Privatinsolvenz... Wer kennt sich aus?

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Beitrag von mondlaus 27.03.06 - 22:40 Uhr

Hallo zusammen...

Erbitte Auskunft von jemandem, der sich mit dem Thema der privaten Verbraucherinsolvenz wirklich gut auskennt...

Bei einem mittlerweile geschrumpften Nettoeinkommen von nur noch 800,- Euro im Monat ist es nicht mehr möglich, einen Schuldenberg von knapp 25.000,- Euro mit monatlicher Rate von 450,- Euro abzutragen.

Fakten:

- Die Schulden bestehen bei 4 Banken und einem Versandhaus.
- Mietkosten und "Nebenkosten" für Fahrticket, Telefon, Lebensunterhalt etc. verbrauchen im Grunde das ganze Gehalt.
- Ab Mitte April kann definitiv keine Schulden-Rate mehr beglichen werden.

Wichtigste Fragen:

1. Sofort ab zum Anwalt? Und wenn ja - wie versteht es sich mit den anfallenden Kosten? Rechtsschutzversicherung beinhaltet lediglich Privat- und Berufsrechtsschutz.

2. Man hat bei Ratenausfall für Gehaltspfändung beim Arbeitgeber unterschrieben. Wenn dieser allerdings Pfändungsbescheide erhält, ist man definitiv seinen Job los - sollte also tunlichst vermieden werden. Was machen?

3. Hochzeit steht eventuell ins Haus. Wie verhält es sich damit? Kann irgendwie vermieden werden, das der Zukünftige bei der Schuldenbegleichung mit zur Kasse gebeten wird? Zur Info: Die Schulden bestanden bereits vor Beginn dieser Beziehung. Desweiteren lebt man noch nicht zusammen - es besteht also keine "eheähnliche Gemeinschaft".

4. Welcher Betrag steht einem momentan noch ledigen Menschen ohne Kinder monatlich für Miete, Lebensunterhalt, etc. überhaupt zu? Wieviel Geld bleibt einem zum Leben, wenn man Privatinsolvenz anmeldet?


Würde mich über Tips und Ratschläge sehr freuen.

Vielen Dank im Voraus...
mondlaus #blume

Beitrag von poohgirlie 28.03.06 - 09:21 Uhr

Hallo
also ich versuche mal, dir ein paar Antworten zu geben.

1. Der Weg zum Anwalt ist nicht unbedingt erforderlich, wenn es aber schneller gehen soll, schon hilfreich. Hat man mehr Zeit ( und Nerven) tut es auch eine anerkannte Schuldnerberatung.
Die Kosten für den Anwalt können durch einen Berechtigungsschein gedeckt werden, der muss beim RA ausgefült werden. Der is allerdings einkommensabhängig, aber die Grenzen dafür kenne ich nicht, ich denke, bei 800 Euro Lohn müsste der bewilligt werden. Red mit einem entsprechenden RA.

2. Um eine Pfändung beim AG wirst du nicht drum rum kommen, es sei denn, du bezahlst deine Raten. Wenn die Lohnabtretung unterschrieben wurde, und die Raten nicht mehr gezahlt werden, wird der Gläubiger über Kurz oder Lang diese offenlegen und deinem AG übersenden.
Entscheidest du dich für eine Privatinsolvenz, wird dein AG ebenfalls darüber informiert, denn du musst den gesamten pfändbaren LOhn (wenn es welchen gibt) an den Treuhänder (der dir dann zugewiesen wird) abgeben. Das geschieht oft direkt über den Arbeitgeber, so dass du nur den pfändungsfreien Lohn von ihm ausgezahlt bekommst. Am besten ist es, bevor sowas eintritt, direkt mit dem Chef zu reden. Karten offen auf den Tisch legen. Das klappt am besten, meiner Ansicht nach.

3. Es kommt nicht darauf an, ob du verheiratet bist, sondern, auf wen die Schulden laufen. Sind es ausschliesslich deine Schulden, hat auch ein Ehepartner damit nix am Hut. Ebenso ist es bei der Inso. Es macht nur der Insolvenz, der Schulden hat, der Ehepartner kann (wenn er keine Schulden hat und auch bei keiner Schuld des Partners schriftlich gebürgt hat) komplett aus der Inso rausgehalten werden. Hochzeit hin oder her.

4. Hier ist die Lonhpfändungstabelle.
http://www.sfz-mainz.de/dateien/fachinformationen/lohnpf_tabelle_euro_neu.htm

Nach deinen Angaben bist du keinem unterhaltspflichtig, musst also bei Spalte 0 gucken. Es bleiben dir 979 Euro über, an die keiner darf.
Wenn durch die HOchzeit allerdings eine Person dazu kommt, die KEIN eigenes Einkommen hat (auch kein ALG), dann bist du dieser Person Unterhaltspflichtig gegenüber und musst dann den Betrag in Spalte 1 ablesen.

Im grossen und ganzen kann die Privatinsolvenz die letzte REttung für den Schuldner sein.
Man muss aber auch bedenken, dass man dann mind. 6 Jahre alles Einkommen abtreten muss, dass über der Pfändungsgrenze liegt.
Die Schufa ist dann im Eimer sozusagen und selbst ein Handyvertrag ist kaum noch zu bekommen. Aber auch das hat seine Vorteile...Prepaid kostet weniger auf Dauer. Man hat seine Kosten im Griff.
Das Konto wird man dir bei Eröffnung erstmal dicht machen. ist es überzogen, sieh dich nach einem neuen um und versuche, das alte auszugleichen. Bei Eröffnung der Inso wird es gekündigt werden. Ein reines Guthabenkonto wird meistens nur kurzzeitig gesperrt und dann vom Treuhänder wieder freigegeben. Also auch immer darauf achten, etwas Bargeld daheim zu haben, um solche Tage zu überbrücken.

Darf ich fragen, wieso du sowenig verdienst? 800 Euro erscheint mir wenig. Ist das ein Vollzeitjob? Manchmal hilft es auch schon, einen Nebenjob anzunehmen, der in der ersten Zeit die Kreditraten abdeckt.
Bei 25.000 Euro würde ich mir eine Inso sehr gut überlegen. Dieser Betrag ist nicht zu hoch, um ihn abzuzahlen.
Die ersten Schritte müssen sein, dass du die Gl anschreibst, sie um geringere Raten z.b bittest. Damit erstmal kein so grosser Rückstand entsteht, aber dennoch das monatliche finanz. Loch kleiner wird.
Hast du irgendwelche Ausgaben, die du verringern kannst ? Abo Fitness Studio oder Zeitung kündigen, Premiere abbestellen, vielleicht ein zu teures Auto?

sind nur Beispiele, weiss ja nichts genaues ;-)

Wenn du Fragen hast, einfach melden.
Ein super Forum ist
www.forum-schuldnerberatung.de
da sind auch Fachleute drunter, die dir weiterhelfen können.
Gruss

Beitrag von mondlaus 28.03.06 - 21:28 Uhr

Hallo poohgirli...

danke erstmal, das Du Dir für die Beantwortung meiner Fragen so viel Zeit genommen hast. Die Situation ist aber leider ein wenig komplizierter gestrickt.

Zum einen wurde die Arbeitsstelle gerade neu angetreten und man befindet sich noch in der Einarbeitung - deshalb der geringe Nettolohn für ca. 6 Monate und durch die Probezeit auch die Angst vor Pfändungsbescheiden.
Zum Anderen darf man während der Einarbeitung ausdrücklich keinesfalls einer Nebentätigkeit nachgehen (bereits erfragt und bei 40-Stunden-Woche auch kaum noch möglich).
Ausgaben sind auch nicht mehr zu kürzen.

Werde aber den Link zum Schulden-Forum mal weiterleiten.

Vielen lieben Dank soweit. #blume