Falsch anerzogenes Verhaltensmuster gefährdet meine Beziehung

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von black 27.02.06 - 15:20 Uhr

Guten Tag, allerseits!

Ich habe ein großes Problem.
Es geht um mich und die Erziehung meiner Mutter an mir.
Meine Mutter war/ist immer schon schwierig und dies ist noch untertrieben.
Sie hat mich mein Leben lang psychisch und in meiner Kinder- und Jugendzeit auch körperlich aufs übelste mißhandelt.
Ich war froh, als ich endlich "alt genug" war auszuziehen. Alt genug, heißt in diesem Fall 16. Nichts auf der Welt hätte mich noch einen Tag länger in diesem Haus gehalten.
Ich verabscheue und verachte sie und niemals wieder werde ich zulassen, dass sie mir oder meinen Kindern das selbe antut, wie sie es mit mir getan hat.
Nachdem ich mir immer wieder Auszeiten von ihr genommen habe, habe ich nun seit 2 jahren gar keinen Kontakt mehr zu ihr, weil sie den Bogen endgültig überspannt hat.
Sie ist und bleibt ein Tyrann, der einsam sterben wird.

Niemals wollte ich so werden wie sie. Sie hat meinen Vater massiv unter ihrem Pantoffel gehabt und keiner hatte Recht außer sie, keiner hatte Ahnung und sie war der Nabel der Welt.

Ich war immer der Meinung, ich würde das besser machen und mich davon nicht beeindrucken lassen.
Das klappte auch. Solange bis sich dieses Muster auch bei mir einschlich.

Ich habe den liebsten, besten und fürsorglichsten Mann, den Frau sich wünschen kann. Es fehlt mir an nichts, wir haben nun auch ein gemeinsames Kind, beseitzen 2 Autos, müssen nie auf den Cent schauen.
Wir haben einfach alles was man sich wünschen kann und ich weiß im Gegensatz zu ihm, all das auch zu schätzen, weil ich vor viele Jahren selber fast in der Gosse gelandet wäre.
Alles müsste gut sein.
Ich schnauze ihn dauernd an, bin krankhaft eifersüchtig, schlecht gelaunt, obwohl ich mich eigentlich auf ihn freue, wenn er nach Hause kommt. Ich behandel ihn so oft ungerecht, werfe ihm Dinge vor, von denen ich genau weiß, dass sie nicht stimmen können, verletze ihn mit Sachen, wo ich genau weiß, dass sie ihn hart treffen und ich erkenne immer öfter, meine eigene Mutter in mir wieder.
Das darf nicht sein!!! Ich will so nicht sein!!!
Ich werde ihn verlieren, wenn ich mich nicht in den Griff bekomme und dies ist das letzte, was ich will!

Was soll ich denn nur tun?

black

Beitrag von pegasus 27.02.06 - 15:27 Uhr

Hallo du #liebdrueck;ich würde es ernsthaft mal mit einer Therapie versuchen diesbezüglich;habe nämlich ähnliches erlebt ,aber Therapie abgebrochen,was ich heute bereue und rede mit deinem Mann,das ist auch sehr wichtig;vielleicht zeigt er ja Verständnis.LG Ramona

Beitrag von black 27.02.06 - 15:33 Uhr

Hallo Ramona,

ich will keine Therapie machen. Ich habe eine aufgrund von Panikattacken hinter mir und habe dazu momentan keine Kraft und Energie.
Ich muss selber an mir arbeiten und es wäre toll, wenn mir jemand hier Wege aufzeigen könnte wie ich mich selber besiegen kann.

Mein Mann hat alles Verständnis der Welt, aber ich frage mich manchmal insgeheim, wie lange das noch so sein wird.

black

Beitrag von mariella70 27.02.06 - 16:46 Uhr

Liebe Black,
wenn du eine körperliche Krankheit hättest, sagen wir mal Herzprobleme, und da müsste was operiert werden, damit du wieder richtig die Treppe hochsteigen könntest, würdest du dann auch sagen: Ich will keinen Profi ranlassen, ich stocher mir selber in der Brust rum und hoffe, dass es besser wird? Ich hatte mal ne Blinddarm-Op und die war blöd, deshalb lasse ich keine OP´s mehr an mir zu...
Wenn du als misshandeltes Kind lernen willst, wie man liebt, vor allem, wie man es aushält geliebt zu werden (das ist doch dein Problem, oder), dann geht das nur mit professioneller Hilfe.
Ich spreche da aus Erfahrung. Ein zentrales Kindheitstrauma wird völlig anders behandelt als Panikattacken. Die therapeutischen Gespräche werden hierbei normalerweise als tröstend, erleichternd und befreiend empfunden, nur selten als anstrengend. Es gibt keinen größeren Gefallen, den man sich und seinem Partner tun kann. Wenn ihr finanziell keine Probleme habt, dann kannst du dir eine selbstgewählte Therapie leisten, die zu dir passt und bei der du dich 100% wohl fühlst.
Ach ja und "besiegen" solltest du dich nicht, denn dem Sieg geht immer ein Kampf voraus und sich selbst zu bekämpfen ist das Gegenteil von dem, was dich heilen kann. Ich glaube, sich selbst anzunehmen, wie man nun mal ist, mit sich achtsam und liebevoll umzugehen ist der erste Schritt zu einer guten Partnerschaft.
Glaub mir, ich konnte meine Mutter erst nach 3 Jahren Therapie so einordnen, dass ich in die Lage kam, eine aufrichtige und liebevolle Beziehung zu führen. Jede Sitzung war eine Erlösung, jeder Durchbruch eine Befreiung. Es war das Beste, für das ich je in meinem Leben Geld ausgegeben habe.
Ich wünsche dir alles Gute
Mariella

Beitrag von tulpenmaus7 27.02.06 - 20:55 Uhr

hallo Black,

kann es sein , dass du insgeheim Angst hattest, so zu werden wie deine Mum? Das ist eine Selbsterfüllende Prophezeiung. Ich habe mir auch vorgenommen, keine Therapie zu machen, hatte schon mal eine. Ich arbeite mit meinem Unterbewusstsein, und ich mache große Fortschritte. Ich empfehle dir (wenn ich das hier ausnahmsweise darf)#gruebel buecher.de einzugeben, und nach dem Buch " Die Macht des Unterbewusstseins" zu suchen und zu bestellen. Ich kann es dir aus eigener Erfahrung sehr gut empfehlen. Natürlich rede ich auch mit meinem Freund darüber und was sehr wichtig ist, er zeigt mir ganz klar die Grenzen und weißt mich in die Schranken, wenn ich grob werde.

Viel Erfolg TM#blume

Beitrag von kruemlschen 27.02.06 - 15:31 Uhr

Hallo black,

entweder Du bringst die Kraft auf an Dir selbst zu arbeiten, sprichst sehr viel mit Deinem Mann und Ihr überlegt gemeinsam was man tun kann, damit Du Dein Verhalten in den Griff kriegst.
Oder, Du suchst Dir einen Psychotherapeuten und arbeitest die Erlebnisse Deiner Kindheit auf.

Ich glaube ehrlichgesagt nicht, dass Du das ganz alleine in den Griff bekommst, also schreibe ich nicht "arbeite an Dir" Das musst Du sicherlich tun, aber ganz alleine ist das sehr sehr schwer, wenn nicht unmöglich.

LG Krüml #mampf

Beitrag von kabama44 27.02.06 - 15:41 Uhr

Therapie machen , sonst geht die Ehe irgendwann denn Bach hinunter!!!

lieben Gruß
Kabama44

Beitrag von jane007 27.02.06 - 17:04 Uhr

Hallo Black,

ich glaube viele Menschen nehmen sich vor, das Besser zu machen wovon er oder sie meint das die und die Erziehung der Eltern nicht gut ist. Es sind natürlich die Dinge die einen selber stören. Teilweise klappt das später auch. Oft auch nicht.

Dennoch, in der Kindheit wird man "erzogen" und erlebt viele Dinge. Es sind noch nichtmals nur die Eltern die in einem selber Verhaltensmuster entstehen lassen. Es sind auch dabei Geschwister, Großeltern, Erzieher, Lehrer.
Wie dem auch sei, man wird zu einer individuellen Persönlichkeit mit seinen eigenen Verhaltensmustern und Abwehrtechniken. Das ganze läuft dann unbewusst ab.

So wie Du beschreibst, reagierst Du auf eine unnette Art und Weise, so daß Du Deine Ehe gefährdest.
-> Da ist doch schon der erste große Schritt geschafft! Nämlich das Du weißt, das Dich Dein Mann irgendwann verlassen wird, nämlich dann wenn es ihm "reicht". Und irgendwann ist das Fass mal voll.

Vermutlich willst Du Dich gerne ändern, aber beim nächsten mal verhälst Du Dich wieder ganz genauso. Vielleicht bist Du Dir ihm auch zu sicher. Du denkst, er verlässt Dich sowieso nicht. (Denk das nichct, auch Dein Mann hat eine verletzliche Seele. Und viele Männer "leiden" im Stillen, aber irgendwann reißen sie sich los.)

Logisch willst Du nicht so sein, aber verzeih, Du bist so. Aber noch was. Es ist nicht schlimm. Du hast es Dir selber schon eingestanden, und das ist der erste riesengroße Schritt den Du überhaupt machen konntest.

Sag nicht zu Dir selber: "ich will nicht so sein", denn Du bist so. Versuche Dich anzu-erkennen, versuche Deine Schwächen anzunehmen und zu sagen: Ja, ich habe ihn verletzt. Ich habe ihn beschimpft. Ich war eben gemein. Aber sage Dir nicht: ich will nicht so sein. Nur wenn Du Dir die schlechten Dinge eingestehst, kannst Du etwas bei Dir selber bewirken. Was spürst Du eigentlich wenn Du so zu ihm bist?

Ja, und um diese Verhaltensmuster zu knacken, bzw. sich auf lange Sicht zu ändern, um herauszufinden WARUM man so reagiert und nicht anders..... und warum man auch gar nicht anders kann......

das kannst Du nur mit Hilfe einer Therapie. Aber Vorsicht, Therapie ist nicht gleich Therapie. Es gibt viele die sich Therapeut nennen dürfen.

Es ist super eine analytische tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie zu machen, im schönsten Fall eine Analyse (das dürfen aber nur spezielle Psychotherapeuten mit Zusatzausbildung / langes Studium).
Überhaupt nicht gut ist eine Verhaltenstherapie (Verhaltenstherapeuten). Denn die arbeiten nur an der Oberfläche. (Ich spreche aus meiner Erfahrung).

Als Beispiel: Ich war immer sehr schüchtern, ängstlich. Dann sagte mir die Verhaltenstherapeutin bei der ich anfangs gelandet war: dann gehen sie jetzt mal alleine ins Kino. Ja, dann machte ich das. OK. Da hab ich bei mir gedacht, das ist es nicht, mir Dinge aufzuerlegen die ich mir eigentlich nicht traue. Denn das kann ich machen, schaffe es auch, aber es löst mein Problem nicht. Denn die Ängstlichkeit bleibt irgendwo.
Ich wollte an die Tiefe und wissen warum ich so bin, und ändern wollte ich mich sowieso. Ja, und dann hab ich weiter geschaut. Irgendwie dachte ich mir, es muss eine bessere Art der Therapie geben. Ja, und so ist es.

Ich mache eine Analyse. Ich würde es immer wieder machen, kann es Dir nur raten und empfehlen. Es ist das beste was mir je passiert ist.

Falls Du möchtest, ich erzähl Dir auch gerne mehr.

LG Jane





Beitrag von dreamw29 27.02.06 - 17:48 Uhr

Es gibt nur eine Antwort: THERAPIE.
Ansonsten kommst du aus diesem Teufelkreis nicht raus und deine Ehe geht in die Brüche. Dann wirst du dich hassen.
Muss alles nicht sein.
Also ab zum Hausarzt, vielleicht kennt er einen guten Therapeuten in deiner Stadt. Warte nicht damit, bis es zu spät ist.

Beitrag von manavgat 27.02.06 - 18:33 Uhr

Such Dir eine gute Psychotherapeutin, die Dir hilft, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Deine Beziehung sollte Dir das wert sein.

Schlechte Verhaltensmuster kann man - mit Unterstützung - verlernen.

Gruß und alles Gute

Manavgat