Ich kann "Hab kein Bock!" nicht mehr hören...!!

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Forum: Jugendliche

Viele Eltern sehen der Pubertät ihrer Kinder mit Schrecken entgegen. Welche Probleme tauchen wirklich im Zusammenleben mit einem Teenager auf? Was, wenn AlkoholDrogen und Verhütung zum Thema werden? Tauscht hier eure Erfahrungen mit anderen Teenie-Eltern aus.

Beitrag von winterfee 28.02.06 - 16:30 Uhr

Hallo miteinander,
ich bin 38 und alleinerziehende Mama eines fast 17-jährigen Teenagers. Wir leben alleine und sind eigentlich ein gut eingespieltes Team. Mein Sohn ist mal abgesehen von Schule und lernen, eigentlich äußerst pflegeleicht und gut zu händeln. Er raucht nicht, trinkt nicht, hat nette Freunde und wir haben gutes Vertrauen zueinander.

Unser großes Problem ist die Schule. Er besucht jetzt die 10. Klasse und wird...hoffentlich...die Fachoberschulreife schaffen...zwar sicher mit ach und krach aber ich glaub schon, dass er es packt.

Er geht zwar täglich hin zur Schule, hat noch nie geschwänzt oder so, aber er tut ansonsten nix für die Schule. Sein Leben besteht momentan aus Freunden, Internet, Musik, abhängen...
Fange ich mal vorsichtig an zu fragen nach Schule etc, dann blockt er völlig.
Dazu muss ich vielleicht sagen, dass er immer schon zu kämpfen hatte in der Schule, es fiel ihm immer schwer...ich hab ihn jetzt 10 Jahre durch die Schule geschleift...hab geredet und geübt, gestritten. Seit der 1. Klasse fällt es ihm einfach unendlich schwer. Trotzdem hat er sich bis zur 10. durchgekämpft...was ich ihm sehr hoch anrechne. Vor allem Mathe fällt ihm besonders schwer.

Nun steht die Lehrstellensuche an. Sein letztes Zeugnis war eher schlecht. Außer dass er Koch werden möchte, hat er keine Vorstellung was sonst noch möglich wäre. Er unternimmt nichts. Bisher hab ich alle seiner Bewerbungen geschrieben. Ich weiß, dass des falsch ist, aber was soll denn werden? Manchmal denke ich wirklich, es wäre vielleicht besser er würde die Konsequenzen für sein diesbezügliches Verhalten selber erfahren müssen, und müßte somit riskieren, dass er ohne Lehrstelle da steht. Bis jetzt kamen ohnehin nur Absagen. Es macht ihn zwar kurz traurig, aber wirklich interessieren tut es ihn scheinbar nicht. Irgendwie glaubt er wohl an ein Wunder und denkt, dass sich alles irgendwie noch regeln wird. Allerdings ohne sein zutun.

Ich muss gestehen, dass mir oft auch die Ideen und die kraft ausgeht. Immer diese Kämpfe...!! Spreche ich das Thema nicht an, herrscht hier absolute Ruhe und Frieden. Nur wehe ich versuch diesbezüglich ein Gespräch...dann brennt hier stehenden Fußes die Luft.

Dabei denk ich, dass er sehr gut seinen Weg gehen könnte, er ist ein Netter...ich glaub Arbeiten liegt ihm mehr als täglich Schule. Aber was soll ich tun? Ihn in sein Dilemma rennen lassen? Alles laufen lassen bis er sich selber besinnt?

Könnt ihr mir raten?
Verzweifelte Grüße,
Steffi

Beitrag von manavgat 28.02.06 - 17:57 Uhr

In welchem Bundesland/Postleitzahlengebiet lebt ihr?

Erfahrungsgemäß kann ich Dir sagen, dass die meisten die in der 10. Schwierigkeiten haben, gar nicht wissen, wie man lernt bzw. wo sie anfangen sollen.

Zum zweiten ist es sowieso uncool auf das zu hören, was Muttern sagt.

Wenn Dein Sohn Lust hat, dann kann er seine Sicht der Dinge mal schildern und mich über VK anmailen.

Gruß

Manavgat

Beitrag von lichtchen67 01.03.06 - 11:16 Uhr

Hallo Steffi,

ich bin 39 und auch alleinerziehend mit 19-jährigem Sohn, der grad mitten im Abi steckt.

ich kann Dir zwar nicht helfen, aber gut nachvollziehen, wie es Dir geht. Mein Sohn wird wohl das Abi schaffen - aber leider schlecht.

Und das auch ausschließlich, weil er stinkenfaul ist und rein gar nichts für die Schule macht. Wie bei Euch, Freunde, I-net, abhängen, lesen etc.

Einen einzigen Berufswunsch hat er, da hat er es immerhin geschafft, nachdem wir Eltern immer wieder bis zur Schmerzgrenze genervt haben, eine Bewerbung zu verschicken und ist jetzt auch eingeladen worden *immerhineinerfolg*. Nur wenn das nix wird #gruebel...

Aber es ist ein Junge #huepf. Wenn das nichts wird, dann macht er erstmal seinen Wehrdienst. Wäre das eine Möglichkeit bei Euch, wenn Deiner auch schon 17 ist?
Weißt Du, ich kenne letztendlich auch aus dem Freundeskreis keinen - egal ob Junge oder Mädchen - der oder die zielstrebig ihren Weg verfolgt und weiß, was er/sie werden will. Und als ich im Abi war, war es auch nicht viel anders. Mein "Mann" (wir sind nicht geschieden...) hat nach der Schule ein Jahr lang rumgehangen... heut ist er Geschäftsführer. Ich kenn viele solcher Beispiele ;-)

Laufen lassen bis er sich selber besinnt? Ja manchmal ist das ganz hilfreich - aber dazu braucht man gute Nerven...
Alles nicht so einfach #liebdrueck

lg
lichtchen #aha

Beitrag von angelina82 01.03.06 - 17:07 Uhr

Hallo Steffi!

Also ich wuerde ihn mal so fragen, ob er schon eine Alternative dafür hat, wenn er keine Lehrstelle bekommt? Also ein Praktikum oder wie vorhin erwaehnt Wehrdienst. Die meisten in dem Alter haengen nur ab und wissen eigentlich nicht, dass sie sich die Pfeiler der Zukunft ansaegen, aber es ist nunmal so. Er ist 17 von daher sollte er langsam selber die Entscheidungen treffen. Das du ihm die Bewerbungen schreibst ist falsch, du kannst ihm zwar helfen, aber das soll er selber schon tun. Du solltest ihm aber sagen, dass wenn er keine Lehrstelle bekommt, er nicht einfach nur so daheim abhaengen kann, er sollte sich nach Alternativen umschauen. Wenn er Koch werden will, hat er ja viele Möglichkeiten auch Praktikas zu machen. Klar, man wird zwar nicht bezahlt, aber vielleicht kriegt er ja dann mehr Lust nach einer Azubi-Stelle zu suchen.
Du kannst ihm ja einen Brief schreiben (hoert sich zwar bloed an aber manchmal hilft das) wo du ihn darauf aufmerksam machst und er solle dir dann auch per Brief antworten, wenn er ja immer wenn man mit ihm dirket sprechen möchte abblockt. Ansonsten kannst du nicht wirklich viel tun, nur ihn damit drohen, das er den Haushalt führen kann, falls er nichts bekommt, also Wäsche waschen, kochen, bügeln usw. Schliesslich kann er ja nicht einfach daheim rumhängen.
Ich wünsche dir alles gute.

angelina82

Beitrag von winterfee 01.03.06 - 20:02 Uhr

Hallo,
danke für eure Antworten.

Er hat sich schon Gedanken um seine Zukunft gemacht...aber irgendwie sieht er alles doch recht easy...findet er keine Lehrstelle, dann will er ein Jahrespraktikum im Küchenbereich suchen...das fördert sogar das Arbeitsamt mit etwas Lohn.
Noch hofft er, dass irgendeine seiner (meiner) Bewerbungen Erfolg hat.
Briefe schreiben brauch ich ihm nicht, er spricht schon noch mit mir, wenn ich ihn quasi zur Aussprache zwinge. Es ist nur unheimlich angstrengend. Und zerrt an den Kräften. Immer wieder die gleiche Leier.

2 Praktika hat er bereits in einer Küche absolviert...und ich glaube inzwischen auch wirklich, dass er in diesem Bereich lehrstellenmäßig gut aufgehoben wäre. Aber von nix kommt eben nix.

Das es falsch ist, die Bewerbungen für ihn zu schreiben, ist mir schon klar, aber ihn gegen die Wand laufen lassen kann ich auch nur schlecht. Ich denke, das ist für viele nachvollziehbar.

Beitrag von max_guevera 02.03.06 - 15:50 Uhr

Manchmal muss man die Kids vor die Wand laufen lassen, damit sie lernen Eigenverantwortung zu übernehmen.
Er sieht es easy, weil er weiss, Mama kümmert sich schon.
Es ist schwer für die Eltern zusehen zu müssen, wie Sohn oder Tochter schlechte Noten kassieren und eine Ehrenrunde drehen, in den meisten Fällen ist es aber für die Kinder ein heilsamer Schock.
Dein Sohn ist 17 Jahre, im rechtlichen Sinne bald Volljährig. Wenn er die Rechte eines Erwachsenen genießen will, muss er auch lernen, mit den Pflichten zu leben.
Ich kann dir nur raten, es ihm nicht zu einfach zu machen und Aufgaben zu übernehmen, die nicht deine sind.
Setz dich mit ihm zusammen und besprich mit ihm die Zukunft, dass Leben nach der Schule. Zeig ihm auf, welche Möglichkeiten er hat, wenn er sich am Riemen reisst und was passiert, wenn er untätig bleibt.
Unterstütze ihn, aber nimm ihm die Arbeit nicht ab.
Gruß
Max

Beitrag von bina69 07.03.06 - 16:32 Uhr

Hallo Du,

ich kann bei den Teenies zwar noch nicht mitreden (unsere sind noch etwas jünger), aber bei dir fällt mir spontan eine gute Freundin von mir ein. Sie haben vier Kinder, die Jünste gerade aus dem Haus. Einer ihrer Söhne hatte auch null Bock auf nix, bis sie ihn schliesslich mehr oder minder - und mehr mehr! - vor die Tür gesetzt haben. Und siehe da, er hat eine Ausbildungstelle, verdient Geld, und hat sich gut gemacht. Es war keine leichte Entscheidung, aber in ihrem Fall hat es genützt.

Ansonsten ist meine Meinung: lieber jetzt ein Jahr länger in der Schule, und eine guten Abschluss, als später alles nachholen müssen. Mein Vater wollte lernen, konnte aber nicht, mein Mann war in seiner Jugend auch eher der "was soll's Typ". Beide haben es weit gebracht, mit viel Ausdauer, Fleiß und Schweiß - aber einfach war es für keinen von beiden. Er muss schon merken, dass sein Verhalten Folgen hat. Wenn er also nicht lernen will, lass ihn. Seine Noten werden lauter sprechen als alles Bitten und Nörgeln von dir.

LG bina69

Beitrag von smart40 04.03.06 - 06:25 Uhr

Hallo Steffi,

das kommt mir alles so bekannt vor ich kann Dir die Hand reichen.

Mein Sohn wird im August 16. Ich habe auch jeden tag den Kampf mit ihm. Er besucht die 9 klasse der Realschule. Die Noten sind alles andere als gut. Ich rede und rede er ist auch einsichtig aber ich habe nicht das Gefühl das sich etwas ändert.
Nach dem Halbjahreszeugnis mußte ich in die Schule zu seinem Lehrer (Versetzung gefärdet). Er war dabei und auch dort einsichtig. Sein Lehrer meint auch das er mehr könnte. Zu mir sagte der Lehrer ich soll ihn machen lassen er soll Verantwortung für sein Tun übernehmen.
Ich würde Ihm gerne helfen aber er blockt ab.
Ich glaube wir sollten sie einfach mal machen lassen. Mir fällt das genauso schwer wie dir.
Liebe Grüße
smart

Beitrag von honey85 04.03.06 - 10:24 Uhr

Hi!

Warum möchtest du dass er auf die FOS geht wenn er sich eh so quält??

Ich kann dir nur sagen ich war gut in der 10 ten und hab mein Fachabi grad so hinbekommen.

Wenn er nicht lernen mag ist er an der FOS - sorry - völlig deplaziert.

Vielleicht denkt er du machst ja den ganzen Bewerbungskram warum soll er das dann tun??
Sag ihm doch mal in einer ruhigen Minute dass er sich jetzt selbst oder mit dir zusammen um AUsbildungsstellen kümmern soll. Wenn er merkt dass du nix mehr machts wird er ´vielleicht sich selbst kümmern.





LG
honey

Beitrag von winterfee 04.03.06 - 21:19 Uhr

Na wenn du das so siehst, dann sind wohl 80 % seiner Mitschüler deplaziert da wo sie jetzt sind.

Ich zwinge ihn zu gar nichts. Wir sind erst letztes Jahr ins Rheinland gezogen...er hat letzten Sommer durch Prüfung die Hauptschule in BaWü abgeschlossen. Hier ist nun 10-jährige Schulpflicht..wodurch er noch ein Jahr dran hängen mußte. Aufgrund seiner Prüfungsleistungen hat man ihn in den Typ 10 B eingestuft, wodurch er nun die Chance hat, die Fachoberschulreife zu machen.

Warum soll ich ihn da rausnehmen...er wird das gut schaffen, hat ja keine 5er und 6er...halt ne 4 in Mathe und Englisch, den Rest 2er und 3er.
Es könnte besser sein, da bin ich sicher..er müßte halt mehr lernen...

Mir gehts mehr darum, wie er seine Zukunft anpackt...aber ich hab damit begonnen ihn selber machen zu lassen...ich glaub er merkt, dass es mir ernst ist...heute ist er schon ganz brav alleine zum Copishop gelaufen...Welch Fortschritt!!!


Beitrag von honey85 05.03.06 - 09:18 Uhr

Naj ich bin halt vom bayerischen Schulsystem ausgegangen da gehst du bis zur 10 ten auf die Realschule, da´nach mit entsprechendem Notenschnitt bzw. Probezeit 2 Jahre auf die FOS.

Euer System kenn ich nicht.

Wollt dich damit ja auch nicht ankreiden, kam wohl falsch rüber.
Sorry.

Naja er macht ja schon Fortschritte wie du schreibst. Ich denke das wird sich schon ergeben. Mein Cousin ist noch "schlimmer " wie dein Sohn. Meine Tante versucht ihm immer klar zu machen dass er vermutlich später mit eigener Familie Haupternährer sein wird und er deshalb was richtiges lernen soll.

Ich sehe das allerdings genau so.

Schönen Sonntag noch!!

Beitrag von hummelinchen 13.03.06 - 12:36 Uhr

Hallo Steffi,
wenn ich das lese, bin ich , gelinde gesagt, sehr erstaunt.
DU SCHREIBST SEINE BEWERBUNGEN??? Warum das denn??
Und wenn ich das richtig verstehe ist Fachoberschulreife die 12. klasse, oder?
(In SH als Fachhochschulreife betitelt)
Warum das denn??
Putzt du auch sein Zimmer?
Ich habe eine fast 16-jährige Tochter und die Schule geht vor. Und ich erziehe sie zur Selbständigkeit. Trotzdem haben wir Regeln in unserer Familie, auch sie!
Und hält sie sich nicht daran, streiche ich das Telefon für 2 Tage - ohne Streit, nur nette Worte, sie wußte es ja vorher..
Obwohl ich deine Ängste und Sorgen verstehen kann, gewöhne dich daran, ihn irgendwann loslassen zu müssen, das ist deine Aufgabe als Mutter...
Mein Vorschlag ist, setz dich mit ihm an einen Tisch und macht einen Plan, wie es weitergehen soll. Und er entscheidet aber nach deinen Regeln.
z.B. Wenn er keine Schule mehr machen will oke aber dann bitte auch mehr Bewerbungen und Zukunftsideen.
Hilf ihm zu einer Perspektive.
Und ansonsten hol dir Rat bei "Pro Familia" o.ä.
Viel Erfolg Tanja #klee