Mit 3 und weit über 3 Jahren immernoch so gut wie "stumm"?

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Forum: Kleinkind

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Beitrag von meckikopf 19.02.06 - 16:38 Uhr

Hallo an alle,

mir geht es nicht um eigene Kinder, sondern...

Als ich meine Ausbildung in einem Kindererholungsheim gemacht habe, war da mal ein kleines Mädel von 3,5 Jahren, die so gut wie überhaupt nicht gesprochen hat. Ich meine, klar müssen (kleine) Kinder in einer für sie anfangs völlig fremden Umgebung erst mal auftauen, aber dass dann ein Kind NIE etwas oder so gut wie nichts sagt, das gibt es eigentlich nicht und auch kleine Kinder brauchen in der Regel nicht 4-6 Wochen zum "Auftauen". Habe das gemerkt, weil ich damals auch einmal zu dem besagten, kleinen Mädel in die Gruppe kam.

Dann in meinem Anerkennungsjahr, welches ich dann anschließend in einer Großfamilie absolvierte, war ein kleiner Junge, der war, als ich kam, 22 Monate und als ich ging/als mein Anerkennugsjahr zu Ende war, 3 Jahre und 2 Monate alt und hat die ganze Zeit so gut wie nichts gesprochen (aber ALLES verstanden und auch auf alles, was man ihn gefragt hat, richtig geantwortet). D.h. ich habe ihn überhaupt nicht "richtig" sprechend kennengelernt und erlebt; auch als er "schon"(?) über 3 war, hat er nur einzelne und recht wenige einzelne Worte gesagt; von Sätzen ganz zu schweigen und gewisse "schwierige" Buchstaben wie z.B. sch, r, konnte er auch überhaupt noch nicht.

Und die von mir hier beschriebenen, beiden Kinder brauchten ferner auch rund um die Uhr noch Windeln (das sei aber NUR NEBENBEI erwähnt und ist nicht das Thema und außerdem brauchen das ja etliche Kinder mit 3 und auch über 3 noch und das finde ich auch gar nicht schlimm.)

Möchte das ganze natürlich nicht ein bisschen anprangern oder so... Deshalb bitte das ganze völlig wertfrei verstehen und interpretieren... Ganz im Gegenteil, ich finde/fände es nämlich auch unmöglich, wenn man einem Kind, welches lange nicht ("richtig") spricht, obendrein noch das Gefühl vermittelt, nur wer "richtig" sprechen kann, ist schlau, und wer nicht, ist doof. Das ist ja wohl absolut nicht der Sinn der Sache.

Und ich habe und hätte bei diesen Kindern auch nie etwas gesagt, denn das waren ja nicht meine Kinder.

Meine Frage ist nun, gibt es noch mehr 3 und über 3jährige, die noch so gut wie "stumm" sind oder waren diese Kinder die großen Ausnahmen? Würde mich halt einmal interessieren.

Gruß, M.

Beitrag von barbarella1971 19.02.06 - 16:48 Uhr

Meine Kleine Schwester hat mit etwas über ein Jahr zu sprechen begonnen, ist dann auf den Kopf gefallen, war bewusstlos, hat nicht geatmet, kam ins KH für eine Woche. Danach hat sie nicht mehr gesprochen. Es war unklar, ob der Sturz bleibende Schäden hinterlassen hat. Dann - mit 3 - begann sie plötzlich in ganzen, korrekten Sätzen zu reden. Heute ist sie Ärztin.

Vielleicht gab es in der Entwicklung der beschriebenen Kinder auch so ein traumatisches Erlebnis, welches die Sprachentwicklung beeinflusst hat.

Liebe Grüsse, Barbara

Beitrag von hannifant 19.02.06 - 19:59 Uhr

Hallo M.,

Deine Frage klingt sehr interessant und ich bin mal gespannt, welche Antworten noch zu erwarten sind.

Was ist denn für Dich richtig sprechend? Wenn sich das Kind in Sätzen mitteilen kann? Oder auf Dich zukommt und auch mit einem Einzelwort etwas signalisiert?

Hat das Mädchen gar nie was gesagt und der Junge auch nicht?

Ich habe in der letzten Ausgabe des "Spiegel" einen Bericht gelesen über selektiven Mutismus. Habe diese Form der Sprachstörung noch nie gehört, ist mir aber direkt zu Deiner Beschreibung des Mädchens eingefallen.

http://www.bessersprechen.de/mutismus.htm

Mein Sohn ist jetzt 3 Jahre alt. Bei der Eingewöhnung im Kindergarten war ich ja oft mit in der Gruppe und dort sind einige Kinder, die so gut wie gar nicht reden. Selbst wenn die Erzieherin eine Frage stellt. Sie verstehen aber meist die Aufforderung und handeln danach. Aber man könnte annehmen, dass sie gar nicht sprechen können. Allerdings im Beisein der Eltern oder anderer vertrauter Personen, sieht das ganz anders aus und sie holen das Sprechen scheinbar dann nach.

lg Hanni

Beitrag von meckikopf 19.02.06 - 21:36 Uhr

Hallo Hanni,

Du fragst mich, was für mich "richtig" sprechend wäre und diese Frage beantworte ich gern.

Ja, genau, Du hast es richtig erfasst: "Richtig" sprechen heißt für mich, sich in "ganzen" Sätzen verständlich machen zu können (und nicht in 2- oder 3-Wort-Sätzen).

Und nein, das kleine Mädel habe ich nie, wenn ich mal in ihrer Gruppe war (ich war da ja noch in der Ausbildung und "mussten" somit auch in alle Gruppen) etwas sagen hören; nein, nie stimmt nicht; sie hat selten mal einzelne Worte gesagt und ich weiß ganz genau, dass sie 3,5 Jahre alt war (wir wurden nämlich auch über die geografische Herkunft sowie das Alter der Kinder informiert). Sie war aber auch im großen und ganzen noch sehr, sehr "babyhaft"; recht klein und zierlich, aber richtig "puppig" und bildhübsch mit sehr langen Haaren, brauchte noch rund um die Uhr - also Tag und Nacht - Windeln (der kleine Junge aber auch, wie in meinem Ausgangspostin bereits erwähnt), konnte sich noch nicht ein Stück alleine anziehen (der Junge konnte das ebenfalls nicht). Die beiden gingen zwar (auch) auf den Topf, aber auch nur dann, wenn sie von uns - ohne jeglichen Zwang(!) - draufgesetzt wurden.

Der Junge hat auch nur ganz wenige, einzelne Worte gesagt, aber niemals Sätze, noch nicht einmal 2- oder 3-Wort-Sätze; wie gesagt, er beherrschte auch einige "schwere" Buchstaben nicht; sagte z.B. ...nee anstatt SCHnee.

Also diese 2 von mir erwähnten Kinder haben sich ganz haargenau so verhalten wie die ebenfalls (noch!) nicht-sprechenden Kinder im Kindergarten Deines Sohnes.

Und, wie gesagt, finde ich es überhaupt nicht schlimm, wenn ein (Klein)kind "länger"/"lange" noch nicht spricht und "länger"/"lange" noch Windeln rund um die Uhr braucht! Im Gegenteil - ich finde "solche" Kinder, sprich auch "Spätentwickler" ganz genauso wertvoll wie die ach so tollen Hechte, die schon "gaaanz früh" "alles" können!

Und ich glaube auch einfach nicht, dass diese beiden von mir erwähnten Kinder "nicht normal" waren; sie haben dies eben alles spätER(!) gelernt! Was soll man aber auch machen, wenn sie einige Dinge nun mal spätER lernen? Sie Woche für Woche zu 100 000 Ärzten und Psychologen schleppen??? Wohl nicht, oder?!
Ich habe die Worte lange (nicht) und länger (nicht) GANZ ABSICHTLICH in Gänsefüßchen gesetzt, weil das alles sehr relative Begriffe sind und immer auf den Betrachter ankommt. Für manche ist es schon "total schlimm", wenn ein Kind nicht auf den 1. Geburtstag läuft, mit 2 und 2,5 noch keine "richtigen" Sätze spricht und mit 3 eben noch nicht auf die Toilette/den Topf geht (zumindest nicht immer). Ich z.B. finde das alles nicht schlimm, denn es hat noch jeder immernoch ALLES gelernt (außer, es handelt sich um behinderte Menschen, aber das merkt man ja nicht erst allmählich mit 3 Jahren und noch älter).
Auch von diesen von mir erwähnten Kindern habe ich erfahren, dass sie später dies alles gelernt haben und konnten - wie andere Kinder und Menschen allgemein - auch.

Gruß, M.

Beitrag von hannifant 20.02.06 - 19:36 Uhr

Hallo M.,

Dein Beitrag hat mich noch lange beschäftigt. Wie Du schon richtig schreibst, ist die Entwicklung der Kinder relativ.

Zitat: ..."Ich z.B. finde das alles nicht schlimm, denn es hat noch jeder immernoch ALLES gelernt (außer, es handelt sich um behinderte Menschen, aber das merkt man ja nicht erst allmählich mit 3 Jahren und noch älter)."...

Der erste Satz ist nicht ganz richtig. Es hat leider nicht jeder immer noch alles gelernt. Ich kann auch nicht zustimmen, dass man eine Behinderung bei einem Kind früher merkt. Sicherlich gibt es Kinder mit Behinderungen, die frühzeitig in der Entwicklung auffällig werden. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es gerade im Bereich der Sprache ein sehr breites Spektrum an Defiziten gibt, die auch auf eine Behinderung hindeuten könnten. Obwohl das Kind vielleicht bis zu seinem 3. Lebensjahr eine normale Entwicklung durchgemacht hat und nie auffällig war.

Ganz ehrlich, ich habe die Kernaussage Deines Beitrages nicht verstanden. Hast Du selbst Kinder?

Gruß Hanni

Beitrag von bambolina 19.02.06 - 22:44 Uhr

Hallo M.

mein Sohn beherrschte mit 3 Jahren gerade mal das zwei-Wort-System. Also mehr wie zwei Wörter hintereinander schaffte er nicht. Mit Fremden, Oma und Opa oder auch Freunden sprach er nie.

Als er 2 - fast 3 Jahren in den KiGa kam, ging das mit dem Sprechen super schnell voran - aber davon merkten wir auch nur daheim etwas. Mit den Erzieherinnen sprach er weiterhin kein Wort, auch nicht, wenn er angesprochen wurde.
Sie wußten nur von mir, dass er reden konnte, bzw. wenn er ab und zu mal ein Wort mit einem anderen Kind wechselte.

Er war über ein halbes Jahr in der Einrichtung, bis er das erste mal mit der Erzieherin sprach.

Inzwischen ist er fast 4 einhalb und kriegt als schier den Schnabel nicht mehr zu ;-) Zu Fremden ist er weiterhin sehr zurückhaltend, was ja aber nicht unbedingt ein Fehler sein muß #freu

lg bambolina