Mache mir noch immer Vorwürfe "sehr lang"

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muss jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von anja_duisburg 23.02.06 - 13:44 Uhr

Hallo zusammen.
Bin durch einen Artikel hier im Forum wieder mit einem Gefühl konfrontiert worden, was ich seit Monaten verdrängen will.
Ich weiß nicht wie ich es erklären soll.
Am besten ich fange von vorne an.
Ich habe seit Sommer 2005 in einem Nebenjob in einen Kindertreff gearbeitet.
Im August kam eine neue Kollegin dazu.
Wir haben uns eigentlich ganz gut verstanden, aber sie war manchmal sehr geistesabwesend.
Irgendwie wie in gedanken.
Ab und zu war auch ihre Tochter bei uns im Treff. Sie war ein total liebes Mädchen. Sie war zwar in ihren Fähigkeiten auf dem Stand einer 6 Jährigen(war 9j) aber total lieb.
Bis unsere Kollegin nicht mehr zur Arbeit kam. Sie war für unseren Chef nicht mehr erreichbar und lies sich auch bei uns nicht mehr blicken.
Nur einmal kam ihre Tochter noch zu uns. Wir fragten wo ihre Mama ist. Sie sagte, sie wäre in der Nähe einen Kaffee trinken. Wir baten die Kleine, dass sie ihrer Mama Bescheid gibt, dass sie zu uns kommen sollte.
Die Mutter schickte die Kleine zurück zu uns, und lies ausrichten, sie käme am nächsten Tag bei uns vorbei.
Sie kam nicht.
Etwa 2 Wochen später kam die Kripo zu uns auf Arbeit.
Sie hatten ein Fahndungsplakat, dass die Kleine vor den Augen der Mutter im Fluss ertrunken sei.
Wir konnten und wollten nicht glauben,dass sie tot sein sollte. Wir hofften jeden Tag, dass sie lebend gefunden wird.
Zwei Wochen später wurde sie im Fluss gefunden.
Erst legte die Mutter ein Geständnis ab, dass sie danach aber widerrief.
Sie soll ihre Tochter ertränkt haben, aus Angst vor einem Sorgerechtsstreit.
Ich mache mir solche Vorwürfe.
Warum bin ich damals nicht zu ihr ins Cafe gegangen und habe mit ihr gesprochen???
Vielleicht hätte man Hilfe gefunden??
Vielleicht wäre die Kleine noch am Leben.
Ich habe irgendwie Hass auf meine Kollegin aber irgendwie auch Mitleid.
Sie hat ihr Kind so sehr geliebt. Sie hat sie so umsorgt, wenn sie bei uns waren.
Warum haben wir nichts gemerkt??
Warum haben wir mit ihr nicht geredet??
Ich kann nicht glauben, dass sie das getan hat.
Ich bin so traurig, wütend, enttäuscht.
Vielleicht hätte man es verhindern können.
Sorry für die Überlänge, aber es mußte mal raus.
Danke fürs Zuhören.
Gruß anja

Beitrag von pupsy 23.02.06 - 14:35 Uhr

********OHNE WORTE*****
#kerze#kerze#kerze#kerze#kerze

Beitrag von sonja31 23.02.06 - 15:49 Uhr

Hallo Anja,

Du musst Dir wegen dieser Sache wirklich überhaupt keine Vorwürfe machen. Wenn wir alle wissen würden, was in unseren Mitmenschen vorgeht, dürfe es ja überhaupt keine Verbrechen mehr geben.

Warum solltest Du die Situation erkennen, woran? Weil die Frau vielleicht keine Lust hatte Euch zu besuchen, daran kann man sehr schwer etwas deuten. Man hätte ja auch von Unlust ausgehen können.

Für das arme kleine Mädchen zünde ich eine #kerze an!!

Die arme Kleine, was kann sie für Probleme Ihrer Eltern!!
Schrecklich!!!

Aber Du kannst für diese Sache überhaupt nichts.

Liebe Grüße
Sonja

Beitrag von eineve 23.02.06 - 20:04 Uhr

und wenn du irgendwann mal eine kollegin bekommst, die du von innen heraus einfach hasst und ablehnst - könntest du dir vorstellen, das du dann nochmal mit dem gleichen/ähnlichen konfrontiert sein könntest?

im leben passieren solche dinge - nach jahren peng - die gleiche situation - nur die menschen sehen anders aus, haben einen anderen namen, das mädchen ein bub und evtl. älter. die chance erkanntes und gelerntes umzusetzten.

viel glück dabei.