Stiefkind - Anspruch auf ALG 2 oder Kindergeldzuschlag?

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Beitrag von 68leonie 15.03.06 - 12:40 Uhr

Vielleicht kennt sich ja jemand aus:

Ich bin in 2. Ehe verheiratet, aus meiner 1. Ehe habe ich eine Tochter die 12 Jahre alt ist. Der leibliche Vater hat noch nie Unterhalt bezahlt. Bis zu meiner 2. Ehe habe ich Unterhaltsvorschuß bezogen.

Das Jugendamt (Beistandschaft) hat letztes Jahr im Oktober eine Strafanzeige wegen Verletzung der Unterhaltspflicht gegen den leiblichen Vater eingereicht - die Sache wird allerdings noch bearbeitet. Ich gehe nicht davon aus, daß wir so zu Geld kommen, da der Vater seit der Trennung immer schon Sozialhilfe bzw. ALG2 erhalten hat.

Mein jetziger Mann ist nicht bereit für ein "fremdes" Kind zu bezahlen während der leibliche Vater nur mit dem Schultern zuckt und sagt "kann nicht & will nicht".

Hat meine Tochter eventuell Anspruch auf ALG2 oder den Kindergeldzuschlag? Ich habe derzeit ein Einkommen von 360€ (steuerfrei) und das Kindergeld in voller Höhe.

Kann das Einkommen meines Mannes für den Unterhalt der "Stieftochter" herangezogen werden oder wird hier nur mit meinem Einkommen gerechnet? Das mein Mann für mich aufkommt ist logisch - aber muß er auch für meine Tochter voll aufkommen?

Danke für Eure Hilfe!

Leonie

Beitrag von junimond.1969 15.03.06 - 12:49 Uhr

"Kann das Einkommen meines Mannes für den Unterhalt der "Stieftochter" herangezogen werden oder wird hier nur mit meinem Einkommen gerechnet? Das mein Mann für mich aufkommt ist logisch - aber muß er auch für meine Tochter voll aufkommen?"

Nein, es gibt mittlerweile ein klare Dienstanweisung dazu. Das Einkommen des Stiefvaters darf zunächst nur auf die Personen der sog. Bedarfsgemeinschaft (Also er, Du, Deine Tochter, ggf. weitere gemeinsame Kinder) angerechnet werden, denen er gesteigert unterhaltspflichtig ist -> Erst mal bei sich selbst, dann evtl. gemeinsame Kinder, dann Du.

Ist dann noch Einkommen zu verteilen, greift die sog. "Unterhaltsvermutung" nach § 9 SGB II, wonach vermutet wird, dass Verwandte und Verschwägerte, die in einem Haushalt leben, sich finanziell unterstützen. Durch die Heirat mit Dir ist er mit Deiner Tochter verschwägert (klingt komisch, ist aber rechtlich so), also Unterhaltsvermutung.

Bei der Ermittlung dessen, was im Rahmen der Unterhaltsvermutung an Einkommen einzusetzen ist, hat er aber einen höheren Selbstbehalt, der frei ist, so dass in aller Regel bei den Stiefvätern nicht mehr genug Einkommen übrig ist, was auf das Stiefkind angerechnet werden kann.

Dies gilt wohlgemerkt für mit dem leibl. Elternteil verheiratete Elternteile. Unverheiratete Lebenspartner müssen für das "mitgebrachte" Kind gar kein Einkommen einsetzen.

Hier ist das Ganze nochmal in "Fachchinesisch":

http://www.my-sozialberatung.de/cgi-bin/baseportal.pl?htx=/my-sozialberatung.de/sgb2&localparams=1&db=sgb2&cmd=list&range=0,100&cmd=all&Id=69

Gruß
Christine

P.S. Fazit also: ALG II oder Kinderzuschlag für das Kind beantragen. Ggf. kommt bei der Gewährung von Kinderzuschlag auch noch Wohngeld für das Kind in Frage.

Beitrag von 68leonie 15.03.06 - 18:05 Uhr


Hallo Christine,

vielen lieben Dank für Deine Antwort!

Gruß
Leonie