Thema Scheidungskinder

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von 98franzi 22.03.06 - 21:20 Uhr

Hallo Ihr..

heue abend fiel bei uns das Gesprächsthema Scheidung-Gerichtsurteile-Sorgerecht auf dem Tisch. Nicht zuletzt weil es auch im Vergangenen passierte. Und ich finde es immer wieder erschreckend, wie Richter über das Leben der Kinder "gutwollend" entscheiden und damit oft mehr Hürden bei den einzelnen Elternteilen und den Scheidungskindern aufbauen als nötig wäre. Welche Erfahrungen habt ihr mit Scheidungskindern, in oder ab welchem Alter sind Komplikationen am größten, wie kann man weitesgehend entgegenwirken etc?

Bin sehr über eure Meinungen gespannt..#hicks

Beitrag von mica2406 22.03.06 - 22:05 Uhr

Hi!
Meine Erfahrung ist, dass Kinder dann einen Schaden bekommen, wenn ein Elternteil die Kinder dem anderen entfremdet/entfremden will.
Ein besonders kritisches Alter ist zwischen 9-12 Jahre. Da neigen Kinder am ehesten dazu zum "Anwalt" und Vertrauten des "entfremdenden" (meist des betreuenden) Elternteils zu werden und haben auch beginnende Probleme mit sich selber (Pubertät).
Warum interessiert Dich das?
LG

Beitrag von 98franzi 23.03.06 - 07:38 Uhr

Grüß dich...
weil wir selber Scheidungskinder haben... allerdings schon Groß (17/21).sie durften damals (ab 12) selbst entscheiden wohin sie wollten...dennoch denke ich sehr unzufrieden mit "ihrer Entscheidung" waren. Jedes Kind verarbeitet es sicher anders und egal auch für welches Elternteil es sich entschieden hatte, fehlte immer das andere. Obwohl jeder versuchte das Beste zu geben.

Beitrag von kleene0106 23.03.06 - 12:48 Uhr

Hallo,

als das Scheidungsurteil meiner Eltern gefällt wurde war ich gerade vierzehn. Meine beiden älteren Geschwister waren bereits achtzehn und zwanzig und meine kleine Schwester war neun. Somit war ich die einzige die vor Gericht entscheiden musste wo ich leben möchte. Mir wurde vorher aber direkt vom Richter gesagt, dass mein Vater das Sorgerecht bereits abgelehnt hat.
Tja, Pupertät, dadurch Stress mit der Mutter, Stress in der Schule, der ganze Druck durch die Streitereien der Eltern....für wen entscheidet man sich da?
Die Frage wurde ansich schon beantwortet noch bevor ich es tun musste. Ich fand es grausam, ganz ehrlich.

Ich glaube leiden tun Kinder deren Eltern geschieden sind immer irgendwie, egal wie alt sie sind, nur denke ich in der Pupertät ist es noch am Schwierigsten, da man gerade in der Selbstfindungsphase ist, da braucht man viel Halt.

Mich persönlich stört es nur wenn man als Eltern die Kinder nicht aussenvor lässt bei Streitigkeiten. So oft erlebe ich dass die Kinder mittenrein gezogen werden. Wenn die Mutter z.B. das Aufenthaltsbestimmungsrecht hat, dann ist es nicht selten dass der Vater auf sein Besuchsrecht besteht auch wenn die Kinder vielleicht grad gar nicht wollen. Da wird eher behauptet man entfremdet das Kind, als dass man die freie Entscheidung des Kindes respektiert. Da verstehe ich auch die Gerichte nicht, die darüber urteilen, dass die Kinder zum anderen Elternteil "müssen".
Ich hoffe dass ich mich und meine Kinder nie in diese Situation bringen werde, aber wenn, dann werde ich mich unheimlich bemühen, es den Kindern so leicht wie möglich zu machen. Aber genau wie bei den meisten anderen Sachen, gehören auch da immer zwei zu.

Ist halt eine schwierige Angelegenheit. Sorry dass es so lang geworden ist.

Wie klappt es bei euren Kindern?

LG
Kleene

Beitrag von 98franzi 23.03.06 - 13:52 Uhr

Hallo Kleene,

danke dir erstmal für dein Posting...
Ich denke dass Kinder in dem ganzem Dilemmer gar kein richtiger Für und Wieder abwägen können und zum größten Teil einfach sich für den leichtesten Weg entscheiden wo am wenigsten Wiederstand ist.
Die Große blieb gegen die Entscheidung des Richters beim Vater, der Kleine zur Mutter, wie auch gewünscht. Nach 12 auch zum Vater... mit 17 wieder zurück. Keiner der Elternteile ist das Richtige... immer auf der Suche.
Ist es also Richtig nur nach den Wünschen der Kinder zu gehen?

Beitrag von kleene0106 23.03.06 - 16:51 Uhr

Nee,

immer sicher nicht, aber bei manchen Sachen schon. Klar, so ein hin und her ist für alle beteiligten schwierig und zerrend, da würde ich wahrscheinlich niemandem verübeln wenn er pötzlich sagt "Halt! So nicht!"

Ich sag's ja, ist alles nicht so einfach. Aber viele Probleme die die Kinder damit haben lassen sich irgendwie vermeiden. Ausnahmen gibt es immer.
Aber dass es für ein Kind schwierig ist sich für ein Elternteil zu entscheiden ist doch eigentlich normal, oder?
Da muss man sich als Eltern halt irgenwie einig sein. Selbst wenn man nicht mehr in einer Partnerschaft lebt. Aber selbst dass ist nicht immer leicht und manchmal schlichtweg unmöglich. Leider.

Beitrag von 98franzi 23.03.06 - 18:54 Uhr

Ja das ist sicher so...
dennoch frage ich manchmal wie lange die Auseinandersetzung dessen bedarf. Weißt du.. ich habe immer wieder das Gefühl dass der inzwischen Große (17) immer noch unter Verlustängste leidet. Alles was sein Leben betrifft öffnet er sich schwer. Eine andere Frage die entsteht... was sucht er.. bei seinem ständigem Wechsel zwischen hier und da. Liebe und Geborgenheit versuchen beide zu vermitteln... ist er womöglich auf der Suche und Nachholbedarf nach seiner vergangenen Kindheit?

Beitrag von kleene0106 23.03.06 - 20:22 Uhr

Naja, immerhin war er ja auch noch recht jung als sich seine Eltern getrennt haben...
eine Scheidung ist nunmal ein einschneidendes Erlebnis, manche kommen schneller drüber hinweg, andere gar nicht.

Ich kann im Moment ja nur von mir sprechen, aber ich leide teilweise auch noch unter extremen Verlustängsten und ich hatte auch am Anfang meiner Beziehung permanent Angst ich könnte betrogen und verlassen werden. Gott sei dank habe ich es irgendwie überwunden, aber er ist erst 17! Auch wenn er vielleicht sonst schon relativ erwachsen sein mag, aber ich finde man sollte versuchen Verständnis dafür zu haben. Klar, dieses Hin und Her hätte ich nicht mitgemacht, da hätte ich ihm wirklich irgendwann wohl gesagt, dass er sich nun entscheiden muss wo er wohnt, aber dass er sich immer wenn er es braucht Rat beim anderen suchen kann, dass schließt ja nicht gleich einen ganzen Umzug mit ein. Genauso müsste dann der Ex-Partner reagieren: Du wohnst jetzt dort und du kannst aber jederzeit wenn du Hilfe brauchst zu mir kommen. Ich denke hier wäre es schön wenn man den Kindern vermitteln könnte, dass die Eltern trotzdem an einem Strang ziehen und zusammenarbeiten, auch wenn sie nun getrennte Wege gehen. Ich glaube diese Sicherheit ist es, die Kinder am Meisten brauchen, oder?

Ich will damit aber jetzt keinen von euch kritisieren, ich kenne ja eure Geschichte nicht, will es nur mal eben sagen, damit ich nicht falsch verstanden werde.

Was sagt der Große denn selber dazu? Redet ihr offen darüber? Wie es aussieht bist du die Stiefmutter (ich hasse dieses Wort), oder?

Beitrag von 98franzi 23.03.06 - 20:35 Uhr

Ja ich bin die sogenannte Stiefmutter und warscheinlich die einzige die Sorge trägt, denn sein Vater resigniert- erkennt wohl seine Fehler und die Ex sieht es nach dem Motto: Naja, man kann ja nix erzwingen . Also keine wikliche Hilfe.... Ich sehe letztendlich dass es dem Jungen nicht gut geht... mein Mann glaubt dass es keine Möglichkeit mehr gibt ihn mit 17 da raus zu holen - ich es leid bin, ständig mein Kopf als Sündenbock darzustellen und einfach nur für mich die Frage gestellt haben zu wissen damit ich weiß wie ich mit der Zukunft umgehen kann.

Beitrag von kleene0106 23.03.06 - 23:17 Uhr

Ich weiss nicht ob DU was daran ändern kannst, ich weiss ja nicht wie euer Verhältnis ist, sprich deins zu dem Großen.
Ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen dass seine Eltern ihm da jetzt noch eine große Hilfe sein könnten, denn wenn da bisher die ganzen Jahre ein Defizit war, ist es schwer diese Lücke zu füllen.
Aber man ist halt selber nur ein Mensch, Fehler macht jeder. Ich denke wichtig wird nur sein, dass er zumindest für die Zukunft erst einmal einen Punkt hat, an dem er sich orientieren kann. Hat er denn eine bestimmte Bezugsperson, der er blindlinks vertrauen kann?
Man kann ihn jetzt aber auch nicht vor sämtlichen Niederlagen beschützen, es wird immer mal wieder passieren dass er jemanden verliert oder was auch immer, er muss halt lernen damit umzugehen.
Ich habe damals eine Gesprächstherapie angefangen, aber ich musste sie nicht zu Ende führen, da ich ansich wusste wo mein Problem liegt und brauchte halt nur die Bestätigung und ein paar anregende Tipps, danach habe ich mir so nach und nach alles aufgebaut.
Ich weiss jetzt allerdings nicht ob er sich auch selber von weiter weg beobachten kann und erkennt was genau im Argen liegt. Vielleicht wäre ein Gespräch bei einem Therapeuten gar nicht so verkehrt, bei einer Familienberatung zum Beispiel.
Denn Verlustängste können einem im schlimmsten Fall das halbe Leben ruinieren.
Aber ich finde es schön dass du dir da solche Gedanken drüber machst, ehrlich. #pro