Mein Papa ging und wir konnten ihn nicht halten....

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von annebaer 17.03.06 - 16:55 Uhr

Hallo,

vielleicht gibt es hier jemand dem es ähnlich geht und dem die Antwort auf so viele Fragen fehlen....

Ich musste meinen geliebten Pap´s letztes Jahr im Mai gehen lassen... er hat sich ohne jede Erklärung das Leben genommen... still und leise....

Er hatte schwere Depressionen, ein Suizidversuch ging ein Jahr voraus - von dem wir Kinder nichts wissen sollten.....

Ich wußte dass es ihm von der Psyche her schlecht geht, aber ich wußte nicht wie schlecht....

Ich trug sein 4. Enkelkind unter dem Herzen, ein Mädchen was er durch eine Fruchtwasseruntersuchung 4 Wochen zuvor auch wußte....

Er hat nichts hinterlassen, nichts außer dem berühmten WARUM.....

Er fehlt mir so sehr und je länger es her ist um so schwerer kann ich damit umgehen.... es ist wie eine große Narbe im Gesicht die nie mehr vergeht......

Ich wollte mich einer Trauergruppe für Suizidangehörige anschliessen, doch beherrscht mich der eigene Schmerz noch so sehr, dass ich die "Erlebnisse" anderer Angehöriger noch nicht ertragen kann, zumindest nicht persönlich.....

Mein Mann hat meinen Papa gefunden - mit ihm konnte ich einen Tag nachdem es passiert war darüber reden, heute nicht mehr... es fällt ihm sehr schwer und meine Fragen erinnern wohl immer wieder an das selbst erlebte.....

Ich hätte so viele Fragen an meinen Dad - wollte er unsere kleine Maus nicht kennen lernen? Warum hat er uns nicht im Hilfe gebeten, warum durften wir Kinder nicht wissen wie schlecht es wirklich um ihn stand...... Warum? Warum?

Manchmal denke ich dass ich es nicht schaffe ohne professionelle Hilfe über die Selbsttötung hinweg zukommen und dann glaube ich wieder, dass ich es mit mir alleine ausmachen muss....

Ich schaue meine 2 Kinder an und weiß dass das Leben für uns - meine kleine Familie weitergeht, aber zu meiner Familie hat auch mein Papa gehört und ich begreife einfach nicht, warum er nicht mehr bei uns sein wollte/konnte, warum trotz intakter Familie, super Ehe und Kindern und Enkelkindern keine andere Wahl blieb als zu gehen.....

Ich zünde auch eine Kerze an für meinen geliebten Papa den ich so schrecklich vermisse und der für immer in meinem Herzen ist....#kerze

Beitrag von benpaul6801 17.03.06 - 18:45 Uhr

hallo,
erstmal alles liebe für dich.
meine papa ist gestorben,da war ich 16 jahre alt.
letztendlich war es auch selbstmord,denn er kannte die gefahr des alkohols und wollte oder konnte nicht hören...selbst nach über 10 jahren frage ich mich-warum?er müsste doch wissen wie gefährlich das zeug ist.
er dachte ,er hätte es im griff.nach 6 monaten schlafkoma,weil alle organe in sich zusammen fielen,schlief er ein.
ich kann deine gefühle und fragen verstehen.
die trauer wird irgendwann ein wenig verblassen,aber das warum kann wohl keiner erklären.
ich wünsche euch viel kraft,und er wird sicher seine gründe haben.haltet euch auch vor augen,das er für sich nun seine ruhe hat.
liebe grüsse,yvonne

Beitrag von sanny2381 17.03.06 - 18:56 Uhr

Hallo Ihr beiden...

... ich kann Euch soooo gut verstehen!!! Auch mein Papa ist vor 6 Jahren gestorben (ich war 19), weil er sich nicht helfen lassen wollte und dem Alkohol verfallen war. Ich habe ihn dann tot gefunden und das war alles andere als schön. #heul

Ich weiß bis heute nicht wieso, warum und weshalb. Habe so viele Fragen und verzweifel manchmal daran. Hach ich könnte noch so viel schreiben.... auch nach 6 Jahren geht dieser Schmerz nicht vorbei und vermisse ihn jeden Tag! #liebe

Eine Kerze für jeden Papi #kerze #kerze #kerze.

Ganz liebe Grüße von Sanny#sonne

Beitrag von keks2411 18.03.06 - 10:48 Uhr

ach ich finde das alles so schrecklich :-( mein papa ist ende 2004 gestorben allerdings nicht durch selbsttötung sondern durch den plötzlichen herztot.
er war das blühende leben aber wäre er nur einmal zum arzt gegangen.
jetzt sah ich vor 3 tagen wie mein schwiegervater sich an die brust griff und sagte oh das fühlt sich aber komisch an da krieg ich schon wieder panik und schreie geh zum arzt!!

aber egal wie es passiert wenn man an seinem papa hängt so wie ich zum beispiel wird der schmerz nie vergehen auch nicht mit hilfe.
unsere väter sind und bleiben die besten und wir sind kleine papamädels :-)
aber jetzt geht es ihnen hoffentlich gut da wo sie sind.
nach dem warum fragen bringt nichts es kommt eh keine antwort :-(
ich habe den besten weg gefunden um irgendwie normal leben zu können
einfach den gedanken wegschieben sobald er nur irgendwie auftaucht , wenn man weinen will dann weinen so gehts irgendwie.


eine #kerze an alle papas dieser erde die uns verlassen haben hoffe es geht euch gut .

Beitrag von sanny2381 18.03.06 - 12:55 Uhr

Hi Alexandra.

Genau so mache ich es meistens auch, Gedanken einfach wegschieben. Aber dadruch wird die Trauer und alles andere noch schlimmer, wenn es dann mal nicht weg zu schieben geht. :-(

LG Sanny

#kerze

Beitrag von keks2411 18.03.06 - 13:06 Uhr

hi du,

ja manchmal geht es nicht wegzuschieben, dann ist es aber auch wichtig es rauszulassen. ich gehe dann meistens auf den friedhof und mache alles hübsch und schön dort dann hats mein daddy wieder hübsch und blumig und ich fühl mich ein bisen besser probiers mal..


kannst mich gerne anschreiben :-)

liebe grüße

Beitrag von sanny2381 18.03.06 - 13:31 Uhr

Das würde ich auch gerne, aber mein Daddy ist ja nicht auf dem Friedhof. #heul

Als er noch gelebt hat, hat er sich immer eine Seebestattung gewünscht, weil er das Meer so liebt und auch oft an der Nordsee war. Naja und als er gestorben ist, hat er dann -so schwer es auch war- seine Seebestattung bekommen.

Kann ja nicht immer an die Nordesee fahren... ;-)

Hab Dir aber alles nochmalüber die VK geschrieben, falls Du Dich melden magst,

Beitrag von tanymami 19.03.06 - 11:16 Uhr

ganz viele #kerze für meinen papa, der vor über 7 Jahren an plötzlichem Herztod starb#liebe#liebe#liebe

dieser schmerz geht nie weg.

er war sehr schwer herzkrank, das haben wir erst nach seinem tod erfahren.

ich heul mir jetzt schon wieder die augen aus - es tut so weh.

manchmal bin ich aber froh über diesen schmerz - so ist immer noch sehr viel von ihm da!

eine #kerze für alle papas und uns kinder, die wir sie gehen lassen mussten.

und ganz viel#liebe für alle papas, die noch da sind

Beitrag von keks2411 19.03.06 - 11:20 Uhr

wie seid ihr damit klargekommen? plötzlicher tot ist sehr sehr schlimm mein dad ist einfach auf der strasse umgefallen und das quält mich ohne ende..


liebe grüße

Beitrag von tanymami 19.03.06 - 12:19 Uhr

im ersten jahr bin ich ständig zum friedhof gerannt, hab mit ihm geredet - bilder von ihm eingerahmt und aufgestellt.

danach ging ich immer seltener zum friedhof, so ging es mir besser - da konnte ich "vergessen, dass er jetzt da unten in der holzkiste liegt".

die bilder stehen immer noch, und das ist gut so - ich rede auch mit ihm und schaue dabei die bilder an oder eben auf dem friedhof.

ich brauche das irgendwie und wie gesagt, der schmerz tut hölle weh, aber irgendwie tut es auch gut, so habe ich das gefühl, dass noch sehr viel von ihm da ist - manchmal bin ich aber kurz so fertig, dass ich mir ein weiteres leben ohne ihn nicht vorstellen kann - da habe ich manchmal schon das gefühl, dass ich hysterisch und verrückt werde, aber ich bekomme dieses gefühl dann immer schnell nach einigen minuten wieder in den griff - ich weiss, dass er nicht wollte, dass ich verrückt werde wenn er nicht mehr da ist.

ich tröste mich mit dem gedanken, dass wir uns irgendwann "auf der anderen Seite" wiedersehen - und da niemand weiss, was nach unserem Tod passiert, ist das für mich ein guter Trost und ich lasse mich da auch von anderen nicht als Bekloppt abstempeln.

Beitrag von annebaer 19.03.06 - 13:25 Uhr

...und machen gleichzeitig Angst - Angst dass ich den Schmerz um meinem Dad nie verlieren....

Auf der anderen Seite möchte ich ihn auch nie verlieren, meinen Papa nie vergessen....

Ich habe auch Bilder von ihm im ganzen Haus aufgestellt und gehe immer mal zum Friedhof und ich sage dann nie "Ich gehe zum friedhof..." sondern "Ich gehe Papa besuchen..." das ist so automatisch und doch so selbstverständlich dass ich mit 38 meinen Papa besuchen gehe.....

Das plötzliche Gehen ist auch für mich sehr schlimm zu kapieren.... ich denke wenn die Familie zusammen kommt immer, er kommt jetzt direkt die Türe rein, war nur schnell draußen ....

Oder aber hat mir mein Papa viel geholfen, beim Renovieren oder wenn halt was zu helfen war, dann denke ich heute schnell wenn irgendetwas zu machen ist "Ruf´ich schnell an und frage ihn ob er kommen kann..." dann kapiere ich und werde unendlich traurig....

Er hat mich und meine Schwester die letzten Wochen vor seinem Tod immer bewußt gefragt wie es uns ginge... "Na, geht es dir gut?" Auch am letzten Tag als wir uns gesehen haben, es war im Mai und es war ein sehr heißes Wochenende und meine Beine sammelten Schwangerschaftswasser und mein Kreisslauf spielte ein wenig verrückt.... "Klar Papa, mir geht es gut... "

Heute denke ich manches Mal, hätte ich mal nicht immer gesagt dass es mir gut geht, vielleicht wäre er dann geblieben... ich weiß es nicht....

Grad war ein Umzug in unserer Familie und seine besten Freunde aus Jugendtagen haben geholfen und ich dachte auch hier immer wieder, die sind da dann kommt Papa auch gleich zum Helfen - dass war nur sehr schwer auszuhalten.....

Vielleicht schaffen wir es irgendwann mit dem Schmerz umzugehen, alle ob normaler Tod oder Suizid, wir die trauernden Angehörigen bleiben zurück....

#liebdrueck

Beitrag von tanymami 19.03.06 - 15:51 Uhr

ich wünsche dir und deinem papa alles#liebe herzlich liebe.

papa besuchen - ja, so nenne ich es auch, das klingt auch irgendwie besser als friedhof.

wir haben da am grab eine bank aufgestellt. halte mich für blöde, aber manchmal stelle ich mir vor, dass er da sitzt, wenn ich bei ihm bin.

lass dich ganz lieb#liebdruecktrösten und denke daran, mit diesem schmerz bis du nicht allein#liebdrueck

Beitrag von sanny2381 19.03.06 - 19:11 Uhr

Ich bewundere Euch... Bilder aufstellen, mit Ihm "reden", zum Friedhof gehen... das alles kann ich nicht. Ich habe Jahre gebraucht, bis ich mir sein Foto wieder angucken konnte. Und noch heute kann ich höchstens einen kurzen Blick drauf werfen. Ich kann mich damit so gar nicht beschäftigen. Vielleicht ist das mein Problem?

Ich frage mich immer ob es daran liegt, das ich ihn tot gefunden habe? Wie wäre es, wenn ich ihn nicht so gesehen hätte und ich einfach nur die Nachricht bekommen hätte das er tot ist? Ach ich weiß das alles nicht... #heul

@ annebear: ich glaube ich bin dir keine große hilfe.

Beitrag von keks2411 20.03.06 - 09:30 Uhr

hi du

mit ihm reden kann ich auch nich komme mir da bekloppt vor. und die bilder hängen und stehen hier überall rum aber draufschauen tu ich meistens nich da er für mich irgendwie gar nich weg ist weiss klingt komisch ist aber so.
ich warte heute noch das er mich anruft :-(

Beitrag von miaohmia 20.03.06 - 15:15 Uhr

Hallo,

der Selbstmord meines Vaters liegt mittlerweile 16 Jahre zurück.
Lange, lange Jahre war es für mich fürchterlich, ich hab mich mit meinen Fragen immer nur im Kreis gedreht und konnte es nicht verstehen.
Erst die letzten Jahre hab ich gelernt es zu akzeptieren, es einfach anzunehmen...es ist so wie es ist und niemand wird es ändern.
Es war sein "Wille", er hat sich gegen diese Welt entschieden, also wird es ihm nun besser gehen. Er hat sich nicht gegen uns entschieden, sondern gegen sein Leid, gegen das er nicht ankam und das war sein gutes Recht.
Ich werde ihn immer im Herzen behalten. Könnte ich die Zeit zurück drehen würde ich nichts ändern, denn ich könnte ihm nicht helfen...

Ich wünsch dir und deiner Familie alles Liebe!#kerze