Trennung ja - aber wie geht es jetzt weiter, vor allem finanziell?

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von ratlos 28.03.06 - 13:33 Uhr

Nach langem Hin und Her habe ich beschlossen, mich von meinem Mann zu trennen. Gründe gibt es viele und die will ich jetzt hier auch gar nicht breit treten.
Fakt ist, daß eine Trennung ein privates Insolvenzverfahren nach sich ziehen wird. Wie geht das? Nehmen die mir dann Alles weg (Fernseher, Computer etc.)?
Desweiteren habe ich keine Ahnung wo ich (außer zum Anwalt) hin muss. Ich selbst bin krank und kann unser Kind und mich nicht selbst ernähren. Das heißt, alles wird wohl auf Sozialhilfe hinauslaufen. Gibt es die noch oder ist das heute alles ALG2??
Wie groß und wie teuer darf eine Wohnung für zwei Personen sein? Was steht uns an Lebensunterhalt zu?
Ich habe niemanden der mir beim eigentlichen Umzug oder einer evtl. Renovierung helfen könnte, springt das Sozialamt dann ein?
Viele Fragen, ich weiß, ich hoffe, daß mir hier jemand helfen kann, denn leider habe ich überhaupt keine Ahnung von so etwas und bin zur Zeit auch ziemlich "wirr" im Kopf.

Vielen Dank!

Beitrag von bluehorizon6 28.03.06 - 14:27 Uhr

Welch weise fragen.

Wenn du ernstens hierauf Antworten brauchst, solltest du dich von einer Fachstelle beraten lassen. Das kann der Anwalt sein. Dort wird dir auch gesagt werden was du alles tun mußt um Hilfe zu bekommen.

Ausserdem sollte es wichtig sein in welcher Gemeinschaft ihr gelebt habt, welche Einkünfte sind vorhanden... das ist nicht einfach so zu beantworten.

Sei sicher wenn du mit Insolvenz anmeldest, dann werden die Dinge gepfändet die nicht zum Standardleben gehören. Mit Sicherheit jedes Luxusgut. Ob da allerdings der PC zu zählt liegt vielleicht daran was du damit machst.

Aber sich zu sorgen das einem der PC und/oder der Fernseher abhanden kommt, dnn ist ja noch genügend Raum für wichtige Gedanken.

BlueH6

Beitrag von ratlos 28.03.06 - 14:35 Uhr

Danke erst einmal für Deine Antwort.

Sicherlich mag es komisch erscheinen, daß ich mir unter anderem Gedanken über den Fernseher oder den PC mache. Das liegt daran, daß diese Dinge fast mein einziger Kontakt zur Außenwelt sind; und das wiederum liegt daran, daß ich ein behindertes Kind habe.

Aber danke der Nachfrage: Auch WICHTIGE Gedanken finden noch Raum!

Beitrag von bluehorizon6 28.03.06 - 14:55 Uhr

Das sagt doch schon eine Menge mehr über dich aus. Und ich entschuldige mich das du in meinem letzten Satz einen Stich gelesen hast. Der war auch so gemeint.

Ich möchte nicht sagen, das ich ahnte dass das was du als Krankheit bezeichnest ernsterer Natur ist. Aber auf der gleichen Seite sich mir die Frage stellt wie du in einer solchen Situation dich trennst ohne im Vorfeld darüber nachgedacht zu haben was da auf dich zukommt.

Handeltes du unter Zwang?

Wenn du ein behindertes Kind zu versorgen hast, dann hast du doch bestimmt einige Berater an der Seite die mit dir und dem Kind zu tun haben. Gibt es da keine Hilfe?

blueH6

Beitrag von ratlos 28.03.06 - 15:01 Uhr

Sicherlich gibt es Therapeuten und Ärzte die mit dem Kind und mir zu tun haben. Nur leider können die mir in meiner derzeitigen Situation nicht wirklich helfen.

Ob ich unter Zwang handele? Ja klar - unter emotionalem Zwang, wenn man es so nennen will. Ich denke, hinter jeder Trennung steht eine Art von "Zwang".

Beitrag von bluehorizon6 28.03.06 - 15:12 Uhr

Ich meinte das eher in der Hinsicht das es zeitlich schnell gehen musste weil irgendwas vorgefallen ist.

Wenn nicht, geht einem ja nicht von heute auf morgen durch den Kopf sich zu trennen, sondern überlegt was man will und dann wie es gehen kann und was dazu erforderlich ist.

BlueH6

Beitrag von ratlos 28.03.06 - 15:19 Uhr

Der Gedanke ist schon sehr lange da. Wir (nein, eigentlich nur ich) haben es immer wieder versucht. Leider ist es auch bei den Versuchen geblieben.
Und mittlerweile habe ich für mich einfach erkannt, daß ich so nicht mehr weiter machen kann. Es zermürbt mich und kostet mich Kraft die ich an anderer Stelle viel dringender brauche. Und genau das ist der Grund, warum es wirklich schnell gehen sollte.

Beitrag von nick71 28.03.06 - 20:16 Uhr

"Aber auf der gleichen Seite sich mir die Frage stellt wie du in einer solchen Situation dich trennst ohne im Vorfeld darüber nachgedacht zu haben was da auf dich zukommt."

Ähm...ich verstehe Deinen Einwand jetzt nicht ganz!? Wie stellst Du Dir das praktisch vor...soll sie etwa bei ihm bleiben, nur weil es ihr danach finanziell evtl. schlecht geht? Ich habe hier schon jede Menge Beiträge gelesen, in denen Frauen genau DAS vorgeworfen wurde. "Wie, Du trennst Dich nur aus finanziellen Gründen nicht?" Das wird den trennungswilligen Frauen doch dann als Ausnutzerei bzw. Berechnung ausgelegt. Aber wie mans macht, ist es ja bekanntlich verkehrt...gelle? ;-)

Beitrag von Betroffene 29.03.06 - 09:29 Uhr

Auf die meisten Fragen kann ich Dir leider nicht antworten.

Was die Insolvenz angeht: den Fernseher wird man Dir nicht wegnehmen (außer Du hast ein Luxusgerät, welches noch für einen sehr guten Preis verkauft werden kann, dann mußt Du einen einfachen TV anschaffen). PC soweit es nicht die allerneueste Technik ist auch nicht. Auch ein Radio/CD steht Dir zum normalen einfachen Leben zu.

In die Insolvenzmasse kommen nur Wertgegenstände, ist ein bißchen auch vom Insolvenzverwalter abhängig, wie der drauf ist. In der Regel wird aus einem normalen Haushalt nichts "rausgeholt".

Beitrag von ratlos 29.03.06 - 09:33 Uhr

Kannst Du mir schildern wie so ein privates Insolvenzverfahren in der Regel abläuft?

Beitrag von Betroffene 29.03.06 - 09:52 Uhr

Ja, ich hab das nämlich leider hinter mir. Nachdem mein Ex mich verlassen und seine Schulden (für die ich gebürgt hab:-[) nicht gezahlt hat, blieb mir nichts anderes übrig.


Ich war bei der Schuldnerberatung. Hatte Glück und mußte nur 4 Wochen auf einen Termin warten. Dort wurden meine sämtlichen Unterlagen (es waren zwei Gläubiger) durchgesehen. Von der Schuldnerberatung habe ich dann ein Formschreiben bekommen, welches ich an die Gläubiger schicken sollte. Darin ging es um eine außergerichtliche Einigung. Es wurde ein Betrag angeboten, den ich zahlen könnte. Die Gläubiger sind darauf nicht eingegangen. Ist wohl meistens so. Dann wurde mir der Insolvenzantrag ausgehändigt, den ich ausfüllen mußte. Da legst Du Deine Fianzen offen. Durch die Schuldnerberatung wurde dann geprüft, ob ich auch alles richtig gemacht habe. Dieser Antrag wurde an das Amtsgericht geschickt. (Ach ja, ich durfte seitdem ich bei der Schuldnerberatung war auch keine Schulden mehr tilgen, sonst greift der Insolvenzantrag nicht, solange noch gezahlt wird).

Der Antrag wird dann vom Gericht geprüft. Die Gläubiger werden angehört ... bis das Insolvenzverfahren abgeschlossen war hat es bei mir 1 Jahr gedauert. Alle Einkünfte, die in dieser Zeit über dem Selbstbehalt liegen gehen mit in die Masse (z.B. auch Steuerrückzahlungen, Nebenkostenrückzahlungen). Vom Amtsgericht wurde ein Insolvenzverwalter bestellt. Diesem mußte ich eine Liste mit meinen Habseligkeiten vorlegen. Ich hab da wirlich alles aufgelistet (Möbel, Küchengeräte usw. mit Alter und etwaigem Kaufpreis). Es kann auch sein daß der InsoVerwalter einen Hausbesuch macht. Außerdem mußte ich sämtliche Versicherungsverträge vorlegen. Dort wurde geprüft ob noch irgendwo Geld rauszuholen wäre. War aber nicht.

Als das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, hat meine Bank übrigens automatisch mein Konto gesperrt. Sowie das Konto allerdings vom Amtsgericht/Insolvenzverwalter freigegeben war, konnte ich wieder über mein Geld verfügen. Für diesen Fall sollte man immer etwas Bargeld im Haus haben, um diese Tage zu überbrücken.

Ich hatte damals unendliche Angst vor der Insolvenz und es ist natürlich auch peinlich. Aber glaube mir, hinterher bist Du erleichtert und es war auch alles nicht so schlimm. Vor allem habe ich jetzt eine Chance auf ein neues Leben. Mit dem Geld was mir zur Verfügung steht komme ich gut hin und muß wirklich keien Not leiden. - Nur auf meinen Ex bin ich stinksauer weil er mich in diese Situation gebracht hat. Ich selber habe aus den Schulden nämlich keierlei Vorteil gezogen.

Wenn ein Termin bei der Schuldnerberatung in nächster Zeit nicht zu haben ist, dann geh zu einem Anwalt. Da Du kein Geld hast, wirst Du Prozesskostenhilfe wahrscheinlich bewilligt bekommen.

Bei den Schuldnerberatungen achte darauf, daß Du nicht an Schwarze Schafe gerätst. Seriöse Schuldnerberatungen arbeiten grundsätzlich kostenfrei. Ich war bei einer Schuldnerberatung der Diakonie.

Viel Glück und alles Gute für Dich!

Beitrag von ratlos 29.03.06 - 09:56 Uhr

Ich danke Dir!! Du hast mir sehr geholfen. Jetzt weiß ich wenigstens so ungefähr was auf mich bzw. uns zukommen wird.