Mann in vorpubertärer Phase?! Vorsicht, frustig-lang

Archiv des urbia-Forums Partnerschaft.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von super-genervt 15.03.06 - 16:17 Uhr

Hallo,

ich muß jetzt einfach mal Dampf ablassen und vielleicht hat ja auch jemand einen Rat für mich.

Ich habe meinen Mann vor 6 Jahren kennen gelernt, vor 4 Jahren haben wir geheiratet. Wir haben 3 Kinder zusammen.
Ich liebe ihn, aber in letzter Zeit habe ich immer mehr das Gefühl, daß er in seiner Entwicklung irgendwie rückläufig ist.

Als ich ihn kennen lernte, habe ich mich in einen Mann verliebt, der sich ausdrücken konnte. Dem man den Intellekt anmerkte, der belesen war und der Stil hatte.
Langsam aber sicher mutiert er zum Super-Proleten der sich Tuning-Auto-Zeitschriften und Offroad-Magazine bei der Tanke kauft, die Kinder ständig anmault und anbrüllt,
keinen Handschlag mehr zu Hause tut und einfach Gossenslang pflegt. "Assoziale Mistsau" zum Arbeitskollegen ist z.B. so ein Renner.

Es gibt Tage, da steht er nach der Nachtschicht um 15:00 auf (nach ca. 8 Std. ununterbrochenem Schlaf), isst was, legt sich auf die Couch, schläft nochmal 1-2 Stündchen und setzt sich an den PC zum Ballern. Da hockt er dann bis zum Abendessen, schaut anschließend fern (und die Kinder müssen mäuschenstill sein, damit der Herr nicht die 1000. Reportage bei Gallileo über eine Schornsteinsprengung verpasst).
Mich nervt das alles so, mit ihm ist einfach nicht zu reden.
Dazu kommen noch Situationen wie diese:

Heute morgen um 5 Uhr klingelt das Telefon. Ich war total erschrocken, weil ich dachte, es sei etwas passiert.
Mein Mann war am Telefon und meinte: Es kann heute etwas später werden, ich fahre jetzt mit einem Taxi ins Krankenhaus.
Auf mein Bohren hin erzählte er mir, daß sein Arbeitskollege (besagte "assoziale Mistsau" ihn mit dem Stahlkappenschuh an die Wade getreten hätte.
Ich fragte, ob alles okay sei, ob er blute oder ob etwas verletzt sei.
Nee, aber er müsse ins Krankenhaus, um das dokumentieren zu lassen und um anschließend beim Betriebsrat Schritte gegen diesen Kollegen einleiten zu können.

Mein Mann stiefelt also am frühsten Morgen ins Krankenhaus und lässt sich vom Notarzt attestieren, daß er wohl am nächsten Tag einen blauen Fleck haben wird - im Höchstfall! Peinlich...

Vorhin rief sein Vorgesetzter an und orderte ihn zu einem Gespräch, das zur Klärung beitragen soll. Der Kollege ist auch da und jemand vom Betriebsrat.
Das ist doch wie im Kindergarten:
"Der böse Junge hat mich getreten!!!"
Im schlimmsten Fall fällt das Ganze auf meinen Mann zurück, kann ich mir schon lebhaft vorstellen.
Es wäre nicht das 1. Mal, daß er im Betrieb unangenehm auffällt.
Der Ton dort ist wohl nicht gerade der Feinste, von Schimpfwörtern bis zu den typischen Gorilla-Männchen-Anreplern und kindischem Gehabe ("wenn ich dir zur Hand gehen soll mußt du erst mal Bitte und Danke sagen") ist alles dabei.

Wo ist der Mann hin, in den ich mich verliebt habe?
Ich will ihn wiederhaben!!!

Was kann ich machen, wenn Gespräche einfach nichts bringen (Er zeigt überhaupt kein Problembewusstsein und antwortet lapidar, im Moment habe er halt etwas Stress... oder er antwortet garnicht)?
Vorschläge, man mit einem Psychologen und/oder Arzt zu reden, blockt er ab.
Er ist diagnostizierter ADS-ler und ich bin mir sicher, mit Medikamenten und einer unterstützenden Therapie würde es ihm besser gehen, aber er vertröstet mich bereits seit 1,5 Jahren und findet immer eine Ausrede, NICHT zum Arzt zu gehen... bin mittlerweile völlig ratlos und total entnervt.

Was kann ich tun?

Beitrag von morielle 15.03.06 - 18:17 Uhr

Midlife-Crisis?
Isser vielleicht der älteste im Bekannten- oder Kollegenkreis und denkt, er muss einen auf Bubi machen, um mithalten zu können?
ADS ... mmhh, da haste doch vielleicht schon den Grund für sein Verhalten. Ist das denn jemals behandelt worden? Hatter vielleicht früher Medikamente genommen, die er dann irgendwann einfach abgesetzt hat? Männer neigen ja leicht dazu zu sagen, dasse wieder fit sind und keine Medikamente brauchen. Sprich doch vielleicht auch mal mit seinem Arzt, wenn er denn einen hat. Vielleicht isser auch nicht ausgelastet. Es könnten so viele Faktoren eine Rolle spielen. Du wirst wohl noch etwas bohren müssen, um etwas zu ändern.
LG A.

Beitrag von silberstreif 16.03.06 - 09:43 Uhr

Hallo,

die Midlife-Crisis kommt mir mit 33 Jahren ein bißchen verfrüht vor.
Der älteste in seinem Umfeld ist er auch nicht, eher einer der Jüngsten.

Auf ADS ist er seit seiner Kindheit behandelt worden, auch medikamentös.
Als er volljährig wurde, hat er`s abgesetzt.

Mit seinem jetzigen Arzt hat er noch nie drüber gesprochen. Und ich kann ja schlecht hingehen und sagen: Mein Mann hat mal nen Psychologen nötig, wenn er das nächste Mal zu Ihnen kommt, legen Sie ihm das doch bitte ans Herz und die Überweisung dazu direkt auf den Tisch? #heul

Ich werde am Wochenende nochmal in Ruhe mit ihm sprechen. Vielleicht ist er ja jetzt einsichtig - falls nicht, muß ich wohl meine Konsequenzen daraus ziehen, bevor die Kinder völlig verschüchtert sind.

Danke dir und Gruß,

silberstreif

Beitrag von manavgat 15.03.06 - 20:18 Uhr

Vielleicht hat Dein Mann Depressionen, die sich als Aggressionen ihren Weg bahnen. Das wäre kein Einzelfall.

Hier hilft nur ein erfahrener Psychiater weiter.

Gruß

Manavgat

Beitrag von silberstreif 16.03.06 - 09:37 Uhr

Hallo Manavgat,

möglich ist alles. Wie auch immer, es sollte abgeklärt werden. Da stimme ich dir völlig zu!

Aber ich kann ihn ja nicht an den Ohren hinziehen #heul

Gruß,

silberstreif

Beitrag von mir 16.03.06 - 07:33 Uhr

Guten Morgen, #gaehn
mein Mann hat, vor vielen Jahren in der DDR, die Diagnose "hyperaktiv" bekommen, und ich bin überzeugt dass es bei ihm ein verschlepptes ADS ist. Zwischendurch verhält er sich ganz ähnlich wie deiner. Und mir geht das genauso auf den Wecker wie dir. Er kann dann sich stundenlang auf dem Sofa den letzten Mist im Fernseher angucken und schmeißt mit den primitivsten Ausdrücken um sich. Zudem kommt, dass er sich in der Vergangenheit immer wieder durch impulsives Verhalten in große Schwierigkeiten gebracht hat - Führerschein weg, Schulden gemacht etc. Bei ihm wechselt das allerdings ab. Er hat Tage, da ist er der Allerbeste, ein liebevoller Papa für unsere Tochter, kümmert sich um alles, macht mir Komplimente, bringt einfach so Blumen mit...und dann schlägt es wieder um, er ist wie ein kleiner Junge dem man alles nachtragen und 1000X sagen muss, jammert herum, ist aggressiv, macht dicht und lässt überhaupt nicht mehr mit sich reden. So, dass ich an manchen Tagen schon kurz davor war dass ich einfach mit dem Kind gehe.
Ich kann sehr gut verstehen was du meinst. Und denke auch, dass solche Männer bei Experten gut aufgehoben sind. An guten Tagen hat mein Mann diese Einnsicht selber. Nur: man darf nicht annehmen, dass der Therapeut oder wer auch immer uns den Mann so "normal" hinbiegt wie wir Frauen ihn wollen. Bis zu einem gewissen Grad muss ich meinen Mann so akzeptieren oder mich eben trennen.
Gruß und alles Gute!

Beitrag von silberstreif 16.03.06 - 09:36 Uhr

Hallo,

mir fiele es leichter, ihn so zu akzeptieren, wenn ich nicht wüsste, daß es auch anders geht!
Hingebogen möchte ich ihn natürlich nicht haben! Man gibt sich wohl am Anfang einer Beziehung mehr Mühe, irgendwann lässt das nach. Völlig klar.
Aber ich laufe schließlich auch nicht mit Kippe im Mund, Jogginghose und Lockenwickler durch die Gegend, weil wir jetzt verheiratet sind und alles "in trockenen Tüchern" ist?!

Meine Bedenken sind, wenn`s jetzt schon stetig schlimmer wird mit seinem Niveau, wo endet es?

Schon allein dafür, daß ich mich im Moment gezwungen sehe, über eine Trennung nachzudenken, könnte ich ihn auf den Mond schießen!
Ich werde mittlerweile auch schon von Bekannten auf sein Verhalten angesprochen.

Morgen ist sein freies Wochenende und wir haben Zeit zu Reden. Ich werde ihm nochmal den versprochenen Arztbesuch nahelegen. Zeigt er kein Einsehen, wird mal Tacheles geredet.
Ich glaube, er weiß garnicht, wie kurz davor ich bin, einfach zu gehen!

Beitrag von mir 20.03.06 - 06:47 Uhr

Guten morgen,
irgendwie ging' mir dein Beitrag nicht mehr aus dem Kopf.
Wie war es denn am jetzt Wochenende?
Konntest du mit ihm reden?
Gruß