Wie wird mein Mann selbständiger und verantwortungsvoller?

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von Fragezeichen 18.02.06 - 17:05 Uhr

Mein Mann und ich sind seit etwa einem Jahr verheiratet und haben einen kleinen Sohn von 11 Monaten.
Leider komme ich mir aber mittlerweile wie eine Alleinerziehende mit 2 Söhnen vor, denn mein Mann ist sehr unselbständig und nicht in der Lage Verantwortung zu übernehmen (auch für sich selbst nicht).
Natürlich gibt es immer zwei Seiten, ich habe ihm in den letzten Jahren viel abgenommen, so daß er keinen Grund hat, mal selbst etwas anzupacken oder überhaupt mitzudenken.
Er ist leider so der Typ: Komm ich heut nicht, komm ich morgen.
Heute beispielsweise beim Mittagessen: Er kocht sehr gern, aber ich muß ihm immer sagen, was wir essen wollen. Ich habe ihm gesagt, daß er Frikadellen machen kann, wenn er möchte (die Kartoffeln hatte ich schon geschält). Es war dann soweit alles fertig bis auf das Gemüse. Da kam zur Antwort, daß ich ihm das ja nicht gesagt hätte, sonst hätte er noch Gemüse gekocht!
Wenn er zur Toilette geht, so geht er nicht einfach, sondern sagt immer vorher Bescheid.
Das sind nur 2 kleine Dinge, aber er ist bei allem so. Beruflich schwimmt er im Moment ein bißchen und muß sich um das ein oder andere kümmern. STÄNDIG muß ich ihn erinnern: Ruf hier an, hast Du da schon angerufen!?
Er hat sein Auto vor einem halben Jahr umgerüstet, so daß er weniger Steuern zahlen muß, gestern kam heraus, daß er es nicht hinbekommen hat, diese Umrüstung einzutragen und er somit die Steuererleichterung für die Zeit in den Wind geschossen hat. Schert ihn übrigens nicht weiter.
Das geht langsam aber sicher an meine Substanz.
Er ist so ein lieber Mensch und ich mag ihn auch nicht hängen lassen (für diejenigen, die jetzt schreiben, ich soll ihn mal schön auflaufen lassen). Denn er WIRD auflaufen, sein Leben als Single war ein einziges Chaos. Es standen Gerichtsvollzieher in der Tür, weil er seine Rechnungen nicht bezahlt hat usw.
Und das stört ihn auch nicht weiter.
Außerdem ist es in fast allen Bereichen so, daß mein Sohn und ich gewisser Maßen mit drinhängen, ob es nun sein Beruf ist, finanzielle Sachen oder andere Dinge.
Wenn wir nur einfach so liiert wären, mit getrennten Wohnungen z.B. würde ich meins und deins sicher strikter Trennen und mich auch nicht allzu sehr scheren. Aber so? Was woll ich bloß machen, damit es irgendwie leichter und besser wird?

Beitrag von nick71 18.02.06 - 18:24 Uhr

"Er ist so ein lieber Mensch und ich mag ihn auch nicht hängen lassen (für diejenigen, die jetzt schreiben, ich soll ihn mal schön auflaufen lassen)."

Ich sehe leider keine andere Möglichkeit, um ihn zu etwas mehr Selbständigkeit und (Eigen)verantwortung zu "erziehen". Nenn mir einen Grund, warum er was ändern sollte, wenn DU eh alles für ihn machst...er weiss doch, dass er sich blind auf Dich verlassen kann. Wenn er seine guten Seiten hat, und Du ihn keinesfalls auflaufen lassen willst, solltest Du Dich vielleicht damit abfinden, dass er in der Hinsicht etwas schludrig ist. Keiner ist perfekt und über manche Dinge lohnt sich einfach das Ärgern nicht...Du hast sicher auch Deine Schwächen, über die er hinwegsieht. Man sollte sich in einer beziehung schon irgendwo ergänzen.

Beitrag von manavgat 18.02.06 - 18:49 Uhr

Ich verstehe nicht, wie Du mit so einem Looser eine Beziehung führen kannst?

Du hast keinen Mann im Haus, sondern ein drittes Kind.

Wenn überhaupt, dann hilft nur eine (Familien-)therapie.

Gruß

Manavgat

Beitrag von Ausrufezeichen 18.02.06 - 18:57 Uhr

"Wenn er zur Toilette geht, so geht er nicht einfach, sondern sagt immer vorher Bescheid. "

Öhm, ja und - was ist daran so schlimm?
Wenn mein Mann und ich zusammensitzen, und einer von uns beiden muß aufstehen, um auf die Toilette zu gehen, dann sagen wir dem jeweils anderen natürlich, warum wir jetzt aus dem Raum gehen.
Ich fände es ziemlich unhöflich, einfach mittendrin kommentarlos aufzustehen , ohne ersichtlichen Grund für den anderen.

Was anderes ist natürlich, wenn Besuch da ist. Dann wird der Grund "Toilette gehen" höflich umschrieben bzw. ich entschuldige mich für einen Augenblick.

Solange dein Mann nicht von dir velangt, daß du ihm den Hintern abwischst, sehe ich in deiner obigen Aussage kein Problem.

Mal ne Frage am Rande: warum hast du ihn geheiratet, wenn dich seine Unselbständigkeit stört?
Und noch viel schlimmer: warum setzt du mit ihm ein gemeinsames Kind in die Welt, bevor du dir nicht sicher sein konntest, daß er ein verantwortungsvoller Vater sein wird???

Beitrag von Fragezeichen 18.02.06 - 19:24 Uhr

Das mit dem Toilettengang läuft anders ab. Ich bin beispielsweise im Garten, er im Haus. Er macht die Terassentür auf, informiert mich, daß er jetzt zur Toilette geht und geht wieder rein, um selbiges zu tun. Ist auch nur ein kleines Beispiel von vielen.
Ich habe es bislang genauso gesehen wie von Nick71 beschrieben. Und unter diesem Aspekt bekamen wir ein Kind und haben geheiratet.
Jeder hat seine Fehler und ich habe tausendmal lieber diesen Mann als einen von all diesen anderen Männern, die Gegenstand der Threads hier im Partnerschaftsforum sind.
Da wird gelogen, betrogen, mißachtet, mißhandelt und was weiß ich nicht alles.
Als Außenstehende kann man es als kleine Macke betrachten, wenn man mein Problem mit meinem Mann liest. Aber es fehlt halt doch manchmal eine starke Schulter. Und meine Rolle ist extrem anstrengend. Ich wäre froh, wenn sich etwas ändert, befürchte aber, daß das ein fester Bestandteil seiner selbst ist und ich es deswegen hinnehmen muß.

Beitrag von maeuschen06 18.02.06 - 20:13 Uhr

Hallo,

wieso hast du so einen Mann geheiratet und (noch viel schlimmer) ein Kind bekommen? Er ist doch nicht erst seit gestern so! #kratz

Du wirst ihn nicht mehr ändern (auch wenn Frauen das immer wieder glauben), also entweder änderst du deine Einstellung zu seinem Verhalten und übernimmst das, was er nicht macht, oder ich sehe keine Zukunft für euch. So einfach.

Und beim nächsten Mal denke vorher nach und überlege dir, ob es der richtige ist.

lg

Beitrag von Fragezeichen 18.02.06 - 20:21 Uhr

Ähem, genau diese Fragen habe ich doch schon beantwortet!? #gruebel
Es geht mir, um Gottes Willen, nicht um Trennung, aber da sind die Userinnen hier immer ganz schnell, ich weiß.
Aber Du hast wohl Recht, habe immer gehofft, daß ihm das ein oder andere mal in Fleisch und Blut übergeht und er noch ein bißchen was lernt. Denn solche Dinge sind in meinen Augen Lernprozesse, er hat es ja irgendwann auch mal (vermutlich durch seine Mutter) gelernt, sich um nichts zu kümmern.

Beitrag von coppeliaa 18.02.06 - 20:15 Uhr

da er offenbar immer schon so war und nicht einmal schwierigkeiten (gerichtsvollzieher etc) ihn 'aufgeweckt' haben, sehe ich wenig chancen. der typ scheint einfach so zu sein!

vielleicht hilft ein professioneller therapeut, ansonsten würde ich sagen: einfach akzeptieren, gehe einfach bewußt an die tatsache rann, dass du ein großes kind hast....

lg co

Beitrag von hunaro 18.02.06 - 21:51 Uhr

Was hat dich dazu gebracht, dich deinem Mann gegenüber so überlegen zu fühlen?

Wieso hast du jemanden geheiratet, den du nicht als gleichrangigen Partner ansiehst?

Dir fehlt es an Achtung gegenüber deinem Mann, sonst würdest du hier so nicht schreiben. Die Geburt eines Kindes macht eine Frau nicht automatisch zu einem höheren Wesen.

Erkenne wieder die Qualitäten/Gründe, die dich diesen Mann lieben ließen, und suche nicht permanent nach seinen Fehlern.

Schaffe dir Räume, damit du dich nicht immerzu überfordert fühlst. Dazu gehört auch, ihm nicht alles abzunehmen. Nur wenn du so handelst, als hättest du zwei Kinder, wirst du leben, als hättest du zwei Kinder.

Leider sprechen Männer und Frauen immer noch verschiedene Sprachen, und wir Frauen erwarten zu oft, das man uns unsere Wünsche/Nöte/Sorgen vom Gesicht abliest. Das ist aber illusorisch.

Öhm, kleiner Tipp: Wenn du deinem Mann nicht mündlich Aufgaben zuteilen magst, warum dann nicht schriftlich?
Eine Liste mit Erledigungen, unterteilt in "dringend zu tun", "innerhalb dieser Woche erledigen", "hat noch 14 Tage Zeit" o.Ä. hilft ihm und dir. Aber gib ihm auch die Chance, die Aufgaben zu erledigen, und nimm sie ihm nicht immer gleich ab.
Er sollte lernen, sich an den Zeitplan zu halten, aber welche Aufgabe der einzelnen Kategorie er zuerst erledigt, bleibt ihm überlassen. Schließlich ist er erwachsen, und da kann er gut selbst entscheiden. Vertrau ihm endlich !

Mir dürfte auf Dauer keiner ständig das Gefühl geben, unzulänglich zu sein. Irgendwann würde ich mir jemanden suchen, der mich achtet.

Nachdenkliche Grüße, Ute#kratz

Beitrag von babe72 18.02.06 - 22:09 Uhr

Die einzige gute Antwort in diesem thread. Ich wollte auch in diesem Sinne reagieren.
LG
Barbara

Beitrag von Fragezeichen 18.02.06 - 22:37 Uhr

#danke, Ute, Du hast mir wirklich geholfen!!!!! Vielen Dank!!! #freu

Beitrag von hunaro 18.02.06 - 22:48 Uhr

#liebdrueck
Huch, mit so einer Antwort hab ich nun nicht gerechnet. Hab befürchtet, du schimpfst mit mir.#hicks

Übrigens: Bei uns hängen des öfteren Zettel an der Pinwand. :-p
Waren schon mal in der selben/ähnlichen Situation. Die Lösung gabs nicht bei Urbia, sondern das Ende war eine Trennung von einem Jahr. Wir brauchten diese Zeit, um uns wieder auf uns selbst zu besinnen, uns zu mögen, uns nicht mehr weh zu tun.
Aber noch mal brauch ich das nich. Nö, nö!

Alles Gute für euch!

Nachti, Ute

Beitrag von Fragezeichen 18.02.06 - 23:38 Uhr

Hallo Ute,

nein, warum sollte ich schimpfen!? Ich suche ja nach Lösungsmöglichkeiten und Du hast mir wirklich weitergeholfen.
Das mit den Zetteln werde ich probieren!! Ich möchte ihm ja vertrauen und mich gleichzeitig entlasten. Und ich möchte ihm die Möglichkeit geben, sich "freier" zu fühlen.
Vielleicht ist das ein Ansatz dazu!!!
Obwohl ich glaube, daß er sich (wahrscheinlich unbewußt) die entsprechende Frau gesucht hat. Ich bin der Meinung, daß Beziehungen nicht zufällig entstehen.
Mein Mann ist kein Typ für ein sogenanntes "Mäuschen" als Frau und ich kann mir keinen dominanten oder extrem selbstbewußten Mann an meiner Seite vorstellen.
Aber gewisse Hürden würde ich trotzdem gern übwinden, um wenigstens einen gewissen Grad an Gleichberechtigung zu erzielen. Denn bei uns ist das wirklich zu sehr aus dem Gleichgewicht geraten.

Beitrag von hunaro 19.02.06 - 00:09 Uhr

"Obwohl ich glaube, daß er sich (wahrscheinlich unbewußt) die entsprechende Frau gesucht hat. Ich bin der Meinung, daß Beziehungen nicht zufällig entstehen.
Mein Mann ist kein Typ für ein sogenanntes "Mäuschen" als Frau und ich kann mir keinen dominanten oder extrem selbstbewußten Mann an meiner Seite vorstellen. "

#pro So denke ich auch immer. Wir, mein Mann und ich, scheinen aber zufällig (?) ziemlich ähnlich zu sein (aus meiner Sichtweise). Möglicherweise passt es gerade deshalb.


"Aber gewisse Hürden würde ich trotzdem gern übwinden, um wenigstens einen gewissen Grad an Gleichberechtigung zu erzielen. Denn bei uns ist das wirklich zu sehr aus dem Gleichgewicht geraten."

Deinen Wunsch kann ich selbstverständlich nachvollziehen, und ich finde diese Einstellung auch gesund. Es ist doch auch eine Art Selbstschutz, ein wenig auf sich zu achten und egoistisch zu sein. Nicht negativ egoistisch, sondern eben weil man auf sich achtet, sich nicht kaputt machen läßt, sich selbst lieb hat.

Dein Kind ist noch nicht so alt. Ihr habt bestimmt schon einige Entwicklungsschübe hinter euch. Du weißt, das in der Zeit die Familie/Beziehung immer wieder von neuem auf dem Prüfstand steht.
Ich empfinde diese Zeiten immer noch als sehr heikel. Wir gehen dann meistens besonders vorsichtig miteinander um, damit der Partner nicht für etwas verletzt wird, wofür er nicht kann. Klappt leider noch nicht immer. Sind auch nur Menschen.
Nathalie ist nun im schönsten Trotz-Alter, und da sie eh ein sehr emotionaler Mensch ist, fallen ihre "Attacken" auch sehr heftig aus. Bis hin zum Stirn blau hauen auf dem Fußboden.#schock Das belastet uns unwahrscheinlich, weil wir uns oft zu hilflos und unwissend fühlen, und es zehrt an den Nerven. Da ist kein Platz für Partnerzoff.

Na ja, ist aber auch ne spannende Zeit, weil die Kleine sooo viel Neues lernt. Das wiegt den Streß tausendfach wieder auf.#freu

LG, Ute