Geburtsort: Krankenhaus oder Geburtshaus?

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Forum: Geburt & Wochenbett

Die Geburt deines Kindes rückt näher und es tauchen immer noch neue Fragen auf? Du hast gerade entbunden und ganz spezielle Fragen in dieser besonderen Situation? Hier ist der Ort für alle Fragen rund um Geburt und Wochenbett.

Beitrag von dombini 22.02.06 - 09:20 Uhr

Hallo zusammen,

ich brauche mal Eure Meinung. Bin seit heute in der 20. SSW und hatte gestern meine erste Kreißsaalbesichtigung. Ich wünsche mir (wenn alles weiterhin unkompliziert läuft) eine möglichst natürliche Geburt. Klar, habe ich auch Respekt vor den Schmerzen, aber ich glaube fest an die weibliche Urkraft und das unser Körper dafür geschaffen ist, Leben auf die Welt zu bringen. Mein Mann hingegen hat schon eine Tochter und deren Geburt war eben nicht unkompliziert (Nabelschnur lag um den Hals und sie mußte mit Saugglocke geholt werden) und insofern ist ein er ein Vertreter des Faktors "Sicherheit". Ich allerdings schrecke zurück vor diesen ganzen Routiniemaßnahmen im Krankenhaus (Braunüle legen (schreibt man das so? #gruebel), Dammschnitt und Co.).

Wie ist Eure Meinung oder vielleicht auch Erfahrung dazu?
Und konkret noch zum Dammschnitt:
Ist es nicht so, dass ein Riß besser heilt als ein Schnitt? Wieso schneiden die dann? #kratz

Danke im Voraus!

Lieben Gruß,
Tamara & #stern inside

Beitrag von mica2406 22.02.06 - 09:32 Uhr

Hallo!
Also zuerst einmal: was ich von einer Bekannten über die absolut schöne unkomplizierte Geburt in einem Geburtshaus berichtet bekam (Atmosphäre toll, wie zu Hause, supernette Hebammen) fand ich toll und nachahmenswert.

ABER: Sowas wie Nabelschnur um den Hals kann bis zur letzten Minute bzw. während der Geburt passieren. Es kann auch passieren, dass ein Notkaiserschnitt gemacht werden muss oder dass Dein Kind einen bisher unerkannten aber behandlungsbedürftigen Geburtsfehler hat. (du siehst ich bin auch ein Vertreter des Faktors Sicherheit)

Es mag zwar sein, dass eine natürliche Geburt im Geburtshaus das höchste der Gefühle für eine Gebärende ist - aber wenn was schiefgeht und Du nicht alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen hast, bereust Du es Dein ganzes Leben.

Was den Dammschnitt angeht - das kann man vorher abklären. Wenn Du ausdrücklich einen Riß willst (muss ja nicht passieren) dann wird sich Dir keiner in den Weg stellen. Über die Frage was besser heilt würde ich mich aber an Deiner Stelle noch kundig machen (vielleicht bei zwei Ärzten oder Arzt und Hebamme) Der Dammschnitt ist übrigens seltener geworden. Auf jeden Fall empfehle ich Dir, Dein Becken vor der Geburt vermessen zu lassen - das gibt einen Anhaltspunkt ob Mini überhaupt durchpasst.

LG

Beitrag von kugeljac 22.02.06 - 09:55 Uhr

geburtshaus ist schon ne tolle sache und eine gute alternative zwischen krankenhaus und hausgeburt.
eine gute geburtshaushebamme erkennt früh genug mögliche risiken und bricht die geburt im geburtshaus ab und fährt mit der frau ins nächste krankenhaus.
meistens arbeiten die geburtshaus hebammen indirekt mit den krankenhäusern zusammen(zumindest ist das bei uns so) so das ,wenn komplikationen auftreten keine dummen sprüche seites des krankenhauses kommen.

im allgemeinen ist eine geburtshaus geburt sicher.

ein versuch ist es wert.

gruß jacqueline

Beitrag von mare88 22.02.06 - 10:26 Uhr

Hallo Tamara,

Natürlich kann immer was passieren, aber das ist ja nicht der "Normalfall". Bei den meisten Geburten geht alles gut und davon solltst Du ausgehen, sonst machst Du Dich ja verrückt. Wenn im Geburtshaus ein Problem auftritt, wird schnell gehandelt und Du wirst ins Krankenhaus gebracht. Schau Dir ein Geburtshaus an und sprech mit den Hebammen. Vielleicht kannst Du eine Hebamme finden, die im Geburtshaus arbeitet und Dich schon während der Schwangerschaft betreut. Das schafft Vertrauen. Je entspannter und wohler Du Dich fühlst und je vertrauter Dir Menschen und Umgebung bei der Geburt sind, desto besser kannst Du Dich fallen lassen und der Geburt hingeben. Das alles wirkt sich sehr positiv aus.

Wieso beim Damm so oft geschnitten wird, weiss ich nicht; allerdings habe ich auch gehört, dass ein Riß besser ist und schneller verheilt.

Ich wünsche Dir eine schöne Geburt. Und lass Dich von Deinem Mann nicht drängen; ersoll mal nicht gleich vom Extremfall ausgehen.

Alles Gute

PS: Noch einen Buchtip habe ich für Dich und Deinen Mann. "Geburt in Geborgenheit und Würde"

Beitrag von orcanamu 22.02.06 - 11:27 Uhr

Hallo Tamara,

gestern schrieb "Hebi Gabi" einen sehr schönen Bericht im Schwangerschaftsforum, wo sie noch mal darauf hinwies, dass beispielsweise Hausgeburtshebammen wesentlich weniger Haftpflichtversicherung zahlen müssen als Klinikhebammen, weil Hausgeburten (und Geburtshausgeburten) einfach sicherer sind.
Und zwar unter anderem deshalb, weil die Hebammen die schwangeren Frauen genau untersuchen und Risikofälle rechtzeitig ins Krankenhaus bringen (oder gar nicht annehmen). Deine Schwangerschaft muss "einwandfrei" laufen.

Aus meiner eigenen Erfahrung berichtet: Ich hatte beim ersten Kind einen Not-KS. Und ich weiß: bei einer anderen Art der Untersuchung (ich hatte damals in der SS keine Hebamme) wäre es entweder nie so weit gekommen oder man hätte es früher erkannt! Aber im KH verläßt man sich naütrlich auch darauf "Naja, wenn was schiefgeht, machen wir eben einen KS!". Aus dieser Haltung heraus entstehen natürlich auch viele "Notfälle".

Mein Tipp an Dich ist: Geh mit Deinem Mann in ein Geburtshaus und lasst Euch beraten! Sprich die Hebammen dort an auf die Befürchtungen!

Herzliche Grüße
Simone (35. SSW, entbinde im Geburtshaus)

Beitrag von kugeljac 22.02.06 - 11:32 Uhr

gucken wir mal zu unseren nachbarn in holland...die meisten kinder erblicken zu hause oder im geburtshaus das licht der welt.
die sterbichkeitsrate von mutter oder kind ist genauso niedrig wie in deutschland hmmm warum wohl??

Beitrag von coppeliaa 22.02.06 - 11:50 Uhr

zum geburtshaus kann ich dir leider nix sagen, da ich im krankenhaus entbunden habe. und da die geburt nicht ganz komlikationslos war (nabelschnur um körper und hals + ein echter knoten drinn - wenn der sich zugezogen hätte na dann gute nacht) werde ich zur zweiten auch wieder dahin gehen.

dammschnitt ist zumindest in meinem kh nicht routine, wird nur wenn notwendig durchgeführt, dieses haus kam auf eine rate von 20 % dammschnitt. der im übrigen nicht weiter schlimm ist, ich hatte auch horror davor, meiner (leider notwendig) ist gut verheilt, macht null probleme. und er geht übrigens nicht 'nach hinten' sondern auf die seite (d.h. der damm ist ansich gar nicht geschnitten worden).

meine schwägerin hatte schnitt und riß. sie berichtet aber nicht von "riß = besser als schnitt" sondern vom gegenteil: der schnitt ist gut verheilt, der riß hat ihr ca ein dreiviertel jahr probleme bereitet. weiß nicht obs immer so ist.

lg co

Beitrag von orcanamu 22.02.06 - 12:16 Uhr

Nachtrag:

Eigene Erfahrungen habe ich bezüglich dammschnitt oder -riss nicht, aber in meinem Geburtshaus wird auf jeden Fall nicht geschnitten.
Meine Hebamme sagt dazu, dass ein Riss (wie Du schon schreibst) besser verheilt als ein Schnitt und dass im Krankenhaus geschnitten wird, weil das einfacher und schneller zu nähen ist als ein Riss (geschnitten ist es schön gerade und so). Aus ihrer Erfahrung im KH meinte sie aber, dass die gerissenen Frauen weniger Probleme hatten als die geschnittenen und dass viele Schnitte prophylaktisch gemacht werden, also dass die Frauen vielleicht gar nicht gerissen wären, nun aber einen Schnitt hatten.

Das hängt aber auch vom KH ab. Manche haben eine Dammschnittrate von über 70%, andere weit darunter.

Gruß
Simone

Beitrag von luise.kenning 22.02.06 - 13:39 Uhr

Hallo Tamara,

ich habe meine TOchter vor 11 MOnaten im Geburtshaus geboren und das war eine der besten entscheidungen meines lebens. wissen musst du folgendes:

wenn du eine geburt im gebursthaus anstrebst, wird die hebi dich nur dann "annehmen", wenn du gesund bist, das kind gesund ist und sie 100%ig davon überzeugt ist, dass es keine komplikationen gibt. also keine bel, keine zwillies, keine mütter mit gebrochenem bein o.ä.

sollte es wider erwarten unter der geburt doch zu komplikationen kommen, hat die hebi die PFLICHT, dich sofort in KH zu bringen und wird das auch tun. (wehenschmerzen gelten nicht als komplikation)

im geburtshaus steht dir keine betäubung und keine pda zur verfügung, dafür aber ruhe und intimität. du darfst in DEINEM tempo gebären.

dammschnitte werden in krankenhäusern meist nicht gemacht, weil sie notwendig sind, sondern weil die ärzte und hebammen dort unter einem anderen zeitdruck stehen.. und mit nem schnitt ist das kind schneller da...

du kannst dir sicher sein: gebären schmerzt. aber mutter sein und mutter werden entschädigt für alles. mich hats tief beeindruckt und ich würde nie im kh gebären wollen, wenns nicht notwendig wäre (kind krank, risikoschwangerschaft)

du kannst mich gerne anmailen, wenn du Fragen hast.


LG

Luise und Marie *24.03.2005

Beitrag von tonni 22.02.06 - 21:42 Uhr

hey luise,
du buist aber ganz schön regelässig hier zu finden, find ich prima!

zum Thema geburtshaus @tamara:
ich habe zufällig eine woche vor luise mit derselben hebamme und im selben geburtshaus meine tochter zur welt gebracht.

ich kann nichts anderes sagen als wunderbar und luise bzgl. der risiken und nur komplikationen zustimmen.

ich war sicher, mir, meinem körper und meinem kind, dann meiner hebamme und meinem mann vertrauen zu können und zu wollen, dass wir das hinbekommen in geborgenheit, ruhe und wunderschöner atmosphäre.

ich würds wieder tun, sofern die rahmenbedingungen bzgl der Ss stimmen.

LG tonni

Beitrag von dombini 23.02.06 - 11:37 Uhr

Hey Tonni,

in welchem Geburtshaus hast Du Deine Tochter geboren. Deine PLZ ist bei mir in der "Nähe" ;-)

Lieben Gruß,
Tamara

Beitrag von luise.kenning 23.02.06 - 11:46 Uhr

Hallo Tamara,

ich antworte mal:

Tonni und ich waren im Geburtshaus Wuppertal e.v.


Luise

Beitrag von dombini 23.02.06 - 17:36 Uhr

Hy Luise,

ach ja genau bei Wuppertal. Na, das ist doch noch ein Stück weg von mir. Wohne in der Nähe von Moers und schaue mir nächste Woche das Geburtshaus in Geldern an. Bin schon ganz neugierig!!!

Danke für die Antwort!

Gruß,
Tamara

Beitrag von tonni 24.02.06 - 14:25 Uhr

hallo tamara und luise,

genau;-), dankeschön luise!

auch zu finden unter http://www.geburtshaus.wtal.de

aber ist vielleicht doch n bisschen weit von 47...

LG tonni

Beitrag von schnuffimaus72 22.02.06 - 15:11 Uhr

Hallo Tamara,ich habe meinen Sohn am 20.8.05 im Geburtshaus bekommen.Die Hebammen (bei der Geburt sind es immer 2)kannte ich schon während der ganzen Schwangerschaft.Es war keine leichte Geburt,aber sie haben mich so sehr unterstützt und das Verhältnis war richtig freundschaftlich und vertraut.Ich bin ziemlich sicher,daß ich es im KH nicht geschafft hätte.Leider bin ich ziemlich gerissen,aber die Hebamme hat super genäht(auch ein Argument fürs GH-die Ärzte im KH nähen nämlich manchmal nach dem Motto:"Hauptsache zu!")und ich hatte keinerlei Probleme damit.Nach der Geburt(mit Kerzenschein,Duftlampe...)lag Marius friedlich in seinem roten(!)Handtuch auf meinem Bauch,während die Hebamme mir Suppe gekocht hat...nach 4 Stunden war ich dann wieder zu Hause.Würde es immer wieder so machen,das mit den Risiken ist Quatsch.Die Hebammen lassen es zu Notsituationen gar nicht kommen,vorher wirst Du verlegt.Wie sagte meine Hebamme so schön:"Die Frauen im GH wollen gebären,die Frauen im KH wollen entbunden werden!"So isses!! Liebe Grüße

Beitrag von bibabutzefrau 23.02.06 - 13:06 Uhr

schön geschrieben...das motiviert mich unser 2. Kind (das noch irgendwo als Seelchen im Universum schwebt:-) irgendwann mal im GH zu entbinden

LG Tina ...(erste Toochter im KH wegen BEL aber dennoch spontan)

Beitrag von tekelek 22.02.06 - 15:34 Uhr

Hallo Tamara !
Ich hatte beim ersten Kind eine Hausgeburt und werde das zweite wieder zu Hause bekommen.
Ich wollte erst ins Geburtshaus, habe mich aber kurz vor ET umentschieden, da es kaum einen Unterschied macht, ob Du im Geburtshaus oder zu Hause bist ...
Mein Mann war erst skeptisch und ist mittlerweile eifriger Verfechter der Hausgeburt ;-)
Ich kann Dir ein sehr gutes Buch empfehlen, "Die selbstbestimmte Geburt" von Ina May Gaskin - mir hat es sehr gut gefallen und ich habe auch von anderen gehört, daß sie ganz begeistert von dem Buch waren.
Ich hatte im Übrigen eine nicht ganz leichte Geburt, Emilia steckte eine Stunde fest während der Presswehen und ich hatte anschließend einen Dammriss 2.Grades, davon habe ich aber eine Woche später kaum mehr was gespürt, die Hebamme hatte das super genäht :-)
Für mich war es ein sehr positives Erlebnis und obwohl ich höllische Schmerzen hatte wie noch nie in meinem Leben, würde ich es immer wieder so machen - das schafft jede Frau !!
Liebe Grüße und bei Fragen, mail mir einfach,

Katrin mit Emilia-Sofie (*05.01.05) und #ei (ET 02.09.06)

Beitrag von dombini 22.02.06 - 16:04 Uhr

Hallo zusammen,

ganz lieben Dank erstmal für Eure teilweise sehr ausführlichen Antworten.
Es ist gut zu hören, bzw. zu lesen ;-) wie es Euch ergangen ist und dass sich auch die Sicht der Männer noch ändern kann. Ich kann ihn ja verstehen... es ist ja auch alles was er tun kann, sich um uns zwei zu sorgen. Händchen halten und Mitatmen. Und Vertrauen. Das entsteht in uns Frauen natürlich leichter. Wir sind verbunden mit dem kleinen Wesen in uns und der Natur.
#bla
Nungut, wir haben am 03. März Besichtigung und Infoabend im Geburtshaus, dann werden wir weitersehen. Ich melde mich sicher nochmal bei den Frauen, die im Geburtshaus entbunden haben bzw. bald entbinden!

Danke! Und danke auch für die Buchtipps.

Alles Gute und lieben Gruß,
Tamara

Beitrag von cinna1980 23.02.06 - 09:28 Uhr

Hallo Tamara,

auch ich wollte damals unbedingt im Geburtshaus entbinden, aber leider kam unsere Tochter dann als Frühchen.

Allerdings hatte ich meine Geburtshaus-Hebamme dann als Beleghebamme im Krankenhaus dabei und das war das beste, was in der Situation noch sein konnte.

Ich hatte volles Vertrauen zu ihr und sie hat alles allein gemacht, eine Ärztin hat nur zugesehen (wegen der Frühgeburt) und unsere Kleine dann schnell weggebracht.

Beim nächsten Kind würde ich dann zwar wieder ins Krankenhaus gehen, aber NUR mit eigener Hebamme.

Ich hab gemerkt, daß nicht die Räumlichkeiten so wichtig sind sondern daß Dich jemand entbindet, dem Du vertraust und auf den Du Dich verlassen kannst.

Vielleicht wäre das eine Alternative für Euch drei.

Alles Gute! #klee

Anne und Reni (20Monate)