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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von sidonie 17.02.06 - 09:23 Uhr

Hallo liebe Urbianer,

mein Sohn 8,5 Jahre besucht die 2. Klasse.

Wir hatten schon ein Gespräch mit der Nachmittagsbetreuerin. In dem Gespräch sagte mir diese dass mein Sohn an einem Tisch mitsitzen möchte, wo drei seiner Freunde sitzen. Diese "Freunde" wollten aber nicht dass mein Sohn dabei ist, weil er halt sehr temperamentvoll ist (heute wird das ja meistens mit ADS verglichen - hat er aber nicht) Er geht zwar zur Ergotherapie, aber hat definitiv kein ADS. Nach langem hin und her, hat die Erzieherin dann meinen Sohn endlich an dem Tisch gesetzt. Und es klappt ganz gut. #freu Mittlerweile hat er auch einen engen Kontakt zu einem der Jungs. Sie spielen zusammen und helfen sich bei Schwierigkeiten im Unterricht.
Jetzt sind aber die anderen beiden Jungs sauer, dass sich mein Sohn mit dem 3. sehr gut versteht. Also gibt es ständig Unstimmigkeiten. Und einer der beiden angeblich so ruhigen Kinder (Lieblinge der Lehrer) provozieren ständig meinen Sohn, der leider darauf anspringt. Als ich mit der Mutter des einen Sohnes sprach meinte die dass mein Sohn die Provokationen Ihres Sohne (das gibt die auch noch zu) abhaben können muss. So nach dem Motto, is er halt selber schuld wenn ihm das ärgert. :-[ Ich war so empört, dass ich fast explodiert wäre. Habe aber dann nicht weiter mit ihr gesprochen. Mein Sohn musste auch letztlich ne Strafarbeit schreiben, weil es wieder differenzen mit diesem besagten gab. Ich möchte am liebsten mal die Lehrerin ansprechen und der mal sagen, was das für ein linker Vogel ist, und das schon in dem Alter. Aber bringt das was??? #kratz Ich kenne das noch aus meiner Schulzeit, wenn eine antipathie da ist, bringt es wahrscheinlich gar nichts, oder?
Ich weiß auch mittlerweile gar nicht mehr was ich meinen Sohn raten soll. Das einzige was ich ihm sage, dass er darauf nicht reagieren soll, aber das funktioniert leider noch nicht so richtig, also was tun???
Vielen dank für Eure Ratschläge schon mal im Voraus.
#danke

Beitrag von thorsten12 17.02.06 - 14:44 Uhr

Das einzige was wirklich in dem Moment was bringt, ist ruhig zu bleiben. Er muß versuchen bei diesen ständien Provokationen ruhig zu bleiben. Je mehr er sich darüber aufregt, desto mehr Spaß hat der andere daran. So werden diese Sticheleien immer stärker.

Was die Lehrerin angeht, so ist es sicher nicht schlecht, mit ihr darüber zu sprechen. Auch wenn das der Liebling der Lehrerin sein soll, darf er nicht alles machen.

Was die Strafarbeit angeht, so würde ich, sofern dies möglich ist, sie einfach nicht machen lassen. Am besten schreibst Du eine schriftliche Erklärung an die Lehrerin, wieso, warum, weshalb, blabla... .

Dein Sohn muß sich wirklich zwingen, ruhiger zu werden. Sonst geht das ganze immer weiter.

Ich spreche aus Erfahrung. In meiner SChulzeit war ich der Prügelknabe der Klasse. Ganz einfach deshalb, weil ich mich tierisch über alles aufgeregt habe. Das haben die anderen dann natürlich zum Anlaß genommen, immer weiter zu machen, bis hin zu körperlichen Übergriffen. Die Klasse hat dann natürlich immer zusammengehalten, wenn es darum ging, die SChuld mir in die Schuhe zu schieben. War auch kein Kunststück, der "Anführer" war der Liebling der Lehrer, bei den SChülern galt sein Auftreten als "cool", da glaubt man ihm alles!

Er darf sich nur nicht bis aufs äußerste Aufregen lassen, das ist ganz schlecht!

Was das Temperament angeht, so kann eine entsprechende Sportart helfen. Irgend etwas, wo er sich so richtig abreagieren kann! Wenn man seinen Frust an einer anderen Stelle abbaut, wird man allgemein etwas ruhiger.

Ich bin ehrlich gesagt auch ein kleiner Choleriker, hab mich aber nach vielen Jahren halbwegs in den Griff bekommen, seit ich selber Sport treibe, und dort mein Temperament rauslassen kann. Ich denke mal, Dein Sohn wird, wie die meisten, Fußball spielen. Fußball reicht nicht aus, da sollte es schon etwas anderes sein, was man zusätzlich machen kann.


Im übrigen, wenn die Lehrerin nicht auf Deine Beschwerden eingeht, so würde ich dann den Gang zum Rektor oder noch höher empfehlen.

Es kann nicht angehen, dass die andere Mutter das Verhalten ihres Sohnes auch noch rechtfertigt. Der Knabe sollte mal von entsprechender Seite in die Schranken verwiesen werden. Wenn es die Lehrerin nicht macht, dann eben andere!

Bei mir haben übrigens die übergriffe erst dann aufgehört, als ich eine Klasse wiederholen mußte. Dann kam ich in eine andere Klasse, in der es dann viel besser war. Ich hoffe, daß er das ganze vorher beenden kann!

Beitrag von f.j.neffe 19.02.06 - 14:41 Uhr

Du bist an einem wichtigen und sehr "fruchtbaren" Punkt Deines Lebens. Dein Sohn spiegelt Dir alle Deine Probleme, die Du verdrängt und noch nicht erledigt hast: dauernd alles im Auge und im Griff haben, dauernd alles richtig machen wollen, gerechte Anerkennung für diese Syssiphusarbeit erwarten und nicht bekommen, Sinn des Lebens nicht verstehen - Ohnmacht, Wut, Frust, ....
Auch wenn man es mit noch so guter Begabung (die Du zweifelsohne hast) einfädelt, das Leben läßtb sich nicht MACHEN sondern nur leben.
Ich hatte ales junger Lehrer ähnliche Probleme meiner Schüler wahrgenommen und mich spontan entschlossen, die Sitzordnung am Schuljahrsanfang zu verlosen. Die Aufgabe, die das Leben unaufhörlich an uns stellt, ist, unsere Talente dafür zu entdecken und zu mobilisieren, mit jedem anderen bestens auszukommen. Einige Kinder protestierten, sie könnten neben ihrem Nachbarn nicht sitzen, der störe, stinke oder sonst noch was. Wann aber wollten sie lernen, ihr Problem zu lösen, wenn nicht jetzt??? Ich kündigte an, daß wir die Sitzordnung alle 2-3 Monate neu verlosen würden. Bei der ersten Neuverlosung war aber keiner da, der sie wollte, weil er von jemand weg wollte. Es war ganz unnötig irgendetwas zu besprechen. Es ergab sich alles von selbst, weil den Kindern klar war a) daß sie Talente hatten für die Lösung jedes Problems und b) weil ich diese Einstellung an die erste Stelle der Wichtigkeit gesetzt hatte.
Das ist Ich-kann-Schule-Pädagogik und das kann jeder andere auch, z.B. Du. Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe