Krankenversicherung für unser Kind (Achtung, lang)

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Beitrag von miau2 27.03.06 - 17:27 Uhr

Hi Ihr,
ich weiß, dass das Thema hier schon öfter diskutiert wurde, aber so ganz klar und eindeutig weiß ich immer noch nicht, woran wir sind.

Mein Lebensgefährte und ich erwarten Ende Mai unser erstes Kind. Ich werde danach Elternzeit nehmen, evtl. Teilzeit arbeiten - ist aber für unseren Fall eher uninteressant.

Ich bin pflichtversichert in der GKV und würde, wenn ich in der Elternzeit gar nicht arbeite, beitragsfrei weiter versichert werden. Soweit ist das alles klar :-).

Mein Lebensgefährte (Vater des Kindes :-p) ist privat krankenversichert, liegt mit seinem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze und hat, auch wenn ich Vollzeit arbeite, ein deutlich höheres Einkommen als ich (auch weit weg von jedem evtl. existierenden "Ermessungsspielraum"). Wenn wir verheiratet wären, wäre die Sache auch klar - sind wir aber nicht.

Jetzt das "Problem": gibt es einen Zwang, dass das Kind privat krankenversichert werden muss oder als freiwillig versichert in der GKV laufen würde (natürlich gegen Bezahlung), oder wäre auch eine beitragsfreie Versicherung über mich möglich? Es geht hier nicht darum, wie wir uns im Falle einer Wahlmöglichkeit entscheiden würden - ich habe auch nichts gegen einen Zwang zur Versicherung über den besserverdienenden Elternteil. Nur habe ich zu dem Thema von verschiedenen Leuten, die es eigentlich wissen sollten, total verschiedene Antworten bekommen:

Finanzberater 1: das Kind muss privat versichert werden (Einschränkungen für den Zwang hat er uns nicht genannt).

Finanzberater 2, anderer Dienstleister: das Kind kann problemlos über mich beitragsfrei versichert werden, wenn wir das wollen. Auch hier wurden keine Einschränkungen genannt.

Meine Krankenkasse: So lange wir nicht verheiratet sind, ist der Krankenkasse der Lebensgefährte und Vater "egal" - beitragsfrei wäre problemlos möglich.

Internet, mehrere Quellen: wenn die Voraussetzungen, dass der privat versicherte Vater über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, und er mehr verdient als ich, erfüllt sind, dann muss das Kind privat versichert werden. Wenn eine dieser Voraussetzungen nicht (mehr) erfüllt ist, ist die beitragsfreie Versicherung in der gesetzlichen möglich. Z.B. hier zu finden (ganz unten):

http://www.krankenkassen-direkt.de/services/faq.pl?val=1143471972&job=uni&faq=2639630

Die letzte Aussage macht meiner Meinung nach am meisten Sinn...

Kennt sich irgend jemand in dem ganzen Durcheinander aus, und kann mir vor allem eine gesetzliche Grundlage nennen? Da wir beide Finanzberater persönlich kennen, und ja irgendwie nur einer Recht haben kann, wäre es alleine schon deshalb interessant. Irgendwo muss es doch dazu was in Gesetzesform geben (SGB?).

Vielen Dank für jeden Tipp!

Viele Grüße,
Miau2 mit #baby 31+5




Beitrag von danaz 27.03.06 - 18:12 Uhr

Hallo,

schau doch mal ins SGB V (findest Du über Google). Da steht vieeeel zu Krankenversicherung. Bei Familienversicherung ist geregelt, dass die Beitragsbemessungsgrenze entscheidend ist, aber nur in Bezug auf den Ehegatten oder Lebenspartner. Wenn ihr nicht verheiratet seid, dürfte also eine Familienversicherung über Dich kein Problem sein. Mit Lebenspartner sind die Partner aus einer eingetragenen Lebensgemeinschaft gemeint. Frage einfach bei Deiner Krankenkasse nach; bei uns hat die KKH richtig informiert. Man unterstellt den Versicherungen ja immer, dass sie zum eigenen Vorteil argumentieren. Aber letztlich müssen die es wissen und sind ja auch diejenigen, die darüber am Ende entscheiden. Hoffe, ich konnte Dir trotzdem helfen.
Dana.

Beitrag von peterpanter 27.03.06 - 20:04 Uhr

Hi,

wir hatten das gleiche Problem und auch einige "Experten" dazu gehört.

Auf jeden Fall einfach ist es nicht.

Solange ihr nicht verheiratet seit kann das Kind bei Dir kostenlos mitversichert werden. Allerdings kann es auch gegen zusätzlichen Beitrag bei deinem LG in der PKV versichert werden.

Solltet Ihr jedoch heiraten muß das Kind bei demjenigen mit dem regelmäßig höherern Einkommen versichert werden. Also bei deinem Lebensgefährten. Allerdings kann es auch freiwillig in der GKV versichert werden.


Bei den Beiträgen zur PKV beteiligt sich der AG mit 50% (Allerdings nur bis zu einem Höchstbetrag - das heißt es werden als AG Zuschuss zu der PKV deines LG+des Kindes max 50% des durchschnittlichen Beitrages der GKV gezahlt ).

Solltet Ihr nie vorhaben zu heiraten und du auch weiterhin berufstätig bleibst oder nach dem Erziehungsurlaub wieder sein wirst solltest du das Kind bei dir in der GKV mitversichern. Die Leistungen für Kleinkinder sind in der GKV akzeptapel (im Gegensatz zu den Leistungen für normale Beitragszahler)

Solltet Ihr sowieso vorhaben in den nächsten 12 Monaten zu heiraten solltet ihr das Kind gleich privat versichern - Ihr müßt es ja sowieso. Eine nachträgliches versichern in der PKV kann problematisch werden. Denn im Zeitraum nach von-ich glaube es sind - 2 Monate nach der Geburt muss das Neugeborenene ohne Gesundheitsprüfung versichert werden. Danach kann es selbst bei Kleinigkeiten im Gesunheitszustand zu einem Beitragsaufschlag bzw. zu einer Ablehnung führen der Versicherung führen. Auch versichern viele PKV keine Kinder alleine sondern nur um Zusammenhang mit einem Elternteil. Also es wird als PKV auch nur die Versicherung deines LG in Frage kommen.

Auch wird dann weiterhin auch jedes Kind extra versichert werden müssen. Und solltest du auf die Idee kommen "nur" Hausfrau zu sein - kommt natürlich auch noch der Beitrag für Dich dazu. Dann sollte dein Mann wirklich gut verdienen.............

Von all dem abgesehen weiß auch kein Mensch wie in 5 Jahren die Absicherung im Krankheitsfall in Deutschland geregelt sein wird und alle Überlegungen sowieso hinfällig sein werden.

grüßle

peter



Beitrag von ursusarctos 27.03.06 - 20:20 Uhr

Ja. Ganz klar muss das Kind beim besser verdienenden Elternteil versichert werden, zumal Ihr zusammenlebt. Es ist egal, ob Ihr verheiratet seid oder nicht. Irgendwann bekommen sie es seitens der KK heraus, sie prüfen das nämlich alle zwei Jahre, und fordern dann die Beiträge nach - das tut richtig weh, das ist bei uns passiert, sie haben gerade die erste Rate vom Konto abgehoben...

Wir haben das damals nicht absichtlich gemacht, wir waren auch davon ausgegangen, dass es okay ist, wenn das Kind bei mir in der Familienversicherung ist (wir lebten damals schon fast 15 Jahre zusammen, mein Mann und ich). Ich habe sogar bei meiner HEK (gesetzliche KK) angerufen und nachgefragt. Tatsächlich hätten wir das Kind ab Geburt entweder privat über den Vater versichern müssen (zu dem Zeitpunkt natürlich der besser Verdienende, aber wir liegen beide satt über der Ermessensgrenze) oder freiwillig über mich, bzw. der Kleine hätte seine eigene Krankenkasse gebraucht.

Rückwirkend zum 1.1. vergangenen Jahres haben wir ihn jetzt zu mir in die Versicherung mit reingenommen, er ist also freiwillig gesetzlich versichert, mit eigener Versicherungsnummer. Die anderen beiden Jahre haben sie uns mehr oder minder geschenkt, weil ich selber den Fehler angezeigt habe (bevor sie mich erwischen!!!). Ich habe lange recherchiert und festgestellt, dass die Leistungen der Gesetzlichen genau das sind, was man braucht als Eltern. Das ist auch meine Erfahrung im Alltag. Die Sachbearbeiterinnen bei den privaten, die ich um Kostenvoranschläge für den Kleinen gebeten habe, hatten alle (!) ebenfalls ihre Kinder gesetzlich versichert.

Ich würde da sehr vorsichtig sein, denn es kann durchaus passieren, dass Euer Kind lange Behandlungen braucht o.ä., so wie unser Junge, und das letzte, was man dann braucht, ist eine Kasse, die einen wegen Betrugs (ob absichtlich oder nicht) rauswirft - denn dann nimmt einen niemand mehr.

Die dritte Aussage ist zwar richtig, aber sie müsste lauten "beitragsfrei wäre problemlos möglich, SOLANGE DIE ELTERN DES KINDES NICHT ZUSAMMEN LEBEN". Es sind alle drei Aussagen korrekt, um genau zu sein. 1, muss das Kind privat versichert sein, wenn es nicht freiwillig bei der Mutter versichert ist. 2, ist genau so korrekt. Nein, ganz klar, die beste Lösung wird sein, Euer Kind freiwillig bei Deiner Kasse mit zu versichern. Das dürfte so etwa 150 Euro im Monat kosten.

VG, Barbara

Beitrag von kati543 28.03.06 - 10:38 Uhr

Bei welcher Kasse seid ihr? Selbst in der Barmer zahlt man für ein freiwillig versichertes Kind "nur" 120 €. Deswegen kommt Junior jetzt in die Kasse seines Vaters ;-). Da zahlt der AG wenigstens noch die Hälfte und damit liegt für uns der Anteil bei knapp 50 € im Monat.

Beitrag von ursusarctos 28.03.06 - 10:45 Uhr

HEK. Wir haben ein paar Zusatzversicherung, das hatte ich vergessen zu erwähnen, denn der Junge braucht spezielle Therapien. Kann sein, dass es anderswo günstiger ist, die HEK ist immer auf Platz Eins der Kundenzufriedenheit - kann ich nur bestätigen!

Beitrag von huppala 27.03.06 - 21:35 Uhr

Hui,

hier kommen ja "ganz klare" Auskünfte.

Also: zunächst einmal, ich bin Expertin auf diesem Gebiet.

Und es ist richtig, solange Ihr nicht versichert seid, ist das Kind beitragsfrei bei Dir versichert.

Sozialgesetzbuch V § 10

Es gibt einen Und-Grundsatz

das Kind ist beitragspflicht (ob nun privat oder gesetzlich) wenn

der blutsverwandte und
höher verdienende und
EHEGATTE

privat versichert ist.

Also, so lange Ihr noch nicht verheiratet seid, ist das Kind beitragsfrei. Und es muss, auch wenn Ihr verheiratet seid, keineswegs in die Private. Es kann auch beitragspflichtig in die Gesetzliche.

Hoffe, konnte Dir helfen.

Wenn du weitere versicherungstechnische Fragen hast, immer her damit.

PS: Deinen Finanzberater würd ich mal unter die Lupe nehmen Entweder hat er wirklich keine Ahnung, oder er hat Dir absichtlich eine Falschauskunft gegeben, damit Ihr das Kind bei ihm versichert und er daran verdient. Soll´s ja in unserer Branche geben #augen

LG, Anne

Beitrag von coppeliaa 28.03.06 - 09:45 Uhr

ich kann zwar sachlich zur problemstellung nix beitragen, muss jetzt aber trotzdem mal dringend was loswerden: wenn ich mir das ganze verwirrspiel da betrachte frage ich mich: hat's der wechsel von pflichtversicherung zur versicherungspflicht in deutschland eigentlich gebracht? war's im nachhinein betrachtet sinnvoll? was denken die leute da so drüber? und wird dieses system bleiben?

lg coppelia

Beitrag von pete1323 28.03.06 - 22:51 Uhr

Hallo coppelia!

"hat's der wechsel von pflichtversicherung zur versicherungspflicht in deutschland eigentlich gebracht? war's im nachhinein betrachtet sinnvoll?"

-> Das verstehe ich nicht. Welchen Wechsel meinst Du?

Und ob dieses System bleiben wird? -> Nein, das kann es gar nicht. Die gesetzliche Krankenversicherung ist aufgrund ihres Umlageverfahrens nicht in der Lage den demographischen Wandel abzufangen. Ohne die private - kapitalgedeckte - Versicherung würde es heute schon in vielen Arztpraxen schlecht aussehen.

Aber die "Verbrecher" in Berlin wollen sich ja jetzt zusammensetzen und sich was tolles Ausdenken. Eine kleine Sammlung unsinniger Ideen gefällig?

- Bürgerversicherung
- Gesundheitsprämie
- Gesundheitssoli

Ich frage mich, warum sich die Damen und Herren nicht einmal beraten lassen, um solch eine schwierige Reform auf den Weg zu bringen.

Von den bisherigen Ideen ist keine in der Lage, das System langfristig finanzierbar zu machen.


gruß pete

Beitrag von coppeliaa 29.03.06 - 12:41 Uhr


-> Das verstehe ich nicht. Welchen Wechsel meinst Du?

wars in deutschland nicht auch mal so, dass man sich seine krankenversicherung nicht aussuchen konnte sondern automatisch einer bestimmten zugewiesen wurde? (das meine ich mit pflichtversicherung). jetzt kann man ja frei wählen (unter bestimmten vorrausetzungen oder?) muss aber irgendwohin = versicherungspflicht.

oder hab ich da was falsch im kopf?

was man hier im forum liest scheints auch immer wieder schwierig mit einigen detailfragen zu sein. wer kann wo versichert werden bei ehe oder lebensgemeinschaft, was kostet wieviel, was ist mit den kindern, die behandlung bei ärzten etc scheint manchmal auch nicht immer gleich zu sein etc etc. scheint alles zusammen nicht ideal zu sein.

in österreich gibts das system der pflichtversicherung, ich kann mir nicht aussuchen wo ich versichert sein möchte. die leistungen sämtlicher kassen sind aber ähnlich. finanzprobleme gibt es, zur zeit versucht man generell die ausgaben für medikamente zu senken (stichwort generika). irgendwann kam auch mal was von wegen 'selbstbehalt' auf den tisch, naturgemäß ein schwieriges thema (wozu zahlen, wenns bis jetzt 'gratis' war?), obwohl in manchen kassen selbstbehalt zu zahlen ist (bei mir 20 %).

zumindest für den versicherten ist die sachlage einfacher als in D: aussuchen kann man nicht, kinder werden beitragsfrei bei vater oder mutter mitversichert.

lg coppelia

Beitrag von pete1323 29.03.06 - 20:05 Uhr

Okay, jetzt weiß ich, was Du meinst.
Früher war es so, dass nur Teile der Bevölkerung aufgrund Ihrer Arbeit krankenversichert waren.

Eine heutige Pflicht gibt es nur für Menschen, die unterhalb eines bestimmten Einkommens verdienen; die anderen sind versicherungsfrei [grob gesagt].

Das österreichische System ist mir bekannt, auch die meisten anderen europäischen.

Problematisch ist es in D - wie wahrscheinlich fast überall - dass es so viele Interessengemeinschaften gibt, die ihre eigenen Ziele zu verwirklichen suchen. Das kann nicht funktionieren.

Man muss den Menschen auch hier einfach beibringen, dass es ohne Leistungskürzungen und Selbstbehalten nicht mehr finanzierbar ist.

Ein großer Schritt wäre getan, wenn die versicherungsfremden Leistungen aus der GKV verschwinden würden. Warum können z.B. Kinder oder Eheleute beitragsfrei familienversichert sein? Was ist mit Zahnersatz? Was ist mit Krankengeld? ...

Leistungen kürzen, teilweise in kapitalgedeckte Form wandeln, den privaten auferlegen, dass ARst mitgenommen werden dürfen. Das sind nur einige Punkte, die zu einem finanzierbaren System führen können.

gruß pete

Beitrag von pete1323 28.03.06 - 22:45 Uhr

Hallo!

Ich gebe den Ausführungen von "huppala" Recht.

Zur Entscheidung, ob nun privat oder gesetzlich sinnvoller, bin ich lieber für das System mit garantierten Leistungen.

gruß pete