Hilflos...mein Sohn schreit sehr häufig...

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Forum: Kleinkind

Das Leben mit kleinen Kindern ist wunderschön, nie langweilig aber auch ziemlich anstrengend. Da können Tipps von anderen Müttern oder Vätern viel Erleichterung und Hilfe in den Alltag bringen. Viele Infos rund um Ihr Kleinkind  (z.B. Kinderkrankheiten) findet ihr auch in unserem Magazin.

Beitrag von myla_1978 26.02.06 - 11:14 Uhr

Hallo ich brauche einen Rat.
Mein 17 Monate alter Sohn ist eigentlich bis jetzt sehr lieb und "pflegeleicht gewesen. Aber nun ist er in einer Phase, die ich persönlich sehr schwierig finde, da ich Angst habe etwas falsch zu machen, und damit einen entscheidenden Fehler in der Erziehung und seiner weiteren Entwicklung mache. Das Problem ist, das mein Sohn manchmal total schnell anfängt zu schreien und zu weinen ,wenn er etwas nicht will, oder etwas tun will was er nicht darf, oder bei Kleinigkeiten, wo ich manchmal gar nicht erkenne , was der Grund für sein Verhalten ist, ect... und er steigert sich dann immer mehr hinein ( manchmal sind es fast schon Wutanfälle ) . Ich kann ihn dann fast gar nicht beruhigen, denn jedes Wort verschlimmert die Sache nur noch. Dabei fühlen mein Mann und Ich uns sehr hilflos und verzweifelt. Was können wir tun, oder ist das normal in diesem Alter?

Beitrag von barbarella1971 26.02.06 - 11:38 Uhr

Ja das ist normal, es sind die ersten Trotzanfälle. Trotz ist nichts Negatives. Es ist das Entdecken des Kleinkindes, dass es einen eigenen Willen hat, der sich vom Wollen der Umwelt unterscheiden kann. Man sollte diese Gefühle also nicht unterdrücken, sondern durchleben lassen, so anstrengend es für die Eltern halt ist.
Es gibt zwei Taktiken:
1. ablenken. Funktioniert aber immer weniger, je älter er wird.
2. Gefühl des Kindes akzeptieren und für ihn in Worte fassen. Nicht schimpfen. Anwesenheit zeigen. Am Ende des Wutanfalls in den Arm nehmen, um Annahme des Kindes zu zeigen.

z.B. er wird wütend, weil er das Stück Kuchen nicht haben darf, was auf der Anrichte steht. Mama sagt nein, er wirft sich heulend auf den Boden. Mama kniet sich hin, streichelt über seine Wange und sagt: "gell, Du bist jetzt enttäuscht, weil Du den Kuchen nicht haben darfst". Er stösst Mamas Hand weg. Mama setzt sich neben ihn auf den Boden und schaut, wie viel Nähe er zulässt. Evtl. Hand auf den Bauch, vielleicht aber auch 1 m Abstand. Irgendwann wird er zu Mama kommen und sie ganz fest umarmen und nochmals fest weinen. Mama umarmt ihn und sagt, wie lieb sie ihn hat.

Es gibt zu dem Thema auch gute Ratgeberliteratur, z.B. "Starke Gefühle kleiner Kinder"
Als Mutter ist diese Phase ja enorm anstrengend, und es ist schon eine Herausforderung, dem Kind gegenüber annehmend zu bleiben. Wir kämpfen auch tagtäglich mit solchen Situationen. Aber ich schaffe es mittlerweile sogar in der Öffentlichkeit, mein schreiendes Kind seine Gefühle durchleben zu lassen, trotz aller "ts ts ts" der Omas im Supermarkt.

Viel Erfolg! Und denk dran, es ist wichtig für Deinen Kleinen, diese Phase durchzumachen. Barbara

Beitrag von myla_1978 26.02.06 - 12:02 Uhr

Vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich werde versuchen das so gut wie möglich umzusetzten. Dein Beispiel erinnert mich absolut an meine Situationen mit meinem Kleinen. Ich hoffe, dass wir das meistern. Und nochmals danke für den Buchtip!!!
L. G. Mylene

Beitrag von barbarella1971 26.02.06 - 22:24 Uhr

Hallo nochmals,
der Buchtip war falsch angegeben. Untenstehend nochmal eine Literaturliste zum Thema starke Gefühle. Da ich in einem Elternbildungskurs zu dem Thema war, habe ich eben nochmals in den Unterlagen gestöbert und folgende step-by-step-"Anleitung" gefunden. Vielleicht hilft sie Euch weiter:

1. Wut/Trotz akzeptieren
2. Gefühl des Kindes aushalten
3. darauf achten, dass niemand zu Schaden kommt
4. Kind soll sich nach dem Wutausbruch wieder angenommen fühlen
"Vorbeugen": -Wahlmöglichkeiten anbieten, ablenken

Ich muss sagen, wir fahren mit diesem Umgang mit Trotz sehr gut. Ich persönlich finde es wichtig, die Gefühle meiner Tochter in Worte zu fassen, da sie noch nicht redet. Und die Gefühle sind für sie nicht gerade angenehm, sie wirkt selber recht verwirrt über das, was da mit ihr passiert.

Liebe Grüsse, Barbara



- Kleine Kinder-grosse Wut; Soforthilfe und dauerhafte Lösungen, Margarete Kümpel, Ravensburger Verlag, 2002, leider vergriffen!
Grenzen setzen, Auszeit nehmen, Entspannung und Spiele - so heißen die Erfolgsrezepte dieses Ratgebers, die wütenden Kindern und ihren Eltern im 'akuten Notfall' weiter helfen. Auf lange Sicht empfiehlt sich, dass Eltern ihr eigenes Verhältnis zu Ärger und Wut hinterfragen und definieren. So können sie erkennen, wie viel Positives in den lautstarken kindlichen Affekten steckt: Willensbildung, Selbstbewusstsein und Durchsetzungskraft.

- Wütend, toben, traurig sein; starke Gefühle bei Kindern, Aletha J. Solter, Kösel Verlag, München 2001. Wenn Kinder plötzlich schreien, wild um sich schlagen oder scheinbar unaufhörlich weinen, sind Eltern oft verunsichert. Dabei sind solche Verhaltensweisen oft der Ausdruck starker Gefühle wie Trauer, Angst, Schmerz, Zorn, Enttäuschung. Das Buch zeigt, wie wir Kindern das Gefühl emotionaler Sicherheit geben können, um seelische Spannungen abzubauen.

- Bleib bei mir, wenn ich wütend bin
Wut und Aggression: So helfe ich meinem Kind.
Kaiser, Thomas, Christophorus-Verlag GmbH, Freiburg im Breisgau, 1998
Auch Wut tut Kindern gut. Deshalb dürfen Kinder schon mal richtig sauer sein. Aber wenn die Wut überhand nimmt, wenn sie umschlägt in Aggression, ist ein offenes und harmonisches Miteinander kaum mehr möglich. Beispiele und Anregungen zum Umgang mit Aggressionen bei Kindern.

Beitrag von sunnysun27 26.02.06 - 12:26 Uhr

Hallo Barbara,
ich wollte mir bei Amazon grad mal deinen Buchtipp anschaun.
Leider kommt da garnichts.
Mgast du nochmal schaun, wie das Buch ganz genau heißt und auch wie der Autor heißt?
LG, Sunny

Beitrag von barbarella1971 26.02.06 - 22:26 Uhr

Hallo nochmals,
der Buchtip war falsch angegeben. Untenstehend nochmal eine Literaturliste zum Thema starke Gefühle. Da ich in einem Elternbildungskurs zu dem Thema war, habe ich eben nochmals in den Unterlagen gestöbert und folgende step-by-step-"Anleitung" gefunden. Vielleicht hilft sie Euch weiter:

1. Wut/Trotz akzeptieren
2. Gefühl des Kindes aushalten
3. darauf achten, dass niemand zu Schaden kommt
4. Kind soll sich nach dem Wutausbruch wieder angenommen fühlen
"Vorbeugen": -Wahlmöglichkeiten anbieten, ablenken

Ich muss sagen, wir fahren mit diesem Umgang mit Trotz sehr gut. Ich persönlich finde es wichtig, die Gefühle meiner Tochter in Worte zu fassen, da sie noch nicht redet. Und die Gefühle sind für sie nicht gerade angenehm, sie wirkt selber recht verwirrt über das, was da mit ihr passiert.

Liebe Grüsse, Barbara



- Kleine Kinder-grosse Wut; Soforthilfe und dauerhafte Lösungen, Margarete Kümpel, Ravensburger Verlag, 2002, leider vergriffen!
Grenzen setzen, Auszeit nehmen, Entspannung und Spiele - so heißen die Erfolgsrezepte dieses Ratgebers, die wütenden Kindern und ihren Eltern im 'akuten Notfall' weiter helfen. Auf lange Sicht empfiehlt sich, dass Eltern ihr eigenes Verhältnis zu Ärger und Wut hinterfragen und definieren. So können sie erkennen, wie viel Positives in den lautstarken kindlichen Affekten steckt: Willensbildung, Selbstbewusstsein und Durchsetzungskraft.

- Wütend, toben, traurig sein; starke Gefühle bei Kindern, Aletha J. Solter, Kösel Verlag, München 2001. Wenn Kinder plötzlich schreien, wild um sich schlagen oder scheinbar unaufhörlich weinen, sind Eltern oft verunsichert. Dabei sind solche Verhaltensweisen oft der Ausdruck starker Gefühle wie Trauer, Angst, Schmerz, Zorn, Enttäuschung. Das Buch zeigt, wie wir Kindern das Gefühl emotionaler Sicherheit geben können, um seelische Spannungen abzubauen.

- Bleib bei mir, wenn ich wütend bin
Wut und Aggression: So helfe ich meinem Kind.
Kaiser, Thomas, Christophorus-Verlag GmbH, Freiburg im Breisgau, 1998
Auch Wut tut Kindern gut. Deshalb dürfen Kinder schon mal richtig sauer sein. Aber wenn die Wut überhand nimmt, wenn sie umschlägt in Aggression, ist ein offenes und harmonisches Miteinander kaum mehr möglich. Beispiele und Anregungen zum Umgang mit Aggressionen bei Kindern.

Beitrag von zenaluca 26.02.06 - 12:05 Uhr

Hallo!

Ich kann mich barbarella nur anchließen. Das ist anstrengend aber völlig normal und wichtig.

Eliano bekommt schon seit Monaten Trotzanfälle und inzwischen habe ich mich auch daran gewöhnt. Er bekommt sie, weil er die Einkaufstüten nicht im Treppenhaus ausräumen darf; weil er nicht in Strümpfen auf die naße Dachterrasse darf; weil ich ihn nicht am heißen Herd spielen lasse usw.

Bei Eliano ist es auch das beste, wenn ich ihn zunächst ignoriere und vor allem nicht anfasse, ich bleibe aber in der Nähe. Wenn er sich wieder beruhigt hat, erkläre ich ihm, warum er das nicht durfte (zum x. mal! ;-)) und dann ist die Welt auch schon wieder in Ordnung. Umarmen o.ä. will Eliano nicht.

Man brauch strake Nerven, vor allen in der Öffentlichkeit - da muß ich auch immer aufpassen, dass er sich beim auf den Boden schmeißen nicht weh tut.

Liebe Grüße und gute Nerven,

Larissa + Eliano (15.09.04)