Mama - du fehlst mir so!

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von anushka06 20.02.06 - 22:54 Uhr

Heute ist wieder einer solcher Abende, an denen mir von einem Moment auf den nächsten viele Erinnerungen an meine Mama hochkommen und mir bewusst wird, dass sie nicht mehr bei mir ist.
Ich muss zugeben, bisher hab ich mich eher im Kinderwunsch-Forum aufgehalten, aber dieser Abend ist mal wieder unerträglich für mich, so dass ich mir meine Trauer von der Seele schreiben muss. Ich hoffe, ihr habt ein wenig Zeit.
Alles fing eigentlich schon vor 5 Jahren an - meine Mutter hatte eine Hirnblutung und wurde von heute auf morgen aus ihrem normalen Leben gerissen. Es folgte eine Zeit voller Hoffen und bangen, nicht wissen, was auf uns zukommt... Sie lag lange im Koma, man wusste nicht, ob sie jemals aufwacht und welche Schäden zurückbleiben würden.
Nach einem halben Jahr waren wir ein wenig schlauer - zwar war sie motorisch quasi schwerst behindert, aber geistig war sie voll da und ganz die alte. Mein Vater hat alles menschenmögliche gemacht, um ihr Leben wieder einigermaßen schön zu gestalten - er hat sie voller Liebe gepflegt und alles in der Wohnung so eingerichtet, dass Mama dort mitwohnen konnte. Mein Bruder und ich haben auch geholfen wo wir nur konnten. Wir hatten uns mit der Situation arrangiert, hatten gelernt, mit den Einschränkungen zu leben.
Anfang letzten Jahres wurde sie wegen einer Entzündung am Kopf operiert. Dort wurden 2 Arterienverkrümmungen im Gehirn (damals auch Ursache für die Blutung) festgestellt. Wir wurden nun vor die Wahl gestellt, ob wir das operieren lassen wollten. Allerdings wurde uns zur OP geraten, da es sich um tickende Zeitbomben handelte... Wie soll man da schon entscheiden? 2 große OPs am Gehirn standen ihr also bevor, die man Mitte Juli 2005 in Angriff nahm. die erste schwierigere OP verlief sehr gut - Mama war nach der Narkose wieder voll da mit dem Spruch "Hurra, ich lebe noch!" Vor der 2. OP hatte sie mehr angst, da sie träumte, sie würde nicht mehr aufwachen. Ach hätten wir doch darauf gehört - aber der Chefarzt war so zuversichtlich! Anfang August wurde also die 2. OP vorgenommen, der Eingriff verlief gut, ich war mit meinem Vater auf Intensiv, doch sie wachte nicht auf!! Sie hatte kurz nach der OP einen Hirninfarkt!!!! Wie kann so etwas auf der Intensivstation passieren??? Zuerst hieß es, nichts mehr zu machen, dann kam sie doch in Frühreha - noch immer in einer Art Wachkoma. Dort bekam sie dann eine Lungenentzündung... die Blutwerte waren mal besser mal schlechter.... dann kam das Arztgespräch. Hier wurde uns endlich das ganze Ausmaß dargestellt - das Gehirn war zum größten Teil geschädigt, keine Lebenschance mehr, man wolle sie nun in Würde gehen lassen.... Gott, ich dachte ich bekomme keine Luft mehr... wir hatten doch schon so viele Herausforderungen vom Schicksal angenommen - warum noch meine Mutter ganz verlieren??
Es dauerte dann noch ca. 4 Wochen, bis sie starb. Ich war jeden Tag da, hab ihr alles gesagt, was ich ihr noch sagen wollte in der Hoffnung, dass sie noch etwas mitbekommt. Als ihre Werte ein WE mal etwas stabiler waren bin ich mit meinem Freund zu meiner cousine gefahren. Und in dieser Nacht starb sie... als wollte sie mir ersparen, sie so im Krankenhaus zu sehen. Ich hab sie dann in der Trauerhalle noch einmal gesehen, mich verabschiedet.
Das war die schlimmste Zeit meines Lebens - und ist es noch. Oft kann ich es noch gar nicht fassen, dass sie nicht mehr da ist, dann kommen wieder Momente voller Erinnerungen... das tut so unglaublich weh....
Wann wird das besser? Wird es jemals besser? Ich habe eine tolle Familie und einen tollen Partner, der voll hinter mir steht, aber in der Trauer kann mir scheinbar niemand helfen, ich hab das Gefühl, da muss ich ganz alleine durch....
Nichts wird mehr so sein wie früher... mit meiner Mama hab ich den wunderbarsten Menschen verloren, der immer gekämpft hat und schlimme Situationen mit einem trockenen Spruch quittiert hat und es so für alle leichter gemacht hat. Es gibt noch so viele Dinge, die ich von ihr wissen will, so viel, dass ich ihr erzahlen will. Der Gedanke, nie wieder mit ihr sprechen zu können zerreißt mich, ich lieb sie doch so....

Vielen Dank an alle, die bis zum Schluss gelesen haben - es tut unendlich gut zu wissen, nicht alleine zu sein. Allein das Schreiben hat mir schon ein wenig geholfen .- zumindest für heute.

Liebe Grüße Anushka (so hat mich Mama immer genannt, wenn ich besonders lieb war)

Mamutschka - ich hoffe es geht dir gut, wo du jetzt bist und hast ein Auge auf mich!

Beitrag von katzeleonie 21.02.06 - 08:22 Uhr

Hallo,

das hat sie ganz bestimmt.#heul#stern
Es tut mir so leid, ich#liebdrueck.
Besser wird es mit der Zeit, aber es kommt immer wieder hoch. Bei meinem geliebten Papi ist das jetzt 10 Jahre, und ich frage immer und immer weiter, wieso ,warum....... es vergeht kaum ein Tag an dem ich nicht an ihn denke.

Kopf hoch, blöder Spruch, aber Zeit heilt wenigstens ein bißchen Wunden.

Alles Liebe

Beitrag von kitty_kasta 21.02.06 - 12:10 Uhr

hallo Anushka

ich kann dir sehr gut nachfühlen. bei mir ist es erst 2 wochen her, dass ich meinen geliebten vater verloren habe. auch ich hätte ihm noch viel zu sagen und tausend fragen an ihn. als wir bei seinem haus waren, hatte ich das gefühl, dass er gleich zur tür raus kommt und uns begrüsst.
es ist schwer und schmerzlich den verlust anzunehmen, aber ich glaube es geht ihnen jetzt viel besser.

DIE LIEBE BAUT UNS DIE BRÜCKE VOM DIESSEITS ZUM JENSEITS.

lass dich ganz fest drücken

Beitrag von anushka06 21.02.06 - 13:58 Uhr

Liebe Kitty,
ich danke dir für deine lieben Worte und möchte dir selbst mein herzliches Beileid ausdrücken.
Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft und alles Gute! Wir werden immer einen Teil unserer Eltern in uns tragen und allein dieser Gedanke tröstet sehr!

Viele Grüße, anushka

Beitrag von schnienchen76 21.02.06 - 20:57 Uhr

Hallo,

als ich eben deinen Text gelesen habe kamen mir wieder die Tränen gelaufen. Dein Text hat mich sehr berührt, weil ich vor fast 2 Jahren das gleiche durchmachen mußte. Da habe ich meine liebste Mutti (mit 50 Jahren) auf Grund von Leukämie (Blutkrebs) verloren. Genau wie du hätte ich sie noch so viel fragen wollen. Sie hat auch wie deine Mam so viel durchmachen müssen und ich hab mich immer gefragt wie sie das so schafft so stark zu sein. Leider hat ihre Kraft nicht gereicht und sie wurde aus dem Leben gerissen. Ich kann es bis heute nicht verstehen warum dies so sein sollte. Ich habe auch eine liebe Familie aber die Trauer wird immer wieder hochkommen wie bei dir. Ich finde es keine Schande ab und zu bitterlich zu weinen und traurig zu sein, denn schließlich habe ich den mit liebsten Menschen auf der Welt verloren. Wünsche dir viel Kraft und wie gesagt du bist nicht allein mit deinen Gedanken.

By Schnienchen

Beitrag von crying_angel 22.02.06 - 12:41 Uhr

Hallo Anushka

Habe gerade dceinen beitrag gelesen und weine.

Ich weiss wie es dir geht ich habe meine Mama auch vor einem halben jahr verloren!

Sie war bis juni daheim und wir hatten keine ahnung das sie krank war. Sie ist dann doch mal zum dok wegen ständigen Kopfschmerzen.
Sie kam vom Dok heim und sagte sie muss ins Krankenhaus.
Dort haben sie dann festgestellt das sie drei Gehirntumore und Lungenkrebs hat.
Sie gaben ihr zu dem zeitpunkt noch ein Jahr zu Leben.
Als ich dann gleich am ersten Tag nach der Arbeit zu ihr gefahren bin hatten sie sie mit Medikamenten vollgepumpt und sie registrierte garnicht richtig das ich da war.
Das tollste war stellen sie meiner Mutter essen hin und sehen das sie sich eh fast nicht helfen kann und lassen sie damit allein bin dann ne Stunde später zu ihr gekommen und hab sie dann erstmal gefüttert weil sie hunger hatte. (tolles Krankenhaus oder?)
Nach einer Woche war sie die Fitesste auf der ganzen Station und sie durfte wieder Heim wir haben uns alle gefreut!
Sie nahm dann alles so intensiv war. Wir wohnen in so nem kleinen Waltstück und sie schaute in den Wald und sagt schau mal wie schön der Wald heute ist usw.
Sie war dann eine Woche zuhause.
Am 1.09 das war ein Donnerstag gingen ich und meine Schwester um 5 uhr in der früh aus dem Haus in die Arbeit und sie sagte noch bis später.
Als wir dann mittagspause hatten, hat meine sis ihr handy eingeschlaten und gesehen das sie einen anruf von papa drauf hatte. Sie hat ihn dann zurückgerufen und er meinte dann: Habe versucht sie seit 7 uhr in der früh anzurufen habe dann Nicole angerufen und die ist dann ins Wohnzimmer wo Mama schon blau angelaufen da lag und blut aus mund gelaufen ist. Fahrt bitte sofort ins Krankenhaus sie ist in der Notaufname.
Haben unsere sachen gepackt und weg ins Krankenhaus.
Waren dann erstmal ne halbe stunde in der Notaufnahme dann kam eine Schwester und meinte wir sollen hoch in die station gehen da mama wieder auf station liegt aber sie is putz munter.
Meinen zwei schwestern und mir ist ein stein vom Herzen gefallen.
Oben in der Station wollten wir sofort zu Mama und dann meine die stationsschwester die Oberärtzin kommt gleich zu uns. Wir dachten uns nicht viel dabei und warteten aud sie.
Als sie dann kam nahm sie uns zur seite und sagte eure Mama hat Krebs im Endstadium der Luftmangel kommt durch einen Tumor im kopf der die Luftbahnen abdrückt. Wir haben ihr jetzt starke schmerzmittel gegeben und sie liegt in den letzten Atemzügen.
(Wie kann das sein sie war doch vor 5 minuten noch putzmunter in der notaufnahme)
Wir durften dann zu ihr ins Zimmer und waren bei ihr bis sie dann um halb zwei verstorben ist.
Viel sagen konnten wir ihr nicht mehr und was das schlimmste für mich ist.
Sie sagte noch mittwoch abend zu mir wenn du schwanger bist dann werde ich wieder gesund das versprech ich dir. Einen Tag nach der Beerdigung habe ich erfahren das ich schwanger bin.

Sry ist jetzt bischen lange geworden

Gruß Caro

Beitrag von anushka06 22.02.06 - 13:49 Uhr

Liebe Caro,
es tut mir wahnsinnig leid, was mit deiner Mama geschehen ist - ich glaube, wir machen die gleichen Gefühle durch. Es tut gut, damit nicht alleine zu sein, auch wenn uns keiner die Trauer nehmen kann.
Ich drück dich ganz fest und wünsch dir alle Kraft der Welt!
Ich versuche auch gerade schwanger zu werden - meine Mutter hat sich nichts mehr als ein Enkelchen gewünscht (sie ist nur 61 Jahre alt geworden). Ich erzähle ihr am Grab immer davon und hoffe, dass sie eine schützende Hand über mich hält... Ich bin mir sicher, dass deine Mama das gleiche bei dir tut.

Liebe Grüße,
Anushka

Beitrag von crying_angel 23.02.06 - 12:30 Uhr

Hallo Anushka,

ich wünsche dir auch alle Kraft auf erden die der helfen das leichter zu nehmen weil vergessen wollen und können wir nicht was war!
Meine mama ist leider nur 46 geworden
Ja ich weiss das Mama bei mri ist merke oft einen kleine berührung an der backe (wo sie mich immer geküsst und gestreichelt hat) wenn kein mensch in meiner nähe ist.
Du kannst mir ja wenn du willst über mein VK mal schreiben. Würde mich freuen

Liebe Grüße Caro

Beitrag von yriamusic 22.02.06 - 22:09 Uhr

Mir kamen gerade die Tränen als ich deinen Text gelesen hab. Ich habe noch nie einen nahestehenden Menschen verloren, gott sei dank, aber ich bin sehr emotional und kann es nicht ertragen menschen leiden zu sehen. Ich wüsste nicht was ich ohne meine oma, bei der ich aufgewachsen bin, machen sollte. Sie is immer für mich da und ich liebe sie so sehr. Ich würde am Bode sein, wäre sie nich mehr hier.
Ich bewundere dich sehr dafür das du den mut zusammen nimmst und drüber schreibst. Man verarbeitet eher wenn man Dinge rauslässt. Ich kann dir jetz nich einfach "sei stark" raten, denn das wäre eher unpassend. Momentan hast du das Recht traurig zu sein. Ich hoffe nur du schaffst es irgendwann wieder aufzustehen.
Ich wünsch dir alles Glück der Welt.

Beitrag von binne007 22.02.06 - 23:48 Uhr

Hallo,

du hast mir richtig aus der Seele geschrieben und die tränen laufen mir runter.Meine Mama ist am 9.11. auch plötzlich nach einer Gehirnblutung verstorben.
Mir geht es wie dir. Ich vermisse sie unendlich und wollte noch so viel mit ihr (er)leben und mit ihr reden und lachen...
Trotz all der Trauer ist es schön nicht allein zu sein.
Maschs gut.
Unsere Mamas sind sicher irgendwie,irgendwo ganz nah bei uns.

Binne

Beitrag von crying_angel 23.02.06 - 12:33 Uhr

Hallo Binne

Sag mal kann das sein das deine Mama in der Nähe von Ingolstadt gewohnt hat?
Genauer gesagt in Schambach dieses datum und dein name kommen mir bekannt vor
Sry wegen der frage

Lieben Gruß Caro

Beitrag von binne007 24.02.06 - 21:28 Uhr

Hallo,
fragen ist doch okay.

Nein, meine Mama wohnte in der Nähe von München.
Ich habe morgen Geburtstag und bin jetzt schon ganz traurig, da es der erste ohne meine Mama ist.
Machs gut.
Tschüßi Binne