Die Fähigkeit verloren, glücklich zu sein...

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von frank68 16.02.06 - 14:42 Uhr

Hallo, folgende Frage an die Beziehungs-, Scheidungs- und Neuanfangserfahrenen unter uns: Ich (37) lebe seit 1 1/2 Jahren von meiner Frau getrennt und habe einen kleinen Sohn (4 J.), den ich über alles liebe. Ich war immer treu, für die Familie da, habe alles untergeordnet und getan, was ich konnte. Nach 10 Jahren ging meine Frau fremd, die Sache war gelaufen, ich zog aus. Die Trennung von meinem Sohn habe ich bis heute nicht verkraftet.
Ich weine IHR nicht nach. Vielmehr habe ich nach einigen kurzen Affairen eine neue Partnerin, die in allen Dingen und Belangen gut tut und die ich sehr liebe. Wir leben seit etwa 10 Monaten zusammen, alles ist, wie es sein soll. Ich sollte und müsste glücklich sein - und bin doch oft regelrecht depressiv.
Denn ich bin tief in mir auf bis auf die Knochen verunsichert, meine Selbstachtung geht gegen Null. Die Erfahrung, dass mein Bestes nicht gut genug war, hat mir jedes Selbstvertrauen genommen. Eigentlich erwarte ich Tag für Tag ihr Geständnis, sie habe da jemanden getroffen, kennengelernt. Ich würde es sofort akzeptieren, nicht kämpfen, aufgeben ohne ein Wort, gehen, mich verstecken.
Früher dachte ich, ich wäre eine gute Partie. Heute kann ich mir den Umstand, dass diese Frau mit mir zusammen lebt, nicht erklären. Ich denke immer, das kann nur ein Mißverständnis sein, dass diese süße Frau, die den ganzen Tag über Komplimente einsammelt und was weiß ich für eine Auswahl hat, mit mir zusammen ist.
Sie erzählt gelegentlich von den Männern vor mir, leicht, locker, ohne Beklemmung. Mir wird dann immer schwarz vor Augen. Ich fühle mich dann klein, bedeutungslos. Nichts von dem, was sie tut und sagt begründet einen Zweifel, dass sie zu mir steht. Es liegt an mir, irgendetwas timmt mit mir nicht mehr.
Ich komm da nicht allein raus, aber ich kann und will hierüber auf keinen Fall mit ihr reden. Sie ist auf gewisse Weise stolz auf mich und schaut zu mir herauf. Sie schätzt/liebt meine Bodenständigkeit und Verläßlichkeit. Ich bin Tag für Tag bemüht, diese tiefe innere Verunsicherung und Haltlosigkeit vor ihr zu verbergen, ich weiß nicht, wie lange das noch gut geht. Ich will sie nicht verlieren, aber ich taumele immer stärker in diese Stimmungen hinein.
Ich hoffe, der/die eine oder andere kennt das auch und kann mir irgendwie helfen.

Gruß an alle.

Beitrag von paulfort35 16.02.06 - 14:53 Uhr

Hallo,
Du musst aus dieser Entwicklung, die ja nur in Deinem Kopf,also nicht in der Realität stattfindet, herausgerissen werden. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das ist und empfehle Dir gerade deshalb eine Gesprächstherapie bei einem Psychologen. Es ist wirklich erstaunlich, wie man durch Anregungen einer zweiten Person wieder positiv zu denken lernt. Das Aussprechen tut auch gut. Du kannst erst einmal unverbindliche probatorische Sitzungen bei einem Psycologen Deiner Wahl machen. Die Kosten übernimmt die Kasse bei Depressionen.

Alles Gute
Paule

Beitrag von frank68 16.02.06 - 14:58 Uhr

Hab´auch schon drüber nachgedacht... Wie findet man einen Guten? Hab´da keine Erfahrungen... mit dankenden Grüßen - Frank.

Beitrag von jovigirl3 16.02.06 - 15:15 Uhr

Hallo,

theoretisch kannst du deinen Hausarzt darauf ansprechen. Einige Allgemeinmediziner haben ja sogar den Zusatz der psychologischen Behandlung.

Er kann dich aber auch überweisen. Dann kannst du dir einen Therapeuten aussuchen und hast Probestunden. Dann können beide, Patient und Therapeut schauen, ob sie miteinander auskommen.

Oft gibt es auch Ärzte, die mit homöopathischen Mitteln arbeiten und gleichzeitig eine Gesprächstherapie anbieten.


Reden solltest du auf jeden Fall mit jemandem, auch wenn du dich nicht zu einem Therapeuten "trauen" solltest, ist ja immer eine gewisse Hemmschwelle dabei.

Zum einen tut dieser Zustand deiner Beziehung auf Dauer nicht gut. Und was noch viel schlimmer ist, er ist schädlich für deine Seele. Dagegen musst du was tun.

Aber nimm es nicht zu schwer, solche Erfahrungen verarbeitet man nicht von heute auf morgen. Das braucht eben seine Zeit. Die musst du dir geben.

Alles Gute!

Sandra

Beitrag von paulfort35 17.02.06 - 07:27 Uhr

Hallo,
mir wurde eine gute Psychologin von der Ärztin empfohlen. Ich würde mal bei Deinem Hausarzt anfragen. Sonst mir von der Krankenkasse ein Liste von Psychologen geben lassen, die auf Behandlung von Depressionen augrund traumatischer Erlebnisse (schildere denen einfach kurz Deinen Fall) spezialisiert sind, und die evtl. in Deiner Nähe praktizieren.

Du solltest auch Deiner Frau davon erzählen, dass es Dir seelisch nicht gut geht und dass Du Dir Hilfe holen wirst. Sonst wächst dein innerer Druck nur noch mehr, wenn Du das verheimlichen willst.

Ich selber habe mich auch vor 2 Jahren (aus anderen Gründen) in einem absoluten Tief befunden, meine Persönlichkeit war verändet, ich war ängstlich und schuldbeladen. Habe rote Ampeln überfahren und z.B. im Supermarkt einfach so angefangen zu weinen, weil so in meiner Trauer befangen war. Und fand keinen Ausweg. Hatte übles Herzrasen, konnte nicht mehr schlafen etc. Heute bin ich dank der Gesprächtherapie wieder stark und ich selbst. Ich bin sicher, dass es bei Dir auch so sein wird.

Paule

Beitrag von zaubermausimhaus 16.02.06 - 15:19 Uhr

hallo frank,
das kenne ich. es ist, als ob jegliches selbstbewustsein abhanden gekommen ist und man sich in einem luftleeren raum befindet. in diesem vakuum fühlt man keinen schmerz mehr, allerdings auch kein glücksgefühl. ich würde auf jeden fall mit ihr darüber reden. woher soll sie wissen wie es dir geht? das wichtigste in einer beziehung ist die absolute ehrlichkeit! sei du selbst, mit allen zweifeln. warum sollte sie sich von dir abwenden? sei stolz, dass du so eine hübsche frau an deiner seite hast. denk dir, ha, ihr könnt sie alle anschauen, aber sie liebt nur mich:-)
bleib dir treu und fang an dich so zu akzeptieren wie du bist. mit fehlern und mit vorzügen. ich wünsche dir viel erfolg und viel kraft.
lg sanne

Beitrag von bine3002 16.02.06 - 16:07 Uhr

Also meine Meinung ist: Wenn Du eine Frau hast, die Du liebst, dann solltest Du dich ihr anvertrauen. Glaubst Du denn, die ist blöd? Sie wird doch merken, dass etwas nicht stimmt und sie wird ihrerseits denken, es liegt an ihr. Und dann wird sie selbst unzufrieden und dann ... vielleicht .... passiert es irgendwann...

"Sie ist auf gewisse Weise stolz auf mich und schaut zu mir herauf."

Ich denke, sie wäre noch stolzer, wenn Du dich ihr öffnen würdest. Männer glauben immer, stark sein zu müssen. Aber das ist Schwachsinn. Eine Frau weiß, dass auch Männer mal Probleme haben und unsicher sind. Und sie spüren das. Dann fragen sie und der mann sagt: "Es ist nichts!" "Ja, wie es ist nichts? Und warum ist er dann oft so traurig oder still?", denkt sie sich dann. Es gibt nichts Schöneres, als wenn ein starker Mann sich aus Liebe öffnet und seine wahren Gefühle preis gibt. Das ist keine Schwäche, das ist Stärke!!!

Versuch es mal! Ich bin mir sicher, dass sie dich auffangen wird und dass es dir dann besser geht.

Wenn Du das absolut nicht möchtest, dann solltest Du dir umgehend professionelle Hilfe suchen, weil es sich für mich so anhört, als ob Du am Rande einer Depression stehst. Nicht gut, gar nicht gut!