Die eine wie die andere... Gedanken zwischendurch

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von frank68 17.02.06 - 13:22 Uhr

"... und plötzlich fing sie - natürlich ungefragt - an, von ihrem Exsoundso zu reden. Erst von dem, dann von dem anderen. Vielleicht, so dachte ich ernüchtert, hätte ich mich nicht darauf einlassen sollen, mit ihr ihre Fotoalben anzusehen, die sie eines Tages mit anschleppte. Urlaubsbilder. Partybilder. Zu spät. Also sehe ich ihr zu, wie sie in´s Schwärmen gerät, in´s Erinnern und Wiederhochkochen.
Da ist es wieder, denke ich so bei mir. Die alte Geschichte. Irgendwie müssen sie alle davon erzählen, da ist eine wie die andere, zählen tun sie alle, und erzählen noch viel lieber, von diesem und jenem, und wie dieses und jenes war, und wo sie´s getan haben und wie, und das war gut und das war grottenschlecht, und man hat irgendwie plötzlich diesen Geruch von frischem Tierblut in der Nase, der über die winterliche Waldlichtung weht, wenn die Jäger nach getaner Arbeit ihre Beute aufreihen. Die Jäger legen ihre Strecke.
Sie sind doch alle gleich. Sie erzählen von ihren Männern in einer Fröhlichkeit, dass man meint, sie kämen gerade vom Fischen und hätten die Netze voll. Sie hat´s erlebt und soll´s genossen haben, aber... will, muss, soll ich das wissen?
Und wieder weiß ich Bescheid. Ich kenn´sie jetzt alle, sie haben ein Gesicht, die vor mir drauf und dran waren, einen Namen, eine Zeit, einen IQ, eine Halbwertszeit, eine Vorliebe, Länge und Querschnitt und Shorts und Tangas. Sie kamen und gingen, manchmal mehrmals, und nun bin ich da und schlage mich mit ihren Akten herum.
Jetzt weiß ich wieder Bescheid. Der war nur für´s Bett. Bei dem konntest du beim Sex ein Buch lesen. Der war nett, aber doof. Diesem Körper wollte sie nur was Gutes tun. Jener hatte ein tolles Gesicht, aber abwärts konntest man´s vergessen. Kein Bug, kein Heck, kein Mast an Bord. Bei dem hat sie ihre Neigung entdeckt... Und jener läuf ihr heute noch nach, weil der´s nicht begreift.
Ich höre freundlich zu, ich höre unauffällig weg, ich überlege, ob und was ich erzähle. Von meiner Strecke. Von schlaffen und festen Brüsten, von Ärschen und Popos, von Küssen und dem Versuch, mich aufzufressen. Ich lass es. Wäre sie schlauer, fühlte sie sich sicherer, verstünde sie mich mehr, täte sie mir wohler, ginge sie weiter, wenn sie´s wüßte?... ich hab´s erlebt, und gut ist..."

Oder?

#kratz

Beitrag von bluehorizon6 17.02.06 - 13:25 Uhr

klasse geschrieben Frank ist das von dir?
Eine Erfahrung?
Der sinnlose Anfang einer Beziehung?

BlueH6

Beitrag von frank68 17.02.06 - 13:58 Uhr

Ist von mir, klar, und selbst erlebt. Ich hab´s jedenfalls so erlebt.

Geschmeichelte Grüße von Frank

Beitrag von turquoise 17.02.06 - 13:48 Uhr

Sorry, aber was hast Du denn für Frauen? #kratz Also, ich habe noch nie einem meiner Partner auch nur die kleinste Kleinigkeit über einen ihrer Vorgänger erzählt, ich finde, das hat etwas mit Stil zu tun. Und Gleiches erwarte ich auch umgekehrt.

Beitrag von frank68 17.02.06 - 14:00 Uhr

Das macht ja Mut. #huepf

Wieder optimitischer dreinschauende Grüße von Frank

Beitrag von julie2006 17.02.06 - 14:12 Uhr

Wow! Von Dichtern und Denkern. Schreib doch ein Buch. Wahnsinn. Sehr poetisch.

Aber wir Frauen sind so. Möchte meinem Mann auch immer wieder von früher erzählen. Er hasst es. Er erträgt es nicht. Warum denn nur??? Ist doch nichts Schlimmes. War vor seiner Zeit!

Lg Anika

Beitrag von frank68 17.02.06 - 14:19 Uhr

Guck mal an, noch ein Geplagter... Da bin ich ja fast erleichtert. Übrigens alles Gute!

Beitrag von mariella70 17.02.06 - 15:32 Uhr

Hallo Frank,
ich könnte das gleiche Buch schreiben. Über Männer, die monatelang mit mir zusammen waren, um mir dann zu verkünden, dass der Sex zwar ok wäre, aber es für eine ernste Beziehung nicht reiche.
Oder darüber wie ich mich gefühlt habe, als mir einer nach 6 Monaten Beziehung sagte, ich müsse schon grundsätzlich damit rechnen, dass er sich irgendwann mal eine Jüngere suche, wenn ihm dereinst mit 50 mal der Sinn nach Kindern stände.
Es war ein Mann, der mir sagte (da war ich 21) es wäre ihm peinlich mit mir gesehen zu werden, wenn ich ungeschminkt sei.
Männlichen Geschlechts war auch der Gewalttäter, der in meine Wohnung einbrach (da war ich 19), und versucht hat, mich zu vergewaltigen.
Von einem habe ich nach vielen Jahren Beziehung sogar mal einen Heiratsantrag bekommen, der 3 Tage später und ohne Wein im Kopp als Witz bezeichnet wurde, den ich hoffentlich nicht ernst genommen hätte. Ich könnte jetzt noch lange so weiterschreiben...
Aber ich schreibe nicht, dass ich sie alle kenne und ich glaube nicht, dass alle Männer gleich sind. Ich bin einige Male emotional zerschmettert worden, aber kämpfe gegen die Verbitterung an. Alles andere hieße aufzugeben, dann hätten die Mistkerle gewonnen.
Ich habe einen wunderbaren Partner gefunden und der hat es nicht immer leicht mit mir, aber wir wurschteln uns durch.
Dir möchte ich raten, nicht im Selbstmitleid zu zerfließen, sondern den Mund aufzumachen. Uns musst du nicht erklären, was die Vergangenheits-Stories mit dir machen, deiner Freundinn musst das sagen. Ich bin sicher, dass sie keine Ahnung hat, wie du das auffasst. Frauen tauschen sich nunmal aus, sie will dich ins Vertrauen ziehen, dir nahe sein durch Offenheit. Von dir auch was hören. So kommunizieren wir auf der Venus. Sie will dich damit nicht verletzen. Sie sucht Nähe. Die hat 100% keinen Schimmer, wieso du sauer bist.

Ich spekuliere mal: Sie möchte, dass du über deine belastende Vergangenheit sprichst, und legt mal was vor, weil sie spürt, wie unglücklich du im Moment bist.
Sprich mit ihr! Erklär dich!
Liebe Grüße
Mariella

Beitrag von frank68 17.02.06 - 15:49 Uhr

... und so hat jeder seine Geschichte, sein Konkretes und sein Allgemeines. Ich habe Deine Geschichte gelesen, und ich wage es nicht im Ansatz, meine neben die Deine zu legen, um hiernach zu messen, welche schwerer wiegt...
Es war meine Geschichte, eine kleine hieraus obendrein, nicht der Welten Schmerz. Nicht der Rede Wert.





Beitrag von mariella70 17.02.06 - 16:01 Uhr

Lieber Frank,
es geht nicht um die Geschichte und einen "Leidenswettwerb", sondern darum, ob man seine Geschichte bewältigt, annimmt und nicht dem Partner wortlos überstülpt. Du kannst nicht von einer auf alle schließen, du kannst nicht deine Partnerin für Verletzungen bestrafen, die dir eine andere Frau zugefügt hat. Das wollte ich dir sagen, habe mich aber anscheinend nicht klar genug ausgedrückt.
Ich habe inzwischen alle deine Postings gelesen und möchte dich ermutigen, dem Leben und auch der Liebe ein zweite Chance zu geben. Dafür solltest du allerdings mit der Vergangenheit abschließen. Verbitterung macht einsam und traurig, das wird dir nicht weiterhelfen. Mir hat eine mehrjährige Gesprächstherapie geholfen.
Weiterhin mit lieben Grüßen
Mariella, der deine Geschichte selbstverständlich "der Rede wert" ist.

Beitrag von iki_1963 17.02.06 - 15:17 Uhr

Hallo Frank,
ich habe in letzter Zeit einige Artikel von Dir gelesen und ich habe so das Gefühl, als wenn Du nicht wirklich mit Deiner alten Beziehung „durch“ bist.

„....ist eine wie die andere“ In dieser Äußerung liegt Pauschalisierung und Wut. Warum pauschalisierst Du, ich könnte auch fragen, wer gibt Dir das Recht, so über mich zu sprechen.

Ich weiß, ist eine komplizierte Zeit in Deinem Leben, zumal Du anscheinend Dir (und Deiner Seele) am wenigsten Zeit zu Erholung und Verarbeitung gegeben hast.

„Ich (37) lebe seit 1 1/2 Jahren von meiner Frau getrennt und habe einen kleinen Sohn (4 J.), den ich über alles liebe. Ich war immer treu, für die Familie da, habe alles untergeordnet und getan, was ich konnte. Nach 10 Jahren ging meine Frau fremd, die Sache war gelaufen...“
So begann Dein Posting gestern und wie ich aus Deiner VK entnehmen kann, wirst Du wieder Papa.

Bist heute weißt Du nicht WARUM Deine Beziehung wirklich kaputt gegangen ist, Du weißt ja selber dass das Fremdgehen nur einer von vielen Gründen zum Scheitern führte und nun denkst Du unablässig darüber nach warum Frauen SO! sind. Da haust Du lieber Verallgemeinerungen raus, da brauchst Du wirklich nicht mit Deiner Vergangenheit auseinander setzen.

Frank, ich hätte mir niemals träumen lassen, so offen zu schreiben, aber mein Ex ist auch fremd gegangen nach 17 Jahren und wir hatten 3 Kinder .......... damals (vor 6 Jahren) dachte ich, ich muss sterben, ich habe über 2 Jahre innerlich vor mich her vegetiert , aber ich hatte das Glück mir selbst zu begegnen, ein tolle Erfahrung.

Du fühlst Dich persönlich angegriffen, wenn eine Frau von Ihrer Vergangenheit in den schillernden Farben erzählt, he das ist kein Problem (das ist eine Aufgabe), da schmollt man nicht, da sagt man: „Sei mir nicht böse, aber ich bin nicht an Einzelheiten interessiert!“

Frank gebe bitte nicht Deiner Vergangenheit so viel Macht, dass Du nicht im Jetzt und Hier selbstbewusst leben kannst.

Dir alles Gute!

Iki

Beitrag von onti 17.02.06 - 15:31 Uhr

Hallo Iki,

das war mit Abstand der beste Eintrag, den ich bisher bei urbia gelesen habe! Kompliment.

Onti

Beitrag von iki_1963 17.02.06 - 15:49 Uhr

Danke Onti für das Kompliment #schwitz !

Beitrag von onti 17.02.06 - 15:57 Uhr

gern geschehen

Beitrag von frank68 17.02.06 - 15:40 Uhr

Danke für´s Lesen und Mitdenken, und übrigens werde ich nicht noch mal Papa, vielleicht wird´s ja noch mal.

In´s nachdenkliche Wochenende gehende Grüße von Frank.

Beitrag von iki_1963 17.02.06 - 15:57 Uhr

Entschuldige meinen Fehler mit "dem werdenen Papa", aber inhaltlich ändert das nichts.

Frank ich kann Dir empfehlen Sport zu treiben, am besten joggen, da kann man die verdammte Wut so richtig raus lassen und der Kopf wird frei. Man kann dabei auch wunderbar Selbstgespräche führen :-) , dies ist echt wunderbar befreiend.

Sei ganz lieb gegrüßt und schau nach vorne.

LG Iki

Beitrag von benpaul6801 17.02.06 - 16:17 Uhr

hallo,
tja,in der tat gibts menschen,die sich mit exbeziehungen schmücken...aber es sind doch meist die,die sonst nicht gebacken kriegen...geniessen,erfahren und schweigen ist die bessere devise.
liebe grüsse,yvonne

Beitrag von dodo0405 17.02.06 - 18:57 Uhr

Hallo Frank,
es gibt auch Frauen, die die Vergangenheit nicht ertragen. Die so sind wie ich. Deren Fotoalben so löchrig sind wie Schweizer Käse, weil sämtliche Bilder mit dem Ex-Partner daraus entfernt wurden. Weil Vergangenheit Vergangenheit ist und die Erinnerung einfach nur weh tut. Weil es nichts zu erzählen gibt, was andere Menschen noch interessieren könnte. Weil ein Lebensabschnitt einfach vorbei ist und man aus Fehlern gelernt hat. Weil es keinen Sinn macht, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Und dann sitzt du da mit einem Mann, schaust auf die Bilder und er blickt auf die Löcher dazwischen. Macht sich seine Gedanken. Denkt: "Den muss sie wirklich geliebt haben, wenn sie nicht einmal mehr seinen Anblick erträgt"....
Und jetzt frage ich dich, was ist besser?


Beitrag von nick71 18.02.06 - 07:30 Uhr

"Weil Vergangenheit Vergangenheit ist und die Erinnerung einfach nur weh tut."

Vergangenheit, die WIRKLICH Vergangenheit IST, tut nicht (mehr) weh...sie ist abgehakt und verarbeitet. Ich glaube, Du verwechselst da was.

Beitrag von kerstinmitlea 17.02.06 - 21:07 Uhr

Hallo,

wirklich sehr gut geschrieben, echt klasse... aber zum Glück ist nicht Eine wie die Andere... oder ich bin einfach anders, weiss ich nicht.
Würde ich nie erzählen, punkt. Klar spricht man mal davon, durch Zufall oder so, oder weil der eine den anderen sowieso kennt, aber wie und wo und mit wem ich sex hatte geht keinen nix an!

LG Kerstin