Gemeinsames Sorgerecht bei wackeliger Beziehung?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von lieber anonym 16.03.06 - 21:51 Uhr

Hallo,

vielleicht könnt Ihr mir in diesem Forum von Euren Erfahrungen mit dem gemeinsamen Sorgerecht berichten...

Mein Freund hat momentan nicht das Sorgerecht für unseren gemeinsamen Sohn und dies ist ein großer Streitpunkt bei uns...wir wissen beide, dass wir zu dickköpfig sind, uns zu oft streiten und manchmal sieht es so aus, als hält die Partnerschaft nicht mehr lange. Dann gibt es aber auch wieder tolle Phasen...

Ich fände es problematisch, ein gemeinsames Sorgerecht auszuüben, wenn man getrennt ist....habe Angst, dass dies zu noch mehr Streit führen würde und unser Sohn noch mehr leiden würde. Auf der anderen Seite ist es doch unfair, ihm das Sorgerecht vorzuenthalten...zumal er ein sehr gute Vater ist!

Wie sind Eure Erfahrungen? Sollte ich das Risiko eingehen?

Schöne Grüße

Anonym

Beitrag von nick71 16.03.06 - 22:07 Uhr

Also ich würde es nicht machen...Du hast glücklicherweise die Wahl, was leider bei verheirateten Paaren nicht der Fall ist. Ich z.B. habe das Problem, dass ich mit meinem Ex öfter mal Streit in Sorgerechtsfragen habe...und ich wäre froh, wenn ich es alleine für mich hätte. M.E. ist so ein ständiger Kampf auch nicht besonders toll fürs Kind. Also überleg Dir das reiflich, einmal geteilt ist das nicht wieder rückgängig machbar.

Beitrag von chrisdrea24 16.03.06 - 22:16 Uhr

Ich würde es auf keinen Fall machen. Kann nur von mir sprechen. Hab mich von dem Vater des Kindes getrennt....Das Sorgerecht wird immer unser gemeinsames bleiben, außer es kommen jetzt harte Sachen....Es war mein größter Fehler.
ANDREA

Beitrag von tweety74 16.03.06 - 22:26 Uhr

hallo.

wir sind auch getrennt und haben gemeinsames sorgerecht. bisher konnte ich da nichts negatives feststellen. im gegenteil: ich muß mich nicht immer um alles alleine kümmern (arzttermine). und außerdem: es fragt doch kein schwein wer das sorgerecht hat. zumindest wurde ich noch nie danach gefragt. zuerst hatte ich es alleine 1,5 jahre, dann gemeinsames 2 jahre und dann trennung.
wenn er ein guter vater ist würde ich es ihm geben - deinem sohn zuliebe.
mußt auch immer mal überlegen was ist wenn dir was passiert.

lg tweety

Beitrag von gh1954 16.03.06 - 22:50 Uhr

Das ist eine ganz schwierige Frage.

In vielen Beiträge von anderen Schreiberinnen habe ich mir gedacht, gut, dass SIE das alleinige Sorgerecht hat.

Aber dann denk ich auch wieder: Stell du dir mal vor, mit dem Tag der Geburt eures Sohnes wäre das alleinige Sorgerecht per Gesetz an deinen Freund gefallen und er wäre jetzt überhaupt nicht bereit, das Sorgerecht mit dir zu teilen, obwohl er sagen würde, du seist eine gute Mutter.
Ist doch irgendwie paradox, oder ??
Das wäre für dich sicher kränkend und ein Grund für Streitereien, wobei du dich um ein Recht betrogen fühlst.

Ist eine schwierige Entscheidung und ich bin froh, dass ich sie nie treffen musste.

Gruß
geha

Beitrag von manavgat 17.03.06 - 08:02 Uhr

lass Dir von niemandem diesen "Fairness-Blödsinn" einreden!

Du! zahlst am Ende die Rechnung.

Ihr versteht Euch jetzt schon nicht. Wenn Du alleiniges Sorgerecht hast, müsst ihr Euch im Trennungsfalls nur auf eine vernüftige Besuchsregelung einigen.

Mit gemeinsamem Sorgerecht gibst Du ihm ein Mittel in die Hand Dich über Jahre unter Druck zu setzen.

Schwester, sei wachsam und sag nein!

Gruß

Manavgat

Beitrag von aua 17.03.06 - 11:01 Uhr

Das ist doch wieder mal die Höhe!

Setzen unverheiratete Frauen Männer mit dem Druckmittel Sorgerecht etwa nicht unter Druck?????

Sowas kann nur von einer blindwütigen Kampfemanze kommen, der das Wohl der Kinder völlig wurscht ist.

Hauptsache man kann am Ende sagen: ICH HABE DAS RECHT auch wenn alles herum in Trümmern liegt.

Anachronistisch, weltfremd und kinderfeindlich dieses Posting!

Beitrag von sabine4784 17.03.06 - 08:20 Uhr

hallo

ich denke du hast das sorgerecht auf dem papier aber es sollte doch eigentlich kein thema sein wer das sorgerecht hat finde weder du noch er hat damit mehr recht auf das kind es ist doch euer gemeinsames und da sollten auch die entscheidungen gemeinsam getroffen werden
und nicht im streit oder sonst wie das sorgerecht zum thema werden!(du solltest auch dann nicht damit kommen das es ja bei dir ist)
und was würde er machen wenn er das sorgerecht hat sich mehr oder liebevoller kümmern?

lg sabine

Beitrag von alltagsphilosoph 17.03.06 - 09:01 Uhr

Hallo Anonym,

Meine Frau und ich haben zwei Kinder, wobei eines mein leibliches ist und das andere von meiner Frau mit in die Beziehung gebracht wurde.
Wir beide sind sehr froh, dass meine Frau damals das alleinige Sorgerecht für Alica hatte (der Erzeuger ist alles andere als ein verantwortungsbewusster Vater). Das hat uns viele Scherereien erspart!!

Andererseits: Angenommen meiner Frau passiert jetzt etwas (Gott behüte)... Was für eine Chance habe ich da (ohne Sorgerecht), mich im Streit um das Sorgerecht durchzusetzen? Ich sorge jetzt in realita seit 3 1/2 Jahren für unsere Tochter - dennoch könnte der Erzeuger vor Gericht ziehen um seinen Anspruch geltend zu machen. Oder die Eltern meiner Frau. Wenn ich nicht von vornherein sorgeberechtigt bin, so übernimmt das Jugendamt und teilt die Sorge per Gericht zu. Kann ich das wollen? Nein. Andere mögen das anders sehen.

"Fairness" ist sicher keine Frage. Zumindest nicht, wenn es um das geht, was für Dich am Besten ist. Die zentrale Frage sollte aber sein, was für Dein Kind das Beste ist. Die Frage müsste also lauten: "Bin ich der Meinung, mein Freund ist der geeignete Erzieher für mein Kind, auch wenn die Beziehung beendet ist?" Man gibt damit im Trennungsfall ein Stück Unabhängigkeit auf - ist man selbst bereit dazu? Wenn es darum geht, sich nicht unter Druck setzen zu lassen, glaube ich man lässt es doch besser... Wenn die Mutter in Erziehungsfragen nur den Druck sieht, der auf sie ausgeübt werden könnte, achtet sie in der Hinsicht die Meinung des Partners offensichtlich nicht als quallifiziert. Keine Beschönigungen: das gibt´s natürlich.

Eine gute Freundin hat sich vor zwei Jahren getrennt, hat aber zuvor noch das gemeinsame Sorgerecht beantragt. Ihr Freund war sieben von zehn Jahren der "Vater" ihres Kindes, und ihrer Meinung nach ein besserer, als es so ohne weiteres von einem evtl. neuen Freund zu erwarten sei. Das gibt es auch.

Wie gesagt, berechtigte Einwende gibt es immer.
Bleibt nur noch meine eigene Meinung: Wenn meine Frau mir das Sorgerecht für unsere Kinder verweigern würde - das würde mir doch arg zu denken geben. (In miener Beziehung/Sicht der Dinge) zeugt das doch nur von mangelndem Vertrauen in meine Fähigkeiten und mein Verantwortungsgefühl, sowie dem Verlangen sich immer eine Hintertür offen halten zu können. So bin ich nämlich der jenige, der unter Druck gesetzt werden kann... und es heißt doch, das mein Partner von unserer Beziehung nicht als Dauerzustand, sondern nur als Lebensabschnitt ausgeht. Das heißt, nie 100% geben, denn man hat ja auch nur 70% zu verlieren... auch wenn es in der heutigen Zeit sicher manchmal sinnvoll ist, so zu denken, bin ich doch sehr froh, es nicht zu tun bzw. nicht dazu gezwungen zu sein.

Alles Liebe und viel Glück (gehört immer dazu ;-))

Christian

Beitrag von anonym 17.03.06 - 09:28 Uhr

Hallo Christian,

mein Problem ist hier eigentlich meine eigenes "Übermutter-Verhalten"...

Mein Freund ist selbst sehr chaotisch, eher unberechenbar...aber auf eine eigentlich sehr liebenswerte Art, nie verletzend...früher mochte ich genau dies...heute sehe ich das vor dem Eltern-Hintergrund völlig anders! Manchmal denke ich, ich erwarte einfach viel zu viel von ihm...er ist wie gesagt ein sehr, sehr liebevoller Vater, nur eben nicht perfektionistisch-Bücher-lesend wie ich #kratz. Ich vertraue ihm also in der Tat nicht, kann aber momentan nicht feststellen, ob dies an mir oder an ihm liegt....

Ich würde nie daran denken, das Sorgerecht als Druckmittel anzuwenden und habe auch schon ein vertraglich festgelegtes Umgangsrecht vorgeschlagen.

Vielen Dank für Deine Antwort...ich muss nun mal länger darüber grübeln und eine Entscheidung treffen.

Grüße

Anonym

Beitrag von schneeeulchen 17.03.06 - 16:28 Uhr

Grüß dich, :-)

Grad hat mir Christian dieinen Beitrag gezeigt. (Ich bin der andere Teil der Beziehung ;-))

Ja, Chaotisch ist Christian auch.
Wenn ich mal zu Hause ausfalle oder gar weg bin, habe ich sogar das Gefühl, zu Hause wäre ein Schulbus durchgefahren #schock.

Dennoch finde ich gehört so ein Sorgerecht für beide dazu (Wenn man zusammenbleiben will).
In meiner Beziehung mit dem Erzeuger meiner Tochter (mag gar nicht dran denken), war mir klar, daß es keine gemeinsame Sorge gibt (Also auch kein Sorgerecht). Er war zwar ein liebender Vater (Er liebt seine Tochter immer noch schrecklich), aber verhielt sich eher wie ein großer Bruder. Nur Mist im Kopf, Beide gegen mich usw.

Einer der Beiträge hat mir auch noch zu denken gegeben:
Es wurde gefragt, wie du dich fühlen würdest, wenn er das Sorgerecht automatisch hätte und nicht du. Wir Mütter haben ja Glück, daß es in unserer Gesellschaft so ist. Neulich hab ich wieder einmal das Buch :"Nicht ohne meine Tochter gelesen. Damals (oder vieleicht noch heute) war es so, daß im Iran automatisch der Vater das Sorgerecht hat. Ich hab sehr mitgelitten und mich gefragt, wie ich mich fühlen würde, wenn ich kein offizielles Mitsracherecht über die Erziehung, den Schulbesuch usw meiner Kinder hätte....

Die Vorstellung hat mir nicht gefallen. :-(
Wenn du möchtest, daß all diese Entscheidungen von deinem Partner mitgetragn werden sollen, ist das gemeinsame Sorgerecht der beste Weg.

Wenn du das nicht möchtst: Hast du das Gefühl, daß es einen besseren Vater für deine Kinder gibt (Hat dann nicht das Jugendamt nicht ein Stück Vormundschaft? Früher war das so #kratz)

Liebe Grüße
Svenja #liebdrueck

Beitrag von anonym 17.03.06 - 21:19 Uhr

Hallo Svenja,

wie schön, dass Ihr mir beide antwortet...das ist wirklich wertvoll für mich --zwei Perspektiven!

So ein wenig erinnert mich Deine Beschreibung Deines Ex-Mannes an meinen Freund..schluck.

Momentan möchte ich mit ihm zusammen bleiben und könnte mir auch keinen besseren Papa vorstellen...aber manchmal sind wir eben so groooße Dickköpfe und streiten nur. Wir sind leider durch unseren Sohn als Paar ein wenig auf der Strecke geblieben...das möchten wir nun aktiv ändern. Vielleicht hilft das dann bei der Entscheidung!

Vielen Dank Euch beiden für Eure Antworten und viel Glück weiterhin mit Eurer Familie #blume

Beitrag von ever 17.03.06 - 08:58 Uhr

die frage erübrigt sich doch...du hast es selber nicht in betracht gezogen und gestritten wird bei euch ja eh oft genug (echt toll fürs kind),da kann man sich ja vorstellen was das geben wird wenn ihr mal getrennt seit.
klar ist das nicht fair gegenüber dem mann,aaaber...

Beitrag von aua 17.03.06 - 11:03 Uhr

Was aber?

Der Zweck heiligt die Mittel oder was?

Krank nur krank so ne Einstellung!

Beitrag von ever 17.03.06 - 12:22 Uhr

KRANK...?
vieleicht habe ich das anders gemeint wie du es verstanden hast,klugchen!?
sie würde nicht fragen,wenn sie ihm vertrauen würde.
mit aaaber meine ich,der mann hat eh keine chancen wenn die frau anderer meinung ist und wird sich fügen müssen.da hilft nur lieb mann sein,so ist das halt wenn man das kind weiterhin sehen möchte.

Beitrag von aua 17.03.06 - 12:28 Uhr

Und das stimmt dich wohl ungemein froh dass männer bitte bitte machen müssen was?

Wo ist denn da des kindes wohl?

ich sags ja: Krank

Leider ist unsere gesetzgebung nachwievor der meinung väter bei trennung zu erzeugern und bezahlern zu degradieren....

Beitrag von ever 17.03.06 - 12:35 Uhr

sag mal,drück ich mich so blöd aus?
abgesehen davon,mal daran gedacht das ich ein mann sein könnte und genau dieses problem habe?

und...ich bin gesund...

Beitrag von julie2006 17.03.06 - 09:03 Uhr

Davon würde ich dir abraten. Eine Freundin von mir steckte in ähnlicher Situation. Beziehung wackelig, aber sie haben sich trotzdem fürs gemeinsame Sorgerecht entschieden.

Es kam, wie es kommen musste. Beziehung ging kaputt und nun hat sie nur noch Ärger. Das gemeinsam Sorgerecht zu beantragen war ihr größter Fehler, wie sie heute sagt.

Lg Anika

Beitrag von anonym 17.03.06 - 09:31 Uhr

Danke an alle! Ihr habt mir sehr geholfen und mich zum nachdenken über ganz bestimmte Punkte angeregt.

Euch allen einen sonnigen Tag #sonne

Anonym

Beitrag von sanibaby 21.03.06 - 15:08 Uhr

Hallo,
ich würde es nicht machen!!
Ich habe mich vor 2 Jahren von meinem Ex-Mann getrennt und wir haben beide das gemeinsame Sorgerecht. Sicher, die Dinge des täglichen Lebens kann ich selbst regeln, aber nicht, wenn ich z. B. wegziehen möchte oder sonstige "einschneidene" Dinge. Mein Ex ist Afrikaner und pendelt ständig zwischen Afrika und Deutschland hin und her. Wo er das Geld hernimmt, wenn er nicht mal für seinen Sohn zahlen kann, ist mir schleierhaft, aber ein anderes Thema.
Ich wäre froh, hätte ich das alleinige Sorgerecht!!! Einfach nur so für mich, dass ich weiss, ich bin alleiniger Erziehungsberechtigter.
Meinem Ex ist es völlig egal, auf welche Schule unser Kind geht, ob es irgendwelche Krankheiten hat, Probleme oder sonstiges, aber ich müsste ihn bei einem Schulwechsel anrufen, wenn ich ihn denn überhaupt erreiche, fragen und ihn, wenn er gut drauf ist und mitmacht, unterschreiben lassen.
Er kann seinen Sohn jederzeit sehen, jederzeit anrufen, vorbeikommen, ihn holen oder sogar bei uns Kaffeetrinken, aber es interessiert ihn nicht die Bohne. Zu allem muss ich ihn auffordern, mit der Nase draufstossen usw.
Ich kann Dir nur raten, tu es nicht.
Sani