Meine Eltern treiben mich in den Wahnsinn

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Forum: Jugendliche

Viele Eltern sehen der Pubertät ihrer Kinder mit Schrecken entgegen. Welche Probleme tauchen wirklich im Zusammenleben mit einem Teenager auf? Was, wenn AlkoholDrogen und Verhütung zum Thema werden? Tauscht hier eure Erfahrungen mit anderen Teenie-Eltern aus.

Beitrag von isolde 16.02.06 - 13:20 Uhr

Also ich weiß einfach nicht mehr weiter.
Mein Vater "war" Alkoholiker, hat ne Entziehung gemacht, trinkt aber jetzt auch wieder regelmäßig. Meine Mutter sagt da gar nichts dagegen. Sie hat mir sogar mal gesagt ich soll ihm die Bier hinstellen. Als ich gesagt hab sowas mach ich nicht, hat sie mich nur noch angeschrien. Meine Schwester, mein Bruder und auch meine Mutter kaufen ihm immer wieder Bier, damit der "Familienfrieden" erhalten bleibt.

Mit meiner Mutter bin ich sowieso nur mehr am streiten. Sie ist ständig am meckern hat sogar mein Tagebuch gelesen - ich werd in diesem Haus noch wahnsinnig. Mein Zimmer ist winzig und am liebsten bin ich sowieso wo anders. Hauptsache nicht zu Hause. Meine Mutter war jetzt im Krankenhaus und ich wollte sie nicht mal besuchen. Ich fühl mich so als würd ich überhaupt nicht zu dieser Familie gehören und das wär mir auch lieber. Ich mag nur meine Geschwister. Als jetzt meine Mutter vom Krankenhaus gekommen ist hab ich mir gewünscht dass sie wieder weg ist. Ich weiß das klingt hart, aber es ist so. Ich halts nicht mal lange in einem Raum mit ihr aus.
Ich kann mir nicht vorstellen meinen Eltern mal sowas wie "ich hab dich bzw. euch lieb". Es ist so als wären sie Fremde.
Meine schulischen Leistungen sind jetzt auch total abgesackt.

Ich weiß einfach nicht mehr was ich tun soll. Ich will nur noch ausziehen weiß aber nicht wo ich das Geld hernehmen soll - ich geh ja noch zur Schule und bin erst 17.
Das musste ich jetzt einfach mal loswerden. Meine Freunde verstehen sich nämlich super mit ihren Eltern und verstehen mich nicht so richtig.
Gibts eigentlich jemanden dem es auch so geht?

Beitrag von sigru 17.02.06 - 08:45 Uhr

Hallo Isolde,
Du kannst Dir Hilfe beim Jugendamt oder in einer FAmilienberatungstelle holen! Die sind sehr nett dort- keine Angst!

LG Sigru

Beitrag von f.j.neffe 07.03.06 - 20:56 Uhr

Deine Eltern spiegeln Dir etwas sehr Wichtiges, was Du in diesem unbedingt lernen mußt, sonst wird es Dir immer wieder präsentiert:
Daß Du keine Beziehung zu ihnen spürst, ist der Spiegel, daß Du zu einem wichtigen Teil von Dir selbst keinen Zugang hast. Wenn Du den nicht bekommst - ich zeig Dir gleich, daß das nicht zu schwer ist - entwickelst Du einen Teil von Dir immer doppelt, während der andere halb verkümmert; das ist wie wenn Du zwei verschieden lange Beine bekommst.
Ich kann Dir hier natürlich nicht ein halbes Buch schreiben, aber im Kern geht es darum, daß Du in Dich hineinfühlst: genau dahin, wo es unangenehm ist und weh tut. Du mußt dabei keine Fleißaufgaben machen und sollst Dich auf keinen Fall dabei anstrengen. Nur hinfühlen, damit Du erst einmal Deine Schwachstellen kennenlernst und zwar so, daß Du sie kennst und mit ihnen umgehen kannst. Je öfter Du hinfühlst, desto mehr und besser werden sie dir auch in ihren Entwicklungsmöglichkeiten bekannt.
Hinter diesen Schwachstellen stecken nämlich Deine feinsten Stärken.
An die mußt Du ran.
Das geht aber nicht durch einen Kraft- oder Gewaltakt sondern nur durch einen Intelligenzakt. Zum Glück bist Du intelligent.
Ganz locker im Geist hinter Deine Schwachstellen fühlen und mit den Stärken dahinter Fühl-Kontakt aufnehmen.
Dort liegt "Ich bin intelligent, ich verstehe mich. " und "Ich bin intelligent, ich verstehe, was meinen Vater und meine Mutter treibt. Und weil ich besser mit diesen Kräften in meinen Eltern umgehen kann als sie, kann ich mit diesen Kräften bewirken, daß meine Eltern sich ändern, über sich hinauswachsen, reifer (und lieber) werden."
Schau mal, Du bist mir vollkommen fremd und ich wende mich gerade an DEINE wirklich interessanten Kräfte, die hinter Deinen Schwachstellen liegen. Wenn ich Dir nur Deine Schwachstellen um die Ohren hauen würde, wär ich vollkommen uninteressant für Dich. Aber wenn ich Dich darauf anspreche, daß Deine wirklichen Stärken genau hinter Deinen Schwächen und Mißerfolgen liegen, dann klingelt es doch auf einmal in Dir, oder?
Wenn ich auf Deinen Fehlern rumreite, mache ich Dich nieder. Wenn ich Dich auf Deine verborgenen und noch nicht entwickelten Talente anspreche, achte und erhöhe ich Dich.
Erkennst Du, daß Du und Deine Eltern bisher nichts anderes können, als sich gegenseitig runterzumachen?
Du hast sicher auch schon erkannt, daß man immer das, was man ausgesät hat, ernten muß. Wer also will, daß es gut wird, muß als erster mit dem Schlechten aufhören. Und daß die anderen auch aufhören, erreicht man nicht durch Erpressungsversuche sondern indem man einfach an ihre unbewußten STÄRKEN HINTER DEN SCHWÄCHEN denkt. Ich denke jetzt z.B. nicht an Deine vielen Dummheiten sondern an Deine Klugheit und Weisheit dahinter, die Du noch nicht entwickelt, ja, die Du halb verhungern lassen hast.
Ich gebe dem Guten in Dir Nahrung. Wenn Du es für Dich gut haben willst, dann gibst Du selbst dem GUTEN in Dir Nahrung. Du nährst also nicht mehr den Ärger sondern die Freude dahinter, die Freude auf die Lösung, die Freude auf die Enteckung der Güte Deiner Eltern, die Freude auf Deinen Einfluß auf das Wachsen der Güte in Deinen Eltern usw.
Das Leben hilft Dir, zu erkennen, ob Du auf dem richtigen Weg bist. Wenn andere es mit Dir falsch machen, dann hast Du Deinen eigenen Einfluß auf Dich und auf sie noch nicht genau genug angeschaut und entwickelt. Und dann verplemperst Du Deine Kräfte klugerweise nicht mehr gegen irgendjemand sondern nur noch FÜR DICH und zur Stärkung Deiner zu schwachen Stärken. Du kannst ein sehr interessantes Leben vor Dir haben. Ich wünsche es Dir.
Franz Josef Neffe