie ich heute weiß, hat er 25 Jahre darauf gewartet, dass ich mich melde. Von meiner Mutter hab ich da was ganz anderes gehört. Nun ja... das kennst du ja auch, wie ich gelesen habe. (Ich habe übrigens den besten Papa der Welt :-D)

Ach so, Arun hatte seine Mutter bis zum Ende des Berichtes noch nicht gefunden. Die Gerichtsverhandlung in Indien stand noch aus. Seine Frau ist noch/wieder bei ihm, was ich wiederum auch sehr bewundernswert fand. Er hat aber eine eigene Wohnung. Ich konnte sehr gut verstehen, dass sie ihn rausgeschmissen hat.

Wie schon gesagt, ich bin da im Zwiespalt. Einerseits kann ich nachvollziehen, wie es ihm geht. Aber so sehr und mit aller Macht und allen Mitteln, einschließlich Gerichte und Presse, nach seiner Mutter zu suchen... zumal in Indien ja alles abgeblockt wird. Ich hoffe, dass er sie eines Tages findet, damit er zur Ruhe kommt. Sonst suchen seine Kinder später ihren Vater...

LG, Jana