Zum 3. Mal Scharlach- Kinderärztin will keinen Abstrich machen?

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von biggelchen 21.02.06 - 12:41 Uhr

Hallo, der Shn meiner Nachbarin hat nun zum drittenmal? Scharlach. Alles in den letzen 5 Wochen.#stern
Beim erstenmal hatte er Scharlach wie aus dem Bilderbuch, es war sehr stark ausgebrochen mit Fieber und er fühlte sich Schlapp und krank.
Beim zweitenmal kam wieder die rote Zunge und in der Unterhosenzone alles mit roten Pickelchen, ansonsten fühlte er sich aber gut. Und nun seit gestern wieder in der Unterhosenzone alles rot. Nun will die Kinderärtin keinen Abstrich machen meinte bei zweimaliger Gabe von Abtibiotikum war das kein Scharlch mehr.
Und was nun, soll/ darf er im Kindergarten? Kann er andere Anstecken?
Nun ja vieleicht könnt ihr uns ja weiter helfen.
Gruss Biggelchen

Beitrag von hasifm 21.02.06 - 18:25 Uhr

hallo,

stell die frage doch mal bei www.gesundheitsberatung.de
dem kinderarzt.

susi

Beitrag von babydrache 21.02.06 - 18:58 Uhr

Scharlach kannst du oft kriegen.
Ich hatte den als kind 9 mal,und immer mit antibiotika behandelt.
Ich würde mir ne zweite meinung einholen,kann nicht schaden finde ich.

gute besserung an deinen kleinen.

babydrache

Beitrag von jules27 21.02.06 - 19:05 Uhr

Halli Hallo,
Scharlach kann man leider öfter bekommen. Gerade wenn er mit Antibiose behandelt wurde, werden die Keime oft nur "unterdrückt" und nicht richtig ausgeheilt. Meist tritt die Krankheit dann innerhalb weniger Wochen erneut auf. Deshalb würde ich den Kiga auf jeden Fall meiden und zur Vorsicht doch noch auf einen Abstrich beim Arzt bestehen.
Alles Gute - Jules :-)

Beitrag von itten 21.02.06 - 19:54 Uhr

Hallo
ich wäre vorsichtig mit der behauptung,das antibiotka nur die krankheit unterdrückt und es dadurch gleich wieder zu einer infektion kommt.


Scharlach gilt im allgemeinen als gefährliche Erkrankung.
Die Erreger sind Streptokokken der Gruppe A, die verschiedenste, z.T. schwerste Erkrankungen beim Menschen hervorrufen können. Doch die Erreger findet man auch als scheinbar harmlose Schleimhautbewohner des Rachens...

Wie wird Scharlach übertragen?

Die Uebertragung der GAS (= Gruppe A Streptokokken) erfolgt durch kleine Tröpfchen von Mensch zu Mensch. Der Keim bewohnt Haut und Schleimhaut und ist der häufigste Erreger einer bakteriellen Pharyngitis. Selten findet sich Scharlach in der Folge tiefer Wundinfekte.

Wann kommt es zum Bild des Scharlach?

Die wenigsten GAS verursachen auch Scharlach. Um den charakteristischen Hautausschlag hervorzurufen, ist die Bildung sogenannter erythrogener oder pyrogener Toxine notwendig. Es gibt 3 verschiedene Toxine: A, B und C, wobei das Toxin C sehr milde Formen von Scharlach auslöst (Knoll et al, 1991). Doch selbst wenn toxinbildende GAS im Rachen nachweisbar sind, muss es nicht zur Erkrankung kommen.

Denn - wie bei allen Infektionskrankheiten - hängt das Krankheitsbild auch bei GAS-Infektionen vom Wirt ab. Genetische Faktoren bestimmen, ob der Erreger gefährlich wird oder als Schleimhautbewohner lediglich für seine eigene Verbreitung in der Bevölkerung sorgt. Welche Faktoren diese dramatischen Unterschiede verursachen, ist nicht restlos geklärt. Doch Menschen mit bestimmten Erbmerkmalen, z.B. den Leukocyten Antigen Klassen II (HLA) Haplotypen DRB1*1501 und DQB1*0602 sind empfänglicher für invasive Streptokokkeninfekte.

Das klinische BildEtwa zwei Tage nach Krankheitsbeginn kommt es bei Scharlach zu einer fleckigen diffusen Rötung, die meist an der Brust beginnt und sich dann auf Stamm, Hals und Extremitäten ausbreitet, insbesondere in Achsel- und Leistengegend.



Auch flohstichartige Hauteinblutungen kommen vor. Die Haut fühlt sich durch verschlossene Schweissdrüsen rau an, fast wie Sandpapier. Um den Mund herum ist die Haut blass. Die Zunge ist zuerst weiss belegt, wobei die Papillen herausschauen (weisse Erdbeerzunge).

Nach Abschilferung des Belags erscheint die Zunge rot (rote Erdbeerzunge). Der Hautausschlag blasst innerhalb einer Woche ab, danach kommt es zu einer ausgeprägten Abschälung der Haut.

Wer ist betroffen, und kann es jemanden auch zweimal treffen?

Betroffen von der Streptokokken-Pharyngitis sind vor allem Schulkinder und besonders im Winter und Frühling kommt es regelmässig zu kleinen Ausbrüchen von Scharlach in Schulen. Scharlach wird zwar mehr gefürchtet als die Infektion des Rachens mit GAS ohne Toxinbildung, diese Einstellung ist jedoch nicht gerechtfertigt. Denn ob mit oder ohne Hautausschlag können die GAS zu Komplikationen wie rheumatischem Fieber und Glomerulonephritis führen.

Ursache des akuten rheumatischen Fiebers ist wohl ein sogenanntes molekulares Mimikri zwischen dem M-Protein, einem Oberflächenmarker der GAS, und den betroffenen Geweben wie z.B. Herzklappen. In den letzten Jahren zeigt sich allerdings eine deutliche Abnahme in der Inzidenz des rheumatischen Fiebers in Mitteleuropa, die nicht durch den vermehrten Einsatz von Antibiotika erklärt ist, sondern eher auf eine Verschiebung in Richtung anderer Bakterienstämme.

Da sich der Antikörperschutz gegen einen bestimmten Streptokokken-Typ und nicht gegen das Toxin richtet, kann ein Mensch auch mehrfach Scharlach durchmachen.

Wann ist es Scharlach?

Die Diagnose des Vollbildes Scharlach mit Ausschlag und Pharyngitis ist nicht schwer zu stellen. Wenn allerdings die GAS-Pharyngitis ohne Ausschlag verläuft, man also nicht von Scharlach spricht, wird die Sache schwieriger. Da eine Infektion mit GAS genau die gleichen Komplikationen wie Scharlach nach sich ziehen kann, sollte auch Streptokokken-Angina ohne Scharlach korrekt diagnostiziert werden. Eine sichere Unterscheidung von einer viralen Entzündung ist nicht möglich. Auch bei Nachweis von GAS im Rachenabstrich oder bei positivem Schnelltest (RADT) ist es immer noch möglich, dass es sich nur um eine harmlose Besiedelung des Rachens mit dem Keim handelt und andere Keime (meist Viren) für die Pharyngitis verantwortlich sind.

Eine Pharyngitis mit positivem Nachweis von GAS im Schnelltest ist somit noch keine zwingende Indikation für eine antibiotische Therapie. Wenn allerdings die passende Klinik und positiver Schnelltest bzw. Rachenabstrich zusammenkommen, so wird man eine antibiotische Therapie einleiten. Das rasche Resultat des Schnelltests wird allerdings mit einer etwas niedrigeren Sensitivität (80-90% vs. 90%) erkauft.

Behandlung

Ziel der Behandlung mit Antibiotika bei der GAS-Pharyngitis und Scharlach ist neben der Vermeidung von lokalen Komplikationen wie Abszessbildung, Mastoiditis, Sinusitis und Otitis media auch die Verhinderung des rheumatischen Fiebers sowie die Reduktion der Infektiosität. Man gibt 10 Tage Penicillin V, bei Kindern 2-3 mal 250 mg, bei Erwachsenen 2 mal 500 mg. Bei Penicillinallergie kann Erythromycin bzw. Azithromycin gegeben werden. Abgesehen von den höheren Kosten ist hier jedoch eine rasche Resistenzentwicklung der GAS zu beachten (s. hierzu auch Vortrag von Fr. Dr. K. Boggian). In der Regel können Kinder nach einem Tag antibiotischer Therapie wieder zur Schule gehen.



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Beitrag von verdamp_lang_her 21.02.06 - 20:29 Uhr

Hallo Biggelchen,

wie lange hat deine Nachbarin die Antibiotika gegeben? Hat er beim ersten Mal pures Penicillin bekommen?

Den Kommentar der Kinderärztin würde ich mal in Frage stellen.

LG,
Patsy

Beitrag von stillmami110703 21.02.06 - 22:21 Uhr

Hallo,

vielleicht hilft Dir das folgende weiter:

Ansteckung: Es gibt mindestens 5 verschiedene Scharlacherreger. Deshalb kann man auch mehrmals erkranken, auch wenn man gegen einen Erreger immun ist. Kinder unter 4 Jahren sind selten betroffen. Meistens tritt die Krankheit zwischen dem 5. und 14. Lebensjahr auf. Scharlach ist nicht so stark ansteckend wie manch andere durch Viren verursachte Kinderkrankheit. Nur etwas jeder 7. infiziert sich meistens direkt über frisch erkrankte Personden. 2 - 4 Tage nach dem Kontakt bricht die Krankheit normalerweise aus. In den seltenen Fällen ist die Inkubationszeit auch wesentlich länger. Ohne die Einnahme von Antibiotika sind dei Patienten 2 Wochen lang ansteckend, mit Antibiotika nur einen Tag.

Behandlung: Viele Ärzte werden eine Antibiotika-Behandlung empfehlen, um die mit einer Streptokokkeninfektion manchmal verbundenen Komplikationen wie rheumatisches Fieber zu vermeiden.
Verordnet wird meistens hoch dosiertes Penicillin, das bis zu 10 Tage lang KONSEQUENT eingenommen werden MUSS. Das hat auch den Vorteil, daß der Patient schon nach kurzer Zeit nicht mehr anstekcend ist. Die Kinderärztin Dr. Gisela Brehmer berichtet allerdings von Patienten, die trotz antibiotischer Behandlung bis zu 6 Mal hintereinander an Scharlach erkrankten. Außerdem verschwinden die Krankheitssymptome manchmal auch durch die Antibiotika nicht. Brehmer weist zudem darauf hin, daß durch Penicillin zwar das akute rheumatische Fieber, nicht aber die durch Streptokokken-Infektionen manchmal verursachten Nierenprobleme vermieden werden können. Die Eltern müssen also Vor- und Nachteile einer Antibiotikatherapie selbst abwägen.

(Quelle: Sonderheft Kinderkrankheiten 2003, Öko-Test)

LG
Heike und Cedric (*07/03), der sich gestern bei seiner Cousine auch angesteckt haben könnte

P.S.: Muß er für den Kindergarten keine "Gesundschreibung" des behandelnden Arztes vorlegen?