Trauer und Hass - ziemlich lang!

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von tabada 14.02.06 - 10:59 Uhr

Hallo,
muss mir einiges von der Seele reden - vor 2 Wochen ist am Montag mein Schwager spurlos verschwunden. Er hatte einige Verfahren beim Gericht laufen und einen Haufen Schulden - das es so schlimm war wussten wir alle bis zu dem Zeitpunkt nicht. Die Schwester meines Mannes war zuerst total verzweifelt, dann wütend weil er sie im Stich ließ (was zu verstehen ist) Die Polizei konnte bzw. wollte nicht wirklich helfen, denn es sei schließlich noch kein Grund einen Erwachsenen zu suchen wenn er sich verabschiedet und verschwindet. Sollte er bei seinem Gerichttermin nächste Woche nicht auftauchen, dann wäre er auf der Fahndungsliste und sie würden handeln. Haben wir alle nicht wirklich verstanden aber es wohl oder übel so hingenommen. Sie hat nach 5 Tagen die gemeinsame schlecht laufende Firma geschlossen und wir haben schon begonnen zu überlegen was mit dem neu gekauten Haus zu tun wäre - alleine konnte und kann sie es sich nicht leisten. Der Verkauf bzw. Vermietung war nicht möglich, da es auf beide geschrieben war. Sie steckte in der Zwickmühle, hätte sich nicht scheiden lassen können ..... viele Probleme ohne wirklicher Lösung. Nach 8 langen Tagen und Nächten ist er dann plötzlich doch noch aufgetaucht. Das war ein fürchterlicher Tag - er ging in das gemeinsame Haus. Zum Glück war sie zu diesem Zeitpunkt nicht zu hause. Als eine Nachbarin ihn sah und zu ihm rüberging (schließlich wussten viele, dass er abgängig war) zerrte er sie ins Haus. Er hatte eine Waffe mit der er sie bedrohte - wahrscheinlich hatte er Angst sie würde ihn bei der Polizei anzeigen. Dann vergewaltigte er sie, bis jetzt weiss ich nicht wieso plötzlich doch die Polizei vor dem Haus stand (ob sie diese per handy alarmierte?) Sie versuchten ihn aus dem Haus zu locken, verlangten er solle die Nachbarin freilassen etc. Stunden später als auch schon die Cobra vor Ort war wurde das Haus gestürmt und er hat sich in dem Moment erschossen. Wir erfuhren nur nach und nach was alles passiert war - zuerst nur, dass er sich erschossen hatte, dann, dass die Cobra das Haus gestürmt hatte - erst 2 tage später, dass er eine "Geisel" hatte. Das alles zu begreifen und zu verstehen ist nicht leicht. Morgen ist das Begränbis und ich werde dort mit gemischten Gefühlen stehen. Einerseit verabschiede ich mit von einem Sonnenschein, Strahlemann, dem Spaßvogel der Famile andererseits liegt dort ein Betrüger, Vergewaltiger..... es ist nicht leicht. Mir tut die Nachbarin unendlich leid, ich fühle mich schuldig warum wir das alle nicht vorhersehen konnten. Dauernd diese Überlegungen ob es bereits vorher Anzeichen gab.....aber ich kann mich an nichts erinnern. Für die Schwägerin muss es im Moment noch schlimmer sein, doch sie hat sich im Moment bei einer Freundin zurückgezogen und will niemanden sehen. Haben zwar täglich per Handy zu ihr Kontakt aber wir werden sie alle erst morgen das erste Mal nach der Tat sehen. Wir werden ihr Zeit lassen und helfen wo es nur geht, aber kämpfen selber noch mit den gemischten Gefühlen. Danke für´s zuhören.
Wünsche allen trauernden viel Kraft
Tabada

Beitrag von pupsy 14.02.06 - 14:20 Uhr

Hallo,

Mensch.......mir fehlen die Worte.

Ist echt heftig, was da in eurer Familie jetzt los ist. Hört man sonst nur in den Nachrichten. Oder in Filmen.

Dein Schwager muss wohl ziemlich verzweifelt gewesen sein. Keiner kann verstehen was in denen vorgeht.

Mein Bruder hat mal versucht sich das leben zu nehmen. Gott sei Dank hats nicht geklappt. Seine verlobte trennte sich. (war aber nichts neues/ die Woche hat 7 Tage, und acht mal haben die sich in der wochen getrennt) ziemlich heftig war das bei denen. Naja, jeder normal denkende sagt, bist du bescheuert, kein Mensch ist es wert, das man sein leben weg wirft. Es gibt für alles eine Lösung. Aber.... wenn man richtig liebt..., wer weiß wie wir wären. Nach Anzeichen brauch man gar nicht zu suchen. Da könnte jedes Wort, jede Handlung mit zu tun haben. Ich denke, das es eine kurzschlußhandlung war.

Versteh mich nicht falsch, sei mir auch nicht böse, aber, glaubst du, das er sie wirklich vergewaltigt hat??????

Vielleicht hat dann dein Schwager halt keinen anderen ausweg gesehen.

Es tut mir in jedem Fall sehr sehr leid für seine Frau und der ganzen Familie. Vor allem tut es mir für deinen Schwager leid, wenn er sich gegen das LEBEN entscheidet.

Ich zünde eine

#kerze an.

Ich wünsche euch, das ihr das geschehene verkraftet.

LG

Nicole

Beitrag von tabada 14.02.06 - 17:52 Uhr

Hallo Nicole,
danke für Deine Antwort - ja ich weiss klingt wie ein schlechter Film. Leider ist die Tatsache, dass er die Nachbarin vergewaltigt hat wahr - wurde uns von der Polizei bestätigt. Ich kann mir das alles noch immer nicht vorstellen und muss zugeben, dass ich bis jetzt solche Berichte eher belächelt habe und mir dachte, dass die Leute, die Beteiligten, die Presse etc. immer etwas übertreiben um Geschichten spektakulärer zu machen, und solche Sachen im wahren Leben nicht passieren. Ist und bleibt für uns alle unbegreiflich was in ihm vorgegangen ist. Ständig denke ich - wenn ich Geldsorgen habe, über Selbstmord nachdenke (schlimm genug) - wie krank muss ich im Kopf sein um noch kurz davor eine Nachbarin/Bekannte zu vergewaltigen. Nur aus diesem Grund wächst Unverständinis und der Hass in mir. Trotzt allem war er ein Teil meiner Familie ein gern gesehener Gast und Freund und das macht alles umso schwieriger.
Lg tabada

Beitrag von eineve 14.02.06 - 19:22 Uhr

wenn das leben in eine krise schliddert die vorausgehend mit allen mitteln und wegen vermieden verhindert und ignoriert wird und der weg trotz vermeindlichen aufwärts steigungen doch der gleiche nach unten ist und der verdrängungsmechanismus aufgrund von der forderung des umfeldes "gefälligst 100 bis 1000% zu bringen und alles allein bewältigen und machen udn JA NIEMANDEN mit seinen problemen belasten" einen beträubt um die jetzt-realität um einen herum zu erkennen - ja ich kann mich erinnern - leider hatte ich keine medikamente oder sonstiges "sanft einschlafen und niemehr aufwachen lassen von ärzten verordnet und befürwortet" in meinem haushalt.

noch immer mein traum - nie mehr aufzuwachen.

ich kann nachempfinden in was für einer situation dein schwager war - es ist verdammt schwer auch um hilfe zu suchen geschweige fragen. schliesslich beinhaltete - jedenfalls bei mir - die erziehung: wage es nicht andere mit deinen kleinsch... problemen zu belästigen.

Beitrag von klugscheisser 15.02.06 - 00:03 Uhr

Es ist aber traurig wenn Erwachsene Personen, keinen Sinn am Leben mehr sehen.
Das Leben hat für die meisten eine Trägödie beinhaltet, man muss nur lernen damit umzugehen und sich hilfe holen.
Hilfe wird angeboten, wenn man den richtigen Ansprechpartner findet und vertrauen hat dann wird einen geholfen.
Vielleicht solltest auch du dir helfen lassen, wenn du diesen Wunsch so offen äuserst.
Gesund ist das nicht und es ist sehr gefährlich.

Such dir Hilfe und Rat bei anderen Eltern und Beratungsstellen.
Alles gute für die Zukunft

Beitrag von eineve 15.02.06 - 07:01 Uhr

das dumme daran ist nur:

wer darüber spricht und nur die theorie im kopf durcharbeitet - klaro der hat IMMER logische abfolgen.

dachte ich damals auch, als mir mein cousin verteidigungsgriffe bei brachte für worce case... das worce case trat ein - dumm nur das mit verteidigungsgriffe beibringen nicht auch noch anderes beigebracht wird:

erziehungs"eindrücke" des absoluten gehorsams auszuhebeln... und vorallem in diesem fall wie ich erkennen musste das eingetrichterte "mädchen schlagen keine anderen menschen tun denen nicht weh! mädchen machen sowas nicht!"

und ganau DAS ist der fall der eintritt - wie im eingangsposting geschildert.

schliesslich werden wir ja so erzogen das wir gefälligst ab erlangung des 18. lj gefälligst NUR JA NIEMANDEN auf die nerven fallen mit unseren "problemen und unfähigkeiten"

im übrigen - ich suchte mir zum nötigen zeitpunkt hilfe und rat bei entsprechenden eltern und beratungsstellen. ich darf dir verraten: sie verweigerten mir rat tat und hilfe. ich kann dir auch verraten warum - ich habe was ganz ganz böses getan: ich konnte genau erklären wo ich bin, wo ich hin will, wie ich mir das vorstelle und WAS für eine hilfe ich dazu brauche. dumm nur das dabei kein platz dafür ist für andere sich darüber zu lamentieren was ich in meinem vergangen leben alles falsch gemacht hätte und darauf rumzureiten.

ich kann mir vorstellen, das es sehr vielen menschen so geht - speziell die, die dann den tatsächlichen mut haben zu sagen: gut, ich verlangt von mir wenn ich das alles schon alleine durchhab weiter alleine - dann treffe ich und setzte die entscheidung auch alleine um.

die sätze "Das Leben hat für die meisten eine Trägödie beinhaltet, man muss nur lernen damit umzugehen und sich hilfe holen." und so - sind im nachhinein immer der renner. aber zuspät. und das witzige ist - sie kommen dann meistens noch genau von denen, die vorher NICHT registrieren wollten und verstehen das sie um hilfe gebeten werden.

so sind wir die menschen.

Beitrag von pupsy 15.02.06 - 13:24 Uhr

Hey,

du machst mir Angst.

Beitrag von klugscheisser 15.02.06 - 22:38 Uhr

Hallo!

Solch Reaktionen wie von dir sind das Problem.
Da viele Menschen nicht wissen damit umzugehen und lieber weg sehen, wird vielen betroffenen nicht geholfen.

Statt zu sagen "du machst mir Angst" - sollte man lieber hinter fragen!

Dann merkst du die Reaktion, will jemand reden oder nicht, will jemand weinen oder lieber nicht.
Viele betroffene hören auf darüber zu reden, sie wirken für andere hart und unsentimental.

Deine Reaktion kann ich verstehen, da du anscheinend nichts mit diesen Thema zutun hast.
Und ja es ist wohl sehr erschreckend wenn man solch harte Worte hört aber oft sind sie ein Hilfeschrei den niemand beachtet hat.

Ich wünsche dir alles gute

Beitrag von pupsy 15.02.06 - 23:04 Uhr

Solche Reaktionen wie von mir sind das Problem????

Mein Bruder hat mal versucht sich das leben zu nehmen, und nach den Fragen warum, fiel er noch tiefer ins Loch.

Ich mein, sie ist über 40, da sollte man schon drüber nach denken was man schreibt. Ich hatte erhofft, das sie fragt warum sie mir Angst macht. Vielleicht hätte man ja Reden können.

Es ist aber auch schwierig, weil man nicht weiß, ob jemand reden will oder nicht.

Ich hatte keine bösen absichten damit. Es tut mir nur verdammt weh, wenn ich höre, wie verzweifelt manche Menschen sind. Die Erfahrung, die ich leider durch meinen Bruder machen musste (ist rechtzeitig gefunden worden) geht mir nicht aus dem Kopf. Warum reden die Menschen nicht. Nichts kann so schlimm sein um sein Leben aufzu geben.

Ich sollte wohl besser mich zurück ziehen, bevor ich noch was falsches sage, was?

Sorry

LG

Nicole

Beitrag von klugscheisser 15.02.06 - 23:38 Uhr

Hallo Nicole!

Nein, du solltest dich nicht zurueck ziehen, sogar mir fällt es immer wieder schwer solche Themen zu behandeln.

Es tut mir sehr leid was deinen Bruder passiert ist und ich hoffe er kann heute damit umgehen.

Das Problem ist das, Hilfe ist genug da ABER man muss bereit dafür sein und man muss sie wollen.
Vorallen braucht man aber den richtigen Ansprechpartner Psychologe ist nicht gleich Psychologe.

Manche Menschen sind noch nicht bereit darüber zu reden, gehen aber dann zu Beratungsstellen und müssen dann darüber reden, obwohl sie es noch nicht wollen.
Dadurch fallen manche in ein Loch, denn wenn man dieses nicht möchte dann kann es zu noch stärkeren Problemen führen.

Man muss wirklich voll und ganz dahinter stehen, da man seine Seele freien lauf lassen muss, man sollte sich fallen lassen.
Es kommt oft vor das viele in richtige Wutausbrueche kommen und schreien vor Schmerz und Wut durch einen schlimmen verlust.

Was ich gemeint habe bei dir war einfach, das viele Menschen sich abwenden.
Nicht wissen wie sie sich verhalten sollen, was auch ein normaler Vorgang ist da man niemanden weh tun möchte.

Du kannst nur bei einer Person hinter fragen die hinter fragen laesst das stimmt auch.

Alles liebe

Beitrag von eineve 17.02.06 - 09:48 Uhr

>>Ich hatte erhofft, das sie fragt warum sie mir Angst macht. Vielleicht hätte man ja Reden können. <<

weisst du worin dieses reden besteht? ich die hilfe sucht - muss dem "zuhörerer der mich mit seiner aussage du machst mir angst" DAS geben was ich selber mir nicht geben kann und bitter nötig habe!

DAHER wird wohl dein bruder noch mehr in ein tiefes loch gefallen sein.

ich verweiger jedes gespräch das von ihrgendeinem mit den worten "du machst mir angst" "du machst mich traurig" "ich habe tränen in den augen" "ich bin unglücklich darüber" begonnen wird auch wenn dieser mensch der ewigen falschen übung unterlieg so würde man einem menschen helfen seine konflikte in den griff zu bekommen.

in solchen gesprächen kommt für den hilfesuchenden - so wie ich es permanent erlebte - nur die botschaft: verpiss dich du tust mir böses an mit dem das du mich um hilfe bittest. und so hart es klingt dadurch hab ich bei mir festgestellt bin ich noch HEUTE gerne bereit mich umzubringen - und dann wenn ich das offen ausspreche das ich das tun sollte WEIL ich ja mit meinem begehren anderen weh tu - kommt der aufschrei "aber das kann du nich tun" - weisst du in welch einer zwickmühle sich der hilfesuchende befindet?

die argumentation die falschen menschen getroffen - hilft da auch nicht weiter.

gut - du kannst dich zurückziehen "bevor du was falsches sagst" - du kannst aber auch anfangen zu verstehen und zu erkennen. den mut beweisen über der eigenen in solchen fällen unbegründeten angst zu stehen und zu erkennen das der hilfesuchende eine wirkliche totesangst hat.

Beitrag von pupsy 17.02.06 - 10:58 Uhr

Kann man dir irgendwie helfen????

Beitrag von klugscheisser 15.02.06 - 22:45 Uhr

Hallo!

Leider kann ich nicht sagen wie die Beratung in Deutschland ist, dennoch denke ich das du vielleicht bei den falschen warst und zu schnell aufgegeben hast.
Ich möchte mir nun kein Urteil erlauben in einen solch schweren Thema, da ich deine Umstände nicht kenne.
Ich hab ein paar Beiträge gelesen aber hier geht es nicht um Theorie sondern um Gefühle und dieses Thema ist nicht in Worte zu fassen.
Ich könnte dir helfen deine Probleme oder deinen Umgang damit etwas zu lindern.
Deinen Schmerz und deine Trauer und Wut kann und will ich dir nicht nehmen und das kann auch kein Mensch auf dieser Welt.
Ich möchte dir auch nicht zu nahe treten.
Wenn du schreiben möchtest freue ich mich, wenn nicht dann wünsche ich dir auf diesen Weg alles gute für deine Zukunft.

Alles liebe

Beitrag von eineve 16.02.06 - 06:44 Uhr

kümmer dich um diese menschen, die NICHT oder NOCH nicht so klar ihre situtation und das resultat daraus sehen können, sondern in der phase stecke, wo sie mit allen signalen nach hilfe schreien.

ich bin über dieses statium hinaus. was meinst warum ich diese segments meines lebens so formulieren kann!

im übrigen geht es dabei nicht um gefühle "weg zu nehmen" das ist jeden sein persönliches eigentum. es geht um eine handreichung. manchesmal einfach im zulassen das ein mensch seine gefühle behalten darf, ein begleiten und oder zu langen und auffangen wenn der mensch seine schwankungen nicht selber auffangen kann.