Neue Chance durch Psychotherapie??? Bin ratlos!

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von sunny.queen 28.03.06 - 09:47 Uhr

Hallo ihr Lieben,

ich bin hier sonst meist nur stille Mitleserin, aber heute muss ich euch selbst mal um euren Rat fragen. Seit 2 Wochen steht mein Leben völlig Kopf und ich weiß nicht mehr, was ich machen soll, was richtig und was falsch ist.

Ich will euch jetzt keinen ewig langen Roman schreiben, deshalb mal der Versuch einer Kurzversion. Ich bin jetzt seit 6 Jahren mit meinem Mann zusammen und dieses Jahr sind wir 4 Jahre verheiratet. Es war anfangs eine Fernbeziehung und nach einem 3/4 Jahr bin ich aus der Gropßstadt zu ihm auf's Land gezogen. Mich hat das nie gestört, im Gegenteil, ich genieße das Leben hier, die schöne Gegend, die Natur, habe einen super tollen Job, neu Freunde, usw. 2004 hatten wir einen schweren Schicksalsschlag, der irgendwie alles verändert hat. Wen es interessiert, der kann sich dazu meine VK anschauen.
Mein Mann hat sich immer mehr zurückgezogen, ich hatte das Gefühl er einfach keine Liebe mehr für mich übrig, habe mich die letzten 2 Jahre sehr, sehr allein, unglücklich und ungeliebt gefühlt. Er hat mich bei vielen wichtigen Dingen allein gelassen, als ich ihn eigentlich gebraucht hätte. Ich habe anfangs versucht, dagegen anzukämpfen, ihn aus seinem Schneckenhaus zu locken, doch ich wurde immer nur weggestoßen. Es kam einfach nichts mehr von ihm rüber - zuletzt hatte ich sogar das Gefühl, das selbst meine bloße Anwesenheit ihm schon zu viel ist.

Tja, und dann kam ein anderer ...
Dieser Andere ist so anders als mein Mann, so erfrischend, so liebevoll, so zärtlich, verständnisvoll ... Wenn ich ehrlich bin, all das was mein Mann anfangs auch war. Versteht mich bitte nicht falsch, ich habe nichts mit dem Anderen. Bis jetzt sind es nur eMails und Telefonate - getroffen habe ich ihn noch nicht. Aber ich gebe zu dass mein Herzchen ein Hüfer macht wenn Post von ihm kommt, wenn ich seine Stimme höre oder einfach wenn ich an ihn denke.

Komisches Leben, oder? Hätte man mich vor 3 Wochen gefragt, hätte ich noch gesagt, ich liebe meinen Mann und nur ER ist mir das wichtigste auf der ganzen Welt.

Und jetzt?

Jetzt ist mein Mann plötzlich aufgewacht. Er hat alles herausgefunden, will um mich kämpfen, hat eingesehen, dass er die letzten 2 Jahre nur noch eiskalt und lieblos war. Er will eine Psychotherapie machen, hat mir gestern erstmalig (!!!) super schlimme Dinge aus seiner Kindheit erzählt. Er sagt, mit seiner Kindheit hätte es unheimlich viel zu tun, dass er einfach keine Gefühle zeigen kann und er sagt, er hat unseren Schicksalsschlag einfach absolut noch nicht verarbeitet. Er meint, ein Psychologe könnte ihm helfen sich zu ändern - ja, ALLES zu ändern - mir endlich (wieder) der Mann zu sein, in den ich mich mal verliebt habe, mir endlich das zu geben was ich brauche, mir endlich wieder Halt, Liebe und Geborgenheit zu geben.

Ich weiß im Moment überhaupt nicht, was ich fühlen soll!
Mein Mann ist gestern erstmal ausgezogen und ich soll mir über meine Gefühle klar werden. Ob ich mit ihm den Schritt der Psychotherapie gehen will, oder ob es dafür schon zu spät ist.
Er ist (wiedermal) der Passive, der sich zurücklehnt und darauf wartet dass ICH mich entscheide. Es kam von ihm den ganzen Abend lang und auch heute noch kein Lebenszeichen, kein Zeichen dafür dass er um mich kämpft. Dafür kämpft "der Andere" umso mehr ...
Wenn ihm so viel an mir liegt, würde er dann nicht kämpfen? Kann man denn wirklich psychisch so "fertig" sein, dass man noch nicht einmal mehr SMS schreiben kann? Soll ich jetzt wieder einen Schritt auf ihn zu machen? Vielleicht wartet er nur auf ein Zeichen von mir.

Meine Schwester hat mir gestern Abend noch auf den Weg gegeben, dass ich in der Nacht ganz tief in mein Herz hören soll und dass derjenige, an den ich dann denke, der Richtige ist.
Aber: ich habe heute Nacht abwechselnd an beide gedacht. Beim Aufwachen heute morgen war ich zuerst wehmütig, dass mein Mann nicht da ist, dann erleichtert und frei und dann wiederum wehmütig beim Gedanken, unsere schöne Wohnung, die schöne Gegend, die schönen vertrauten Gewohnheiten evtl. aufgeben zu müssen.

Wenn ich meinen Mann für den Anderen verlasse, gebe ich dann evtl. die Liebe meines Lebens für ein Strohfeuer auf?
Andererseits, wenn ich bei meinem Mann bleibe und wir es nicht schaffen, er sich nicht ändern kann, habe ich dann vielleicht die große Liebe verpaßt? Ist der "Andere" die große Liebe, die ich dann ziehen lassen würde?
Ich würde meinem Mann gerne glauben, ich möchte ihm beistehen, ihn auf seinem bevorstehenden harten Weg begleiten. Aber ich bin mir im Moment garnicht sicher ob ich das nur aus Mitleid bzw. Gewohnheit bzw. einer Art "vertrauten Bruder-Schwester-Liebe" tun würde ...

Ich weiß, das die ganze Geschichte ziemlich verworren klingt.
Aber vielleicht hat ja der eine oder andere von euch doch ein paar brauchbare Ratschläge für mich. Wer hat sowas auch schon erlebt? Habt ihr hinterher eure Trennung bereut? Und ganz wichtig: wie finde ich heraus, was das Richtige für mich ist??? Ich bin im Moment völlig hin- und hergerissen und fühle mich zu keinem klaren Gedanken fähig.

Danke für's Zuhören.
LG, Silja

Beitrag von percanta 28.03.06 - 10:22 Uhr

Hallo Silja,
nun, den Rundumschlag an Ratschlägen kann ich Dir natürlich nicht geben, aber ich bin über ein paar Details gestolpert - Du fragst, ob Du Deinen Mann für den Anderen aufgeben sollst.
Ich finde es immer schlecht (wenn auch verständlich), sich von jemandem "für einen anderen" zu trennen. Eine lange Beziehung von mir war auch lange nicht sicher, und er hat bis zum Schluss nicht verstanden, dass er nicht eine gegen die andere tauschen kann/soll, sondern sich erst GEGEN eine entscheiden muss und DANN wenn beide frei sind, kann man schauen, ob es mit der "anderen" klappt und echt ist oder nur wie ein Áusweg aussah (eine Trennung mit Sicherheitsnetz quasi). Aber ich halte dieses Sicherheitsnetz für trügerisch - ich denke, man sollte das in 2 Schritten gehen, Frage 1) - will ich mich von meinem Mann trennen? und dann erst, wenn Du das bejaht und getan hast, kommt Frage 2) - will ich es mit dem anderen versuchen? Und wenn er das auch will, viel Glück.
Aber der andere Weg ("für ihn trennen") gefällt mir nicht, damit lädst Du auch eine schöne Last auf Mann Nr 2 - denn Du sagst ja im Prinzip, ich trenne mich UM MIT DIR GLÜCKLICH ZU WERDEN .. und wehe, wenn nicht,...
Das andere worüber ich gestolpert bin, dass Dein Mann schlimme Erlebnisse aus der Kindheit hat und Du Dich fragst, ob man denn so verletzt/traurig/... sein kann, dass man ganz passiv wird? Ja, man kann.
Und auch dazu habe ich eigene Erfahrungen, mein Mann hat auch Traumatisierendes in der Kindheit erlebt, und er ist ein sehr liebevoller und zärtlicher Mann, aber bei problmenen und in Trauer wirkt er auch oft wie versteinert, er hat zB seit er 5 Jahre alt ist nicht mehr geweint - seine Stimme geht weg, er hat rote Augen, er quält sich, aber er weint nicht. Auch er hat mir seine schlimmen Erlebnisse erst in einer Krise erzählt, und ich kann dadurch einiges besser einsortieren. Und auch er denkt über psych. Hilfe nach, braucht aber noch ein bisschen Zeit dafür, was für mich ok ist. Ich fand manche Reaktionen auch befremdlich, aber ich denke, ja, es ist möglich, dass jemand wie ein Hund leidet und trotzdem nicht kämpft und nicht weint, sondern still wartet...
Ich muss hier arbeiten, darum lasse ich es bei den beiden Punkten. Wenn Du später weiterschreibst, vielleicht mehr.
Grüße, und klare Gedanken wünsche ich Dir...
Percanta

Beitrag von akleja 28.03.06 - 10:58 Uhr

Hi Silja,

ich kann dir deine Entscheidung in dieser Situation nicht abnehmen - ich habe keine Ahnung, was du tun sollst, denn ich kenne weder deinen Mann noch "den Anderen".

Aber eins kann ich dir sagen, was auch percanta schon gesagt hat: Ja, man kann psychisch so fertig sein, dass man nicht einmal in der Lage ist, einen Finger zu rühren. Da steckt keine böse Absicht dahinter, sondern schlimmstenfalls eine totale innere Leere, die einen vorzugsweise dann überfällt, wenn man mit den Ausmaßen seiner Probleme einfach nicht mehr klarkommt. Um so eine Situation wieder hinzubiegen erfordert es sehr, sehr viel Geduld und Fingerspitzengefühl von allen Beteiligten.

Aus dem Bauch raus würde ich sagen, wenn du deinen Mann noch liebst, bzw ihn zumindest gerne magst und dir vorstellen kannst, viel Kraft in den Wiederaufbau eurer Beziehung zu stecken, dann gib ihm noch eine Chance.

Viel Glück,

Annika

Beitrag von summerangel 28.03.06 - 11:03 Uhr

hallo silja,
für mich hört sich das nach einer handfesten depression bei deinem mann an. da hilft natürlich psychotherapie, aber zuerst sollte er davor einen psychater bzw neurologen aufsuchen, der kann mit medikamenten helfen und weiss auch, wann dein mann für eine therapie bereit ist.
(nach eurere geschichte und seiner traumatischen kindheit wäre das ja auch kein wunder)

zu dem "anderen" glaube ich, dass der "andere" eher flucht für dich ist.

lg
#sonne

Beitrag von sonne1973 28.03.06 - 11:37 Uhr

Liebe Silja,

also erst einmal....ich kann Dich sehr gut verstehen! Bin selbst gerade schwanger und kann erahnen, was für ein Horror das 2004 für Euch war. Schlimmer gehts nicht mehr! Und dann wendet sich Dein Mann auch noch von Dir ab, gerade da wo Du ihn am dringendsten gebraucht hättest. Aber...ich kann auch ihn verstehen. Ihr beide habt einen Schicksalsschlag aufzuarbeiten gehabt, der schwerlich alleine (ohne professionelle Hilfe) aufzuarbeiten ist. Und er sagt ja selbst, er hat das bis heute nicht wirklich getan (da sind die schlimmen Sachen aus seiner eigenen Kindheit wahrscheinlich nur noch das Tüpfelchen auf dem i)

Ich finde es toll von Deinem Mann, dass er offen zugibt, Hilfe zu benötigen und sie auch in Anspruch nehmen will. Das ist ein Zeichen, dass er wirklich um Dich kämpfen will! Und wenn man auf Deiner HP mal nachliest, dann scheint Ihr Euch sehr geliebt zu haben und er Dir auch sehr viel Halt gegeben zu haben. Das würde ich nicht einfach wegwerfen. Du kannst von einem Menschen nicht verlangen, dass er IMMER funktioniert und IMMER Deine Erwartungshaltung erfüllen kann. Der große Schmerz, der in ihm gewütet hat, hat ihn sich distanzieren lassen und ihn sozusagen von Dir weggetrieben. Er konnte einfach nicht mehr Liebe geben...und das glaube ich ihm auch. Männer gehen auch mit der Verarbeitung von Traumata anders um als Frauen und tun sich oft schwerer damit, weil sie das Problem verleugnen wollen statt die Trauer zuzulassen. Wie bist DU denn überhaupt damit fertig geworden?

Und der andere....nun, kennst Du ihn denn überhaupt real oder hast Du ihn über das Internet kennen gelernt? Das geht leider nicht aus Deinem Posting hervor, wäre aber zur Beurteilung wichtig, denn wenn es sich um eine "virtuelle" Bekanntschaft handelt, dann kann es auch sein, dass Du all das, was Dir an Deinem Mann im Moment fehlt in den anderen hineinprojizierst (Zitat: Wenn ich ehrlich bin, all das was mein Mann anfangs auch war) Ich weiß selbst wie schön gefühlvolle E-Mails und Telefonate sein können, v.a. dann, wenn man sich zwei Jahre lang einsam und ungeliebt vorkam. Man lässt sich dann schnell blenden und flüchtet in diese heile rosarote Welt. Aber schau Dir den Mann lieber erst einmal real an und prüfe, was von Deiner Projektion übrig bleibt.

Insgesamt habe ich einfach das Gefühl, dass Du Deinem Mann noch eine Chance geben solltest. Ihr habt soviel durchgemacht, dass es mir nun falsch erscheint, die Beziehung an diesem Punkt aufzugeben.

Sorry, jetzt ist es wieder wahnsinnig lang geworden.

Liebe Grüße & viel Kraft für die richtige Entscheidung!

Andrea

Beitrag von bluehorizon6 28.03.06 - 11:55 Uhr

Du wirst es gar nicht heraus bekommen.

Die Fragen sind alle richtig gestellt, aber Antwort wird es keine geben.

Was immer du entscheiden wirst, ob du bei deinem Mann bleibst, oder den Anderen wählst. Das Ende ist offen. Keiner wird sagen können wo du dein Glück finden wirst.

Es ist einfach nur eine Entscheidung: gehen oder bleiben.

Das einzige was du tun solltest abwägen was zwischen deinem Herzen und deinem Kopf nicht im Einklang ist und sich fragen ob man daran arbeiten kann. Also entweder sich für seinen Mann zu entscheiden mit dem Wissen das da wohl einiges aufgearbeitet werden muss, oder den Blindflug mit dem Neuen zu riskieren und komplett alles hinter sich zu lassen.

Keine leichte Sache, und ich möchte auch nicht in deiner Haut stecken. Aber du wirst die entscheiden müssen.

Nun, das mit dem Psychologen ist natürlich schwer einzuschätzen. Es wundert mich ein wenig, das jetzt wo ihm das Wasser bis zum Hals steht solche Klamotten an den Tag kommen. Es fällt mir schwer zu glauben das da nicht irgendwelchen Signale vorher da waren.

Es ist der Wurm drin. Es hilft meines Erachtens nur eines. Klar Schiff machen und neu aufsetzen, und das ganz bewußt und gewollt.

blueH6

Beitrag von bienchen.2002. 28.03.06 - 11:55 Uhr

Liebe Silja,

fühl dich erst mal #liebdrueck. Ich habe mir gerade deine geschichte und deine wunderschöne Homepage deiner Tochter angesehen.

Ich möchte dir einfach mal meine Meinung dazu schreiben. Ich glaube das es bei deinem Mann sehr viele Sachen gibt, die er noch nicht verarbeitet hat, und deshalb so ist wie er ist. Ihr beide habt den schlimmsten Schicksalsschlag erleidet den es überhaupt nur geben kann. Auf deiner Hp hab ich gelesen das dein Mann die ganze Zeit für dich da war. Er hat versucht dich so gut es geht( in so einer Situation) zu unterstützen und zu beschützen. Du hast mehrfach geschrieben was für ein wundervoller Mensch er ist und das es die Liebe deines Lebens ist. Und genau da fängt es an. Er ist halt auch nur ein Mensch. Ich glaube er hatte garkeine Zeit um alles zu verarbeiten, er wollte für dich da sein und dir bei stehen, das er darüber vergessen hat selber zu verarbeiten. So wie ich das gelesen habe, war er dein halt.

Und jetzt bist du dran. Zeig deinem Mann das du für ihn da bist. Es geht nicht darum wer kommt zu erst auf den anderen zu. Jetzt ist es an der Zeit das du deinem Mann zeigst das du genau ihm genau so zur seite stehen kannst wie er dir. Vorrausgesetzt DU möchtest das überhaupt. Zusammen könnt ihr das schaffen.

Und wenn er deine Hilfe nicht möchte oder es nur eine versprechung war, kannst du immer noch über eine Trennung nach denken.

Mit deinem Mann wird dich immer etwas verbinden. Es ist nie gut den einen für einen anderen zu verlassen. Wenn du deinen mann verlassen willst, dann tue es weil du das möchtest und nicht für jemand anderes. Du brauchst erst mal eine zeit für dich und deine Gedanken. Ein anderer Mann kann am anfang viel schönes reden.

So das ist alles was ich dir schreiben wollte.

Bitte fühl dich durch meine Worte nicht angegriffen.

Fühl dich umarmt.

Lieben Gruss
Bienchen#liebdrueck

Beitrag von lavita1970 28.03.06 - 14:38 Uhr

Hallo Silja,

es kann eine Chance geben.
Ich kann mich allen anderen anschließen, es ist nicht einfach, aber machbar. Wenn dir wirklich noch etwas an deinem Mann liegt, dann versucht es.

Es wird Zeit und Geduld brauchen. Außer der Psychotherapie, die dein Mann machen möchte, wäre vielleicht eine Paarberatung noch sinnvoll.

Ich spreche aus eigener Erfahrung. Uns hat es geholfen.

Alles Gute und viele Grüße,

Christiane

Beitrag von sunny.queen 28.03.06 - 15:16 Uhr

Hallo Ihr Lieben!

Ich danke euch #liebe für eure zahlreichen, schnellen, tröstenden und hilfreichen Antworten. Zum Teil war ich wohl ziemlich verblendet und habe mich nur noch stur auf meine eigene, kleine, verletzte Sichweise beschränkt. Da kam die Bekanntschaft eines neuen Mannes als Fluchtmöglichkeit gerade Recht. Ja, ihr habt allesamt Recht, es wäre vorrangig eine Flucht, aber keine Lösung gewesen. Zumal dieser "Andere" eben nur eine Internetbekanntschaft ist, wir zwar sehr viel gemailt und stundenlang telefoniert haben aber uns nie live gegenüber standen.
Ich habe mir heute ein Herz gefasst und mich bei meinem Mann per SMS gemeldet. Er war so überglücklich und schien nur drauf gewartet zu haben. Er hat direkt bei seinem Hausarzt angerufen, hat jetzt für Do. einen Termin, ich soll auch mitgehen und dann wollen wir uns eingehend beraten lassen, was die beste Lösung (also Psychologe oder Therapie) ist.
Bei all den Problemen die wir hatten habe ich wohl übersehen, dass mein Mann viel schwerer mit seiner Trauer fertig wird als ich. Wie viele von euch gesehen haben, habe ich eine Homepage für unsere Tochter gestaltet - das war mein persönlicher Weg, "Lebewohl" und "Ich liebe dich" zu sagen. Mein Mann hatte eine solche Möglichkeit nicht. Er musste direkt nach einer Woche wieder den Alltag aufnehmen, arbeiten gehen, stark sein, während ich den "Mutterschutz" hatte, Zeit für mich, Zeit für lange Spaziergänge, unzählige Friedhofsbesuche, usw.
Ja, ich glaube - nein, ich weiss sogar - er ist einfach tief im Innern noch längst nicht so weit wie ich!
Und dazu dann noch die Probleme aus seiner Kindheit ...
Das was er mir gestern offenbart hat ist z.T. so krass, dass ich nicht nachvollziehen kann, weshalb er seine Eltern und seine Schwester überhaupt noch anguckt. Er ist wohl immernoch der kleine Junge, der krampfhaft um Liebe heischt.
Ja, ich habe heute nochmal ganz tief in mich hereingehört und ich bin bereit, den Weg mit ihm zu gehen. Ich habe meinen Mann bisher immer für einen Super-Gefühlskalten Macho gehalten. Der toughe, knallharte Geschäftsmann. Ich dachte, all seine Abweisungen mir gegenüber wären Beweise fehlender Liebe.
Aber wenn dem nun doch nicht so ist?! Wenn er tatsächlich "nicht anders konnte"?!
Ja, ich bin bereit für einen Neustart.

LG an euch alle #liebdrueck

Silja

Beitrag von bienchen.2002. 28.03.06 - 16:39 Uhr

Hallo Silja,

als ich deine zeilen gerade gelesen habe, fiel mir echt ein stein vom herzen.#freu

Euch beiden alles liebe und viel Kraft für die schwieige zeit die noch auf euch zu kommen wird.

Lieben Gruß
Bienchen#liebdrueck

Beitrag von mariella70 29.03.06 - 15:36 Uhr

Hallo Silja,
du hast eine sehr gute Entscheidung getroffen, zu der ich dir gratuliere.
Euch steht nun das größte und schwerste Abenteuer bevor, das es im Leben gibt: Ihr werdet einander wirklich kennen und lieben lernen, wobei die Betonung auf "lernen" liegt.
Wärest du zum diesem anderen Mann geflüchtet, hättst du dich doch dahin mitgenommen und irgendwann wären wahrscheinlich dieselben Probleme aufgetaucht.
Ich möchte euch ein Buch empfehlen, hat einen seltsamen Titel, ist aber Balsam für geprüfte und strapazierte Beziehungen: "Liebe dich selbst und es ich egal wen du heiratest" von Eva Maria Zurhorst. Du wirst euch darin wiederfinden und Gedanken, die weiterbringen.
Alles Liebe
Mariella