Familie - was hat sich geändert?

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von wirdvater 22.03.06 - 16:41 Uhr

wenn ich hier manchmal ein wenige spanner,
lese ich fast nur treats von genervten töchtern oder schwiegertöchtern.

war das schon immer so?

ich meine, wenn ich mal mit den älteren generationen spreche, da haben früher alle unter einem dach gelebt um sich gegenseitig das leben zu ermöglichen. eltern und großeltern waren da familiensache und haben sich gegenseitig ergänzt.
wenn man heute in ländlichen gegenden sich mal umschaut, so ist das teilweise immer noch der fall.

haben die "alten" sich verändert weil sie heute noch lange auf eigenen beinen stehen können und nicht von den kindern und enkelkindern mehr abhängig sind?

haben die kinder sich verändert weil sie die eltern nur noch als "erzeuger" sehen und "familie" nur noch in den eigenen 4 wänden im kleinen kreis zählt?

ist unsere gesellschaft nicht mehr fähig sich gegenseitig zu akzeptieren, zu achten und zu ehren?

Beitrag von siomi 22.03.06 - 16:51 Uhr

Ich denke das Problem ist das keiner mehr zurückstecken will. Jeder will seinen Kopf durchsetzen. Meine Schwiegermutter würde mir am besten auch den ganzen Tag reinreden was ich zu kochen hab, was ich anziehe,... Zum Glück wohnt sie aber nicht in unserer unmittelbaren Nähe.
Ich glaube das es früher einfach so war das man mehr auf die "Alten" sprich Eltern/Schwiegereltern gehört hat und das das auch ein Emanzipationsproblem ist. Ich bin auch jemand der sich nur ungerne von anderen reinreden lässt und mich nicht von meiner Schwiegermutter wie eine Dreijährige behandeln lasse.

Beitrag von schwarzbaer 22.03.06 - 16:54 Uhr

Von friedlich konnte auch damals (zumindest in meiner Familie) keine Rede sein. Allerdings wurden die Konflikte mit einer ziemlich rabiaten, aber wirksamen Methodik unter der Decke gehalten:

Die alte Generation hatte das sagen, die jungen hatten gefälligst das zu tun, was die alten wollten, sonst wurde mit rausschmiß und enterbung gedroht. Allerdings war das auch nur selten notwendig, weil einem ja noch der absolute Gehorsam (nicht Respekt) vor dem Alter sozusagen mit der Muttermilch eingeimpft wurde.

Will nicht behaupten, daß das überall so war, aber die Geschichten aus der Kindheit meiner Uroma und Oma waren gruselig, da bin ich froh, daß wir heute nicht mehr unter einem Dach leben.

Ich bin überzeugt davon, dass das nicht nur in meiner Familie so war und das von Harmonie unter den Generationen auch früher schon nur in Ausnahmefällen die Rede sein konnte.

gruß, schwarzbaer

Beitrag von mamamal3 22.03.06 - 17:00 Uhr

Früher war alles Besser? Früher war alles Schlechter? Oder Früher war alles anders?

Kommt immer drauf an, aus welchem Blickwinkel man das betrachtet und wieviel Egoismus man selbst mit reinbringt.

Ich selber tendiere zu Früher war es ganz genauso! Nur mit ein paar Unterschieden.

Die Kinder wurden dazu erzogen selbst noch so verhassten Personen ein Küsschen zu geben und artig ihren Diener/Knicks zu machen (und ich meine hier nicht das ausgehende 19. JH, dies galt bis weit in die 60er Jahre des 20. JH hinein). Selbstbewußtsein war, vor allem bei Mädchen, nicht gefragt. Man hatte still und sittsam zu sein.

Gegenüber Erwachsenen hatte man Respekt zu haben. Was ja im Grunde nicht schlecht war, aber leider zu dem berüchtigten Kadavergehorsam führte. Man hatte den Mund zu halten und still zu leiden.

Und es standen keine Kommunikationsmittel zur Verfügung, mit Hilfe derer man sich mit einer großen Anzahl von Menschen zu einem Thema auseinandersetzen konnte.

Auch heute gibt es überwiegend die Familie die sich ergänzt. Aber Problemfamilien werden nicht mehr hinter verschlossenen Türen gehalten sondern öffentlich diskutiert. Und darin liegt wahrscheinlich der wesentliche Unterschied.

LG - Nicola

Beitrag von laadidaa 22.03.06 - 18:53 Uhr

tach,

ich muss mich nicola zu 100 % anschließen. früher gab es schon genauso konflikte zwischen den generationen, nur wurden die eben hinter verschlossenen türen ausgetragen.
meine großeltern haben von meinen urgroßeltern zur hochzeit damals ein haus geschenkt bekommen, in das meine urgroßeltern miteingezogen sind. meine urgroßeltern bewohnten das obere stockwerk und meine großeltern das erdgeschoss mit ihren kindern.

und wenn ich meiner mutter glauben schenken darf, dann gab es immer wieder streit zwischen meinem großvater und seinem schwiegervater, also meinem urgroßvater, weil mein urgroßvater bis zu seinem tod mit 93 jahren nie wirklich meinen großvater als mann für seine tochter akzeptiert hat (und als mein urgroßvater starb waren meine großeltern schon seit über 40 jahren verheiratet) das alles sind sachen, die ich als enkelkind NIE mitbekommen habe, obwohl ich sehr viel zeit bei meinen großeltern verbracht habe.

ich denke einfach, dass man den generationenkonflikt früher nicht so mitbekommen hat wie heutzutage, wo es eben neue medien wie internet gibt, und selbst wenn einige familien vor 50 jahren schon einen fernseher hatten, dann wurde da nicht über so banale themen berichtet.

ich für meinen teil, komme mit meiner schwiegermutter zum glück halbwegs gut aus. das wir nicht das allerbeste verhältnis haben, liegt daran, dass wir einfach zu unterschiedliche menschen sind. das heißt aber nicht, dass wir uns nicht gegenseitig tolerieren können. ich akzeptiere sie als die mutter meines mannes und frau meines schwiegervaters (mit dem ich mich super verstehe) und sie akzeptiert mich als die frau ihres sohnes und mutter ihres enkelkindes.

das was uns beiden wirklich am herzen liegt, ist doch das selbe, dass es meinem mann (ihrem sohn) und meinem sohn (ihrem enkelsohn) gut geht... und ich denke, dass kann man nur erreichen, wenn man miteinander arbeitet und nicht gegeneinander und das ist das, was wohl viel zu oft vergessen wird. sie hat ihn erzogen und zu dem gemacht, den ich liebe. in sofern war mir von anfang an klar, dass ich mich mit ihr arrangieren muss. klar gibt es ab und an unstimmigkeiten, aber die gibt es auch in den besten freundschaften. und die habe ich mit MEINER mutter auch gelegentlich.

ich verstehe viele frauen nicht, die von ihrem mann verlangen sich zwischen ihnen und seiner mutter zu entscheiden. mal ehrlich, ich würde mich nie gegen meinen mann oder meine mutter entscheiden. #bla

um zum thema zurückzukommen:

Fazit: früher war es auch nicht anders als heute. auch damals gab es menschen, die es geschafft haben sich zu arrangieren und welche die es nicht geschafft haben.

der begriff der bösen schwiegermutter ist definitiv nicht erst in den letzten 40 jahren entstanden, sondern böse schwiegermütter oder auch böse schwiegertöchter gab es schon immer!

Beitrag von wirdvater 23.03.06 - 09:15 Uhr

hallo laadidaa,
schöne geschrieben und auch viele ansätze dabei, über die wir alle mal nachdenken sollten.

wir haben schon öfter mal darüber nachgedacht, wie es wäre wenn meine eltern und die meiner freundin in der unmittelbaren nähe wohnen würden.

wir haben durch die entfernungen halt nicht die möglichkeit unseren sohn dort mal zu parken und sind auf andere lösungen angwiesen.
irgendwie sind wir aber für den abstand recht dankbar.
als meine "schwiegermutter" vor ein paar wochen mal für 5 tage bei uns war, da ich auf geschäftsreise musste, hatte meine freundin auch ihre probleme damit klar zu kommen.

aber manchmal mache ich mir schon gedanken, ob wir nicht die pflicht haben uns etwas mehr um die familie zu kümmern. schließlich haben sie uns einiges gegeben und man sollte dann auch einiges zurückgeben können.

eine satz möchte ich aus deiner antwort noch unterstreichen weil ich denke, dass dieser eine wichtige aussage enthält:

"auch damals gab es menschen, die es geschafft haben sich zu arrangieren und welche die es nicht geschafft haben."

ich werde mal beobachten wie wir uns verhalten wenn wir im sommer wieder 10 tage zusammen mit meinen "schwiegereltern" in schweden sein werden und konflikte auftreten sollten. sind die ansichten der generationen so unterschiedlich? oder kommte es da dann auf die jeweiligen typen an?


vielen dank an alle für die meinungen.

carsten

Beitrag von laadidaa 23.03.06 - 16:48 Uhr

hallo nochmal,

also ich musste gerade beim lesen schmunzeln, als da stand "irgendwie sind wir aber für den abstand recht dankbar." meine schwiegereltern wohnen 250km weit weg und als ich gestern auf deinen beitrag geantwortet habe, habe ich mir auch überlegt, was wohl wäre, wenn sie einfach nur eine straße weiter wohnen würden. da kam ich zu dem gleichen ergebnis wie du... ich denke, wir hätten auch große konflikte, wenn sie in unserer nähe wohnen würden, allein schon, weil man dann mehr kontakt hätte. und wenn man mehr kontakt hat, ist auch mehr platz für reibereien.

zu deinen letzten beiden fragen: ich denke es ist eine mischung aus beiden. sicherlich kommt es auf den jeweiligen typ mensch an, aber ich denke, es spielt sicherlich auch eine rolle, dass einige ältere menschen die meinung vertreten, dass jüngere menschen keine ahnung von gar nichts haben. was natürlich wieder vom typ mensch abhängt. außerdem glaube ich, dass man mit dem alter einfach ein paar macken bekommt. ich sehe das z.b. an meiner mutter - 61 jahre alt - sie ist in den letzten jahren wirklich ein bißchen eigen geworden und hat stellenweise verhaltensmuster, die sie selbst bei meiner oma immer kritisiert hat. also, ich bin mal gespannt, wie das dann aussieht, wenn ich mal so alt bin, und ob mein sohn dann auch sagt, dass die mama sehr eigen geworden ist.

letztlich möchte ich mich herzlich bei dir bedanken, denn dein thread hat mich mal wieder richtig zum nachdenken gebracht...

lg laadidaa

Beitrag von suesse_deern 22.03.06 - 18:43 Uhr

Schau mal hier, war kürzlich ein interessanter Artikel im Spiegel - so neu scheint das Phänomen also nicht zu sein.

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,405451,00.html

Wenn es dich interessiert, ich hab das Heft noch zu Hause und kann es noch einmal nachlesen, wenn dir die Kosten zuviel sind ;-)

Viele Grüße
Claudia

Beitrag von wirdvater 23.03.06 - 08:49 Uhr

hallo claudia,

werde bei einem freund, der den spiegel sammelt mal vorbeischauen.
danke für den tip und das angebot.

carsten

Beitrag von mara299 23.03.06 - 18:37 Uhr

Hm ? Gute Frage.

Ich hatte nie ein Problem mit den Müttern meiner Ex - Freunde, im Gegenteil, zu vielen hab eich tatsächlich noch Kontakt. Wir schicken uns Weihnachtskarten, etc. und dann ist da meine richtige Schwiegermutter. Ein gaaanz anderes Thema.

Sie sagt selbst das sie schwierig ist und sie sagt das sie ihre Schwiegermutter hasst wie die Pest ... aber sie würde ja alles ganz anders machen, sie wäre ja so toll. Ja, klar. #kratz

Ich denke ganz ehrlich das es schon immer so war, das wir Frauen nur jetzt andere Möglichkeiten haben uns auszutauschen ... uns überhaupt austauschen denn ichw eiß z.B. auch das sowas früher verpöhnt war. Anderen von persönlichen - / familieren Problemen erzählen ? Niemals.

Ich denke und ich sehe es auch selbst nun schon an mir, Mütter sind sehr, sehr beschützend über ihre Söhne und da ist die Schwiegertochter doch der Feind.

Ich habe mir meiner Schwiegermutter nichts vorzuwerfen, wirklich nichts. Ich war immer nett, auch wenn es mir schwer fiel und ich bin immer wieder auf sie zugegangen. Also.

Ich kann von mir persönlich sagen das ich dazu in der lage bin andere zu akzeptieren, zu achten und zu ehren, aber ich bin nicht mehr so das ich mir alles gefallen lasse.

Unsere Gesellschaft hat sich ohn ejeden Zweifel verändert, aber dazu tragen wir alle ein Stück bei ... auch die Schwiegermütter.

#blume, Mara

Beitrag von littlejonny 24.03.06 - 23:03 Uhr

ich komm vom Land :-) und hab mir viele Geschichten von meinen Grosseltern angehört. glaub mir: früher wars auch nicht besser, da hat man nur nicht drüber geredet. Ausserdem war die Hierarchie anders: den Eltern hatte man zu gehorchen. Selbstsucht und Machtspielchen gabs auch da.

Grüssle
Marion